Wer nur erfundene Probleme lösen will …

Kleine Summen summieren sich auch, aber war das erbärmliche Schauspiel von CDU und CSU es wirklich wert, obwohl es um höchsten mal 5 Menschen am Tag geht?

Man kann mir viele Dinge vorwerfen, aber höchstwahrscheinlich keinerlei Sympathien für Christian Lindner und seine FDP. Aber im Grunde hat es im Bundestag heute kaum einer besser auf den Punkt gebracht.

Das Trauerspiel mit Angela Merkel und Horst Seehofer in den Hauptrollen war sicherlich ein großes Geschenk an die Opposition, selten musste man sich so wenig Mühe geben den Finger tief in die schmerzende Wunde zu legen. Schließlich hat selten bis nie eine Bundesregierung ein derart beschämendes Bild von sich abgegeben. 

Was heute denn auch einsetzte war gewissermaßen die Ankunft der harten Worte auch bei den etablierten Parteien. Denn auch bei den Sozialdemokraten, die gewissermaßen jetzt den Schwarzen Peter in der Frage der Asylpolitik haben ist man gelinde gesagt ein wenig verschnupft:

Wie entsetzt, verärgert, wütend die Sozialdemokraten über Horst Seehofer (CSU) sind, daraus macht einer ihrer führenden Köpfe keinen Hehl. „Wir überlegen noch“, sagt dieser Mann, der für verbale Rüpeleien eher wenig bekannt ist, am Dienstagabend, „wie wir dem Seehofer am besten eins in die Fresse geben können.“

welt.de

Und auch wenn ich eigentlich eher für den sachlichen, anständigen Umgang in der Politik bin, ich bin hier doch geneigt den Sozialdemokraten recht viel Erfolg beim Projekt „Horst quälen“ zu wünschen. Es mag sein, das Horst Seehofer ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch ein Spielball der Akteure Dobrindt und Söder gewesen sein mag, ein Mann von Anstand und Haltung hätte zumindest sagen können, ich mache das nicht mit! Hat Seehofer allerdings nicht, Haltung zeigen war bekanntlich nie so sein Ding. Sein Fähnchen im Sinne des eigenen Egos und der Machterhaltung in den wechselnden Wind zu halten, da war er immer schon gut. Deshalb beschäftigen wir uns ja auch schon über Jahrzehnte mit einem an sich eher mittelmäßigen politischen Charakter. So braucht auch niemand wirklich Mitleid für ihn zu empfinden, er hatte mehr als eine Chance mit erhobenem Haupte aus der Politik auszuscheiden. Verstreichen ließ er sie alle.

Vorbei ist der Streit auch in der Union noch lange nicht. Im Norden ließ sich Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und der neue Anti-Söder, bei frenetischem Applaus der eigenen Koalition und der SPD für seine Abrechnung mit der CSU feiern. Das einzige was die oppositionelle SPD dort geärgert haben dürfte, wäre die Tatsache, wie schwer es war diese Abrechnung noch zu übertreffen.

Während Angela Merkel und Horst Seehofer betont vergesslich zur Tagesordnung übergehen, ist der angerichtete Schaden für viele noch offensichtlich. Das Horst Seehofer inzwischen so weit von der Realität entfernt ist, dass es seinem Ego leicht fällt ihm einzureden, er sei der Sieger und der Kampf sei es wert gewesen, dürfte niemanden überraschen. Wie schnell Angela Merkel allerdings darüber hinweggeht, dann doch. Sie müsste an sich wissen, das eine Reaktion stets zur Gegenreaktion führt und das katastrophale Entscheidungen ebenso wenig ihre Wirkung verlieren, wie Energie nicht verschwinden kann. Eine Antwort auf die Frage, warum sie Horst Seehofer nicht entlassen hat, bleibt sie im Interview mit der ARD schuldig. Am Ende weiß natürlich niemand, was in ihrem Kopf vor sich geht. Ist es eine ebenso große Gier zur Macht, wie bei ihrem Kontrahenten? Oder doch die Fähigkeit zwischen persönlichen Anfeindungen und Regierungsfähigkeit konsequent zu trennen? Man ist gewillt, letzteres anzunehmen. Was die Sache allerdings nicht besser macht, denn die Angriffe galten letztlich nicht nur Angela Merkel, sondern auch der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Und jemand, der auch nur entfernt glaubt dieses Amtes würdig zu sein, hätte anders handeln müssen.

Deutschland, das einst für seine der Obrigkeit gegenüber folgsamen Bürger verschrien war, mag spätestens seit der Zermürbung alter Werte durch die 1968er ins Gegenteil verkommen sein. Aber auch wenn wir uns in einer Demokratie in regelmäßigen Abständen unsere Anführer selbst wählen, so sind es dennoch Anführer und mitunter ist es auch deren Aufgabe, dass man zu ihnen aufschauen kann. Aber wer fühlt sich schon gut geführt von einer Frau, die entweder keine Selbstachtung besitzt oder sie gar nicht besitzen möchte. Einst bekannt als mächtigste Politikerin der Welt, ist Merkel heute kaum mehr als ein williges Erpressungsopfer irrationaler Provinzpolitikern aus Bayern.

Deutschland steht gut da, aber man muss kein Untergangsprophet sein, um zu wissen das in diesem Satz ein dickes fettes „noch“ fehlt. Wir haben in den letzten zwei Wochen über eine Maßnahme gestritten, deren Grundlage 5 – in Worten FÜNF – Menschen am Tag sind, die die deutsche Grenze überqueren und bereits in einem anderen EU-Land Asyl beantragt haben. Unterdessen schicken wir unsere Kinder in Schulen, deren Gebäude marode und Lehrsysteme idiotisch sind. Das weiß auch jeder, nur ändern wir es nicht. Unser Straßen sind voll Schlaglöcher und die Internetverbindung kann mit einer ganzen Reihe 2. Welt-Länder nicht mehr mithalten. In vielen Städten werden die Wohnungen für Normalverdiener unerschwinglich, wobei Normalverdiener bald schon heißen wird, das mindestens ein Job zusätzlich her muss. Unser Rentensystem ist ein schlechter Scherz. Die am Existenzminimum vegetierenden alten Menschen haben allerdings noch die Möglichkeit sich in den Mülleimern der Republik mit Flaschenpfand etwas hinzuzuverdienen, den kommenden Rentengenerationen wird das nicht mehr reichen. Nicht nur DieMannschaft ist so vollgefressen und berauscht von sich selbst, dass sie den Willen zum Sieg verloren hat. Dieses Land ist so vollgefressen, das es den Abgrund da vorn irgendwie schon sieht, aber nicht willens ist den Kurs zu wechseln.

Dieses Land braucht dringender als je zuvor eine verantwortungsbewusste Führung. Männer und Frauen, die in die Politik gegangen sind, um etwas für die Bevölkerung zu tun, nicht um möglichst oft wiedergewählt zu werden, um sich an ihren Posten zu berauschen. Das der Anteil der Menschen wächst, die sich eine Führung der etwas anderen Art wünschen, ist da wenig verwunderlich. Man kann es ihnen angesichts der Tatsache, wie kleinkariert und unfähig die politische Kaste geworden ist, wahrscheinlich nicht mal wirklich verübeln. 

Deutschland befindet sich gerade in einer Phase, in der es deutlich vor Augen geführt bekommt, dass eine Kehrtwende dringend nötig ist. Das die wirklichen Probleme dieses Landes angepackt und gelöst werden müssen, was immer noch im Rahmen des Möglichen ist. Stattdessen werden nicht vorhandene Probleme plötzlich zu Schicksalsfragen erklärt, und am Ende werden aller Wahrscheinlichkeit nicht mal diese gelöst. Und was soll man von Politikern halten, die ihre Problem selbst erfinden, aber sie nicht lösen können?

Die Zeit drängt! Wir brauchen einen Wechsel, sofort! Meinetwegen nennen wir es wieder „geistig-moralische Wende“, oder so in die Richtung. Aber wir brauchen diese Wende, morgen könnte es schon zu spät sein!

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