Was macht eigentlich Svetlana Boginskaya?

Neulich klicke ich mich mal wieder gelangweilt bei Ebay durch, und worauf stoße ich? Auf ein Autogramm von Svetlana Boginskaya.

Nun, wenn man nicht gerade ein ausgewiesener Anhänger des Kunstturnens ist, wird einem dieser Name wahrscheinlich nicht besonders viel sagen. Und ich gebe zu, meine eigene Sportbegeisterung für das Turnen hat heute dann auch ein wenig nachgelassen. Doch damals, als man die Jahreszahlen noch mit 19.. begonnen hat, war das ein wenig anders. Und damals war Svetlana Boginskaya eine ganze Zeit lang so etwas wie das Maß aller Dinge im Frauenturnen.

Oder viel mehr, eigentlich war sie eine ganze Zeit lang eigentlich die einzige Frau im Frauenturnen.

Denn während die Herren tatsächlich eine längere Karriere in diesem Sport haben, ist in der weiblichen Variante für die meisten Turnerinnen spätestens mit 20 die sportliche Laufbahn beendet. Das war damals schon so und ist heute wahrscheinlich nicht viel anders. Wie alle Entwicklungen wahrscheinlich sogar noch ein wenig extremer.

Svetlana Boginskaya begann ihre sportliche Karriere noch im Ausbildungssystem der alten Sowjetunion, worum man sie bei allem sportlichen Erfolg wahrscheinlich nicht sonderlich beneiden muss. Während bei uns Sportler mit etwas Glück bei der Bundeswehr landen, um neben ihrem Sport eine berufliche Laufbahn zu haben, die sich mit eben jenem verbinden lässt, war das Aushängeschild Sportler in den ehemaligen kommunistischen Staaten ein ganz eigenes Ding. Nach außen sollte man für den Kommunismus siegen und lächeln, nach innen herrschte Drill und (erzwungene) Opfergaben für den Sport.


Die Erfolgsbilanz von Svetlana Boginskaya:

Olympische Spiele
1988 in Seoul: Gold mit der Mannschaft & Sprung, Silber am Boden, Bronze im Mehrkampf
1992 in Barcelona: Gold mit der Mannschaft
Weltmeisterschaften
1987: Silber mit der Mannschaft und am Schwebebalken
1989: Gold mit der Mannschaft, im Mehrkampf und am Boden
1991: Gold mit der Mannschaft, am Schwebebalken, Silber im Mehrkampf
1992: Silber am Sprung
Europameisterschaften
1989: Gold im Mehrkampf, beim Sprung und am Boden
1990: Gold im Mehrkampf, beim Sprung, am Boden, Schwebebalken und Stufenbarren
1992: Gold am Stufenbarren
1996: Silber im Mehrkampf

Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion startete sie die letzten Jahre für das unabhängig gewordene Weißrussland, das selbst heute noch kein wirkliches Musterland der Demokratie ist und gegen dessen Präsident Wladimir Putin wahrscheinlich tatsächlich der „lupenreine Demokrat“ ist, als den ihn Ex-Kanzler Schröder bezeichnet. Für eben dieses Weißrussland trat sie 1996 dann auch noch einmal zu ihren dritten Olympischen Spielen an, konnte dort aber keine vorderen Platzierungen holen. Schon damals wurde sie mit ihren sagenhaften 23 Jahren als „Turn-Oma“ bezeichnet, natürlich aber nicht despektierlich.

Danach beendete Svetlana Boginskaya ihre aktive Laufbahn. Heute soll sie neben einem Sportausstattungsgeschäft auch öfter in der Pizzeria ihres Mannes in Texas anzutreffen sein. Ist dem Turnen aber auch noch erhalten geblieben, als Inhaberin und Organisatorin des Olympia Gymnastic Camps, bei dem ehemalige Spitzenturnerinnen den Nachwuchs einladen. Ein neueres Interview findet sich zum Beispiel hier, aufgenommen 2015 bei einer Turnveranstaltung in Cottbus:

Was von Svetlana Boginskaya in Erinnerung bleibt, sind vor allem ihre sensationell sportlichen Leistungen, aber eben auch ihre elegante Ausstrahlung und gegen Ende ihrer Karriere auch ihre frauliche Ausstrahlung, mit der sie sich gegenüber ihren Konkurrentinnen abhob.

Und, ach ja, das Autogramm habe ich natürlich gleich gekauft. Es hängt jetzt an meiner Wand. 🙂

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