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Was ist eigentlich der Witz an „Game of Thrones“?

11. August 2017

Yep, die letzte Folge von Game of Thrones war wieder mal der Hammer – und das nicht nur wegen der Vorgeschichte außerhalb der Folgen. Immerhin hatte der Sender HBO reichlich Probleme am Hals, weil es Hacker auf ihn abgesehen hatten. Das die Folgen der Serie gleich nach der Erstausstrahlung die Top-Position bei den illegalen Download-Charts erreichen, daran hatte man sich bei dem US-Pay-TV-Sender schon gewöhnt, und man munkelte schon insgeheim, dass HBO das als Marketingmaßnahme hinnahm, aber die 4. Folge der 7. Staffel fand sich in den diversen Portalen diesmal schon Tage vor der eigentlichen Ausstrahlung.

Wahrscheinlich hätte man auch das noch verschmerzen können, aber da es sich wohl um zwei voneinander unabhängige Hacks gehandelt hat, sah der Sender sich plötzlich einer Erpressung gegenüber. Und wie zum Beweis was man in der Hand hat, veröffentlichten die Hacker zum Beispiel die privaten Kontaktdaten der Serienstars.

Aber was macht die Faszination von Game of Thrones jetzt aus? Warum fiebern Millionen weltweit auf jede neue Staffel hin? Warum geben stets klamme Leute wie ich sogar kostbares Geld aus, um die neuen Folgen lange vor der Free-TV-Ausstrahlung auf der XBox zu streamen?

Ich glaube an dieser Stelle ja schon einmal erwähnt zu haben, dass mein ganz persönliches Fansein sozusagen einen zweiten Anlauf brauchte. Die Serie wurde mir schon mal von einem guten Freund angetragen, aber damals kam ich über die ersten zwei, drei Folgen nicht wirklich hinaus. Und ehrlich gesagt, auch heute würde ich die erste Staffel nicht unbedingt zu den Höhepunkten der Serie zählen. Aber irgendwann kam ein zweiter Anlauf und seit dem habe ich keine Folge verpasst und beteilige mich munter an den Gedankenspielen, wer denn am Ende auf dem eisernen Thron Platz nehmen wird. Und das ist durchaus nicht leicht, denn wer die Serie kennt, der weiß auch dass man dort keinerlei Bedenken hat selbst die große Favoritin Daenerys Targaryen noch im letzten Augenblick scheitern zu lassen. Auch diese Unvorhersehbarkeit macht mit den Reiz von Game of Thrones aus. Ich meine, wer hätte nicht Robb Stark auf dem eisernen Thron gesehen, hätte es da nicht die rote Hochzeit gegeben.

Viel Gewalt, aber gar nicht so viel Sex

Und Blut floss in dieser Episode reichlich, wie ganz generell in der Serie, die auch schon mal mit den Etiketten „Blut“ & „Sex“ abgestempelt wird. Das es sich hierzulande bei den Kritikern um Nicht-Seher handeln dürfte, zeigt sich beim Thema Sex recht deutlich. Denn unter uns, für europäische Verhältnisse gibt es in Game of Thrones gar nicht so furchtbar viele Sexszenen. Das man die Serie in den USA dagegen nur verschlüsselt zu sehen bekommt, ist verständlich. Aber es heißt ebene auch, dass dort ein auf die amerikanischen Verhältnisse gemünzte Argumentation 1 zu 1 auf den deutschen Markt übertragen wurde.

Was die Gewalt angeht, kann man jedoch ruhig sagen: Ja, doch, gibt es schon reichlich. Wobei auch die Macher der Serie, und dabei muss man auch immer den Schöpfer der Bücher George R. R. Martin mitdenken, sehr gut wissen das blutige Schlachtszenen das eine sind, aber die Grausamkeiten einzelner Figuren den Zuseher um einiges mehr das Blut gefrieren zu lassen. Man denke nur an Ramsey Bolton, der zur Sicherung seiner Macht seine Stiefmutter samt des neugeborenen Bruders entledigte, in dem er sie von seinen Hunden zerfleischen ließ. Und da ich hier ja schon Spoiler nach Spoiler setze, ein Schicksal, das ihm dann selbst ereilte. Grausam ja, aber eben grausam gerecht.

Ein weiterer Faktor, der zumindest für mich sehr reizvoll ist, sind auch die historischen Ereignisse, die für so manches Pate standen. Wer denkt bei der roten Hochzeit zum Beispiel nicht an die Bartholomäusnacht in Paris, die auch als Bluthochzeit in die Geschichte einging. Und auch so manch andere Grausamkeit erinnert uns daran, dass so manche Grausamkeit in der Serie keine reine Erfindung von Menschen ist, die uns gruseln wollen, sondern von Leuten, die im Geschichtsunterricht oft recht gut aufgepasst haben.

Auf den Richtigen zu setzen ist schwer

Es sind aber natürlich auch die unzähligen Charaktere, die es jedem ermöglichen sich mit irgendeiner Figur zu identifizieren. Was auf der anderen Seite aber auch nicht ganz ungefährlich ist, weil auch so manch Sympathieträger schneller als gedacht das Zeitliche segnet. Oder erst im Nachhinein zum Sympathieträger wird, wie etwa Jamie Lennister, der als Königsmörder eingeführt wird und gleich zu Beginn der Serie ein kleines Kind in die Tiefe stürzt, das ihn beim Sex mit seiner Zwillingsschwester ertappt hat. Der perfekte Schurke, der sich aber im Laufe der Serie zu einem Mann entwickelt, der aus Überzeugung für die falsche Sache kämpft, aber irgendwie das Gefühl vermittelt, eigentlich kein schlechter Kerl zu sein. Es sind Reifeprozesse wie dieser, oder etwa auch jener von Sansa von der zickigen Göre zu wahren Frau des Nordens, die in der auf acht Staffeln angelegten Serie den Zuschauer am Bildschirm halten.

Regelrechte Fangemeinden haben sich aber auch um Nebenfiguren gebildet. Etwa um Jorah Mormont, der zuerst aus dem Norden und dann von seiner geliebten Königin Daenerys verstoßen wird – und bei dem die Fans nach jeder Staffel stolz verkünden, hah, wer ist immer noch am Leben?! Oder eine weitere Mormont, Lyanna, die als Kind an die Spitze ihres Hauses kam und gleich nach ihrem ersten patenten Auftritt eine derartige Fangemeinde bekam, dass nicht nur ich sie am liebsten auf dem eisernen Thron sehen würde.

Das Universum um die Serie stimmt

Letztlich ist es aber heute natürlich nicht nur die Geschichte, die Figuren oder die Schauspieler, die eine Serie zum eigenen Universum werden lassen, sondern auch das ganze drum herum. Für echte Fans gibt es alles, also wirklich alles, was das Herz begehrt. Von den Schwertern bis zur Kaffeetasse, von Büchern die die Welt in der die Geschichte spielt erklären, über Kochbücher bis hin zu Malbüchern. Man mag es den Machern nicht verübeln, denn auch wenn man bei den Special Effects geschickt zu sparen weiß, die imposanten Schlachtszenen dürften in TV Serien ihresgleichen suchen. Da ist man optisch durchaus schon auf Herr der Ringe-Niveau.

Aber wie Herr der Ringe hat auch Game of Thrones ein vorprogrammiertes Ende, wie immer es auch ausgehen mag. Ich bin da immer zweigeteilt. Auf der einen Seite könnte ich noch ein halbes Dutzend Staffeln vertragen, statt die Gewissheit zu haben gerade die vorletzte zu sehen, auf der anderen Seite ist die Serie einfach viel zu gut um irgendwann sang- und klanglos unterzugehen. Insofern sehe ich auch die zahlreichen Spinoffs kritisch, die jetzt im Gespräch sind und der Serie vielleicht folgen werden. Wobei man natürlich einwenden kann, dass allein jene Handlungsstränge, die in den Büchern vorhanden sind, es aber nicht in die Serie geschafft haben, dafür viel Material liefern.

A pro pros, das sich Bücher und Serie unterschiedlich entwickeln ist vielleicht noch ein weiterer interessanter Punkt. Inzwischen gibt es zahlreiche Figuren in der Serie, die in den Büchern längst tot sind – noch zahlreicher ist allerdings der umgekehrte Fall. Die Serienmacher wollen vielleicht doch mehr schocken als George R. R. Martin. Aber eines ist an der Sache besonders interessant, das Ende nämlich. Denn wenn sich Martin nicht ab sofort die Nächte um die Ohren schlägt und eine Seite nach der anderen abtippt, dann wird die Serie am Ende entscheiden, wer auf dem eisernen Thron sitzt und nicht der Autor, der all dies erdacht hat.