Deutsche können Bier brauen. Sie konnten mal Autos bauen und Fußball spielen. Aber eines konnten sie nie, Fremde integrieren.

Seien wir ehrlich, so richtig Zuwanderer integrieren ist nicht gerade eine deutsche Fähigkeit. Hunderttausende Gastarbeiter kamen ins Land, wir haben es ihnen selbst überlassen, ob sie sich integrieren wollen oder nicht. Nach der Wende kamen die Russlanddeutschen, seitdem gibt es Straßen, in denen man mit Russisch besser vorankommt und in den Supermärkten ein ausuferndes Angebot an russischen Lebensmitteln. Wenn die Hälfte der Türken in Deutschland Erdogan wählt und ein Menge Russlanddeutscher Russia Today für eine seriöse Nachrichtenquelle hält, darf man es ruhig laut sagen: Integration misslungen!

Und mit was? Mit Recht? Kauen wir doch noch einmal den Fall Mesut Özil durch. In der Welt war letzte Woche ein Interview mit Identitätsforscher Ulrich Schmidt-Denter zu lesen, in dem er auf einen interessanten und allzu vielsagenden Punkt hinwies. 

Es ist nur logisch, dass sich viele Migranten kaum mit Deutschland identifizieren, schließlich leben die Deutschen ihnen das doch vor. Die Reserviertheit gegenüber Bindungen an das eigene Land ist öffentlicher Stil in Deutschland. Migranten passen sich daran an. Meiner Meinung nach ist das fatal.

Quelle: welt kompakt, 27.07.2018

Ein treffender Punkt. Wie soll sich ein in Deutschland aufgewachsener Mesut mit seiner Heimat identifizieren, gar deren Nationalhymne singen? Wer außerhalb einer EM oder WM eine schwarz-rot-goldene Flagge, immerhin die Farben der Demokratie, zeigt, kann die Uhr danach stellen, bis sich jemand darüber aufregt, als hätte er die Reichskriegsflagge gehisst. Patriotismus wird mit Nationalismus in einen Topf geworfen, wenn man es mit dem Mainstream zu tun bekommt. Einen Schritt weiter ist ein deutscher Patriot gleich ein Faschist. 

Nachdem Frankreich den WM-Titel geholt hatte, erklärte der Spieler Antoine Griesmann, heute müsse man stolz sein, ein Franzose zu sein. Man stelle sich vor, Thomas Müller hätte das in Brasilien gesagt. Man hätte die Hitlerbärtchen gar nicht zählen können, die man ihm bei Twitter und Facebook verpasst hätte. „Ich bin stolz Deutscher zu sein“ hat in unserem Land ungefähr die gleiche Bedeutung wie, „Ich zerstückle kleine Kinder und fresse sie dann auf“. Im besten Fall bekommt man noch eine ermüdende Diskussion darüber, dass man doch Deutscher per Zufall sei, und überhaupt auf ein Land nicht stolz sein könne. Umgekehrt erzeugen Sätze wie „Nie wieder Deutschland“ oder „Deutschland verrecke“ ein Schulterzucken und bei vielen Linken zustimmendes Kopfnicken. 

Niemand will Patriotismus erzwingen, und jeder sollte versuchen Nationalismus zu verhindern, aber die momentane Beziehung der Deutschen zu ihrem eigenen Land ist gelinde gesagt ungesund. Eine Beziehungstherapie wäre durchaus angebracht, sonst wird das Land irgendwann zwischen der linken „Nie wieder Deutschland“-Fraktion und der rechten „Deutschland über alles“-Fraktion zerrieben. Das kann ja auch nicht wirklich das Ziel sein, oder? 

Aber was werfe ich überhaupt den ersten Stein? Wenn mich jemand nach meinen patriotischen Gefühlen für Deutschland fragt, bekommt er meist ein seufzendes „Ich vermisse Preußen“ zu hören. Aber wer kann schon in der Vergangenheit leben bzw. können tun es viele, aber ich zähle mich dann lieber nicht zu jenen. Zurück zum Thema …

Wir haben also Migranten die aus Ländern kommen, die ein gesundes bis übertriebenes Verhältnis zur eigenen Nation haben. Die Menschen kommen hier an, sehen sich in ihrem neuen Land um, und finden heraus, dass die Deutschen Deutschland irgendwie blöd finden und lieber in einer übergroßen Verwaltungseinheit leben würden, die notwendigerweise halt irgendeinen Namen haben muss. Wer dagegen offen bekannt sein Land zu lieben, wird gleich als Nazi abgestempelt. Und mal ehrlich, würde man sich als Türke nicht komisch vorkommen, plötzlich ein Nazi zu sein. 

Niemand will ernsthaft Alexander Gauland und seinem „Fliegenschiss“ zustimmen, wir wissen alle wie er das wirklich gemeint hat. Aber das aus der Verantwortung, die uns aufgrund der Nationalsozialisten aufgetragen wurde, eine beständige Selbstkasteiung geworden ist, ist einer der Gründe für die oben erwähnte Notwendigkeit einer Therapie. Es ist im Übrigen auch der falsche Weg dieser Verantwortung gerecht zu werden, oder wie ließe sich sonst erklären, dass sich die Deutschen wahnhaft selbst den Rücken blutig geißeln, während quasi ungestraft der Antisemitismus gefühlt jeden Tag wächst und wächst? 

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