Wenn man sich kurz vor der Bundestagswahl die alten und die neuen Medien so ansieht, scheint es nur eine Sorte Mensch zu geben, die noch schlimmer ist als ein AfD-Wähler: der Nicht-Wähler!

Ja, nee, is‘ klar. Aber was ist eigentlich so schlimm am nicht wählen gehen? Das einzige Argument dafür scheint ja die Stärkung der AfD zu sein, also es sei denn man wählt dann AfD, dann dreht sich das Argument im Kreis. Das ist nicht ganz falsch, aber ehrlich gesagt, nach diesem Wahlk(r)ampf haben die wenigsten Parteien es überhaupt verdient eine Stimme zu bekommen. Insgeheim hofft man ja noch immer, das bis zur Schließung der Wahlkabinen die Russen doch noch ein bisschen Stimmung in die Bude bringen. Nachrichten wie „Merkel quält Katzenbabys“ oder „Martin Schulz ist in Wahrheit ein von Sarah Wagenknecht gesteuerter Roboter“. Viel unglaubwürdiger als der sonstige Quatsch auf Sputnik oder bei RT wäre das jetzt auch nicht wirklich.

Gott sei dank gibt es wenigstens die AfD, da gibt es wenigstens noch Deppen über die man sich aufregen kann. Ein Alexander Gauland, der beim Lügen erwischt wurde, weil er behauptete die Pfeifkonzerte gegen Angela Merkel seien nicht von der AfD geplant. Dumm nur, dass die AfD munter bei Facebook Bilder von den organisierten Bustouren postet. Oder Alice Weidel, die in einer 40-minütigen Rede erklärt, dass sie aufgrund ihrer Homosexualität in der AfD ist – okay?

Aber das ganze löst immer noch nicht mein Problem. Ich hatte im verlinkten Artikel ja ausgearbeitet, welche Probleme man so als bürgerlich Konservativer in Bayern hat. Zu christlich um die CSU zu wählen, zu angewidert um der AfD eine Stimme zu geben. Die Tendenz ging in Richtung ödp, aber ich will jetzt auch niemanden wählen, der Globuli für wirksame Medizin hält. In Bayern blieben dann zumindest noch die Freien Wähler, wenn man kein Kommunist ist, kann man die irgendwie immer wählen, denn außer für kommunistische Ideen stehen die Freien Wähler für so ziemlich alles. So ziemlich alles ist jetzt aber auch nicht so wirklich toll, oder?

Vielleicht sollte ich ja die Herangehensweise ändern. Statt einer Partei die Stimme zu geben, mit der man am meisten übereinstimmt, einfach mal taktisch wählen. Das würde allerdings bedeuten, dass ich hier gegen den Liberalismus anschreibe und morgen der FDP meine Stimme gebe. Denn wenn wir nochmal auf den Punkt von oben zurückkommen, nichts schadet der AfD mehr als die Freien Demokraten zu wählen. Ist doch der Kampf um den dritten Platz – und seien wir ehrlich, dieser ist gleichbedeutend mit dem Kampf um die Oppositionsführerschaft – so ziemlich das einzige, was am Bundestagswahlkampf 2017 zumindest noch ein bisschen spannend ist. Denn am Ende sind morgen nicht wirklich Bundestagswahlen, sondern wir bestätigen Angela Merkel in ihrem Amt. Und die große Koalition letztlich das wahrscheinlichste Ergebnis. Bei aller Sympathie für Angela Merkel, ein wirklich gutes Zeugnis stellt dieses vorhersehbare Ergebnis für den deutschen Wähler nicht gerade aus. Es ist mehr ein Ausdruck davon, dass Konrad Adenauer uns mit „Keine Experimente“ das inoffizielle Staatsmotto Deutschlands hinterlassen hat. Einen Gefallen hat uns der Alte damit wohl allerdings nicht getan …

Was bleibt also?

  • Egal was ich morgen wähle, Angela Merkel bleibt im Amt.
  • Eine Stimme für die AfD ist eine Stimme gegen Deutschland!
  • Die FDP ist wieder wählbar geworden.
  • Der moralische Zwang zur Wahl zu gehen ist so groß wie nie zuvor.

… treten diese lustigen Yogis dieses Jahr eigentlich wieder an. Ihr wisst schon, die die im Schneidersitz durch die Luft gehüpft sind.

1 comment on “Und ich weiß immer noch nicht, wen ich wählen soll!”

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