Und das Problem heißt eben doch Sachsen

Ganz ehrlich, ich hab ja früher schon gesagt, dass wir über dieses Demokratiedingens lieber nochmal abstimmen sollten. Und wenn ich mir so die Demokratievorstellungen in den östlicheren Teilen unseres Landes ansehe, dann kann diese Demokratie doch eigentlich nix Gutes sein, oder?

„Eindeutig direkte Demokratie, die hier abläuft.“

Posted by DIE WELT on Dienstag, 23. Februar 2016

 

Aber jetzt mal den bitteren Spaß beiseite, hören die sich eigentlich selbst zu, wenn die so was verzapfen? Ich meine, wer sagt sowas im vollen Ernst? Da fällt es doch recht schwer den Zweifeln von CDU-Vize Armin Laschet nicht zu folgen, wonach die Integration mancher Deutscher in die hiesige Leitkultur nicht wirklich funktioniert hat. Natürlich ist es auch hier wieder nur eine Minderheit, die besonders lautstark auf sich aufmerksam macht. Natürlich sind nicht alle Sachsen so. Und natürlich gibt es rechtsextreme Straftaten in jedem anderen Bundesland auch. Aber wir tun uns genauso wenig einen Gefallen, wenn wir diese Relativierungsgründe zum Anlass nehmen die spezifische Lage – und die ist in diesem Teil der Republik nun einmal so – einfach zu ignorieren. Und wer beispielsweise etwas weiter nördlich nach Brandenburg sieht, der erkennt auch, dass der Brennpunkt völkisch-nationaler Gesinnung sich offenbar eben doch in Sachsen gebildet hat.

Das Teile der Bevölkerung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft nicht angekommen sind, übrigens gerade jene Generation nicht, die nach der Wende aufgewachsen ist, lässt sich nicht weiter abstreiten. Das gilt, und deshalb ist das Problem dort auch noch ein bisschen größer, auch für jene Teile der Gesellschaft, die sich den Verbrechern und grölenden Asozialen, die sich in Clausnitz und Bautzen gezeigt haben, entgegenstellen. Ein bürgerlicher Protest findet bestenfalls noch in Dresden statt, aber ansonsten sind Menschen, die sich dem irrationalen Hass entgegenstellen allein auf weiter Flur. Oft sind es gar nur noch Antifaschisten, deren Demokratieverständnis man auch zu Recht in Zweifel ziehen kann. Der Atmosphäre ist das alles andere als förderlich. Als wertkonservativer Christ und Preuße aus Überzeugung war ich nie ein Fan von „XYZ ist bunt“-Veranstaltungen, weil ich die Lage als noch nicht so schlimm einschätze, dass wir den Teufel mit dem Beelzebub austreiben müssen. Das aber in manchen Landstrichen Deutschlands die viel gerühmte Zivilgesellschaft so gar nicht vorhanden scheint, erschreckt mich doch sehr.

Das alles muss doch Gründe haben. Gründe im Sinne von, da kann man etwas angehen und dagegen machen, nicht im Sinne von Relativierungen oder gar Entschuldigungen für ein solches Verhalten. Denn entschuldbar sind die Vorgänge von Clausnitz und Bautzen auf keinen Fall, ebenso wenig wie der Beifall von Seiten Pegidas, die Relativierungen aus den Reihen der AfD oder die peinlichen „Ja, aber“-Kommentare in Publikationen wie der „Jungen Freiheit“ und teilweise auch von Steigbügelhaltern der Neurechten, die ihre marktliberale Gesinnung verlogen das Label „konservativ“ geben. Weder Perspektivlosigkeit in ländlichen Gebieten noch eine zu 80 % gelungene Entchristlichung Sachsens rechtfertigt irgendetwas, erklärt aber durchaus das ein oder andere Verhaltensmuster. Und genau diese Verhaltensmuster werden wir nicht ändern können, wenn wir uns weigern Probleme auch beim Namen zu nennen. Bringen wir es doch sarkastisch-ironisch in der Sprache der Neuen Rechten auf den Punkt: Wenn wir aus falsch verstandener politischer Korrektheit jetzt so tun, als wäre das rechtsextremistische Problem in Sachsen nur halb so schlimm, werden wir es nicht lösen können.