Türkei: Das Versagen der deutschen Diplomaten!

Stell dir vor 11 deutsche Staatsbürger werden als Geiseln eines autokratischen Präsidenten gehalten, und die deutsche Politik interessiert sich einen Scheiß dafür. Muss man sich nicht vorstellen, ist gerade in der Türkei der Fall.

Vertagt, auf den 18. Dezember, so lautete das einzige Ergebnis der ersten Verhandlung gegen die deutsche Journalistin Mesale Tolu. Sie bleibt unterdessen mit ihrem dreijährigen Sohn in einem Istanbuler Frauengefängnis. Eine Bundestagsabgeordnete wohnte dem Prozess bei, diplomatische Vertretungen dem Vernehmen nach nicht. Deren Anwesenheit wäre wahrscheinlich auch das falsche Signal gewesen, schließlich setzt Berlin alles auf eine Karte: Nichtstun

Ganz ehrlich, ich möchte im Ausland nicht hinter Gittern landen. Auf mein Land ist offenbar so viel Verlass wie auf die Wirkung von Globuli.

Im Wahlkampf drohte Sigmar Gabriel hier und da mal kurz mit echten Konsequenzen, die Drohung brachte nichts. Zu offensichtlich war man sich in Ankara darüber bewusst, dass dahinter nur Wahlkampf steckte. Die Schlagrichtung aus Berlin ist klar, leise Töne und darauf setzen, das Erdogan schon aus seiner Trotzphase zurück zur Vernunft findet. Tut er aber offenbar nicht. Muss er auch nicht. Berlin spielt den Pazifisten, der vor seinem Mörder steht und erstmal darüber reden möchte. Das hier keine Kommunikation im Sinne von Reaktion stattfindet, dürfte inzwischen aber recht offensichtlich sein.

Steckt dahinter noch die alte deutsche Krankheit bloß nicht zu offensiv aufzutreten, bloß nicht zu zeigen, dass man Einfluss und Stärke hat. Müssen 11 deutsche Staatsbürger gerade dafür den Preis zahlen, das Deutschland seinen Komplex aufgrund seiner Vergangenheit nicht los wird? Oder sind deutsche Staatsbürger mit türkischer Abstammung nur Staatsbürger 2. Klasse?

Fakt ist, das deutsche Journalisten wie Mesale Tolu oder Deniz Yücel in der Türkei für Schauprozesse herhalten müssen, die auch nach türkischem Recht jeder Grundlage entbehren. 

Und die deutsche Regierung hat nicht einmal den Arsch in der Hose, zu diplomatischen Mitteln wie der Einberufung des türkischen Botschafters zu greifen. Stattdessen wird jedes freundliche Lächeln aus Ankara als Beleg für die eigene politische Linie gefeiert. Der türkische Außenminister grinst, 11 Deutsche sitzen immer noch ohne rechtliche Grundlage im Gefängnis. Wo dabei der Erfolg deutscher Politik liegt, ist mir nicht so offensichtlich.

Stattdessen ist jeder weitere Tag ein Trauerspiel. Wozu halten wir uns eigentlich eine Botschaft in der Türkei? Damit eine Handvoll überbezahlter Diplomaten auf hübsche Empfänge gehen können? Was taugt ein Außenminister und eine Kanzlerin, die mit heroischen Worten die Pressefreiheit verteidigen würden, sich aber einen Dreck um eingesperrte deutsche Journalisten scheren?