In der Zellerau reden die Mülleimer miteinander

Seit Jahren wird der Würzburger Stadtteil Zellerau ja richtig aufgehübscht. Kürzlich kam auch eine Mischung aus Mini-Park und Trimm dich Pfad dazu, gleich neben der neuen Feuerwehrschule. Sehr hübsch, aber offenbar hat dem ein oder anderen Zellerauer ein kleines Detail gefehlt: Mülleimer Doch man weiß sich in meinem Stadtteil eben zu behelfen – und das verantwortliche Quartiermanagement hat offenbar Sinn für Humor.

Mülleimer in der Zellerau

Diskutieren zwei Mülleimer in der Zellerau.

PS: By the way, ich finde das als Bürger übrigens tatsächlich ärgerlich, dass gefühlt immer mehr Mülleimer einfach verschwinden. Oder habe nur ich den Eindruck?

Würzburg-Zellerau: Bücherkisten, Bereicherung oder Verkehrshindernis?

Vor ein paar Jahren gab es in der Webgemeinde einmal den Trend Bücher auf Wanderschaft zu schicken. Dabei legte man gelesene Bücher an öffentlichen Orten aus, mit der Bitte an den Finder, es einem nach dem Lesen doch bitte gleich zu tun. Wenn ich mich recht erinnere, gab es auch noch die organisierte Variante, bei der man vorher nachsehen konnte, wo sich ein Buch befindet. Gibt es das überhaupt noch? Nicht, dass das Aussetzen von Büchern in Würzburg je ein solcher Trend gewesen wäre, dass man alle paar Meter über eine alte Ausgabe des Bertelsmann Lexikons in 1.000.000 Bände gestolpert wäre. Was mir aber bei Spaziergängen im Würzburger Stadtteil Zellerau in den letzten Wochen häufiger aufgefallen ist, sind ganze Bücherkisten, die zur Selbstbedienung auf Bürgersteigen zu finden sind. (Na ja, mehr als zwei Mal – man kann also schon von einer Serie sprechen.)

buecherkiste

Geschenkte Bücher, oder doch nur ein vergessener Umzugskarton?

Was soll man sagen, man merkt halt die Aufwertung der Zellerau, seit hier gezielt junge Familien aus – wie die Ureinwohner hier sagen – besseren Kreisen angesiedelt werden. 🙂 Aber ernsthaft, ich finde sowas eine sehr gute Idee, davon sollte es mehr geben und ich ganz persönlich muss beim nächsten Gang in den Keller mal nachsehen, ob ich da nicht auch noch einen Karton habe. Schließlich habe ich von einem dieser auf den Gehsteigen stehenden Kartons ja auch schon profitiert, und meiner Privatbibliothek (ja, so kann man sie ruhig nennen) Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg hinzufügen können.

Aber mal unabhängig davon, das ist auch deshalb eine tolle Idee, weil es gerade hier stattfindet. Die Zellerau ist toll, aber ein paar der in Würzburg verbreiteten Klischees sind auf der anderen Seite auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Will sagen, hier finden sich durchaus eine Menge sogenannter bildungsferner Haushalte. Haushalte, in denen nur Computer oder Fernseher laufen, und bestenfalls noch irgendwo ein vergilbtes Telefonbuch zu finden ist. Da finde ich eine Bücherkiste wie jene, die ich heute in der Nähe des Kletterzentrums gefunden habe, gleich doppelt gut, weil sie viele Bücher enthalten hat, die sich auch direkt an Kinder richteten.

Ich bin kein “Bücher müssen aus Papier sein”-Nostalgiker. Auch ich habe einen eReader und ich sehe auch an meinem kleinen Neffen, dass manches Kinderbuch als App fürs Tablett umgesetzt viel mehr bringt. Aber dennoch finde ich, dass man Kinder nicht so ganz ohne Bücher aufwachsen lassen sollte. (Gerade wenn sie die letzte Bastion sind, die spielend Bildung vermitteln würden, statt nur ruhigstellende Unterhaltung via Fernsehen oder PC zu konsumieren.) Ein gutes Kinderbuch, selbst wenn es nur ein Bilderbuch zum Durchblättern ist, regt die Fantasie doch weit mehr an, als eine Mickey Maus Wunderhaus-Sendung, in der den Kindern suggeriert wird, sie seien Teil des Geschehens. Bücher kann man schließlich Abends auch mal ins Bett mitnehmen, Bücher sind tatsächlich – man verzeihe mir diesen klischeehaften Ausdruck – wie Freunde.

Und wenn die Kinder später älter sind, sind Bücher umso wichtiger. Denn – und davon bin ich überzeugt – egal in welcher Form sie jetzt gelesen werden, sind sie so etwas wie der Vorgeschmack auf mehr. Sie können Neugier wecken auf Bildung, darauf mehr zu wissen. Und auch wenn Teile des sich für die neue Aristokratie haltenden Akademikertums es anders sehen, Bildung ist heute nur noch für jene, die schon Geld in die Wiege gelegt bekommen haben, ein Selbstzweck – für alle anderen ist Bildung nicht nur ein erstrebenswertes Abenteuer, sondern auch ein Weg für ein besseres Leben.