Würzburg

Warum der Bürgerentscheid gestern eine Premiere war!

von am 3. Juli 2017

Sensation in Würzburg! Na ja, zumindest, Sensation für mich! Kaum zu glauben, aber wahr. Seit rund 20 Jahren habe ich jetzt das Wahlrecht und gestern hat meine Stimme zum ersten Mal – ZUM ERSTEN MAL – eine Partei oder Sache bekommen, die am Ende gewonnen hat. Sage nochmal einer Demokratie sei was für Loser. 

Na ja, so toll ist Demokratie dann auch nicht, denn am Ende hat nur das geringere Übel meine Stimme bekommen. Aber in einer funktionierenden Demokratie gewinnt ja oft das geringere Übel – wenn man nicht gerade in den USA lebt.

Worum ging’s denn überhaupt? In Würzburg wir ein Parkplatz frei und prompt hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die da unbedingt einen Dschungel pflanzen möchte. Für’s städtische Klima, aber immerhin ohne fleischfressende Tiere. Um die Sache ein bisschen spannend zu machen, hat der Stadtrat einen Gegenvorschlag gemacht. Ein Haus, ein oder zwei Bäumchen davor und eine Tiefgarage drunter. Voll infrastrukturell halt.

Ganz ehrlich, ich würde weder das eine, noch das andere machen, sondern den Platz für mehr bezahlbaren Wohnraum verwenden. Aber so ein eigenes Bürgerbegehren in Gang bringen, so engagiert bin ich dann doch nicht.

Wie auch immer, am Ende habe ich mich vorwiegend gegen die Tiefgarage entschieden. Und ja, es ist mir egal, dass jetzt die üblichen Verdächtigen wieder aufheulen und was von untergehendem Einzelhandel und Zukunftsfeindlichkeit erzählen. Und ja, auch meine Kollegen, die samt aus dem Landkreis kommen und über weniger Parkplatzmöglichkeiten verständlicherweise verärgert sind, sind mir da weniger wichtig. Und was die Zukunftsfeindlichkeit angeht, ich habe gerade gegen die Tiefgarage gestimmt, weil es mir um die Zukunft geht. Wir befinden uns gerade in einer für gesellschaftlich-kulturelle Verhältnisse geradezu rasanten Übergangsphase. Umso unverständlicher, warum gerade jene die eine überkommene Infrastruktur verteidigen jetzt behaupten in Würzburg hätte wiedermal die Fortschrittsfeindlichkeit gesiegt.

Autos, in erster Linie das eigene Auto, sind auf dem absteigendem Ast. Das heutige Konzept eines Automobils ist die Kutsche der Zukunft, bald ein echter Hingucker auf der Straße, weil man es so selten außerhalb eines Museums zu sehen bekommt. Sicher, in der jetzigen Übergangsphase, in der der öffentliche Nahverkehr kaum moderner ist als der Privatverkehr und man zwar in jeder Stadt, auch in Würzburg, Carsharing betreibt, aber eben noch nicht an jeder Ecke, ist der Weg noch etwas holprig. Aber nicht derjenige gewinnt die Zukunft, der am Überkommenen festhält, sondern derjenige, der den ersten Schritt wagt. Und die Mär zu Grabe zu tragen, dass eine Stadt nur dann blühen kann, wenn genug Parkplätze vorhanden sind, ist dieser erste Schritt.

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