Stell dir vor, da ist ein tiefes Loch und das ist der Eingang zum Purgatorium. Würdest du runter ins Fegefeuer gehen, so aus reiner Neugierde zum Beispiel? Oder vielleicht auch mit der Aussicht, dass, wenn man zurück kommt, man die Sache mit dem Fegefeuer hinter sich gebracht hat.

In Irland soll es diese Möglichkeit einst gegeben haben, so zumindest eine Legende um den Heiligen Patrick. Denn im Lough Derg soll Patrick nicht nur der letzten Schlange in Irland den Gar aus gemacht haben, woraufhin sich der See rot gefärbt haben soll. Auf der kleinen Insel, Station Island, in Mitten des Sees im Norden der irischen Insel, soll Gott für ihn auch einen Eingang zum Fegefeuer geschaffen haben – also nicht direkt für Patrick selbst, aber sozusagen als ein zusätzliches Überzeugungsmittel bei der Mission der damals noch nicht so wirklich christlichen Iren. Fortan war Station Island nicht nur für die Iren ein beliebtes Pilgerziel, wenn auch auch freilich die Engländer und auch der Papst in Rom – freundlich ausgedrückt – davon nicht allzu begeistert waren. Und was das Loch zum Purgatorium hinunter angeht, das wurde irgendwann verschüttet – heute steht ein Kirchturm drauf.

Sankt Patricks Fegefeuer, aus der Legenda Aurea

Ob es das Loch je gegeben hat? Schon ein paar Jahrhunderte später hatte man den ein oder anderen Zweifel an Schilderungen wie in der Legenda Aurea. Im Roman Fortunatus zum Beispiel, der kurz nach 1500 in Deutschland erschien.  Dort reist der Titelheld schon als Tourist nach Station Island, steigt in das Loch und findet statt des Fegefeuers eine Art großen dunklen Keller. In dem kommt er zwar fast um, aber es ist nur eine große dunkle Höhle – nicht die Hölle.