Der olympische Geist hatte wahrlich genug Gelegenheiten das Zeitliche zu segnen. War es 1936, als sich die olympische Idee niemand geringeren andiente, als Adolf Hitler selbst? Oder war es 1972, als nicht einmal ein blutiger Terroranschlag die Spiel zum stoppen brachte? Was rückblickend eigentlich weniger verwundert, wenn man weiß das Avery Brundage 1936 ausschlaggebend war dass die USA nach Berlin reiste und 1972 ICO Präsident war. Den Mann konnte also nichts und niemand von den Spielen abhalten.

Danach aber gab es noch weitere Gelegenheiten, die freilich weniger blutig waren, aber mit dem olympischen Geist auch nicht so richtig vereinbar sind. Moskau und Los Angeles boykottierten sich kurz mal quasi gegenseitig, so das man eigentlich die beiden Ergebnisse hätte zusammenrechnen müssen. 1996 zeigte das US-Publikum in Atlanta das Patriotismus im amerikanischen Verständnis der sportlichen Fairness vor allem parteiisch gelebt wird. Und 2008 schaffte es Peking mit einer perfekten Inszenierung auch den letzten Rest Menschlichkeit zu entfernen.

Auf schlechte Spiele folgen auch mal gute Spiele

Warum faszinieren uns die Olympische Spiele also trotzdem und warum lebt der olympische Geist dann doch noch irgendwie? Vielleicht auch weil nach den Amerikanern die Australier 2000 die Spiele ausrichteten und den USA eine Lektion darin erteilte wie man patriotisch und fair sein kann. Vielleicht auch, weil London nach dem chinesischen Perfektionismus wieder so etwas wie eine menschliche Komponente in die Spiele brachte.

Doch kann das die Olympischen Spiele retten? Zuviel Kommerz, zuviel Politik, zuviel Doping, zuviel mediale Ausschlachtung – zuwenig Sport, zuwenig Fairness, zuwenig Positives. Aber das ist nicht neu, schon 1983 schuf der Philosophieprofessor Hans Lenk den Begriff „Teledopiokommerziade“, in dem er alles vereinte, was man – nicht zu unrecht – den Spielen vorwerfen kann.