Warum man jemanden befördern sollte der klug und faul ist!

Es mag in unseren Zeiten nicht mehr en vogue sein auf alte preußische und militärische Ideen zurückzugreifen, wenn es etwa um die Einschätzung von Fähigkeiten der Menschen geht. Aber es lohnt sich zum Beispiel sich an Kurt von Hammerstein-Equord zu erinnern.

Die Familie von Hammerstein hat den ein oder anderen berühmten Offizier hervorgebracht und auch Kurt von Hammerstein schlug diese Laufbahn ein. Ihr blieb er auch nach dem Untergang des Kaiserreichs treu, diente in der Reichswehr und schließlich auch in der Wehrmacht. Gleichwohl er sich schon das ein oder andere Mal gegen den Spitznamen “Roter General” wehren musste. Was wohl zum Teil daran lag, das er zu einer Zeit in der die Reichswehr dem Versailler Vertrag unterworfen viel mit jenen Maßnahmen zu tun hatte, in der die Deutschen sich mit Hilfe der Sowjets an Waffengattungen übten, die ihnen eigentlich verboten waren. Es mag aber auch ein wenig daran gelegen haben, dass sich einige seiner Kinder nach links bewegten. Eine politische Einstellung die vom Vater ausdrücklich mit dem Hinweis geduldet wurde, dass es sich schließlich um ihr Leben handle.

Den Kranz des Führers kann man mal liegen lassen

Hammerstein selbst machte im Generalstab Karriere. Er war letztlich ein Stratege, ein Vordenker und Planer der Armee und als solches respektiert. Auch wenn seine Rolle im Widerstand von Historikern umstritten ist, stand er doch in Opposition zu Hitler. Und wusste sich in seiner Familie gut aufgehoben, die ihn nach seinem Tod an einem Tumor nicht mit einer Hakenkreuzfahne auf den Sarg begraben ließ und den von Adolf Hitler geschickten Kranz dummerweise in der U-Bahn vergaßen. Passiert halt schon mal.

Bundesarchiv Bild 102-01235, Potsdam, Enthüllung Sanitätskorps-Denkmal.jpg

Kurt von Hammerstein, 1. Reihe links.
Bild: Bundesarchiv, Bild 102-01235 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Und was können wir heute noch von Kurt von Hammerstein in Sachen Führung lernen. Wahrscheinlich eine Menge, vor allem ist aber eine Aussage von ihm überliefert in der er an den Eigenschaften klug, fleißig, dumm und faul Soldaten und Offiziere an bestimmte Positionen setzen wollte.

„Ich unterscheide vier Arten. Es gibt kluge, fleißige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen. Die einen sind klug und fleißig, die müssen in den Generalstab. Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90 % aus und sind für Routineaufgaben geeignet. Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit. Hüten muss man sich vor dem, der gleichzeitig dumm und fleißig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten.“, Kurt von Hammerstein

Machen wir uns nichts vor, da ist etwas dran. Auch wenn es natürlich wenig schmeichelhaft ist, dass er die Mehrheit für dumm und faul hielt. Aber immer noch besser als die Dummen die fleißig sind, denn sie sind wohl tatsächlich ziemlich gut darin Unheil anzustellen, während der kluge aber faule Offizier weiß, wie man auch mit wenig Aufwand das beste Ergebnis erreichen kann.

Kurt von Hammerstein

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Man kann wohl davon ausgehen, das Hammerstein sich selbst eher als klug und faul einschätzte, also als bestens geeignet. Und in der Tat wurde er von anderen Offizieren auch immer als klug und durchdacht beschrieben. Und wie viele kluge Menschen scheint er auch einen Hang zum Spot und zur Skepsis gehabt zu haben. Er war kein Soldat, der stolz darauf gewesen wäre sein Gewehr blind auseinander und wieder zusammenbauen zu können. Er war ein Mann des Geistes und der Führung. So beschrieb er auch seine eigene Vorstellung von Führung:

„Machen Sie sich frei von Kleinarbeit. Dazu halten Sie sich einige wenige kluge Leute. Lassen Sie sich aber viel Zeit, sich Gedanken zu machen und sich vor sich selbst ganz klar zu werden. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Gedanken ausgeführt werden. Nur so können Sie richtig führen.“, Kurt von Hammerstein

Und was er über Offiziere schrieb, können wir heute auch getrost übernehmen wenn wir etwa im Berufsleben entscheiden müssen, wer an die Schalthebel kommt und wer bei Routinearbeiten besser aufgehoben ist. Allerdings so realistisch die Einschätzungen von Hammerstein auch sein mögen, heute klingen sie leider doch recht unmodern. Zu Unrecht!

Der Staat! Die Elite! Das eigentliche Problem!

Auf die Elite einschlagen ist in! Die Elite zu verteidigen liegt im Trend! Ein Widerspruch? Vielleicht in einer weniger gespaltenen Gesellschaft, als der unseren. Wie auch immer, diese Elite ist häufig im Gespräch.

Frage Nr. 1: Brauchen wir überhaupt eine Elite? Ja, brauchen wir. Der Professor, der Jurist, der Politiker usw. usf. erfüllen ihre Aufgabe, es geht nicht ohne. Zumindest hat weder der rechte Rand, noch sein artverwandtes linkes Gegenstück irgendeine Alternative zur Elite zur Hand. Vielleicht mit Ausnahme der Tatsache, dass ihre populistischen Führer die Elite deshalb bekämpfen, weil sie an ihre Stelle treten wollen. Was allerdings nüchtern betrachtet natürlich nicht als Alternative durchgehen kann. Ohne Elite geht es aber nun mal nicht, ebenso wenig wie ohne Putzfrauen oder Müllmänner. Sie alle erfüllen ihren Zweck, sie alle sind notwendig – nur wird ihre Arbeit (leider) unterschiedlich wertgeschätzt.

Frage Nr. 2: Wenn wir eine Elite brauchen, ist dann die Sache erledigt? Nein, ist sie nicht. Und kommen wir zum eigentlichen Problem. Auch in Deutschland hat sich der Elitestatus mehr oder weniger zu einer erblichen Aristokratie entwickelt. Wer sich in diesem Kreis aufhält, ist das nicht aus Leistung oder Talent, er ist es, weil Mama und Papa bereits dort war. Nun ist, wie auch immer man sie definiert, diese Elite groß genug, dass wir kein Inzuchtproblem haben, die Besten versammeln sich dort aber auch nicht zwangsläufig.

These: Der Staat hat ein ultimatives Interesse an Chancengleichheit. Nicht aus einem wohltätigen Grund, sondern weil es um sein Überleben geht!

Wer heute von “Chancengleichheit” spricht, wird als Linker abgeschrieben, oder schlimmer noch, als Anhänger von Martin Schulz. Allzu oft wird die Chancengleichheit diffamiert, weil man sie als Gleichmacherei am Ende des Prozesses beschreibt. Dabei heißt Chancengleichheit eben, dass am Anfang des Prozesses jeder unabhängig des eigenen oder des Familieneinkommens die gleichen Startmöglichkeiten bekommt, um sich entsprechend seiner Talente zu entwickeln.

Der Staat muss dies gewährleisten, aus zwei einfachen Gründen: 1. Nur so kann er sicherstellen, das die talentiertesten und besten Personen an die Spitze gelangen, wo sie der Gesellschaft und dem Staat dienen können. Hat ein beachtlicher Teil der Bevölkerung aufgrund meist finanzieller Nachteile erst gar nicht die Chance sich zu entwickeln, landen oft bestenfalls noch die Zweitbesten an den Schalthebeln.

Und genau das ist eben mitunter heute die Regel und ein Problem für den Staat. Denn der zweite Grund liegt darin, dass diese Gruppe in sich geschlossen ist und nicht das Wohl von Gesellschaft und Staat vor Augen hat, sondern zuerst einmal das eigene. Der Staat wird als Selbstbedienungsladen empfunden, aus dem man sich mit Selbstverständlichkeit bedienen kann.

Das dieses Verhalten keinesfalls der alteingesessenen Elite eigen ist, zeigen übrigens vor allem jene Alt-68er, die es der kurzen Phase zu verdanken haben, dass sie trotz einfacher Verhältnisse nach oben gekommen sind. Gerade die alte SPD-Garde um Steinmeier oder Schröder, die von diesen Regelungen profitiert haben, haben kaum etwas getan, um auch die nachfolgenden Generationen ebenso zu fördern. Sobald man oben ist, tritt man scheinbar nach unten – egal wo man herkommt.

Deshalb braucht es eine Institution und keine Menschen, die für Chancengleichheit sorgen. Aus Eigeninteresse. Doch ohne Druck scheinen die Verantwortlichen auch heute kein Interesse daran zu haben. 68 war es der Druck der Straße. Mehr als ein Jahrhundert zuvor sorgte zum Beispiel in Preußen die Niederlage gegen Napoleon dafür, dass eine Heeresreform durchgeführt wurde, an deren Ende die Besten in der Armee das Sagen hatten, nicht die alte Aristokratie. Napoleon wurde geschlagen.

Dieser Druck scheint heute noch zu fehlen. Und deshalb ist das Problem nicht, dass wir eine Elite haben, sondern das wir eine neue Aristokratie installiert haben, die ihre Hauptenergie nicht dem Wohl des Staates widmet, sondern dem Abwehrkampf gegen “die da Unten”.

Schon mal an Selbstmord gedacht?

“Selbstmord” – da ist schon das erste Problem! Verwendet man das Wort überhaupt, oder doch lieber “Suizid”? Ich kann mich erinnern, als ich vor Jahren für einen Online-Artikel eines Fernsehsenders bei einem Bericht über eine Aktion berichtet habe, die sich Suizid gefährdeter Menschen annahm, das Wort “Selbstmord” verwendete, verlangten die Organisatoren aufgeregt, ich solle das Wort sofort löschen. Es handle sich um Suizid! Suizid, ja, ein schönes klinisches Wort. Selbstmord, da steckt ja Mord drin, viel zu brutal. Das ist zynisch? Ja, so ist es auch gemeint.

“Z91.5 Selbstbeschädigung in der Eigenanamnese”, Klassifizierung nach ICD-10

In unserem Land begehen jedes Jahr rund 10.000 Menschen Selbstmord! Diese Zahl ist seit Anfang 2000 relativ stabil, nachdem sie in den Jahrzehnten zuvor in Stufen immer mehr gesunken ist. Um 1980 waren es teils noch doppelt so viele Menschen, die ihrem Leben selbst ein Ende setzten.

Ist das jetzt viel oder ist das wenig? Ganz ehrlich, ich war über die geringe Anzahl überrascht. Aber am Ende scheine ich, Kleine-Welt-Phänomen hin oder her, wahrscheinlich nur überdurchschnittlich viele Menschen zu kennen, die sich umbringen wollten. Also nicht im Sinne von Gedanken, die wohl der überwältigenden Mehrheit einmal durch den Kopf schießen und ebenso schnell wieder vergessen werden, sondern im Sinne von Taten.

Statistisch gesehen erhängen oder strangulieren sich die meisten Selbstmörder, mit Abstand kommen danach Medikamente oder Drogen. Was auch bei jenen Menschen die ich kenne der häufigste Versuch war. Nur eine versuchte es in dem sie sich filmreif die Pulsadern aufschneiden wollte. Heute erzählt sie mit einem Grinsen, dass ein anderer Patient sie in der Klinik damals kopfschüttelnd ansah und meinte: “Ah, quer geschnitten, wie im Film. Anfängerfehler.”

Wie man sich jedoch mit Wasserdampf selbst umbringen kann, keine Ahnung. Offenbar ist auch das möglich, zumindest kam es in den letzten drei Jahren vor.

Sich selbst umbringen! Selbstmord! Jene, die sich damals über die Verwendung des Wortes “Selbstmord” aufregten, ging es um den Wortbestandteil “-mord”. Aber mal abgesehen davon, dass wohl die Wenigsten kurz bevor sie es versuchen sagen “Ich begehe jetzt Suizid”, sondern meist “Ich bring mich um!”, enthält dieses Wort eben noch den fundamentalen Bestandteil “Selbst-” Man mag in Ländern in denen Sterbehilfe erlaubt ist von Suizid sprechen, aber an einem Selbstmord ist vor allem einer beteiligt, man selbst. Nur einem obliegt diese fundamentale letzte Entscheidung, niemanden sonst.

Ist Selbstmord okay?

In unserer westlichen Gesellschaft findet gerade ein Wandel in der ethischen Bewertung des Suizids statt, wobei die Verwendung des Wortes “Suizid” in dieser Beziehung zwingend ist. Zumindest wenn es um Alte und Kranke geht hält ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung einen Suizid für nicht mehr verwerflich. Man will ein Leiden mit einem Ende und kein endloses Leiden – dem man selbst auch noch zusehen muss oder ein schlechtes Gewissen hat, wenn man es nicht tut.

“Selbstmord ist das größte Kompliment, das man der Gesellschaft machen kann.”, Oscar Wilde

Unterschiedliche Betrachtungen gab es übrigens schon immer, zwar ist der Selbstmord als Heldentat in der westlichen Kultur nicht ansatzweise so verbreitet, wie er es in manch fernöstlicher war, unbekannt ist er allerdings auch hier nie gewesen. Selbstmord als letzter Ausweg die Ehre zu retten war kein Alleinstellungsmerkmal der japanischen Samurai. Wie fast alles im Leben des Menschen, ist die Bewertung eine Frage des Kulturkreises und des Glaubens in dem sich der jeweils Wertende befindet. Deshalb bewertet man Selbstmord im Westen tendenziell als verwerflich, im Osten nimmt diese Tendenz aber spürbar ab.

“Nur daß die Furcht vor etwas nach dem Tod,
Das unentdeckte Land, von des Bezirk
Kein Wandrer wiederkehrt, den Willen irrt,
Daß wir die Übel, die wir haben, lieber
Ertragen als zu unbekannten fliehn.”, Hamlet, 3. Akt, 1. Szene

Und ich, was denke ich ganz persönlich über Selbstmord?

Ich hatte bisher wenig Lebensabschnitte, in denen ich das Leben genossen habe. Und ich bin leider recht zuversichtig, solchen Momenten nicht entgegen zu sehen. Ein paar gute Freunde, eine liebende Familie, aber trotzdem meistens einsam und das Leben erscheint mir mehr ein Überleben zu sein. Ich stand am Abgrund und nein, ich meine das nicht in Form einer Bildsprache. Aber den nächsten Schritt kann ich nicht tun.

In Sachen Selbstmord sind sich der kleine Preuße und der kleine Katholik in meinem Kopf viel zu einig. Was selten vorkommt, aber Selbstmord kommt für beide nicht in Frage. Der Preuße meint, dein Leben mag beschissen sein, aber es ist deine verdammte Pflicht es mit Anstand und Haltung zu Ende zu leben. Der Katholik seufzt zwar leise, fügt dann aber hinzu, es war Gott, der dir das Leben gegeben hat und nur er kann entscheiden, wann er es dir wieder nimmt. Dem kann ich nicht widersprechen.

Post-Faktisch? Nein, die Menschen sind nur erbärmliche Feiglinge!

Das mir, nüchtern betrachtet, ein Donald Trump als Konservativer näher liegt, als eine Hillary Clinton, kam ja in einem früheren Beitrag (Ich hätte Donald Trump gewählt) bereits heraus. Das ich mich gerade aber auch als Konservativer und als Preuße so laut ich kann gegen die Neue Rechte stelle, hat gewissermaßen ähnliche Gründe. Man ist näher dran, man sieht eher, was wirklich dahinter steckt.

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Ist ein Konservativer per Definition ein Patriot?

Unter uns, ich glaube wer dauernd fordert wir Deutsche müssten endlich ein unverkrampftes Verhältnis zu Deutschland bekommen, beweist damit eher, dass gerade er ein ziemlich verkrampftes Verhältnis zu Deutschland hat.

Es war Bundespräsident Gustav Heinemann, der auf die Frage ob er Deutschland liebe geantwortet hat, er “liebe seine Frau, fertig!” Nun, dann hätte er ja eigentlich auch Ehemann bleiben können, ohne zum höchsten Repräsentanten des Landes zu werden. Heinemanns im Zweifel eher peinliches Winden belegt aber dennoch, dass die Frage “Wie hältst du es denn mit Deutschland?” für so manchen ein Minenfeld zu sein scheint. Ab einer gewissen Position will man es sich mit niemanden mehr verderben, nicht mit jenen die gerne Deutscher sind, aber auch nicht mit den anderen, für die Völker, Staaten oder Nationen bloße Zufallsgebilde zugunsten der Unterdrücker sind. Die einen haben bis Donnerstag letzte Woche Schwarz-Rot-Gold gejubelt, die anderen haben für abgeknickte Autofahnen Punkte vergeben.

Verkrampft sind vor allem Linke und Rechte

Wie steht es jetzt mit Konservativismus und Patriotismus? In vielen Definitionsversuchen gehört Patriotismus fest ins Weltbild eines Konservativen, so zum Beispiel auch letzte Woche an dieser Stelle. Ich glaube allerdings, dass diese Deutung zu kurz greift bzw. das Eigentliche deutend auslegt und so in den Hintergrund rückt. Denn es gibt eben nicht nur Patriotismus und Nationalismus, es gibt auch Heimatliebe – und letztere ist anders als die beiden anderen nicht zwingend an staatliche Grenzen gebunden.

deutschlandflagge

Ich teile die übliche Definition von Patriotismus und Nationalismus im Wesentlichen, und vermische nicht beides, wie die Linke das tut. Patriotismus ist verkürzt der Stolz auf das eigene Land, Nationalismus ist die Abwertung aller anderen Länder. Jetzt ließe sich natürlich auch die Diskussion beginnen, wie man als kleines unbedeutendes Rädchen stolz auf sein Land sein kann, aber solche Diskussionen werden mit Vorliebe von kleinen Rädchen geführt, die sich für ganz groß und ganz bedeutend halten. Aber zurück zum Thema, zurück zur Heimat.

Ich glaube das der Konservative zu den heimatverbundenen Menschen gehört. Selbst wenn ihn berufliche Flexibilität dazu zwingt die Heimat zu verlassen, bleibt sie doch in seiner Erinnerung, er besucht sie, er kehrt vielleicht später mit Begeisterung wieder zurück. Heimat ist aber per Definition nicht der Staat in dem man lebt. Nehmen wir mich als Beispiel. Ich liebe meine Heimat, ich weigere mich standhaft sie zu verlassen, auch wenn ich woanders zum Beispiel locker flockig mal einen knapp vierstelligen Betrag mehr verdienen könnte. Aber das was ich als Heimat bezeichne ist nicht ganz Deutschland, es ist ja nicht einmal Bayern – definitiv nicht Bayern – und wenn ich mir so manche anderen Gegenden Frankens ansehe, ist es vielleicht nicht einmal Franken. Ich glaube das dieser Lokalpatriotismus tatsächlich dem Konservativen angeboren ist, dazu braucht er nur die Haustür zu öffnen. (Bevor jetzt Diskussionen losgehen, natürlich hat der Konservative kein Alleinrecht auf Lokalpatriotismus, selbst manch Sozialdemokrat oder Grüner ist ein Lokalpatriot mit Leib und Seele.)

Patriot wird man aus einer bewussten Entscheidung heraus

Der Patriotismus (oder auch seine hässliche Schwester Nationalismus) ist aber eine bewusste Entscheidung, das zeigt sich in Deutschland gerade auch an den Versuchen eine Art Verfassungspatriotismus aufzubauen. Und bewusste Entscheidungen laufen nicht automatisch ab, man übernimmt sie auch nicht so nebenbei als Bestandteil des Blumenstraußes Konservativismus. Dennoch steht außer Zweifel, dass der Anteil der Patrioten unter den Konservativen natürlich ungleich höher ist als bei anderen Gruppen. Während weiter rechts Nationalismus herrscht, scheut man – eigene Einstellung hin oder her – es wie der Teufel das Weihwasser mit diesem Begriff nur in Berührung zu kommen. Im konservativen Spektrum aber gibt es durchaus eine gewisse Vielfalt an Patrioten.

Die einen würde ich deutsche Patrioten nennen, deren Patriotismus darin besteht, dass in den Jahrhunderten seiner Geschichte es Deutschland auch nicht viel schlechter gemacht hat, als andere Länder. Und im Bezug auf die nationalsozialistische Herrschaft zumindest eine Aufarbeitung an den Tag legt, die zwar stotternd begonnen hat, aber dennoch durchaus Vorbild sein kann. Andere bezeichnen sich als Verfassungspatrioten mit Blick auf ein Grundgesetz, das sich durchaus auch sehen lassen kann und das im Gegensatz etwa zu manch anderen Verfassungen auch nicht derart in Stein gemeißelt ist, dass uns der Geist der Väter und Mütter des Grundgesetzes wichtiger ist, als die buchstabengetreue Auslegung aus dem Jahr 1949. Zurecht abgesehen von jenen ersten unveränderbaren Artikeln, beginnend mit der Würde des Menschen. Ich persönlich sehe mich eher im Zeichen eines preußisch geprägten Staatspatriotismus, eine etwas abgewandelte Form des Verfassungspatriotismus. Mir ist gleich woher jemand kommt, welche Hautfarbe oder Religion er hat, solange er nicht aktiv gegen die Gesellschaft agiert und die hiesigen Gesetze achtet, soll er nach seiner Façon glücklich werden. Und im Sinne der Tatsache das Deutschland letztlich immer noch ein Land ist, dass seinen Bürgern jenes ermöglicht, hätte ich nicht nur in Ermangelung einer Ehefrau kein Problem damit zu sagen, ich liebe Deutschland.