Pornos mit Pornostars gucken

Die heutige Vorlesung der Uni Würzburg zum Thema “Pornographie” habe ich zwar verpasst, aber immerhin ist mit im Klonblog dieses kleine Video über den Weg gelaufen.

Ein paar Kerle sehen sich Pornos an – mit den Hauptdarstellern neben sich. Und weil wir in Zeiten der Gleichberechtigung leben, hier noch ein paar Frauen in der gleichen Situation:

banner-porno

Die Porn Parody: Spongebob im Porno Bottom?

Wer kennt ihn nicht, den brutalen kleinen Schwamm aus Bikini Bottom. Spongebob Schwamkopf, dessen einziges Lebensziel es ist seinem äußerst kultivierten Nachbarn Thaddäus Tentakel das Leben zur kindischen Hölle zu machen. Da ist es doch kein Wunder, dass Spongebob sein Geld nicht nur mit dem Braten von Krabbenburgern verdient, sondern unter dem Pseudonym SpongKnob Pornos dreht.

pornparodie

SpongKnob SquareNuts und Skin Diamond bandeln miteinander an – Screenshot: WoodRocket.com

In der Vorlesung im Rahmen der Ringvorlesung zum Thema Pornographie an der Uni Würzburg ging es diese Woche unter anderem um das Genre der Porn Parody. “Pornos mit Handlung: Die Porn Parody im Feld der Adaptionsforschung”, so der komplette Titel des Vortrags von Wieland Schwanebeck von der TU Dresden.

Natürlich verwirren die Worte “Pornos” und “Handlung” etwas, wenn man sie in einem Satz in Zusammenhang bringt. Gilt ein Pornofilm an sich ja als Musterbeispiel einer Inszenierung, die auch komplett ohne Handlung auskommt – es sei denn man würde das körperliche Auf und Ab als solche sehen wollen. Die Pornoparodie scheint mir da aber oft auch eine gewisse Ausnahme zu sein, nicht nur weil sie in die Klassifikation des Features fällt, in die man aufwendigere Pornoproduktionen einordnen kann. Sicher, auch in der heute gängigen Porn Parody ist die Handlung zeitlich in der Minderheit und sozusagen nur der Kit, der mal mehr, mal weniger sinnfrei von einer Sexszene zur anderen überleitet. Aber im Vergleich zur gewöhnlichen Handlung, die mit den Worten “Du? Ich. Ficken!”  auskommt, sind das dann oft geradezu epische Ausmaße.

Angesichts der puren Masse an Porn Parodys auf dem Markt, zeitlich natürlich immer eng verknüpft mit der Veröffentlichung des Originals, dürfte man davon ausgehen, dass die Pornoindustrie damit durchaus ein Geschäft macht. Und im Umkehrschluss könnte man fast behaupten, ein Blockbuster ohne zugehörige Pornoparodie ist eigentlich gar kein Blockbuster. Vielleicht wird auch deshalb, und nicht nur weil die Parodie auch in ihrer Pornovariante rechtlich großen Schutz genießt, so wenig von Seiten der Filmindustrie gegen ihre schmuddeligen Verwandten geklagt. Wie im Vortrag von Schwanebeck zu hören war, hat es einzig George Lucas einmal versucht, musste dann aber doch zusehen wie auch eine XXX Variante von Star Wars auf den Markt kam.

Link: Filme und ihre Porno-Pendants

Nicht nur Filme, auch TV-Serien sind vor Pornoparodien nicht sicher. Und so konnte ich als Doctor Who-Fan feststellen, dass es natürlich auch einen Doctor Whore gibt. Der Inhalt besteht natürlich im Wesentlichen daraus die verschiedenen Companions des Doctors bei diversen sexuellen Betätigungen zu sehen. Womit wir durchaus schon auf eine Antwort gestoßen sein könnten, warum Pornoparodien einen Markt haben. Liebe männliche Doctor Who-Fans, seien wir doch mal ehrlich, an was habt ihr so gedacht, als Amy Pond im sexy Polizistinnenoutfit in der ersten Folge aufgetaucht ist? Richtig, genau das!

Amy Pond.jpg
Amy Pond“ von alun.vegaFlickr. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Allerdings zeigt Doctor Whore auch, dass hier durchaus Leute mit Liebe zum Fan-Detail am Werk sind. Aus dem Hinweisschild an der blauen Tardis, “Free for use of public – Advice & Assistance ….” wurde kurzerhand: Please Her Box – It’s fun – Just head into the box – Genital experts respond to all calls – PULL TO OPEN Es sind also durchaus auch Fans am Werke. Die Darstellerin Skin Diamond, uns schon aus dem einleitenden Beispiel bekannt, gilt zum Beispiel auch privat als großer Whovian.

Worauf man übrigens dankenswerter Weise verzichtet zu haben scheint, war ein nachgebauter Dalek, der durch die Szene fährt und statt “Exterminate! Exterminate!” ein “Ejaculate! Ejaculate!” kreischt. Wobei das am nächsten Tag im Büro durchaus ein Anlass wäre, den Kollegen lachend in der Kaffeeküche zu gestehen, man habe gestern Abend einen Porno gesehen. Ich meine, das behält man(n) in den meisten Fällen doch freiwillig für sich …

Fassen wir zusammen: Pornoparodien machen Fans Spaß und lassen heimliche Fanfantasien wahr werden. Außerdem stecken sie nicht ganz so tief in der “Von sowas spricht man nicht”-Schublade wie der handelsübliche Porno und die ein oder andere Variante eignet sich vielleicht sogar für einen DVD-Abend.

Aber wenn sie für sich das Recht auf Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen, um sich eben an große Mainstreamproduktionen ranzuhängen, sollten sie dann nicht zumindest auch ein bisschen der ursprünglichen Begründung dieses Rechts nahe kommen. Sprich sollte in so einem Film nicht auch echte Parodie und Satire stecken, im Sinne, dass etwa Botschaften des Originals in Frage gestellt werden? Früher war das durchaus mal so, wie Schwanbeck in dem Vortrag anhand von zwei Porn Parodys auf den Klassiker Der weiße Hai demonstrieren konnte. Während der 1976 erschienen Gums anarchisch und subversiv wirkt, ist die moderne Variante – ja, ein Porno mit etwas Kit zur Simulation von Handlung. Aber Debatten, ob Parodien solcher Art tatsächlich noch einen besonderen Schutz verdienen, sind bekanntlich ja eher philosophischer, als rechtlicher Natur.

However, Hand hoch, wer von euch hat schon einmal eine Pornoparodie gesehen? Oder was denkt ihr generell zu dem Thema? Sind Porn Parodys Filme, die man sich eher ansehen könnte, als handlungsfreie Pornos?

 

banner-porno

Fair Trade-Pornos: PorYes statt PorNo?

Wir wissen ja alle, wie das ist. Man hat so ein schlechtes Gewissen, wenn man manchmal einkauft … dann packt man doch noch schnell die etwas teurere Fair Trade-Schokolade in den Einkaufswagen und schon ist das Gewissen wieder rein. Und wenn sich die Idee im folgenden Video durchsetzt, kann man(n) und frau in Zukunft ganz ungeniert Pornos gucken. Denn auch da gibt es jetzt Fair Trade-Ware.

Fair Trade? Feministische Pornos? Und in der Pause gibt es ein selbst gemachtes Buffet – selbstverständlich vegan. Ach, Leut? Echt jetzt? Meine erste Reaktion darauf:

Der WDR-Bericht gibt inhaltlich ja nicht besonders viel her, also habe ich das Ganze mal gegoogelt. (Gleich nachdem ich mich versichert habe, dass die Nummer nicht ein veralteter Aprilscherz ist.) Tja, aber die meinen das wirklich ernst … das gibt es wirklich. Und soll ich euch was verraten, nachdem es für jeden Sch*** ein Startup gibt, gibts natürlich auch für Biopornos eines. Auf der Seite von PiggyBankGirls, eine Art Crowdfundingplattform für die etwas offenherzigere Frau, gibt es diese kleine Einführung in die Welt des Fair Trade-Pornos.

Fair Trade-Pornos sind übrigens auch feministisch scheinbar abgesegnet – na ja, wahrscheinlich handelt es sich dabei nur um eine Splittergruppe der feministischen Bewegung. Aber egal. (Womit jetzt auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen Hardcore-Feministinnen und konservativen Evangelikalen, also der Kampf gegen die Pornographie, Historie geworden ist.)

Ok, bleiben wir sachlich und ernsthaft ….

Braucht die Welt Fair Trade-Pornos, oder ist das nur ein Marketingtrick, auf den die echte Pornoindustrie schlicht nicht angewiesen ist?

Irgendwie kommt mir das ein wenig so vor wie eine vegetarische Wurst. Wenn jemand Vegetarier ist, dann soll er das auch sein dürfen. Aber warum gibt es dann einen Markt für fleischlosen Fleischersatz? Ein zweiter Gedanke, ist die Frage, ob man Pornographie jetzt wirklich mit Pornographie bekämpfen kann. Selbstverständlich werden in vielen pornographischen Produktionen Frauen schlicht zum begatteten Objekt degradiert, aber auch der Mainstreammarkt spricht mit Teilen seiner Filme auch Frauen an. Die Frau als Pornokonsument existiert, auch wenn sie – wie ich in der Ringvorlesung zum Thema Pornographie an der Uni Würzburg schon des öfteren hören konnte – ein recht unerforschtes Gebiet sind. Mit anderen Worten, feministische Pornos sind Pornos für Frauen, wie sie sich Feministinnen vorstellen. Also ein zusätzliches Angebot, das allerdings offenbar nur zum Nischenthema taugt. Ob man die jetzt wirklich braucht, um diese Frage zu beantworten, habe ich schlicht das falsche Geschlecht. Ob man jedoch wirklich Feuer mit Feuer bekämpfen soll, das wage ich dann doch zu bezweifeln. Denn im Zweifel hat da ein Eimer Wasser immer noch besser funktioniert.

banner-porno

Gibt es weniger Internetpornos als früher?

Wenn du im Internet erfolgreich sein willst, brauchst du nur die drei P’s: Porno! Porno! Porno!

Es gab mal eine Zeit, da kam man bei diversen Vorträgen zum Thema Erfolg im Internet um diesen Witz kaum herum. Inzwischen ist er allerdings seltener geworden. Ob der wahre Kern darin nicht mehr stimmt, oder ob der Witz einfach ausgelutscht ist – wer weiß das schon.

Auch diese Woche war ich wieder in einer Vorlesung zum Thema Pornographie an der Universität Würzburg zu Gast. Frank Schwab und Astrid Carolus warfen unter dem Titel “Oversexed?” eine medienpsychologische Betrachtung auf das Thema. Im Rahmen des Vortrags stellte Astrid Carolus unter anderem die Behauptung auf, der Anteil der Pornographie am Internet würde zurückgehen.

Steile These, angesichts der seit Jahren immer wieder aufflammenden Diskussion. Aber sie hatte auch ein gute Begründung dafür: In den ersten Jahren war das Internet vorwiegend von Männern besetzt, die sowohl die deutliche Mehrheit bei den Contentlieferanten, als auch bei den Konsumenten hatten. Dieser Umstand hat sich, auch wenn ich hier in einigen Artikeln über das weiterhin bestehende Missverhältnis gebloggt habe, in den letzten Jahren gebessert. Nicht nur der Content an sich ist rasant gewachsen, sondern es gibt immer mehr Angebote von für Frauen. Das spräche also durchaus dafür, dass sich der relative Anteil von Pornographie im Netz verringert haben könnte.

Verlässliche Zahlen zu dem Thema sind schwer zu finden, weil man nicht nur darauf achten muss, wer die Schätzungen bereitstellt und welche Interessen er damit verfolgt. Es sind eben auch nur Schätzungen. Halbwegs seriöse Zahlen pendeln sich aber seit Jahren bei einem Anteil von 30% ziemlich konstant ein. Das der Anteil zumindest gleich geblieben ist, ist meiner Ansicht nach nicht weiter verwunderlich. Schließlich erschließt sich das Web immer mehr User, also auch immer mehr Männer, die potentiell als Pornokonsumenten taugen. Und da die Branche weiterhin einer der wenigen ist, mit denen sich sicher Geld im Netz verdienen lässt, dürfte auch die Anzahl der Angebote steigen. Sprich, mit dem insgesamt steigendem Angebot steigt auch der Anteil von pornographischen Inhalten, so dass die Relation am Ende ziemlich konstant bleibt.

Soweit die Angebotsseite, wie sieht es mit der Nachfrageseite aus?

Wenn man sich den Suchverlauf der Begriffe “Porno”, “Sex” und “Erotik” bei Google in den letzten zehn Jahren ansieht, ergibt sich eher ein gemischtes Bild:

Wobei eine derartige Analyse natürlich die Schwäche hat, das viele Pornokonsumenten direkt nach ihren jeweiligen Vorlieben suchen. In Deutschland wären das, neben Filmchen in der eigenen Sprache, neben “Lesben” zum Beispiel “Inzest” oder “Mutter” und selbst der Suchbegriff “Oma” ist im Pornobereich in den Top 10 vertreten.

Ist die Pornographie jetzt im Internet auf dem Rückzug?

Da möchte ich ehrlich gesagt kein abschließendes Urteil fällen. Es gibt Indikatoren dafür, wenn zum Beispiel explizite Inhalte nicht mehr in den Top 10 der Webseiten oder Suchbegriffe auftauchen. Auf der anderen Seite hat das nicht viel zu sagen, da das Angebot zersplittert ist und zusammengefasst eben doch einen gehörigen Teil des Internets ausmacht. Außerdem hat es letztlich nie in der Menschheitsgeschichte ein Medium gegeben, bei dem sexuelle Themen keine signifikante Rolle gespielt haben. Warum sollte das also im Internet anders sein. Man mag über den tatsächlichen Anteil also durchaus streiten können, marginal dürfte er aber keinesfalls sein oder irgendwann werden.

banner-porno

Was ist eigentlich Pornographie?

In einer alten Folge der TV-Serie Simpsons betätigt sich Marge als besorgte Mutter ziemlich erfolgreich als Kämpferin gegen die Pornographie. Doch wie es so ist, der Kampf nimmt nie ein Ende und schon bald stehen die besorgten Mütter der kleinen Stadt Springfield vor Marge und bitten sie den Kampf gegen eine besonders ekelhafte Ausstellung anzuführen. Der David von Michelangelo soll ausgestellt werden. Wahrscheinlich auch noch vor Kindern und dass, obwohl die Statue untenrum nicht nur nackt sondern auch anatomisch korrekt dargestellt wurde. Doch Marge steht jetzt vor einem Problem, ziel- und geschmackssicher erkennt sie, dass es sich bei Michelangelos David um eines der großen Kunstwerke der Menschheitsgeschichte handelt. Und das soll jetzt plötzlich Pornographie sein?

Diese kleine Episode aus den Simpsons, wie ich finde eine der gelungensten Analysen unseres Alltags, demonstriert noch einmal, was ich schon in einem früheren Beitrag dieser Serie angedeutet habe: Es ist im höchsten Grade subjektiv, was wir als pornographisch bezeichnen und was nicht. Zwar mag es auch in dieser Frage einen Common Sense geben, aber die extremen Ränder sind breiter, als in anderen Streitfragen.

Als Hobbes’ianer bin ich natürlich dazu geneigt einfach Recht und Gesetz die Definition zu überlassen. So definiert der Bundesgerichtshof Pornographie wie folgt:

“Als pornographisch ist eine Darstellung anzusehen, wenn sie unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer Weise in den Vordergrund rückt und ihre Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend auf das lüsterne Interesse des Betrachters an sexuellen Dingen abzielt.” (BGH St 23,44; 37,55)

Kann man mit dieser Definition arbeiten? Ein wenig schwammig ist sie ja schon. Der gute David dürfte da aus dem Rennen sein, weil bei ihm nicht oben beschriebene Ausklammerung stattfindet. Nichtsdestotrotz dürfte sich manch “Moralapostel” sich in Übereinklang mit dem Text finden, während ein “Progressiver” den gleichen Sachverhalt als lahme Erotik kategorisiert. Auch die Darstellung von Sexualität ist am Ende Geschmacksache und manch einer mag den Playboy schon für Hardcore halten.

Nun, Pornographie würde ich schlicht als die reale Darstellung des sexuellen Aktes, gleich in welcher Spielart, bezeichnen. Darin unterscheidet sie sich von der simulierten Darstellung zum Beispiel in Mainstreamfilmen. Derartige Pornographie unterliegt bei uns, Gott sei dank, gewissen gesetzlichen Restriktionen, vor allem was die Zugänglichkeit für Jugendliche angeht. Ob derartige Regelungen im Angesicht der freien Verfügbarkeit von Pornos im Internet mehr sind als eine juristische Nostalgie … darüber kann man leider streiten. Diese bedauerliche Feststellung gilt auch für jene Spielarten der Pornographie, die in Deutschland verboten sind, in anderen Ländern aber nicht. Um es kurz zu machen, die letzte Grenze auf die man sich international einigen kann besteht im Verbot von Kinderpornographie, ansonsten gilt anything goes, solange jemand dafür bezahlt.

Wie auch immer, im juristischen Sinne kann man also nicht von einer Gesellschaft reden, die offen immer pornographischer wird. Pornos laufen zum Beispiel nicht im (deutschen) Fernsehen, die wirklichen Pornohefte bekommt man beim Zeitschriftenhändler nur auf Anfrage und wer sich noch nicht rasieren muss, hat schlechte Karten ins Pornokino zu kommen. (Ja, die gibt es noch. Ich weiß auch nicht wie die sich in Zeiten des Internets finanzieren können.) Die moralische Bewertung kann natürlich auch ganz anders aussehen, was aber auch ein wenig dem Umstand geschuldet ist, dass “Erotik” als Kampfbegriff nicht mehr wirklich viel taugt unter “Das ist doch Pornographie!” lockt man keine Kampfgenossen mehr hinterm Ofen vor.

banner-porno