Essen

Restaurantkritik: Schankwirtschaft Schanzenbräu, Nürnberg

von am 29. Oktober 2015

Die große Zeit deutscher Gasthäuser und kleiner Wirtschaften ist längst Vergangenheit. Einst war sie ein sicherer Ort, um günstig und dennoch gut zu essen. Dann aber haben die meisten Wirte zum einen mitbekommen, dass der Deutsche nicht günstig und gut essen möchte, sondern günstig und viel. Zum anderen haben die Wirte ihre Achtung vor dem eigenen Berufsstand fallen lassen und sind auf Industrieware umgestiegen. Klassisches Beispiel ist heute der Kartoffelsalat, der auch dann als hausgemacht deklariert werden darf, wenn er aus dem Eimer kommt. Und da kommt er eben auch immer häufiger her, obwohl er viel mehr rein gehört – wenn der werte Leser versteht, was ich damit sagen will. Aber dem durchschnittlichen deutschen Esser ist das egal, auch wenn man einen echten hausgemachten Kartoffelsalat schon allein optisch von industrieller Massenware unterscheiden könnte. Kurz, gemeinsam haben Wirte und Gäste das Essen in deutschen Wirtschaften herabgewürdigt auf billigen Einheitsbrei, der satt macht – mehr aber auch nicht.

Doch genug geklagt, schließlich gibt es auch heute noch die berühmte Ausnahme von der Regel. In diesem Fall die zur Brauerei Schanzenbräu in Nürnberg gehörende Schankwirtschaft, ein kleines Juwel ihrer Zunft. Schon beim Eintreten merkt der Neuankömmling hier von echter, statt gekünstelter Atmosphäre umgeben zu sein. Schlichte Tische und Stühle ohne großen Schnickschnack sind das einzige Mobiliar.  Die Wände unterdessen sind mit liebevoll gesammelten Kram gespickt, dazu gehört nicht nur ein altes Schild einer Pferdeschlächterei, gesammelte Flaschen aus alten Zeiten und ein überdimensioniertes Bild von Karl Marx mit einem Bierkrug in der Hand.

In der Schankwirtschaft der Schanzenbräu kommt der Gast ohne gedruckte Speisekarte aus, die gibt es stattdessen über den Gastraum verteilt auf Tafeln geschrieben. Das Angebot ist dem Ort angemessen und durchaus überschaubar, neben den immer vorhandenen Angebot an kalter Vesper gibt es dem Standort angemessen natürlich Bratwürste und für den echten Franken auch Saure Zipfel. Das Angebot wird von wechselnden Gerichten ergänzt, unter anderem auch eine Curry Kürbis Suppe, die meine erste Wahl war. In den auf Standard getrimmten Gasthäusern gibt es an dieser Stelle meist Suppenbecher, die wie plattgedrückte Kaffeetrassen aussehen. Nicht so in diesem Fall, hier gibt es gleich einen ganzen Topf dessen Inhalt für drei Teller reicht und für knapp über 3 Euro konkurrenzlos günstig sein dürfte. Und dabei auch noch gut, da die Kürbissuppe unverkennbar nach ihrem Namensgeber schmeckte und das Curry tatsächlich nur eine ergänzende Note bot.

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Eine Curry Kürbis Suppe als Vorspeise.

Bei einer so umfangreichen Vorspeise hätte man sich das Hauptgericht fast schon sparen können. Da aber solch angenehme Überraschungen heute eher selten sind, kann man das ja nicht vorher wissen und so landet ein bis an den Rand gefüllter Teller mit Fleischküchle, Kartoffeln und Rosenkohl auf dem Tisch. Auch hier in der inzwischen so selten gewordenen Dreier-Kombination Gut, günstig und viel. Aus den beiden selbstgemachten Fleischküchle hätte ich in der Küche eher vier Stück gemacht und entsprechend auch an zwei Leute verteilt. Viel besser hätte ich sie allerdings vom Geschmack nicht hinbekommen, und dabei ist das eines meiner Spezialgebiete. Das Fleisch war von guter Qualität und nicht zu Tode gewürzt, wie es leider immer noch zu oft der Fall ist. Selbst der von vielen in ihren Kindertagen so gemiedene Rosenkohl konnte sich sehen und schmecken lassen.

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Fleischküchle mit Pellkartoffeln und Rosenkohl

Mit anderen Worten, zum ersten Mal seit recht langer Zeit, habe ich eigentlich gar nichts zu meckern und kann deshalb auch meine im Restaurantbereich sehr selten gezückten fünf von fünf Kaffeebechern vergeben. Wer noch einmal in der guten alten Zeit deutscher Wirtschaften schwelgen will und zufällig in Nürnberg ist, der sollte sich die Schankwirtschaft der Schanzenbräu auf keinen Fall entgehen lassen.

Bewertung: fünft

Schankwirtschaft Schanzenbräu – Adam Klein Straße 27, 90429 Nürnberg-Gostenhofenwww.schanzenbraeu.de/schankwirtschaft.html

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Essen

Wann ist ein Burger ein Burger?

von am 7. September 2015

Widmen wir uns heute mal einer grundsätzlichen Frage, die in der hiesigen kulinarischen Szene immer ein wenig untergeht. Das seit ein oder zwei Jahren in jeder mittelgroßen deutschen Stadt Burgerläden aus dem Boden sprießen, die sich sozusagen als eine hochwertige Alternative zu McDonalds verstehen, dürfte längst bekannt sein. Diese Entwicklung hat aber auch dazu geführt, dass das Angebot an sogenannten vegetarischen Bürgern inzwischen durchaus existent geworden ist. Schließlich zielt man ja auch auf Gruppen ab. Und in so ziemlich jeder Gruppe gibt es inzwischen auch ein oder zwei Vegetarier, die geübt darin sind mit nachdrücklicher Vehemenz darauf zu drängen, dass sich die Gruppe bei der Wahl des Restaurants nach ihren Bedürfnissen zu richten hat. Soll also nicht jeder zweite Besuch eines Burgerrestaurants scheitern, muss dieses inzwischen zwangsläufig auch eine ganze Angebotspalette vegetarischer Burgerimitationen auf der Speisekarte haben.

Aber handelt es sich bei den diversen Bratlingen dann wirklich noch um Burger, im Sinne des guten alten Hamburgers als Mutter aller Burger? Versteht mich nicht falsch, es geht dabei nicht um die Frage, ob die Bratlinge schmecken können. Das können sie durchaus, wie der hier abgebildete Walnussbratling des Five Diner in Nürnberg – der war sehr lecker und ist durchaus zu empfehlen. Aber mir geht es um die grundsätzliche Frage, sozusagen mit einer philosophischen Herangehensweise. Dürfte doch bekannt sein, dass das Erlebnis einer Sache immer auch davon abhängt, wie wir sie bezeichnen und inwiefern wir mit unserer Bezeichnung der Wahrheit nahe kommen.

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Ist ein Walnuss-Bratling ein Burger?

Wer sich der Diskussion verweigern möchte, wird jetzt gleich damit kommen, es sei letztlich ja egal wie ich das Gericht bezeichne, sondern es komme auf den Geschmack an. Dabei übersieht er aber leicht, dass der Einfluss hier wirklich vorhanden ist. Vergleichbar etwa mit dem „mitessenden“ Auge, das bei grünem Ketchup bekanntlich seine Irritation an die Geschmacksnerven weiter gibt.

Fragen wir doch mal Wikipedia:

„Ein Hamburger (auch kurz Burger) besteht aus einem Brötchen, dem Bun, mit verschiedenen Belägen, und wird als warmes Schnell- oder Fertiggericht angeboten. Hamburger werden hauptsächlich mit dem Patty, einer gegrillten Scheibe aus Rinderhackfleisch (einer Art Hacksteak) belegt und bilden den Standardartikel vieler Fast-Food-Ketten.“ – Quelle: de.wikipedia.org

Verschiedene Beläge? Nun, der könnte also auch vegetarisch sein, dementsprechend ist die Definition für einen Veggie-Burger folgende:

„Der Bratling besteht beim Veggie-Burger aus Gemüse, Nüssen, Pilzen oder anderen pflanzlichen bzw. vegetarischen Produkten. Veggie-Burger sind heute in den meisten großen Fast-Food-Ketten zu finden, jedoch ist deren Verfügbarkeit von Region zu Region unterschiedlich.“ – Quelle: de.wikipedia.org

Ein Veggie-Burger ist also ein Hamburger quasi ohne Ham, also ein Burger??? Ah, ich sehe schon, dieser Beitrag entwickelt sich langsam aber sicher zum Nonsens-Artikel des Monats.

Wenn ich ehrlich bin, dann irritiert mich an dieser Geschichte ein Aspekt, den ich bei Vegetariern nie verstanden habe. Man kann sich für eine fleischlose Ernährung entscheiden, es gibt Gründe dafür und Gründe dagegen und am Ende ist es jedem selbst überlassen. Aber warum ahmen dann Legionen von vegetarischen Gerichten und Produkten im Handel fleischhaltige Gerichte und Produkte nach? Warum muss es ein Veggie-Burger sein, klingt „Bratling“ zu fad? Und warum gibt es ernsthaft vegetarische Wurst, die man von der handelsüblichen Fleischwurst optisch kaum unterscheiden kann? Und nein, liebe Vegetarier, kommt mir jetzt nicht mit dem Argument, dahinter würden nur die Ideen von Wirten und Lebensmittelhändlern stehen, die nun mal keine Vegetarier sind. Mit der fleischlosen Wurst ist es genauso wie mit den Schokolebkuchen Ende August, das Zeug würde nicht angeboten werden, wenn es nicht irgendwer kaufen würde.

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Essen

Restaurantkritik: Kettensteg, Nürnberg

von am 29. Mai 2015

Als quasi staatlich vereidigte Sauerbratentester im Wartestand habe ich gestern einmal den Sauerbraten im Nürnberger Biergarten Kettensteg einem ausführlichen Test unterzogen.

Am namensgebenden Kettensteg gelegen stand die Örtlichkeit trotz recht schöner Lage eine ganze Zeit lang leer, eher der jetzige Wirt dort sein gut fränkisches Wirtshaus mit zugehörigem Biergarten eröffnete. Was eigentlich verwundert, speist man hier doch zum einen schön zentral in der Nürnberger Innenstadt, ohne aber eine Spur von Hektik oder Touristenströmen ausgesetzt zu sein. Unterstützt wird diese fränkische Müdigkeit auch vom Wirt, der selbst – wenn die Küche mal nicht mehr nachkommt – mit seiner freundlichen Art mit einer Gemütlichkeitsoffensive solche Punkte zur Nebensächlichkeit werden lässt.

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Ein Sauerbraten in Ehren, kann doch nur ein Vegetarier verwehren.

Die Speisekarte ist überschaubar. Ein Eindruck, der auch noch davon unterstützt wird das die von der Brauerei Tucher gelieferte Standardkarte einige Glassichthüllen zu viel hat, die aber auch gar nicht gefüllt werden müssen, um das wirklich Wichtigste auf die Karte zu setzen. Allein Vegetarier werden beim Angebot zwischen Schäufele und Schweinebraten vielleicht nicht so glücklich werden. Für sie bleibt letztlich nur der Kloß oder die Käsespätzle – letztere durchaus zu empfehlen. Der durchschnittliche, sich nicht rein vegetarische ernährende, Gast dürfte aber durchaus mit der Auswahl zufrieden sein. Die grundlegenden Bestandteile der fränkischen Küche sind vorhanden. Und natürlich dürfen auch die Bratwürste nicht fehlen.

Auf Bratwürste fiel meine Wahl aber natürlich nicht, als Anhänger der gut katholischen Würzburger Bratwurst hege ich zugegebenermaßen einige Vorurteile gegenüber der protestantischen Nürnberger Variante. Diesen Unterschied gibt es übrigens tatsächlich. Währen in den protestantischen Gegenden Frankens die Bratwurst er grob durch den Fleischwolf gedreht wird, ist das Brät in der katholischen Variante wesentlich feiner zubereitet.

Die Wahl an einem der letzten Frühlingstage fiel dann jedoch auf den guten alten Sauerbraten. Eine gute Wahl? Ja, mit Einschränkungen. Zweifellos kann sich der Sauerbraten am Kettensteg durchaus schmecken lassen, auch wenn er nicht wirklich in meiner Top 10 dieser wundervollsten Bratenvariante auftauchen dürfte. Handwerklich wird hier zuverlässig gearbeitet und die dazugegebene Birne gibt mit ihrer Süße dem sprichwörtlich sauren Braten durchaus einen pfiffigen Gegensatz. Insgesamt aber ist der Geschmack nicht ganz so intensiv, wie es anderswo der Fall ist. Insofern ist der Sauerbraten hier so etwas wie ein Sauerbraten für Einsteiger. Unterstützt von zwei Klößen, was wäre die fränkische Küche ohne sie, und einem überaus gelungenem Beilagensalat, ergibt sich am Ende aber dennoch ein stimmiges Gesamtbild, das seinen Preis durchaus wert ist.

Unterfränkisches Wirtshaus Kellersteg – Maxplatz 35, 90403 Nürnberg – www.restaurant-biergarten-kettensteg.de

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Kritik: Café Treibhaus, Nürnberg

von am 21. Februar 2015

Was gehört ins Treibhaus? Richtig, Pflanzen. Allerdings kann man beruhigt sein, obwohl man im Nürnberger Tag-/Nachtcafé Treibhaus durchaus etwas Grün aufgestellt hat, man findet dennoch die Tische und die Bedienung kommt auch ohne Buschmesser zu den Gästen durch.

Überhaupt hat der Gast, trotz einer zweifellos optimierten Platzausnützung, nicht das Gefühl es sei hier eng und aneinandergerückt, es ist eher angenehme und kuschelig – freilich, ohne gezwungen zu sein mit dem Tischnachbarn auch wirklich kuscheln zu müssen.

Die Karte besticht vor allem durch ein umfangreiches Frühstücksprogramm, wohl auch dem studentisch geprägten Publikum geschuldet. Daneben gibt es die üblichen Standards von Pastagerichten bis zur Ofenkartoffel. Einen Blick wert ist aber auf jeden Fall die Wochenkarte, wie in diesem Beispiel ebenfalls getan.

Treibhaus Nürnberg
Café Treibhaus, Nürnberg

So bestand die Vorspeise aus einer Karotten Cocos Ingwer Suppe, klingt wie eine komische Mischung, ist aber total lecker. Die (vielleicht einen Tick zu heiße) Karottensuppe hat durch die Cocosmilch und den Ingwer genau den richtigen Pfiff bekommen. Eine auf der Zunge hervorragend zur Geltung kommende Mischung aus Schärfe und Süße.

Auch das Hauptgericht stammt von der Wochenkarte, ein einfaches Thai Gemüse Curry mit Reis. Recht schnell serviert. Ebenfalls sehr lecker, wenn auch ohne diesen „richtigen Pfiff“, der das Besondere hätte ausmachen können. Was wohl vor allem an der alles dominierenden Erdnusssauce liegen dürfte.

Und als Dessert? Nun, kein Dessert. Dafür bekommt das Treibhaus natürlich allein einen „Coffee to go“-Becher mehr, weil die kleine Whiskeykarte mit Bushmills meinen absoluten Favoriten unter diesem Schatz aus flüssigem Gold enthält. Auch deshalb, aber nicht nur deshalb, fällt mein Gesamturteil überaus positiv aus. Wer mal in Nürnberg unterwegs ist und sich einfach mal in netter Atmosphäre eine Kleinigkeit zu Essen gönnen will, ist im Café Treibhaus genau richtig.

Bewertung: vier

Tag-/Nachtcafé Treibhaus – Karl-Grillenberger-Straße 28, 90402 Nürnberg

 

 

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