Die Franzosen haben noch nie etwas von Helene Fischer gehört

Manche Musikfans müssen jetzt ganz stark schein, aber ja, Helene Fischer hat gerade ihr neues Album veröffentlicht. Und ja, ich gebe zu, ich habe sie in Vinyl auch schon bei mir zuhause. Ein Fan von Helene Fischer zu sein, habe ich an dieser Stelle ja früher schon einmal gestanden. Und warum auch nicht? Heute ist ja gegen den Mainstream zu sein die einzig gültige Mainstreamverhaltensweise. Womit, Vorsicht Logik, Helene Fischer und Till Schweiger so etwas wie die letzten echten Rebellen im deutschen Showgeschäft geworden sind. Abgesehen davon glaube ich, dass Helene Fischer die wohl treuesten Fans hat, die öffentlich nie zugeben würden, Fan von Helene Fischer zu sein.


Helene Fischer (* 5. August 1984 in Krasnojarsk, Russische SFSR als Елена Петровна Фишер Jelena Petrowna Fischer) ist eine deutsche Schlagersängerin und Entertainerin. Mit mehr als zehn Millionen verkauften Tonträgern zählt sie zu den erfolgreichsten Sängerinnen Deutschlands.

Ihre Alben Farbenspiel und Best of Helene Fischer gehören zu den meistverkauften Musikalben in Deutschland. Fischer wurde mehrfach als Sängerin ausgezeichnet, unter anderem mit sechzehn Echos und sieben Goldenen Hennen, und ist auch im Fernsehen aktiv. So präsentiert sie seit 2011 zu Weihnachten Die Helene Fischer Show, die 2015 mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. – de.wikipedia.org


Soweit die nackten Fakten. Es bleiben allerdings noch eine ganze Reihe wichtiger Fragen offen: Aber wer ist Helene Fischer wirklich? Warum ist sie ein urdeutsches Phänomen? Warum wäre sie für die Mehrheit der deutschen Männer die ideale Verlobte? Und warum um Himmels Willen kennen die Franzosen sie nicht? Dieser Frage ist das ARTE-Magazin Karambolage einmal nachgegangen:

 

Rezension: “Das wilde Kind” von T. C. Boyle

Zurück zur Natur! Als Jean-Jaques Rousseau diesen Satz prägte, ging es ihm, einem weit verbreiteten Vorurteil zum Trotz, nicht um Umweltschutz, sondern um die Rückkehr des Menschen zu einem Naturzustand, in dem er von der Kultur unberührt edel und frei leben kann. Als bekennender Hobbesianer halte ich das natürlich für völligen Unsinn, gleicht der Naturzustand doch eher einem Krieg aller gegen alle und es ist gerade die Kultur, die diesen Kriegszustand dauerhaft unterdrücken kann. Und dennoch wirkt und wirkte Rousseaus krude Ideen die Geschichte hindurch und setzten zum Beispiel das Bild des edlen Wilden in die Welt. Ein Bild, das im Zeitalter der Entdeckungen wenig mit der Realität gemein hatte und ironischerweise auch nicht dafür sorgen konnte, dass Europäer die vermeintlich edlen Wilden zivilisierten.

Auch in T. C. Boyles Erzählung Das wilde Kind spielen die Vorstellungen Rousseaus eine unterschwellige Rolle, auch wenn der Philosoph im gesamten Text nur einmal erwähnt wurde. Schließlich erweisen sie sich auch in dieser Geschichte als falsch, ist das wilde Kind, das gegen Ende der Revolution in der französischen Provinz nackt, sprachlos und unzivilisiert gefunden wird, kein edler Wilde, sondern mehr ein verwirrtes, gefangenes Tier. Verteidiger Rousseaus würden jetzt vielleicht noch erwähnen, dass der Start ins Leben für den Jungen, den man später Victor nennen sollte, nicht im Naturzustand begann, sondern sich die Kultur dort von ihrer übelsten Seite zeigte. Von einer Stiefmutter als ungewollter Fünfjähriger in den Wald geführt, überlebte er den Versuch ihm die Kehle durchzuschneiden und mied fortan die Menschen. Er wurde also nicht als edler Wilder geboren, sondern verwilderte. Notgedrungen, denn nur so gelang es ihm mehr als fünf Jahre in der Natur zu überleben, bis die Zivilisation in Form von Jägern zurückkam und ihn einfingen. Eine Sensation, die schnell in Frankreich die Runde machte. Die entstehenden Zeitungen nahmen sich des Falls an und so manch Wissenschaftler sah seine Chance auf großen Ruhm. Der Wilde wurde zum Objekt der Beobachtung, schließlich zum Objekt eines Experiments, an dessen Ende die Zivilisierung stehen sollte.

Vielleicht war dieses Experiment ja auch deshalb von Beginn an zum Scheitern verurteilt, weil die Mittel des Zivilisierungsprozesses aus unserer Sicht nicht selten wenig zivilisiert wirken.

“Drei Tage später war er in Paris, […] Er sah Gewimmel, er hörte Chaos, und was er roch, stank schlimmer als alles, was er in den auf den Feldern und in den Wäldern von Aveyron […] gerochen hatte: Es war der Gestank der Zivilisation.” – Das wilde Kind von T. C. Boyle

Und so entbehrt die Erzählung von Boyle auch jeglichen romantischen Vorstellungen. Weder kehrt das verwilderte Kind nach viel Mühe und Geduld in den Schoss der Gesellschaft zurück und lebt glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende. Noch kann er der gewaltsamen Zivilisierung entkommen und zurück in den Wald fliehen. Nach Jahren der glücklosen Versuche Victor mehr als drei Worte zu entlocken, oder ihn dazu zu bringen nicht in der Öffentlichkeit zu masturbieren, ist das Endprodukt ein junger Mann, zweifellos intelligent, aber in der feinen Pariser Gesellschaft kaum mehr integriert, als ein mittelmäßig erzogener Hund. Zeitgleich ist er aber auch für die Natur verdorben, denn die Annehmlichkeiten der Zivilisation mag er in den ersten Monaten noch so heftig abgelehnt haben, eine gut gefüllte Vorratskammer hat ihn rundlich werden lassen. Und wer einmal Bratkartoffeln gekostet hat, beißt nicht mehr in die rohe Knolle. Was am Ende des Experimentes steht, ist ein Halb-Wilder, weder fähig in der einen, noch in der anderen Welt zu leben. Ein Forschungsobjekt, das zum Menschen erklärt wird, um sich nicht mehr an ihn zu erinnern. Einen Artikel in der Presse ist er schon lange nicht mehr wert.

Die besten #bücher findet man auch mal auf der Straße. #roman #boyle #frankreich #wilde #rousseau

Ein von Thomas Matterne (@thomasmatterne) gepostetes Foto am

So wenig T. C. Boyle mit seiner Erzählung Rousseau zuneigt, so wenig besingt er die Errungenschaften der Zivilisation. Immer wieder versucht er als Erzähler durch die Augen des wilden Kindes zu blicken, dass sich nur noch an seine Zeit in den Wäldern erinnern kann und sich wie ein gefangenes Tier fühlt. Eingefangen von Wesen, die ihm zwar äußerlich gleichen, aber doch ganz anders sind. Wesen, die von ihm unnötige Dinge verlangen und ihn nicht mehr gehen lassen wollen. Und die ihm nach Jahren doch so wohlgesonnen vorkommen, das er auch nicht mehr gehen möchte. Man mag meinen, er gebe im Laufe der Erzählung seine Freiheit zugunsten der Kultur auf, doch was er verloren hatte, war nur eine tierische Freiheit. Eine vermeintliche Freiheit, die nur aus dem idealisierten Blickwinkel des Menschen erstrebenswert scheint, der sich einbildet, man könne so von Tag zu Tag ohne Verpflichtungen leben. Dabei bedeutet diese tierische Freiheit kaum mehr, als einen Überlebenskampf von Tag zu Tag. Es ist die Freiheit des friss oder stirb – und wenn du Glück hast, bist du am oberen Ende der Nahrungskette.

Bewertung: vier

Wer am rechten Rand fischt, sägt nur am eigenen Ast

Warum Horst Seehofer das beste Pferd im Stall der AfD ist!

Wenn man sich fragt, warum die CDU abgesehen von einigen Einzelpersonen nicht wie einst um das Jahr 1992 angesichts der Flüchtlingssituation keinen gewaltigen Schritt nach rechts macht, sollte nicht nur auf die Position Angela Merkels blicken. Mitunter wird als Antwort auf diese Frage auch auf den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder hingewiesen. Kauder war damals noch in der Landespolitik tätig und die CDU in Baden Württemberg stand vor einem Problem: Die Republikaner

Mit ihrer simplen “Das Boot ist voll”-Rhetorik schickte sich die Truppe von Franz Schönhuber, dem die CSU nicht mehr rechts genug gewesen war, an, im Ländle in den Landtag einzuziehen. Und bei der CDU, die damals noch für Baden Württemberg stand, wie es sich die CSU heute noch für Bayern einbildet, bekam es mit der Angst zu tun. Man fürchtete in Massen Wähler an die Republikaner zu verlieren. Die Reaktion bestand aus einer Änderung des Tonfalls und der Übernahme manch rechter Forderungen, so hoffte man die Wähler wieder zurückholen zu können. Die Geschichte ging anders aus, denn den Republikanern gelang nicht nur der Einzug ins Landesparlament, sie konnten sich sogar bei der nächsten Wahl behaupten. Die CDU-Strategie war auch unter dem neutralen Aspekte der Parteipolitik ein Fehlschlag auf ganzer Linie. Ein kühl kalkulierender Politiker wie Volker Kauder weiß das, und seine Vernunft hält ihn davon ab, denselben Fehler ein weiteres Mal zu begehen.

Ob der durchschnittliche CSU-Politiker unvernünftiger ist, als sein Gegenpart in der Schwesterpartei – man weiß es nicht. Aber zumindest könnte man vermuten, er bezieht seine Vernunft nicht immer mit ein, bevor er etwas in der Öffentlichkeit von sich gibt. Und auch wenn die BILD derzeit einen Brief von 34 Provinzpolitikern der CDU als Rebellion gegen Merkel aufbauscht, der wahre Gegenwind weht immer noch aus München. Da fordert ein Minister, dass Asylrecht mehr oder weniger abzuschaffen – immerhin konnte ja niemand damit rechnen, dass so viele Leute es plötzlich in Anspruch nehmen würden. Und andere CSUler dürften unwidersprochen die These aufstellen, nur 1 % – in Worten: EIN PROZENT – der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge, seien auch zu Recht hier. Solchen Aussagen könnte man mit Logik und Vernunft begegnen, zum Beispiel auf den Widerspruch hinweisen, warum man das Asylrecht ändern muss, wenn es doch nur für 1 % wirklich gilt, aber das wäre eine zum Scheitern verurteilte Diskussion auf verschiedenen Ebenen. Ohnehin sind solche Aussagen nur die Köder der CSU, um am rechtspopulistischen Rand Stimmen zu angeln.

Denn an ihrem rechten Rand verliert die Union nach neuesten Umfragen, etwa die aktuelle von Stern-RTL, auch Stimmen in der Wählergunst. Dabei sind die Verluste der CDU nicht weiter dramatisch, die der CSU übrigens auch nicht – allerdings sind sie weit höher als jene in der Schwesterpartei. Insgesamt fällt die CSU unter die von ihr so wichtigen 50-%-Marke. Und das liegt nicht etwa daran, dass sich manch Anhänger von den harten Worten der CSU-Politiker abschrecken lassen, sondern am Stimmgewinn der AfD, die in Bayern jetzt die 5-%-Hürde wohl sicher nehmen würden.

Bayern und die CSU werden allgemein noch immer als Sonderfall bezeichnet. Und wirklich ist es der CSU über Jahrzehnte gelungen praktisch zur nicht abwählbaren bayerischen Staatspartei zu werden. Der Ausrutscher bei den vorletzten Wahlen und die ungeliebte Koalition mit der FDP ist längst vergessen. Was allerdings nicht vergessen, sondern besser ausgedrückt, erst gar nicht wahrgenommen wird, ist die simple Gleichung, dass wer 50% in einem Parlament hat, nicht 50% der Wählerstimmen auf sich vereinigt und schon gar nicht die Hälfte der Bevölkerung. Die stetig sinkende Wahlbeteiligung muss die CSU natürlich offiziell bedauern, inoffiziell sind immer mehr Wähler aber der letzte verbliebene Garant für die 50 % der CSU. Denn während zum Beispiel enttäuschte Sozialdemokraten zu Nichtwählern werden, geht der typische CSU-Wähler auf dem Land auch noch bei einem Orkan brav ins Wahllokal. Eine geringe Wahlbeteiligung ist aber eben auch für Parteien wie die AfD ein Vorteil, da sie Wähler offenbar besser motivieren können. So ganz einfach ist die Rechnung für die CSU also doch nicht, und ihr Fischen am rechten Rand könnte sich als Bumerang erweisen, wenn die AfD den Einzug eben doch schafft. Niemand arbeitet derzeit daran besser, als Horst Seehofer selbst. In seiner Partei zwar der Alleinherrscher, im Volk aber selbst im CSU-Milieu wegen seiner Wechselhaftigkeit und seinen großen Worten, denen selten große Taten folgen, nicht gerade der beliebteste aller bayerischen Ministerpräsidenten. Gerade sein Verhalten in der Flüchtlingskrise, das aus markigen Worten in München und bravem Mitabstimmen in Berlin besteht, wird immer mehr Menschen den Rechtspopulisten in die Arme treiben. Kurzum, man fischt nicht am rechten Rand, sondern sägt am Ast, auf dem man sitzt.

Rechtspopulisten einbinden, ignorieren oder überholen?

Das ist ein altes und ein immer noch aktuelles Problem von uns Konservativen. Was tun mit den Rechtspopulisten? Soll man sie ignorieren, einbinden oder populistisch überholen? Sie einzubinden ist gerade in Deutschland ein Tabu, der letzte Versuch endete mit der Machtübernahme Adolf Hitlers. Der populistische Weg hat sich auch als Irrtum herausgestellt, auch wenn einige das noch nicht begriffen haben. Auch in Frankreich stellt sich dieses Problem derzeit, auch Nicolas Sarkozy macht dabei keine gute Figur. Allerdings ist die Erkenntnis in Teilen seiner Partei durchaus auch schon angekommen.

“Wir werden den Front National an den Urnen nicht überholen , wenn wir ihm ständig hinterherrennen.”, Alan Juppe

Bliebe die Möglichkeit die Rechtspopulisten einfach zu ignorieren, aber auch das hat sich in der Geschichte nicht als besonders hilfreich herausgestellt. Oft war es schlicht auch ein überhebliches Herabblicken auf den Mob, von dem manch Konservative im Grunde froh war, ihn nicht selbst an der Backe kleben zu haben.

Traurig, aber wahr, am Ende hilft auch hier nur der harte Weg, nämlich die Auseinandersetzung und die Entzauberung des Populismus durch die Wahrheit. Sicher, die Fakten werden bei weitem nicht alle überzeugen können, aber ein gewisser Anteil der Bevölkerung ist nun einmal so – damit muss man am Ende auch leben können. Ihr nachzurennen ist für den großen Rest der Bevölkerung allerdings ein Unglück.

Der Punkt in der aktuellen Flüchtlingssituation etwa ist, dass wir es hier tatsächlich mit einer riesigen Aufgabe zu tun haben. Staat und Bevölkerung meistern sie, nicht immer perfekt, durchaus am Rande des Machbaren, aber dennoch wird getan, was getan werden muss. Das geht nicht ohne Probleme vonstatten. Ob wir es schaffen, dass wird sich zeigen. Vielleicht waren Worte wie jene von Angela Merkel auch schlecht gewählt, regiert sie doch ein Volk, das hinter Pathos schon den Nationalismus kriechen sieht. Was wir aber auf jeden Fall tun müssen und was die Mehrheit auch tut, ist Verantwortung zu übernehmen und sich der Situation zu stellen – statt der irrigen Hoffnung nachzuhängen, allein höhere Zäune könnten irgendetwas am Kern der Herausforderung ändern. Aber es geht auch nicht ohne harte Entscheidungen, was Menschen ohne berechtigten Asylgrund angeht. Grünes Wunschdenken ist da auch nicht besser, als rechtspopulistische Hetzer, die Einzelfälle zu Massenphänomenen machen und die hohen Zahlen zu einer Panikmache nutzen. Ja, selbst mit all den muslimischen Flüchtlingen, die derzeit ins Land kommen, ist die Islamisierung des Abendlandes nach wie vor geistiger Dünnschiss. Nur ist es eben aber für die vernunftbegabten Kräfte innerhalb der Konservativen, Liberalen und Linken weit schwerer, diese reale Einschätzung der Lage an den Mann zu bringen, wenn gleichzeitig CSU-Politiker derartigen Hirngespinsten Nahrung geben.

Syrien: Fluchtursachen abstellen? Probiert’s doch!

Für mich ist die Frage der Reaktion auf die Flüchtlingskrise nicht nur eine Frage von helfen oder nicht helfen, von Mitleid oder Desinteresse – es ist auch eine Frage, ob man in einer Situation, die nun einmal eingetreten ist, Verantwortung übernimmt oder sich weigert. Man mag über die Vor- und Nachteile der ins Land kommenden Flüchtlinge anderer Meinung sein. Aber egal welche Position man dazu einnimmt, die Flüchtlinge sind einfach da – die gehen auch nicht mehr weg, selbst wenn Horst Seehofer droht solange die Luft anzuhalten, bis sie es tun. Was wir in diesen Wochen haben sind nicht nur hunderttausende Flüchtlinge, es sind auch hunderttausende Realitäten. Diese Realität kann man akzeptieren und seiner Verantwortung dem anderen gegenüber nachkommen, indem man seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit tut – oder, man kann sich wortreich darum drücken.

Allerdings kommt man als Drückeberger nicht so gut rüber, deshalb muss man auch Alternativen bieten, die zumindest auf den ersten Blick gar nicht so falsch und auch als besserer Ausweg für die Flüchtlinge selbst wirken. Eine dieser einfachen Antworten lautet: Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen und nicht die Flüchtlinge aufnehmen, die doch nur das Symptom sind.

Ist diese Aussage richtig? Ja, ist sie, sie hat aber einen kleinen Nachteil.

Am offensichtlichsten ist das beim Hauptkonflikt in Syrien, wo sich seit 2011 der arabische Frühling in einen blutigen Winter verwandelt hat. Wir wollen die Fluchtursachen bekämpfen? Gerne, der Weg ist gar nicht so kompliziert:

  1. Dazu bedarf es nur massiver Bodentruppen, die Angriffe aus der Luft sind reine Symbolpolitik und Augenwischerei.
  2. Da der IS der Hauptgegner ist, bedarf es Verbündeter. Die Kurden sind zu wenige und bei den Schiiten oder Sunniten zu unbeliebt. Blieben vielleicht die Alawiten, aber das geht nicht ohne Assad. Und die sogenannte Freie Syrische Armee – die schlachten auch Frauen und Kinder ab. Das unterschlägt man nur gerne in der Berichterstattung. Wen also wählen – am Ende würde es auf Assad hinauslaufen, wenn er denn verspricht ein nicht ganz so schlimmer Diktator zu werden.
  3. Zuvor muss man sich natürlich mit Putin und dem Iran einigen.
  4. Es kann nicht schaden, Saudi Arabien und andere Golfstaaten zumindest lieb zu bitten, den IS nicht quer zu finanzieren.
  5. Durchhalten, ein oder zwei Jahre und unzählige Zinnsärge später ist das Problem gelöst.

Das klingt zynisch? Ist es auch, aber das macht die Sache leider nicht falsch. Es zeigt viel mehr deutlich auf, dass die einfache Antwort wie so oft schon mit einem Minimum an Hinterfragung in sich zusammenstürzt.

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass Europa sich nicht bemühen muss den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden. Aber wir dürfen keine Illusionen haben, das wird nicht nächstes Jahr sein. Der Zeitpunkt die Sache halbwegs unblutig über die Runden zu kriegen haben gerade wir im Westen mit unserer einseitigen Begeisterung für den arabischen Frühling verpasst, obwohl erste Zeichen in Libyen schon daraufhin gedeutet haben, dass diese Bewegung auch hässlich enden kann. In einer Diskussion zum neuen Weißbuch der Bundeswehr innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hier als Video, fiel schon der Vergleich zum 30jährigen Krieg. Ist das so unrealistisch?

Was im Nahen und Mittleren Osten passiert könnte man nämlich auch als endgültigen Zusammenbruch des Sykes-Picot-Abkommens betrachten, in dem sich vor nicht ganz 100 Jahren Briten und Franzosen selbstherrlich die Kriegsbeute des Osmanischen Reiches unter den Nagel gerissen haben. Als erfahrene Kolonialmächte zogen sie dabei völlig willkürliche Grenzen, ohne auf Bevölkerungsgruppen groß Rücksicht zu nehmen. Man kann den Islamischen Staat auch als die schlimmst-mögliche Art ansehen, wie sich die Araber dort staatlich neu selbst organisieren. Europa sollte also nicht allzu selbstherrlich auf die USA zeigen. Die Amerikaner haben mit ihrem Privatkrieg Bush gegen den Irak vielleicht die Lunte angezündet, die Bombe wurde aber in London und Paris gebaut.

Deutschland – Frankreich: Ein Twitter-Beitrag

Gestern das Spiel Deutschland gegen Frankreich bei der Frauen Weltmeisterschaft zu sehen, war nicht einfach:

Also eigentlich hieß die Paarung für mich

gegen

Und was passiert dann?

Aber danach gab es nur noch Elfmeter. Und wir wissen ja alle:

Am Ende hieß es also: