Glaube

Amoris Laetitia – Der Kulturkampf hat noch gar nicht begonnen

von am 9. April 2016

Wie jetzt, zwei Jahre wird ein Riesenaufstand um die größte Bischofsberatung seit dem Konzil gemacht, und jetzt ist das alles medial schon gegessen? Dabei hätte das päpstliche Lehrschreiben „Amoris Laetitia – Die Freuden der Liebe“ schon etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.

Wer sich jenseits der Mainstreammedien umsieht, wie einzelne katholische Medien, Blogs oder einfach nur Meinungsmacher auf das Lehrschreiben von Papst Franziskus reagieren, der wird vor allem eines sein: verwirrt! Amoris Laetitia – was für ein wohlklingender Name, nebenbei bemerkt – wird von konservativen Kräften als Bestätigung gelesen, dass Rom eben doch nicht von Liberalen eingenommen worden ist, die dort sämtliche Traditionen zertrümmern, wie einst die Vandalen. Liberale Kräfte hingegen feiern das Schreiben des Papstes zwar nicht gerade, fühlen sich aber doch in ihrem Kampf voll auf bestätigt und betonen, Franziskus würde den Pharisäern den Spiegel vorhalten. Ein Schreiben, zwei Meinungen! Und um die Sache endgültig kompliziert werden zu lassen, sie sind beide im Recht!

Heinrich Leutemann, Plünderung Roms durch die Vandalen (c. 1860–1880).jpg
Heinrich Leutemann, Plünderung Roms durch die Vandalen (c. 1860–1880)

Amoris Letitia ist ein Lehrschreiben, das positiv als salomonisch bezeichnen könnte, negativ als ein Lehrschreiben, das es allen Recht machen möchte. Es ist keine Revolution, aber eben auch keine Konterrevolution. Man kann ihm letztlich wohl eine Richtung zu mehr Offenheit, vor allem aber mehr Barmherzigkeit entnehmen, aber es opfert die hohen Werte katholischer Familienvorstellung eben auch nicht dem Zeitgeist eines anything goes. Im Grunde ist es eben so wie am Anfang beschrieben. Am Ideal der Ehe wurde nicht gekratzt, aber Prinzipienreitern wird doch der Spiegel vorgehalten, in dem sie erblicken sollten, dass in ihren Herzen Kälte herrscht und nicht Barmherzigkeit, wenn sie ein Prinzip über das einzelne Individuum stellen.

So ist es durchaus naheliegend, dass jene Stelle mit der Ehebrecherin aus dem Johannesevangelium eine zentrale Rolle spielt. Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Nun habe ich zwar durchaus die Befürchtung, dass der ein oder andere sich nur von Jesus Christus‘ Anwesenheit beeindrucken ließe, ansonsten aber so von sich selbst überzeugt ist, dass er dann doch den Stein wirft, aber das ist wohl eine andere Geschichte. Kommen wir lieber zum eigentlichen Kernproblem: Papst Franziskus schenkte der Kirche ein Lehrschreiben, das die Regeln nicht änderte, aber den Interpretationsspielraum ungemein erweitert. Die Interpreten unterdessen sind jetzt in erster Linie die Bischöfe, wobei zu erwarten ist, dass die einzelnen nationalen Bischofskonferenzen wohl für ihre Diözesen einheitliche Regelungen finden werden. Das klingt zunächst einmal gut und ermöglicht es der weltumspannenden Kirche individuell auf die jeweilige Gesellschaft zugeschnittene Spielregeln zu schaffen, hat aber durchaus den Nachteil, dass sich auch jeder Priester selbst auf das Lehrschreiben berufen kann und damit auch gegen den eigenen Bischof.

Irgendwie haben bald alle Recht – Konservative und Liberale

Konkret dürfte sich also manch Priester nun ermutigt fühlen auch geschiedenen Gemeindemitgliedern den Empfang der Kommunion zu erlauben, während sich in der Nachbargemeinde der Priester auf das gleiche Schreiben beruft und sie bewusst weiterhin verweigert. Was folgen wird, ist im Kleinen heute ja schon der Fall, die konservativ gestimmten Gemeindemitglieder gehen am Sonntag zu dem einen, die liberalen zu dem anderen Priester. Die Gemeinde definiert sich also nicht mehr nach dem Wohnort, sondern nach der gesellschaftlichen Neigung. Auf lange Sicht verarmen aber beide Gemeinden an Vielfältigkeit.

Zudem darf man gerade im deutschsprachigen Raum einen neuen Kulturkampf erwarten. Wird die deutsche Bischofskonferenz das Lehrschreiben des Papstes liberaler auslegen, als etwa manche Bischofskonferenz in Afrika. Der ohnehin schon oft nur noch rudimentäre Respekt konservativer deutscher Katholiken für das hiesige Episkopat dürfte demnächst von 0 in die Minusbereiche abrutschen. Was Papst Franziskus im besten Wissen und Gewissen als salomonisches Schreiben veröffentlicht hat, wird hierzulande wohl leider den Unfrieden und Kampf der Neigungen eher befeuern als befrieden. Was freilich weniger die Schuld des Heiligen Vaters ist, als die hierzulande weit verbreitete Unfähigkeit des Kompromisses zwischen Konservativen und Liberalen.

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Literatur & Comics | Politik

Buchkritik: „Kanzlerin der Reserve“

von am 20. Oktober 2015

„Der Aufstieg der Ursula von der Leyen“

Ursula von der Leyen, CDU-Politikerin und Verteidigungsministerin, gehört zu jenem Politikertypus, der polarisiert. Ein Politikertypus, der es sicher nicht ganz leicht hat, der es sich – und dafür scheint von der Leyen ein perfektes Anschauungsbeispiel zu sein – aber auch selbst nicht besonders leicht macht. In ihrer Biographie Kanzlerin der Reserve – Der Aufstieg der Ursula von der Leyen zeichnen die beiden Journalisten Ulrike Demmer und Daniel Goffart den Weg einer politischen Quereinsteigerin nach, die innerhalb weniger Jahre zur aussichtsreichsten Kandidatin für die Nachfolge von Angela Merkel geworden ist.

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Ein von Thomas Matterne (@thomasmatterne) gepostetes Foto am

Dabei könnte man meinen als Tochter des niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht wäre das „Röslein“ mit der Politik in der Nuckelflasche aufgezogen worden. Interessanterweise trat sie, wie ihre Brüder übrigens auch, erst mit über 30 in die CDU ein – als eine Art Zeichen, nachdem die CDU und damit ihr Vater die Wahl gegen die SPD verloren hatten. Zu dieser Zeit war von der Leyen eher damit beschäftigt Ärztin und Mutter zu sein, eine Doktorarbeit zu schreiben und mit ihrem Mann in Sanford zu leben – was ihr beides aktuell gerade um die Ohren fliegt. (Auch wenn das Geschrei der semiprofessionellen Doktorarbeitenenthüller sich inzwischen abgenutzt hat.) Die Politik in Form von Christian Wulff rief erst spät, dafür brauchte es nicht lange, bis die damalige niedersächsische Sozialministerin von Angela Merkel entdeckt wurde.

Dank Angela Merkel aber ging es dann rasant aufwärts. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende erkannte schnell den Nutzen von von der Leyen, vor allem um die eigene Partei zu modernisieren. Und in der Tat mag man Ursula von der Leyen mögen oder nicht – etwas zwischendrin scheint es ohnehin nicht zu geben – mit ihrer forsch voranschreitenden Art hat sie wie niemand sonst zur Modernisierung des Familienbildes der CDU beigetragen. Innerhalb weniger Jahre gerieten jene, die einen rückständigen Konservativismus mit überholten Familienbildern predigten, in der Volkspartei in den Hintergrund. Ursula von der Leyen kam dabei zugute, dass sie selbst lebte, was sie predigte. Einer siebenfachen Mutter konnte auch der hinterwäldlischste Hinterbänkler wenig vorwerfen. Die Autoren zeichnen diese Geschichte und die damit verbundenen Verdienst der Politikerin sehr gut nach, ohne dabei aber zu unterschlagen, das von der Leyen auch eine Meisterin der Selbstinszenierung ist. Ihr Teils schwerer Stand in Partei und Kabinett beruht schließlich auch darauf, mal schnell und populistisch ein Thema zu besetzen, für das sie eigentlich nicht zuständig ist.

Ihre wahre Bewährungsprobe als „Kanzlerin der Reserve“ hat Ursula von der Leyen aber erst jetzt als Verteidigungsministerin angetreten. Hat ihre Rolle als Ärztin/Politikerin und siebenfache Mutter ihr bis jetzt immer einen Vorschuss eingetragen, ist sie als Verteidigungsministerin ins kalte und vor allem unbekannte Wasser gesprungen. Demmer und Goffart beschreiben etwa passenderweise wie sehr die Berater, die im Übrigen schon seit ihrer Zeit in Niedersachen einen engen verschworenen Kreis um die Ministerin bilden, peinlich darum bemüht sind ausgerechnet eine Verteidigungsminister bildlich ohne Waffen in Szene zu setzen. Und den Autoren ist nicht entgangen, wie viele hochgezogene Augenbrauen die Ministerin im deutschen Offizierskorps hervorgerufen hat, als es ihr Anfangs nicht um die miserable Ausstattung der Bundeswehr ging, sondern um Teilzeit und Kitas in Kasernen. Nicht zu Unrecht vermuten Demmer und Goffart, dass so manche Indiskretion über die mangelnde Einsatzfähigkeit der Truppe von Offizieren im Ministerium nach außen getragen wurde, weil man sich nicht damit abfinden will, das von der Leyen sich auch innerhalb des Ministeriums sprichwörtlich von allem Militärischen abschottet. (Offiziere müssen im Bendlerblock erst einmal klingeln, bevor sie in den Bereich dürfen, wo Ministerin und deren Stab residieren.

Auch deshalb zeichnet die Biographie Kanzlerin der Reserve – Der Aufstieg der Ursula von der Leyen ein komplettes und auch erfrischend neutrales Bild über eine deutsche Politikerin, von der wir wahrscheinlich noch einige Zeit hören werden.

Bewertung: vier

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Film & Fernsehen | Kuturelles | Literatur & Comics

Video: Die Wahrheit hinter Disneyfilmen

von am 16. Oktober 2015

Ja, auch wenn wir uns als kleine Kinder vielleicht bei dem ein oder anderen Disneyfilm vielleicht doch ein wenig gegruselt haben, so manchen Teil der Geschichte haben Walt Disney’s Zeichner doch schöngezeichnet.


Video via Geeks are sexy

Auf der anderen Seite ist Disney damit nun wirklich nicht alleine, selbst die Märchen, die heute noch auf die gute alte Weise per Märchenbuch und erzählenden Eltern, ihren Weg zu den Kindern finden, sind mehr oder weniger entschärft worden. Zumindest was die Märchensammlungen angeht, die auf die Gebrüder Grimm zurückgehen. Manches erscheint uns heute dann für Kinderohren doch zu grausam. Die Ironie dahinter ist übrigens, dass schon die Gebrüder Grimm bei der Zusammenstellung der Märchen viel Gewalt und auch das ein oder andere sexuell aufgeladene Element gestrichen haben. Wer weiß heute schon, dass Rotkäppchen in der ursprünglichen Geschichte aus Frankreich ein kleines Luder war, das am Ende übrigens nicht von einem heldenhaften Jäger aus dem Bauch des Wolfes gerettet wurde? Und mal ehrlich, Dornrösschen wurde nicht von Prinz Charming wachgeküsst, sondern vergewaltigt? Okay, ….

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Die Märchen von Hans Christian Anderesen sind zumindest außerhalb einer Disneyverfilmung nicht ganz so fälschungsanfällig. Zwar kann man auch bei Rotkäppchen getrost von zwei verschiedenen Versionen reden, aber wie die böse Königin bei Schneewittchen ihre Strafe bekommt ist nicht so entscheidend – zumindest, wenn man die Version der Gebrüder Grimm als gültige Basisversion nimmt. Anderesens Märchen hingegen leben mitunter von ihrem tragischen Ende, Die kleine Meerjungfrau oder Das Mädchen mit den Schwefelhölzern leben geradezu von ihrer tiefen Traurigkeit. Das muss uns nicht immer gefallen, ich kann mich sehr gut erinnern, wie ich als kleiner Junge zu meiner Mutter gegangen bin, als in einer Verfilmung der Meerjungfrau eben nicht ein „und sie lebten glücklich“ kam. Oder auch an die Traurigkeit, die ich plötzlich verspürte, als ich Jahre später meiner kleinen Schwester aus einem Buch mit Andersenmärchen vorlas. Wie gesagt, dass muss einem nicht gefallen – aber es gehört dazu, es macht die Größe und tragische Schönheit von Hans Christian Anderesen aus.

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Literatur & Comics

Barbie macht Angeln für Mädchen hip

von am 26. September 2015

In keiner Lokalzeitung, dich auch nur einen Schmutztümpel in ihrem Einzugsgebiet hat, dürfen sie fehlen, die stolzen jungen Angler aus den abgelegensten Käfer, die einen was weiß ich wie viele Tonnen schweren Fisch geangelt haben. Ist das eine Meldung wert? Nein. Ist das einer der Gründe, warum die jungen Leute aus den nicht ganz so abgelegenen Käfer keine Printzeitung mehr kaufen? Ja.

Aber ich will mal nicht so sein. Wenn nämlich ein kleines Mädchen, das mit Daddy auf den See zum Angeln rausgefahren ist, mit einer Barbieangel mal locker flockig einen 5-Pfünder ins Boot zieht – ja, dass ist eine Meldung wert.

via Schlecky Silberstein

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