Mark Zuckerberg spendet ‘nen Scheiß, Leute!

ie Millionenspende von Mark Zuckerberg beherrschte für einige Stunden die Schlagzeilen. Viel ist darüber geredet worden, manch einer vermutete sogar, dass die Glückshormone des frischgebackenen Vaters durchgegangen seien. Immerhin verschenkt er doch sein ganzes Vermögen – gemach, tut er nicht, was für ihn am Ende übrigbleibt ist nach rationalen Gesichtspunkten immer noch ein Vermögen.

Die Spende, und darauf weißt auch der Kommentar von ARD-Journalist Markus Preiß hin, ist vor allem aber Ausdruck des neuen Selbstverständnisses der Herren über das Silicon Valley. Eine neue digitale Aristokratie, die ihre Münzen mit scheinbarer Barmherzigkeit ins hungernde Volk wirft. Dabei diente das damals nur der eigenen Machterhaltung und heute der schönen PR. Und es demonstriert, wie wenig den Spendern tatsächlich am Gemeinwohl liegt.

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XIRKL – Wie viele Freunde hast du wirklich?

Wie viele Facebookfreunde hast du? Wie viele davon kennst du wirklich? Wie viele von denen würdest du auch außerhalb von Facebook als deine Freunde bezeichnen? Diese Fragen sind nicht unbedingt neu, und sie werden immer wieder gerne von Kritikern gestellt, die darauf hinweisen möchten, dass Facebook eben doch nicht das echte Leben sei. Ich persönlich neige einfach dazu, zwischen Facebookfreunden und echten Freunden schon einen Unterschied in der Definition zu machen. Es sind zwei völlig unterschiedliche Gruppen, die eine relativ hohe Schnittmenge haben. Mehr aber auch nicht.

Aber was weiß ich alter Mann (über 30) schon, vielleicht sehen das die viel gerühmten Digital Natives auch völlig anders. Aber kann man wirklich 200, 300, 400, 500 Freunde haben?

Bei Kickstarter endet heute Abend die Finanzierungsmöglichkeit des Projektes XIRKL. Es ist der Versuch ein Start-up an den Start zu bringen, das als Hausaufgabe einer 14-jährigen Amerikanerin entstand, die eine simple Feststellung gemacht hat. Mag die Anzahl unserer möglichen Facebookfreunde theoretisch unendlich sein, so basieren gerade im Social Web viele Möglichkeiten auf Begrenzung. Die 140 Zeichen bei Twitter sind wohl die bekanntesten, aber auch Vine erlaubt nur kurze Videos, bei Snapchat verschwinden die Fotos kurz nach Veröffentlichung sogar komplett. Das alles brachte Anneke DiPietro zu folgender Idee:

Stell dir vor, du darfst nur 21 Freunde haben?

In Zeiten von Facebook klingt die Zahl von 21 Freunden verdammt wenig, da muss doch mindestens noch ein 0 hintendran gestellt werden. Doch genau das scheint der USP von XIRKL (gesprochen übrigens wie Circle) sein. Als zweiter wichtiger Punkt setzt die Schülerin, die von ihrem Tech-erfahrenen Vater Don DiPietro unterstützt wird, zwar noch auf eine besonders gute Möglichkeit vor allem Kindern eine sichere Umgebung zu bieten, aber die beschränkte Anzahl möglicher Kontakte ist wohl tatsächlich der springende Punkt. Wobei – ein bisschen typisch amerikanischer Wettbewerb muss schon sein – es wohl durchaus auch angedacht ist, selbst in so vielen Kreisen vertreten sein zu wollen, wie möglich.

Überlege dir selbst einmal, wie viele Freunde du wirklich hast. Wie groß ist deine Clique, die Gruppe, mit der du Abends was trinken gehst oder einen Frauenabend veranstaltest. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die 21 doch schon viel realistischer, oder? Wenn ich grob überschlagen eine Trennlinie zwischen echten Freunden und Bekannten treffe, sind 21 schon zu viel.

Was durchaus auch gut ist, denn das Konzept von XIRKL sieht auch vor, dass sich unter diesen 21 möglichen Mitgliedern des Freundeskreises eben auch Nicht-Freunde befinden. Darunter fallen etwa Profile von Prominenten, aber auch von Marken oder Unternehmen. Werbung – und in gewisser Weise ist fast auch das schon ein USP – ist von Anfang an dabei. Aber eben Werbung einer ganz besonderen Art, denn von welcher Marke der User Werbung erhalten will, kann er selbst entscheiden. Wie Prominente auch, müssen Marken aktiv in den eigenen 21er Kreis aufgenommen werden. Für die Unternehmen bedeutet das natürlich viel Engagement, ist man aber erst einmal in einen Kreis aufgenommen, kann man sicherer als bei jeder Google Anzeige sein, einen potentiellen Kunden anzusprechen.

Kann das funktionieren?

Gute Frage, oder? Ich finde die Idee so simple wie brillant. Aber wir alle wissen, wie wenig umkämpft der Markt der sozialen Netzwerke ist – mit anderen Worten: Es gibt Facebook und sonst nix. Auf der anderen Seite galt das auch auf anderen Bereichen, wer kennt schon eine Alternative zu Instagram und dennoch hat Snapchat gerade beim jungen Publikum seinen Platz gefunden. Womit? Richtig, mit einer Beschränkung, die auf dem ersten Blick doch etwas merkwürdig daher kommt. Sich hier zu positionieren ist also durchaus möglich. Vielleicht auch gerade hier, denn wenn die Gerüchte, Facebook würden die Jugendlichen weglaufen, auch übertrieben sind, ein 21er Kreis ohne Eltern oder Lehrer klingt doch nicht schlecht, oder?

Viel wird natürlich auch von anderen Faktoren abhängen. Datenschutz. Springen Prominente wirklich darauf an? Und dann natürlich die Frage aller Fragen, tritt auch wirklich meine ganze Clique XIRKL bei?

Durchaus vielversprechend scheint mir Anneke DiPietros Idee aber zu sein. Vielleicht werden wir also tatsächlich noch einmal von XIRKL hören!

Sollten Kommentare abgeschafft werden? Weiß nicht.

Gemach, auch nach der Lektüre von Martin Weigerts Kolumne Beleidigungen, Hetze, Verschwörungstheorien: Warum News-Seiten ihre Kommentarfunktion abschaffen sollten bin ich nach wie vor ein Anhänger der Kommentarfunktion an sich. Kommentare sind für mich ein Angebot der Meinungsfreiheit, deshalb habe ich sie immer verteidigt. Hier in meinem Blog schalte ich jeden Kommentar frei, der nicht rechtswidrig ist oder Dritte übelst beleidigt – ich persönlich bin da nicht so zimperlich. Ich habe ein einziges Mal eine Kommentarfunktion geschlossen, als Online Redakteur bei einem regionalen Fernsehsender – damals ging es um eine Reihe von türkischen Flaggen die im fränkischen Würzburg aufgehängt waren und dementsprechend rechtsextreme Kommentatoren anzogen. Ansonsten habe ich auch intern immer mit Verweis auf die Meinungsfreiheit alles freigeschaltet, auch wenn sich intern damit jemand auf die Füße getreten gefühlt hat (was durchaus vorkam).

Die andere Seite ist aber natürlich, dass Kommentare ein Angebot von Meinungsfreiheit sind, aber kein Seitenbetreiber dazu verpflichtet ist dieses Angebot auch zu machen. Außerdem ist er letztlich für den Inhalt seiner Webseite verantwortlich, zu diesem zählen auch die Kommentare. Er muss dazu stehen können bzw. zu einer toleranten Kommentarpolitik. Tut er das nicht, ist es sein gutes Recht. Wenn er eine strengere Kommentarpolitik fährt, sollte er dies nur auch kommunizieren. Und wenn er gar keine Kommentare zulässt, dann auch gut.

Das die Kommentare unter Artikeln seit langem zu dem Sorgenkindern von großen Portalen gehören, ist nicht unbedingt neu. Die aktuelle Situation der Diskussion um die Flüchtlinge, die zu uns kommen, treibt dieses Problem nur gewissermaßen auf die Spitze. Aber Herr konnte man ihm schon zuvor nur schwer werden. Den richtigen Königsweg hat noch niemand gefunden, lediglich setzen die meisten Angebote inzwischen wohl auf eine Art Sicherheitsregelung, indem entweder nur angemeldete User kommentieren können oder in der nächsten Stufe Kommentar freigeschaltet werden müssen. Letzteres ist natürlich arbeitsintensiv – und mit arbeitsintensiven Vorgängen ist es in einer Branche, die Gewinne lieber durch Einsparungen erwirtschaftet, als durch Innovationen, bekanntlich so eine Sache.

Weniger arbeitsintensive Möglichkeiten sind weitgehend gescheitert. Eine Blacklist für gewisse Worte wirkt heute fast schon putzig – oder hilflos, je nachdem wie man die Sache betrachtet. Außerdem müsste dahinter auch mindestens ein Algorithmus stehen, der die Worte nur anhand eines bestimmten Zusammenhangs herausfiltert. Also zum Beispiel “Der Führer würde hier aufräumen”, aber nicht “Die Touristen sind doch selbst schulde, wenn sie einem schlecht ausgebildeten Führer hinterherlaufen.”. Viel Spaß beim Programmieren …

Versuche wie eine Klarnamenpflicht darf man als gescheitert ansehen. Facebook beispielsweise versucht eine Klarnamenpflicht durchzusetzen, die Diskussionen dort werden nicht unbedingt besser. Außerdem erinnere ich mich im letzten Sozipod von einem Versuch in Südkorea gehört zu haben, wo die Klarnamenpflicht die Sache sogar noch verschlimmerte. Abgesehen davon, wer in Deutschland das Wort “Klarnamenpflicht” auch nur in den Mund nimmt, hat schon die Hand des kopfschüttelnden Datenschutzbeauftragten auf seiner Schulter.

Was gab es sonst noch für nennenswerte Versuche? Mir fallen gerade nicht mehr ein.

Am Ende kommen wir wieder bei der Moderation an, die die einzig sinnvolle Methode zu sein scheint. Dahinter muss man dann auch nicht zwangsläufig Zensur sehen, schließlich wird auch in der Printausgabe nicht jeder Leserbrief abgedruckt. Es ist eine Frage der Auslegung, ob man aus dem praktisch unbegrenzt vorhandenen Platz ableiten will, im Netz könne man ja aber doch jetzt allen Schreibern eine Möglichkeit geben ihren Kommentar abzugeben – oder ob man nicht eher damit argumentiert, dass die in der Zeitung veröffentlichten Leserbriefe eine journalistische Vorauswahl durchlaufen haben. Ich neige eher zu letzterem Argument. Schließlich ist die Zeitung am Ende des Tages auch in ihrer Online-Variante immer noch ein journalistisches Produkt und sollte nach eben diesen Leitlinien auch geführt/veröffentlicht werden.

Ob man sich dagegen auf den Standpunkt stellen sollte, die Kommentarfunktion komplett abzuschalten, da bin ich mir wie gesagt nicht sicher. Zwar ist es einzig und allein die Entscheidung des Seitenbetreibers, und es gibt auch nachvollziehbare Gründe, auf der anderen Seite wurde in den Jahrzehnten zuvor ja auch die Rubrik “Leserbriefe” nie eingestellt, obwohl dort auch mehr oder weniger geistig gesunde Menschen geschrieben haben. Freilich haben die heutigen Online-Kommentare nicht nur eine andere Quantität, sondern auch Qualität – aber ändert das wirklich etwas am Prinzip? Ich glaube in dieser Frage sollten wir auch eher über das Prinzip diskutieren, als über eine Liste von Vorteilen, die bei Abschaltung der Kommentarfunktion wegfallen würden. Die direkte Verknüpfung zwischen Artikel und Kommentar, das Feedback des Lesers usw. usf., dass alles wäre in seiner Summe vielleicht sogar verzichtbar, aber allein die Wirkung nach Außen wäre meiner Ansicht nach fatal. Nicht nur, weil der Verlag auf diese Weise signalisiert, was er von Lesermeinungen hält, sondern auch, weil seine Begründung nichts weiter wäre, als eine Kapitulation vor trollenden Kommentatoren.

Facebook Instant Articles – Die Facebookisierung der Medien

Facebook Instant Articles – so der Name des aktuellen Aufregers, der gerade durchs weltweite Webdorf getrieben wird, wenn es um die Anpassungsversuche klassischer Medien im Internet geht. Dahinter verbirgt sich eine bis jetzt noch recht exklusive Partnerschaft, die Facebook mit einzelnen Medien eingeht, deren Inhalte dann direkt im sozialen Netzwerk publiziert werden, statt auf der Hauptseite des jeweiligen Mediums. In Deutschland sind bis jetzt die BILD und Spiegel online mit am Start.

Nun, den ersten Instant Article, der in meiner Timeline aufgetaucht ist war von BILD und hatte drehte sich um eine Frau, die durch Analsex schwanger geworden sein soll. Damit schließen wir die Argumentation in Sachen Qualitätsanspruch auch gleich mal ab, oder?

Die ersten Kritiken in Sachen Facebook Instant Article waren auch schon draußen, als noch gar keine erschienen waren. Selbstaufgabe, so wohl die Ein-Wort-Zusammenfassung der Kritiken, würden die Medien hier betreiben. Die Gegenbewegung sieht wieder einmal negative Weltuntergangspropheten am Werk und mahnt irgendwas zwischen Gelassenheit und Begeisterung. Und die Wahrheit, die liegt wahrscheinlich wie immer irgendwo dazwischen – zumindest vorerst noch.

Seit langem ist es das Mantra der Pro-Internetfraktion in den klassischen Medien, dass der Leser nicht mehr aktiv zu den Inhalten surft, sondern die Inhalte ihn finden. Folgerichtig müssen also die Nachrichten dorthin, wo auch die Leser sind. Und die Leser sind bei Facebook. (Na ja, eine relevante Masse an Lesern.) Da die Medienwelt aber trotz dieser Erkenntnis offensichtlich noch immer nicht gerettet ist, Share-Buttons und pseudo-coole auf der eigenen Facebookseite gepostete Artikel also nicht ausreichen, sind Facebook Instant Article folgerichtig der nächste Schritt. Das ist an sich ja auch nicht falsch, oder sagen wir besser, ob es wirklich der richtige Weg ist, kann keiner sagen, aber höchstwahrscheinlich schadet es auch nicht. (In der Tat glaube ich, dass sich manche Medien, da meine ich jetzt nicht nur die Analschwangerschaften der BILD, sondern zum Beispiel auch noch die teils kindische Themenauswahl meiner eigenen Heimatzeitung auf Facebook, nicht durch das Posten bei Facebook schaden, sondern eher durch die Auswahl des Contents. Betont locker und cool ist eben nur eine Umschreibung von peinlich. Aber das ist wohl ein anderes Thema.)

Schlimm wird es erst, wenn sich Medien so stark der Willkür eines Drittanbieters ausliefern, das ihre eigene Unabhängigkeit in Gefahr gerät. Das muss nicht einmal darin enden die eigene Seite abzuschalten und nur noch per Facebook zu veröffentlichen, kann man Werbeeinnahmen doch schließlich auch hier generieren. Es reicht schon, wenn der Leser – welch antiquiertes Wort in Zeiten des Users – merkt, dass einem Medium der eigene Auftritt nichts mehr wert ist.

Was waren das überhaupt noch für Zeiten, als Journalismus noch eine Berufung war und nicht Klickhurerei. Damals, als Zeitungen noch den Anspruch hatten ihre Leser zu informieren, zu bilden und zu mündigen Bürgern zu machen. Als Journalismus sich selbst noch genug war, sozusagen eine Mission verfolgte, die dazu beitragen wollte eine offene Gesellschaft zu bilden. Anspruch – auch so ein antiquiert klingendes Wort.

Heute glauben die Medienmacher allerdings in Zeiten des Internets würden die User auf sowas nicht mehr stehen. Kurze kleine appetitliche Häppchen niveauloser Boulevardunterhaltung scheinen dagegen State of the Art zu sein und so sieht dann auch das typische Facebookposting aus. Auch diese Entwicklung ist leider folgerichtig und wird durch Facebook Instant Article, die ja Werbeklicks generieren sollen, sind sozusagen die nächste Stufe auf dem Siegeszug des Katzencontents – inhaltslos, aber klickstark. Ich bin leider davon überzeugt, dass hier die wahre Selbstaufgabe der Medien liegt. Es geht nicht darum, wie einige Kritiker bemängeln, dass die Medien ihre eigene Präsenz, ihre eigene Marke opfern würden, es geht darum, das sie sich zur totalen Belanglosigkeit facebookisieren. Der Medienmacher hechelt und schleimt jenem Bild hinterher, das er für den typischen Facebookuser hält, statt seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit zu tun und dem ihm zugewiesenen Teil unserer demokratischen Gesellschaft zu erfüllen. Da muss man sich am Ende nicht wundern, wenn der eigene Untergang droht, während es einzelne Journalisten sind, die mehr oder weniger als Einzelkämpfer noch ihren Teil beitragen.