Politik

Warum die AfD gar nicht so schlecht für die CDU ist!

von am 11. Dezember 2015

Gemach, natürlich ist für mich als Konservativer die Alternative für Deutschland nach wie vor nicht im geringsten irgendwie eine Alternative, aber dennoch hätte das längerfristige Bestehen dieser Partei durchaus ein paar Vorteile für das bürgerliche Lager.

Wie ich dazu komme? Na ja. Vor kurzem habe ich mich mit einem Freund bei einem Gläschen Wein mal wieder über Politik geäußert und dabei folgende These entwickelt: Die Verluste der CDU durch die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel sind minimal, auch wenn manche sie als katastrophal darstellen, es besteht nicht die geringste Gefahr für die CDU nicht mehr die mit Abstand stärkste Partei zu sein. Das die Gewinne der AfD aus abgewanderten CDU-Wählern besteht ist eine recht schnell widerlegbare These. So kamen schon bei der letzten Europawahl die Gewinne der AfD mehr aus dem Lager der FDP und selbst die Linke verlor noch 60.000 Stimmen mehr an die AfD, als es die Union tat. Kurzum, wer reine Zahlenspiele betreibt, der wird nüchtern betrachtet feststellen müssen, dass auch eine etablierte AfD keine Herausforderung für die CDU ist. Bestenfalls in der in diesem Fall früher oder später auftretenden Frage nach einer möglichen Koalition. Aber das sind Zukunftsprobleme, über die man sich an anderer Stelle Gedanken machen kann und sollte.

Im Hier und Jetzt ist die AfD eine einmalige Gelegenheit für die CDU den Satz von CSU-Übervater Franz-Josef Strauß loszuwerden und rechts von sich endlich eine Partei zu akzeptieren. Es ist viel darüber nachgedacht worden, ob die AfD angesichts des Front National und anderer Rechtsparteien in Europa nicht nur die Europäisierung des deutschen Parteiensystems gebracht hat. Das mag einigen in Deutschland als Imageproblem übel aufstoßen, aber seien wir doch mal ehrlich: Du hast die Wahl zwischen einer Rechtspartei, die 10 % kriegt aber nichts zu sagen hat, oder einer konservativen Partei, die Ziele einer Rechtspartei durchsetzt, um diese Wähler an sich selbst zu binden. Welche Möglichkeit ist dir lieber? Das Wählerpotential ist so oder so da. Die Gedanken sind frei, so dummdämlich sie auch sein mögen.

Anders als in der CSU ist rechts-völkisches Gedankengut innerhalb der CDU nicht derart tief verwurzelt, als dass die Partei nicht in der Lage wäre sich dessen zu entledigen. Während die CSU weiter so tut, als hätte sie etwas mit der Moderne zu tun, hat die CDU unter Angela Merkel tatsächlich einen Modernisierungskurs begonnen, um den christlich-bürgerlichen Konservativismus im 21. Jahrhundert zu präsentieren. Die AfD ist nebenbei bemerkt eben auch eine Chance sich all jener völkisch-national geprägter Politiker zu entledigen, die zudem noch glauben konservative Politik sei es, immer wieder die gleichen Forderungen zu präsentieren wie in den 1950er Jahren. In solchen rückständigen Köpfen steckt ein weit größeres Gefahrenpotential für die Zukunft der CDU, als im Auftreten einer AfD.

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Politik

Wer am rechten Rand fischt, sägt nur am eigenen Ast

von am 7. Oktober 2015

Warum Horst Seehofer das beste Pferd im Stall der AfD ist!

Wenn man sich fragt, warum die CDU abgesehen von einigen Einzelpersonen nicht wie einst um das Jahr 1992 angesichts der Flüchtlingssituation keinen gewaltigen Schritt nach rechts macht, sollte nicht nur auf die Position Angela Merkels blicken. Mitunter wird als Antwort auf diese Frage auch auf den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder hingewiesen. Kauder war damals noch in der Landespolitik tätig und die CDU in Baden Württemberg stand vor einem Problem: Die Republikaner

Mit ihrer simplen „Das Boot ist voll“-Rhetorik schickte sich die Truppe von Franz Schönhuber, dem die CSU nicht mehr rechts genug gewesen war, an, im Ländle in den Landtag einzuziehen. Und bei der CDU, die damals noch für Baden Württemberg stand, wie es sich die CSU heute noch für Bayern einbildet, bekam es mit der Angst zu tun. Man fürchtete in Massen Wähler an die Republikaner zu verlieren. Die Reaktion bestand aus einer Änderung des Tonfalls und der Übernahme manch rechter Forderungen, so hoffte man die Wähler wieder zurückholen zu können. Die Geschichte ging anders aus, denn den Republikanern gelang nicht nur der Einzug ins Landesparlament, sie konnten sich sogar bei der nächsten Wahl behaupten. Die CDU-Strategie war auch unter dem neutralen Aspekte der Parteipolitik ein Fehlschlag auf ganzer Linie. Ein kühl kalkulierender Politiker wie Volker Kauder weiß das, und seine Vernunft hält ihn davon ab, denselben Fehler ein weiteres Mal zu begehen.

Ob der durchschnittliche CSU-Politiker unvernünftiger ist, als sein Gegenpart in der Schwesterpartei – man weiß es nicht. Aber zumindest könnte man vermuten, er bezieht seine Vernunft nicht immer mit ein, bevor er etwas in der Öffentlichkeit von sich gibt. Und auch wenn die BILD derzeit einen Brief von 34 Provinzpolitikern der CDU als Rebellion gegen Merkel aufbauscht, der wahre Gegenwind weht immer noch aus München. Da fordert ein Minister, dass Asylrecht mehr oder weniger abzuschaffen – immerhin konnte ja niemand damit rechnen, dass so viele Leute es plötzlich in Anspruch nehmen würden. Und andere CSUler dürften unwidersprochen die These aufstellen, nur 1 % – in Worten: EIN PROZENT – der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge, seien auch zu Recht hier. Solchen Aussagen könnte man mit Logik und Vernunft begegnen, zum Beispiel auf den Widerspruch hinweisen, warum man das Asylrecht ändern muss, wenn es doch nur für 1 % wirklich gilt, aber das wäre eine zum Scheitern verurteilte Diskussion auf verschiedenen Ebenen. Ohnehin sind solche Aussagen nur die Köder der CSU, um am rechtspopulistischen Rand Stimmen zu angeln.

Denn an ihrem rechten Rand verliert die Union nach neuesten Umfragen, etwa die aktuelle von Stern-RTL, auch Stimmen in der Wählergunst. Dabei sind die Verluste der CDU nicht weiter dramatisch, die der CSU übrigens auch nicht – allerdings sind sie weit höher als jene in der Schwesterpartei. Insgesamt fällt die CSU unter die von ihr so wichtigen 50-%-Marke. Und das liegt nicht etwa daran, dass sich manch Anhänger von den harten Worten der CSU-Politiker abschrecken lassen, sondern am Stimmgewinn der AfD, die in Bayern jetzt die 5-%-Hürde wohl sicher nehmen würden.

Bayern und die CSU werden allgemein noch immer als Sonderfall bezeichnet. Und wirklich ist es der CSU über Jahrzehnte gelungen praktisch zur nicht abwählbaren bayerischen Staatspartei zu werden. Der Ausrutscher bei den vorletzten Wahlen und die ungeliebte Koalition mit der FDP ist längst vergessen. Was allerdings nicht vergessen, sondern besser ausgedrückt, erst gar nicht wahrgenommen wird, ist die simple Gleichung, dass wer 50% in einem Parlament hat, nicht 50% der Wählerstimmen auf sich vereinigt und schon gar nicht die Hälfte der Bevölkerung. Die stetig sinkende Wahlbeteiligung muss die CSU natürlich offiziell bedauern, inoffiziell sind immer mehr Wähler aber der letzte verbliebene Garant für die 50 % der CSU. Denn während zum Beispiel enttäuschte Sozialdemokraten zu Nichtwählern werden, geht der typische CSU-Wähler auf dem Land auch noch bei einem Orkan brav ins Wahllokal. Eine geringe Wahlbeteiligung ist aber eben auch für Parteien wie die AfD ein Vorteil, da sie Wähler offenbar besser motivieren können. So ganz einfach ist die Rechnung für die CSU also doch nicht, und ihr Fischen am rechten Rand könnte sich als Bumerang erweisen, wenn die AfD den Einzug eben doch schafft. Niemand arbeitet derzeit daran besser, als Horst Seehofer selbst. In seiner Partei zwar der Alleinherrscher, im Volk aber selbst im CSU-Milieu wegen seiner Wechselhaftigkeit und seinen großen Worten, denen selten große Taten folgen, nicht gerade der beliebteste aller bayerischen Ministerpräsidenten. Gerade sein Verhalten in der Flüchtlingskrise, das aus markigen Worten in München und bravem Mitabstimmen in Berlin besteht, wird immer mehr Menschen den Rechtspopulisten in die Arme treiben. Kurzum, man fischt nicht am rechten Rand, sondern sägt am Ast, auf dem man sitzt.

Rechtspopulisten einbinden, ignorieren oder überholen?

Das ist ein altes und ein immer noch aktuelles Problem von uns Konservativen. Was tun mit den Rechtspopulisten? Soll man sie ignorieren, einbinden oder populistisch überholen? Sie einzubinden ist gerade in Deutschland ein Tabu, der letzte Versuch endete mit der Machtübernahme Adolf Hitlers. Der populistische Weg hat sich auch als Irrtum herausgestellt, auch wenn einige das noch nicht begriffen haben. Auch in Frankreich stellt sich dieses Problem derzeit, auch Nicolas Sarkozy macht dabei keine gute Figur. Allerdings ist die Erkenntnis in Teilen seiner Partei durchaus auch schon angekommen.

„Wir werden den Front National an den Urnen nicht überholen , wenn wir ihm ständig hinterherrennen.“, Alan Juppe

Bliebe die Möglichkeit die Rechtspopulisten einfach zu ignorieren, aber auch das hat sich in der Geschichte nicht als besonders hilfreich herausgestellt. Oft war es schlicht auch ein überhebliches Herabblicken auf den Mob, von dem manch Konservative im Grunde froh war, ihn nicht selbst an der Backe kleben zu haben.

Traurig, aber wahr, am Ende hilft auch hier nur der harte Weg, nämlich die Auseinandersetzung und die Entzauberung des Populismus durch die Wahrheit. Sicher, die Fakten werden bei weitem nicht alle überzeugen können, aber ein gewisser Anteil der Bevölkerung ist nun einmal so – damit muss man am Ende auch leben können. Ihr nachzurennen ist für den großen Rest der Bevölkerung allerdings ein Unglück.

Der Punkt in der aktuellen Flüchtlingssituation etwa ist, dass wir es hier tatsächlich mit einer riesigen Aufgabe zu tun haben. Staat und Bevölkerung meistern sie, nicht immer perfekt, durchaus am Rande des Machbaren, aber dennoch wird getan, was getan werden muss. Das geht nicht ohne Probleme vonstatten. Ob wir es schaffen, dass wird sich zeigen. Vielleicht waren Worte wie jene von Angela Merkel auch schlecht gewählt, regiert sie doch ein Volk, das hinter Pathos schon den Nationalismus kriechen sieht. Was wir aber auf jeden Fall tun müssen und was die Mehrheit auch tut, ist Verantwortung zu übernehmen und sich der Situation zu stellen – statt der irrigen Hoffnung nachzuhängen, allein höhere Zäune könnten irgendetwas am Kern der Herausforderung ändern. Aber es geht auch nicht ohne harte Entscheidungen, was Menschen ohne berechtigten Asylgrund angeht. Grünes Wunschdenken ist da auch nicht besser, als rechtspopulistische Hetzer, die Einzelfälle zu Massenphänomenen machen und die hohen Zahlen zu einer Panikmache nutzen. Ja, selbst mit all den muslimischen Flüchtlingen, die derzeit ins Land kommen, ist die Islamisierung des Abendlandes nach wie vor geistiger Dünnschiss. Nur ist es eben aber für die vernunftbegabten Kräfte innerhalb der Konservativen, Liberalen und Linken weit schwerer, diese reale Einschätzung der Lage an den Mann zu bringen, wenn gleichzeitig CSU-Politiker derartigen Hirngespinsten Nahrung geben.

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Politik

Der zahnlose bayerische Löwe

von am 20. September 2015

Theoretisch könnte sie es ja, aber praktisch? Auf „Tichys Einblicke“ fabuliert Thomas Spahn über das Verhältnis von CDU/CSU mit Blick auf die Flüchtlingskrise und die Angriffe aus München in Richtung Angela Merkel. (Obwohl er es natürlich genau umgekehrt darstellen möchte.)

Das Tischtuch zwischen Merkel und ihren männlichen Schwestern im Süden ist damit definitiv zerschnitten. – Quelle: Tichys Einblicke

Die Luft zwischen der CDU und der CSU ist dick, dick genug, um eine Weißwurst daraus machen zu können. Aber wie groß ist die Gefahr wirklich, dass sich die CSU unter der Führung von Seehofer verabschiedet? Glaubt man Spahn, ist das durchaus wahrscheinlich, weil die Differenzen seit Angela Merkel die CDU führt immer stärker geworden sind. Dabei geht es ihm nicht allein um die Flüchtlingspolitik, sondern er wirft auch die viel beschriebene „Sozialdemokratisierung“ der CDU ins Feld. (Off-Topic: Wofür steht das S in CSU eigentlich?) Auf den ersten Blick möchte man fast zustimmend nicken, Seehofer markiert so deutlich wie selten zuvor den starken Mann. Er muss das tun, denn in der Koalition steht er tatsächlich in gewisser Weise in erster Linie in Konkurrenz zur SPD. Und während die SPD Mindestlohn & Frauenquote durchgebracht hat, wurde das Elterngeld der CSU vom Verfassungsgericht kassiert und die Maut wird es so auch nie geben. Die Flüchtlingskrise bietet ihm jetzt den seidenen Faden, an dem er die CSU noch profilieren kann. Aber wird dieser Faden am Ende reißen?

Kaum, denn Horst Seehofer ist ein Fähnchen im Wind und hat – wie es sich für einen CSU-Vorsitzenden gehört – eine große Klappe. Will sagen, der Wind kann sich auch wieder drehen und hinter großen Klappen ist bekanntlich nicht viel Substanz zu finden. Der bayerische Löwe brüllt gerne, beißt aber nicht zu. Und selbst wenn er zubeißen würde, ohne Zähne im Maul könnte jeder Stubentiger mehr Schaden anrichten. Die deutsche Geschichte kennt ein oder zwei Versuche Bayerns Ernst zu machen, beim letzten Mal haben preußische Truppen dem Münchner Größenwahn ein Ende gemacht und ein paar Jahre später war es preußisches Geld, das das überschuldete Bayern ins Kaiserreich holte. Seit dem bildet man es sich in München zwar öfter ein, es auch alleine zu können, aber den großen Wurf wagt man lieber nicht. Vielleicht auch, weil manche im Unterbewusstsein noch wissen, dass es noch gar nicht so lange her ist, als der Freistaat nur ein Bauernland am Bonner Tropf des Länderfinanzausgleichs war.

Und die CSU, die hält sich ja für Bayern. Immerhin hat sie die absolute Mehrheit – im Parlament, allerdings nicht in der Bevölkerung, was durchaus ein Unterschied darstellt.

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Die CSU ist eine Partei, die sich für ein Bundesland hält.

Es gibt also einen entscheidenden Punkt, den Spahn in seiner Fantasie übersieht und dem man Seehofer bei allem Widerwillen zugestehen muss: Der Wille zur Macht! Spahn sieht die Chancen einer bundesweit antretenden CSU als sehr gut an, in Scharen würden CDU-Mitglieder überlaufen und die Wähler wären auch schon da. Ist dem so? Zahlen bleibt er schuldig, was man ihm nicht vorwerfen kann, weil es sie gar nicht gibt. Aber so bleiben seine Gedankenspiele eben allein im Bereich der Fantasie und die folgt eher seinen Träumen, als anderen Faktoren. Man darf also getrost davon ausgehen, dass eine eigenständige CSU auf Bundesebene der CDU Wähler und Mitglieder abjagen würde, aber am Ende kämen keine gleich großen Partner dabei heraus. Zudem unterschätzt er wohl auch den Blutzoll, den die CSU in Bayern selbst zahlen müsste – gerade im von München eher stiefmütterlich behandelten Norden wäre so manch vernünftiger Konservative sogar froh der CSU endlich den Rücken kehren zu können. Doch selbst wenn diese Zahl überschaubar ausfallen würde, die Zeiten der absoluten Mehrheit wären für immer dahin.

Am Ende ist eine bundesweite CSU nur die Zersplitterung des bürgerlichen Lagers, woraus sich zwei Optionen bilden. Option eins wäre eine Koalition zwischen CDU und CSU auf völlig neuer Grundlage. Die CSU wäre machtpolitisch wohl durchaus gestärkt, aber neben der CDU wohl auch auf einen dritten Koalitionspartner angewiesen. Am Ende wäre das in der Regel eine Koalition entweder aus drei in etwa gleich starken Parteien, wobei die CDU am Ende wohl einen Vorsprung vor SPD und CSU hätte, oder aus CSU und CDU und einer dritten Partei. Oder die CDU macht einfach mit der SPD weiter, es reicht ja im Bundestag eine Stimme mehr als die anderen zu haben. Am Ende könnte die CSU komplett leer ausgehen und sich verstärkt Option zwei zuwenden.

Franz Josef Strauß hat einmal gesagt, rechts von der CSU dürfe es keine demokratische Partei geben. Eine bundesweit agierende CSU würde das durchaus garantieren, denn sie wäre die mit Abstand am weitesten rechts stehende Partei. Tritt die CSU bundesweit an, kann die AfD einpacken und je weiter weg diese neue CSU von der Regierung wäre, desto weiter weg würde sie sich von der Mitte bewegen. Sie kann sich schließlich nur rechts der CDU profilieren und da sind aber nicht so furchtbar viele Wähler, wie manch rechter Stratege glauben will. Mehr als 20 % sind da nicht drin – und das schließt die Wähler von AfD bis NPD mit ein. In Bayern konnte man sich den Luxus erlauben nicht in den übelst versieftesten rechten Sumpf zu steigen, die Mehrheit war auch ohne sicher, aber unter den neuen Umständen? Sieht die Sache da nicht anders aus?

Lange Rede, kurzer Sinn. Die CSU bleibt in Bayern, weil sie sich dort einreden kann groß zu sein, das Risiko mittelgroß unter Mittelgroßen im Bund zu sein, geht kein CSU-Politiker ein. Die Träume der Rechten nach dem parteipolitischen Erlöser aus München sind nichts als Fantasien, begründet auf der irrigen Annahme die schweigende Mehrheit sei ein rechtes Wählerstimmenreservoir ohne Boden und keine wertkonservativen Bürger, die sich in CDU und teils auch SPD und Grüne offenbar bestens aufgehoben fühlen.

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Politik

Video: Die Flüchtlingskrise erklärt – oder: Seehofer verprügelt die Angela

von am 19. September 2015

Die Flüchtlingskrise in Europa ist durchaus kompliziert, auch wenn die Weltsicht von Pack und Gutmenschen es lieber einfach hat. Da tut es doch gut, dass es sich im fernen Taiwan jemand zur Aufgabe gemacht hat alles einmal zusammenzufassen und zu erklären:

Okay, ernsthaft, eigentlich ist das ja ein Film, den ich mal mit einem herzlichen „WTF?“ kommentieren möchte. Aber auf der anderen Seite, ich könnte mir schon gut vorstellen, dass die Szene in der Seehofer Angela Merkel mit einem CSU-Plakat verprügelt, so direkt aus den Träumen von Horst kopiert wurde.

via nerddrugs

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Politik

Stammtischpolitik: Von Merkel kann selbst Seehofer noch lernen

von am 14. September 2015

Das die Bundesregierung Hals über Kopf die Grenzen dicht gemacht hat ist neu, selbst für die Regierung Merkel, die nun wahrlich nicht geradlinig durchregiert sondern die ein oder andere radikale Wende eingelegt hat. Vor etwas über einer Woche hat Deutschland mal wieder so eine Wende erlebt. Für fast eine Woche war Deutschland die Hoffnung der syrischen Flüchtlinge. Die Wende war radikal, das Land öffnete seine Tore und bot Flüchtlingen Schutz, die selbst andernorts in Europa kam besser behandelt wurden als Tiere im Zoo. Die Welt war fasziniert, der rechtsextreme Mob schockiert und in der CSU wuchs die Angst, das Oktoberfest könne in Gefahr geraten. Das Angela Merkel nach langem Schweigen eine Kehrtwende in der Politik einlegte, war nichts neues. Neu ist nur, wie schnell sie die Wende rückwärts eingelegt hat. Ob in den Vorstandsetagen von EON oder RWE schon die Hoffnung steigt, auch die Energiewende könne wieder – wieder gewendet werden? Ein paar Sachzwänge müssten sich doch finden lassen und die CSU wäre bestimmt auch für mehr Atomenergie, sabotiert sie die Energiewende doch wo immer sie kann.

Deutschland im Rausch

Für acht Tage brach ein deutsches Herbstmärchen an. Während die Rechtsextremen glaubten im Namen der schweigenden Mehrheit Flüchtlingsheime anzuzünden, spendete und half die schweigende Mehrheit den ins Land strömenden Schutzsuchenden. Und an der Spitze der Regierung saß eine Bundeskanzlerin, die das Volk dazu ermunterte. „Wir schaffen das!“, verkündete Angela Merkel und klang damit für ihre Verhältnisse geradezu visionär. Ein große Aufgabe, die große Anstrengungen aber auch großen Gewinn versprach, lag vor den Deutschen.

Eine Woche später ist klar, auch in der Flüchtlingskrise fährt Angela Merkel nur auf Sicht. Sie hat keine Vision, keinen Plan, wahrscheinlich nicht mal eine vage Idee. Merkel regiert, indem sie reagiert. Als die Deutschen vor der Brutalität der Rechtsextremen erschrak, sah sie sich genötigt zu reagieren. Als die Deutschen den Umgang mit den Flüchtlingen am Budapester Bahnhof sahen, holte sie die Flüchtlinge ins Land. Planlos, es war einfach der nächste logische Schritt – welcher Schritt danach zu tun ist, das war ihr egal, über Konsequenzen kann man sich später noch Gedanken machen. Gestern stand sie wohl vor diesen Konsequenzen und das waren nicht die Flüchtlinge, sondern ihre Fehleinschätzung über die Zahl verantwortungsbewusster Konservativer in ihrer eigenen Partei und die Unterschätzung der Demagogen aus München. Dabei dürfte spätestens seit gestern klar sein, dass es Horst Seehofer ziemlich egal ist, wer unter ihm Kanzlerin ist. (Und die SPD? Ach, die hat jetzt ihren Mindestlohn und Frauenquote für Besserverdienende – die nickt jetzt jeden Scheiß ab.)

München, doch die heimliche Hauptstadt?

Ich bin Pragmatiker. Hätte die CSU die Grenzschließung als Bedingung für ein Einwanderungsgesetz gefordert, hätte ich gesagt, okay, Politik ist ja ein schmutziges Konzept. Aber hinter der Wende der Wende steckt ja nicht einmal ein schmutziger Deal. Dahinter steckt einzig und alleine eine Bundeskanzlerin deren einzige politischen Talente darin bestehen, Konkurrenten in die Wüste zu schicken und dem Volk ein wohliges Gefühl zu geben. Am Ende ist die Wende wahrscheinlich nicht einmal wirklich auf bayerischem Populismus gewachsen. Denn im Grunde ist es nicht frei von Ironie, dass eine ostdeutsche Physikerin eine weit bessere Stammtischhoheit hat, als die CSU – und niemand merkt es. Und so hatte sie wohl auch diesmal das Gefühl, dass die Stimmung angesichts der weiter ins Land strömenden Flüchtlinge bald kippen könnte. Wer seine politischen Handlungen von Stimmungen abhängig macht, hat nun einmal nie besonders viel Vertrauen in das eigene Volk. Während das deutsche Volk noch voller Tatendrang und Zuversicht glaubte, die Situation zu meistern, dachte sich Merkel „Wir schaffen das vielleicht gar nicht, und dann bin ich am Ende Schuld!“.

Einer, der dem Volk besonders gut aufs Maul schauen konnte, war der in diesen Tag oft wieder hervorgeholte Franz Josef Strauß. Allerdings kann man Merkel und Strauß nicht vergleichen, der eine spielte in der Bundesliga, während Merkel eher das Tor in der Landesliga hütet. Strauß sah dem Volk zwar wie kein Zweiter aufs Maul, wusste aber eben auch, wann man ihm nicht nach dem Mund redet – erst recht dann, wenn der Stammtisch vielleicht nicht Volkesmeinung wiedergab. Strauß war ein Politikstratege, Angela Merkel würde ein General nicht mal die Taktik für eine Kompanie in der Schlacht anvertrauen. Sicher, Angela Merkels Kompanie würde vielleicht die wenigsten Verluste erleiden, aber zum Sieg nichts beitragen. Und in der Niederlage vielleicht gerade noch soviel Anstand besitzen, sich nicht hinzustellen und zu behaupten, es besser gewusst zu haben.

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