Soll privates Feuerwerk zu Silvester verboten werden?

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Und? Gut ins neue Jahr gekommen? Ist ja nicht so selbstverständlich, so manch Finger wird 2018 nicht erlebt haben. Und ja, auch Tote gab es wieder.

Schon merkwürdig, wenn du mal einen Vorrat an Düngemittel im Bau- und Gartenmarkt besorgst, gucken sie dich an, als wärst du vom IS und wolltest eine Bombe bauen. Aber an drei vier Tagen im Jahr darfst du Raketen und Böller kaufen was das Zeug hält, und so wirklich schwer ist es ja auch nicht die noch explosiveren Dinger aus Polen – sprichwörtliche Polenböller – oder Tschechien zu besorgen.

Die Bilanz ist eine Geräuschkulisse die einen spätestens am 29. Dezember glauben lässt man sei durch eine Raum-Zeit-Spalte gefallen und in Stalingrad gelandet, und, ja natürlich, ein hübscher bunter Himmel in um Mitternacht am eigentlichen Silvestertag. Nebenbei gab es aber auch zwei Tote und die Anzahl der Verletzten wäre wohl ein schönes Projekt für einen Datenjournalisten. Nehmen wir als Beispiel eine 14-Jährige, die wohl erblinden wird, weil irgendein Volldepp einen Böller in die Gruppe von Menschen warf, in der der auch das Mädchen stand. Die Gläser ihrer Brille splitterten und drangen in ihr Auge ein. Die beiden toten Jugendlichen haben sich zumindest durch ihre eigene Blödheit ins Jenseits befördert. Das klingt zynisch? Sorry, es gibt Fehler aus denen man lernt und es gibt Fehler für die gehört man bestraft, Regel 49. Auch wenn natürlich viele Verletzungen tatsächlich auf Unfälle zurückzuführen sind, „unsachgemäßer Gebrauch“ ist Polizeideutsch für „die Deppen wissen eben nicht, was sie tun“.

Ob jetzt die Tode und Verletzungen aber auf Unfälle oder Dummheit zurückzuführen sind, es sollte eigentliche eine Frage aufwerfen: Warum darf in Deutschland eigentlich jeder dessen einzige Qualifikation darin besteht 18 Jahre geschafft zu haben Feuerwerk und Böller kaufen? Um das Motto „Brot statt Böller“ ist es in den letzten Jahren immer ruhiger geworden, inzwischen gibt es diese Forderung nur noch vereinzelt. Wahrscheinlich hat die Kampagne – Achtung, schlechter Wortwitz – nicht gezündet. Die Frage, ob man aber privates Feuerwerk auch zu Silvester verbieten sollte und es stattdessen Kommunen oder ähnliche Organisationen überlassen sollte durch ausgebildetes Fachpersonal eine zentrale Veranstaltung auf die Beine zu stellen, ist mir aber erst diese Jahreswende zum ersten Mal wirklich begegnet. Eine große gesellschaftliche Diskussion hat sie indessen offensichtlich nicht ausgelöst.

Gut, so ein öffentliches Feuerwerk ist zwar sicher schön anzuschauen und bestimmt auch beeindruckender als so ein Billigfeuerwerk von Aldi & Co., aber … man will doch selber ganz viel buuuuummmm machen! Ok, wahrscheinlich wird jetzt gleich wieder mit großen Worten wie „persönliche Freiheit“, „Kampf dem Verbotsstaat“ argumentiert. Aber seien wir doch mal ehrlich, Böller werfen ist irgendwas wie ein evolutionäres Überbleibsel (mit Krach verscheucht man wahlweise Feinde oder Geister) und einem kindischen Spaß (übrigens kein Zufall, dass in 99,99 % der Familien die Väter das Feuerwerk organisieren).

Dafür zu sorgen, dass Feuerwerk & Co. künftig nur noch von Profis verwendet werden darf, wäre kein Untergang der Demokratie. Und wir wären auch nicht die erste Demokratie, die diesbezüglich zur Vernunft gekommen wäre. Also kurzum, die Antwort auf die obige Frage lautet: Ja!


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vor 2 Wochen