Sind Kinder irgendwie unmodern geworden?

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Es gibt ja Themen, bei denen kann ich in der Diskussion nur verlieren. Abtreibung gehört mit Sicherheit dazu.

Abtreibung – allein das Wort ist schon eine Provokation, oder? Man muss es nicht mal so oder doch anders betonen, egal was für eine Position man zu diesem Thema hat, man fühlt sich provoziert. Am Besten hat man deshalb eigentlich gar keine Position, das Thema ist zu heiß, aber eben leider auch zu wichtig.

Vielleicht nähern wir uns der Angelegenheit erst einmal auf dem kalten Gebiet der Statistik. Da scheint zunächst etwas überraschendes herauszukommen, die Zahl der Abtreibungen in Deutschland sinkt:

Datenmaterial: http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Abtreibung/Abtreibungszahlen.html

Und die absolute Zahl der Geburten steigt sogar:

Datenmaterial: http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Abtreibung/Abtreibungszahlen.html

Setzt man die Zahlen in Bezug zueinander, will also das Verhältnis von Abtreibungen und Geburten wissen, kommt diese Grafik heraus:

Datenmaterial: http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Abtreibung/Abtreibungszahlen.html

Also es gibt weniger Abtreibungen und mehr Geburten. Ist also alles in Butter? Nicht wirklich, bei über 100.000 Abtreibungen jährlich in Deutschland. Statistiken sind kalt, vor allem wenn sie große Zahlen enthalten, hinter der Einzelfälle stecken. Vergessen wir also die Statistik und gehen die Angelegenheit grundsätzlich an.

„Ich habe eine Überzeugung, die ich Ihnen allen mitteilen möchte: der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes.“ – Mutter Teresa

Die persönliche Position

Als Katholik müsste meine Position natürlich klar sein, in der Realität würde ich aber eher von einer Übereinstimmung von 99% sprechen. Das beginnt durchaus schon einmal grundsätzlich mit der Frage, wann denn das Leben überhaupt beginnt. Und speziell mit der Festlegung der Kirche unter den von mir ansonsten hochgeschätzten Paul VI. Es hat sich nie ausgezahlt, wenn die Kirche eine Position anhand des damals gültigen wissenschaftlichen Stands ankoppelt. Gerade bei einer so umstrittenen Frage, wie den Beginn des Lebens.

Aber im Großen und Ganzen steckt hinter der Frage ob Abtreibungen vertretbar sind ja ohnehin eher eine gesellschaftliche Diskussion, und die sieht für Lebensschützer ausgesprochen schlecht aus. Im Allgemeinen hat die Gesellschaft nämlich den wie ein Mantra von Seiten mancher Emanzipationsvertreter dargebrachten Satz „Mein Körper, meine Entscheidung“ geschluckt und verschwendet keinen Gedanken daran, dass in dem Körper der Frau bereits der Körper des Kindes heranwächst – mit Verlaub, also bereits existiert und so zur Verfügungsmasse herabgestuft wird. Dieses Argument, wenn wir es denn überhaupt so nennen wollen, hebelt aber auch zu schön etwa das Recht auf Leben, wie es im deutschen Grundgesetz verewigt ist, aus. Stattdessen gibt es in der UN immer wieder Bestrebungen ein Recht auf Abtreibung als Menschenrecht festzuschreiben. Das das ein Widerspruch in sich ist, geschenkt.

Der gesellschaftliche Wandel macht Kinder scheinbar überflüssig

In den westlichen und vielen asiatischen Gesellschaften haben Kinder eine bedeutende Position eingebüßt, die Versorgung der Eltern im Alter. Früher war die Rechnung einfach: Je mehr Kinder man hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit im Alter von ihnen versorgt zu werden. Die Rente hat diesen Grund überflüssig werden lassen. Selbst in einem System wie dem unsrigen, das darauf basiert das die arbeitende Generation die Renten für ihre Eltern- und Großelterngeneration erwirtschaftet. Die Demografiefrage schwebt wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen, aber sie ist zu abstrakt geworden, als das wir darin die Notwendigkeit von Kinder gebären erkennen würden.

„Was menschengeschichtlich als Segen betrachtet wurde, haben wir Europäer zu einem verhütbaren Risiko gemacht: Kinder“ – Stephan Baier in Die Tagespost vom 21. Dezember 2017

Waren Kinder in Ehen (oder meinetwegen auch Partnerschaften zwischen Mann und Frau) früher ein gesellschaftlicher Standard, sind sie heute eine Frage der persönlichen Lebensplanung geworden. Und Kinder stehen dabei nicht nur im Konflikt mit Karrieren, sondern auch mit dem Selbstverwirklichungsdrang vieler Frauen oder Paaren. Denn Kinder sind eine Verpflichtung über Jahre hinaus, man kann sie schließlich nicht einfach so ins Tierheim geben wie den Hund, den man gestern wollte, der aber heute mit dem ganzen Gassi gehen und in Urlaub fahren wollen zur Belastung geworden ist. Wird man heute zur Unzeit schwanger, weil es einem gerade nicht in den Plan passt, lebt man passenderweise in einer Gesellschaft die dafür teuflisches Verständnis zeigt. Die Individualisierung der modernen Gesellschaft sieht die engste menschliche Beziehung zwischen Mutter und Kind nicht vor. Wo die einzelne Person zählt, kann es kein so enges duales Verhältnis geben.

Vom Geschenk zur Verfügungsmasse degradiert.

Diese Entwicklung ist mehr als 100 Jahre im Wachsen und wird von linken-progressiven Kräften seit je her gefördert. Und schon damals gab es merkwürdige Widersprüche in diesen Kreisen. Schon Edgar Jung merkte 1927 schon süffisant an, dass die Menge derer, die vehement für die Abtreibung sind, erstaunliche Übereinstimmungen mit den Gegnern der Todesstrafe aufweisen. Womit ich jetzt nicht für die Todesstrafe schreiben möchte, aber doch auf den bizarren Gedankengang hinweise, dass das unschuldigste Leben offenbar tötungsgeeigneter erscheint, als das nach gesellschaftlichen Maßstäben schuldigste. Eine Doppelmoral die wir auch heute noch sehen, wenn es etwa um die Stellung von Behinderten in der Gesellschaft geht. Dieselben die jede nur erdenkliche Anpassung unserer Umgebung an die Bedürfnisse behinderter Menschen fordern (mit Recht), fördern (zu Unrecht, weil ihnen damit das Recht auf Leben abgesprochen wird) eine Gesellschaft, die langfristig keine Behinderten mehr haben wird. Je besser die Diagnosemöglichkeiten der Frauenärzte werden, je sicherer also eine Behinderung des Embryos erkannt werden kann, desto stärker der Druck auf die Mutter.

Allerdings leben wir bereits in einer Gesellschaft, in der ein Kind nicht einmal eine Behinderung haben muss, damit die Eltern die stillen Vorwürfe ertragen müssen nicht abgetrieben zu haben. Allein die Zahl der Kinder genügt heute schon. Wir leben in einer Gesellschaft der unausgesprochenen „Maximal zwei Kinder“-Politik. Bei mehr als zwei Kindern müssen die Eltern schon einige äußere Statussymbole zur Schau tragen, um von ihrem Umfeld nicht weit nach unten in der gesellschaftlichen Hierarchie verortet zu werden. Viele Kinder ist zu einem Zeichen geworden, einer niedrigen gesellschaftlichen Gruppe anzugehören. Nach dem Motto, zu blöd zum verhüten und dann auch noch ausgetragen, wahrscheinlich um an mehr Kindergeld zu kommen. Wenn man bedenkt das Kinder in unserer Gesellschaft, in der jeder an sich selbst denken muss, zusätzlich auch noch zu einem realen Armutsrisiko geworden sind, ist das Kindergeld auch bitter nötig. Mal abgesehen davon, dass nicht wenige staatliche Maßnahmen, die zu mehr Kindern anregen sollen, gerade einkommensschwachen Eltern weit weniger zugute kommen als jenen, für die Privatschulen oder gar Nannys weit weniger ein Problem sind. Und die Liste, warum unsere Gesellschaft offiziell Kinder natürlich toll findet, in Wahrheit aber kinderfeindlich ist, könnte Bücher füllen. Beginnend bei den Anwohnern die Kindergärten oder Spielplätze verhindern, weil es für sie die gleiche Belastung darstellt, als würde man neben ihrem Häuschen plötzlich eine Autobahn bauen.

Kinder waren mal ein Segen

Bei alldem gerät in Vergessenheit, dass Kinder im Übrigen schon immer mehr waren, als eine Altersversorgung. Sie waren ein Segen. Das Lächeln eines kleinen Kindes konnte die Menschen einmal glücklich und all die Not vergessen machen. Kinder waren dieser eine Baustein, der zur Vervollkommnung des Glücks noch fehlte. Der Ausdruck unseres Drangs an der Entwicklung der Menschheit teil zu haben. Unser wahres Geschenk und Vermächtnis.


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