Sind Frauen nicht auch ein Problem für Frauen?

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Sie ebbt und ebbt nicht ab, die Welle der Beschuldigungen wegen sexuellem Missbrauch. Das Frauen selbst Sexismus predigen geht dabei unter.

Ja, ich bin ein Mann. Ja, ich versteh die Frauen nicht. Ehrlich, mir ist unbegreiflich wie gerade das Geschlecht. das früher – und in der Regel ja auch noch heute – mehr Einfluss auf die Erziehung der Kinder hat, als der durchschnittliche Vater, das Problem noch immer nicht lösen konnte. Aber noch heute dürfen Jungs sich raufen, Mädchen müssen brav sein. Jungs dürfen sich schmutzig machen, Mädchen müssen immer schön adrett aussehen. Ja, das ist eine Vereinfachung, aber entbehrt sie jeder Wahrheit? Ich denke nicht, oder?

In der Wirtschaft gibt es Männerbünde, schlimm genug. Was es aber in der Regel nicht gibt, sind Frauenbünde. Im Gegenteil, wer es als Frau geschafft hat, legt anderen Frauen bemerkenswert oft Steine in den Weg. Und wenn es um die Quote geht, sind es nicht selten jene Frauen, die es ohne Quote geschafft haben, die dagegen argumentieren. Beinahe scheint es so, als sei das weibliche Pedant zu „Kumpelhaftigkeit“  der „Zickenkrieg“. Als ausgebildeter Küchenpsychologe würde ich das als eine logische Konsequenz der Erziehung sehen. Während Jungs ein Streit nachgesehen wird, auch wenn es mal handgreiflich wird, zielt die Erziehung der Mädchen auf Passivität und Nachgeben ab. Oder mit anderen Worten, auf Unterdrückung von Gefühlen und einer Streitkompetenz, die gegen Null strebt.

Heidi Klum – Hohepriesterin des Sexismus

Und dann wären ja noch die Heidi Klum’s dieser Welt. Auch Heidi Klum hat es geschafft, und in ihrem Bestreben Mädchen (von Frauen kann man bei GNTM wohl kaum reden) dabei zu helfen es ihr gleich zu tun, predigt sie ein Frauenbild, das beim aufgeklärten Mann von heute eher Kopfschütteln erzeugt, während es den ein oder anderen Mann sicherlich eher (sexuell) erregt. Zeigt her euren Körper, so das inoffizielle Motto von GNTM, Verstand, Talent braucht die erfolgreiche Frau nicht. Und wenn dann hier ein Fettpölsterchen zu viel ist, das die Brüste oder der Hintern nicht fest genug, keine Frau sollte in Klum’s Augen glauben ein normaler Körper sei genug.

„Ein #MeToo-würdiges sexual harassment formulierte die Schauspielerin Jennifer Lawrence kurz nach dem Weinstein-Skandal: Sie habe bei einem Casting nackt in einer Reihe mit anderen viel schlankeren Frauen gestanden, dann bezeichnete sie die Casting-Direktorin als „zu dick“ und empfahl ihr eine Diät. Auch Heidi Klum beaufsichtigt Nacktcastings, legt jungen Frauen nahe, zukünftigen „Kunden“ alle Wünsche zu erfüllen, und drohte einer Kandidatin mit gezücktem Rasierer eine Kopfrasur an. Die öffentliche Kopfrasur mit anschließendem shame walk durch die Stadt oder Ortschaft ist eine alte, an untreuen oder promiskuitiven Frauen vorgenommene Praxis. Die Visigoten nahmen sie vor, Lynchmobs der Siegermächte nach Weltkriegen ebenso.“ – welt.de (paid)

Für Nachschub an jungem Fleisch für die Weinstein’s dieser Welt ist also gesorgt. Produziert von manchen Frauen selbst. Dabei lösen wir das Problem nicht durch Hashtags. Denn selbst zich Milliarden #metoo-Tweets werden das Problem nicht einmal im Ansatz lösen, wenn wir nicht die Gesellschaft an sich ändern. Im Gegenteil, diese Aktion scheint mir in zweierlei Hinsicht sogar schädlich zu sein. Zum einen, weil es inzwischen in eine Hexenjagd ausgeartet ist, die eine als sexistisch empfundene Bemerkung auf eine Ebene mit einer Vergewaltigung setzt. Zum anderen, weil es natürlich nichts weiter als eine Scheindebatte ist, bei der wir uns jetzt alle schön aufregen und pflichtgemäß aufs äußerste angewidert sind – und später zur Tagesordnung übergehen.

Zur Tagesordnung in einer Medienwelt in der Sex Auflagen, Klickzahlen, Conversions, Zuschauerzahlen usw. nach oben treiben. Hinter den Fotos stecken nicht selten weibliche Chefredakteure und Fotografinnen. Auch dem letzten Hinterwäldler von Mann klar zu machen, dass Grapschen, Gaffen oder sich primitiver Ausdrücke zu bedienen nicht drin ist, ist am Ende eben nur die halbe Miete. Was es braucht ist ein umfänglicher Wandel in der Gesellschaft. Nur ist der äußerst anstrengend, langwierig und der Erfolg ist ungewiss. Man muss kein Nostradamus sein, um vorherzusagen, dass wir diesen Weg nicht gehen. Für ein paar Wochen eine Hexenjagd zu veranstalten ist viel aufregender, als das mühselige Basteln an einem Frauenbild. Statt kurz lodernder Scheiterhaufen braucht es eine neue Erziehung die endlich die Waage zwischen den Unterschieden zwischen Mann und Frau auf der einen Seite, der Gleichberechtigung und dem Kampf gegen Klischees auf der anderen Seite findet.

Letztlich bedeutet das natürlich auch, dass Frau durchaus sexy durch die Welt laufen darf. Sie muss es aber eben dürfen, nicht müssen, weil die Gesellschaft es von ihr erwartet. Das ist ein feiner, aber klarer Unterschied, der von jemanden wie Heidi Klum nicht verstanden wurde.


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vor 1 Woche
  • Horst Schulte

    Brutal aber wahr. Aber diese Wahrheiten möchten gewisse Damen nicht hören. Abgesehen davon ändert diese Situation ja auch überhaupt nichts an dem Fehlverhalten so vieler Männer. Denn als normales „männliches“ Handeln würde ich das, was den Weinsteins dieser Welt vorgeworfen wird, nun auch nicht verstehen wollen.

    • Ich fürchte viel liegt auch darin, dass es zu viele gibt, die den Weinsteins dieser Welt das Gefühl geben, es sei in Ordnung. Manch Mann muss wohl doch noch lernen, dass selbst der kürzeste Minirock keine Einladung zum Grapschen ist.