Serienkritik: The Tick – Staffel 1 bei Amazon Prime

Es muss um das Jahr 1995 gewesen sein, als „The Tick“ auf deutschen Bildschirmen zum ersten Mal auftauchte. Daran erinnert sich allerdings niemand, ist wahrscheinlich auch besser so.

… auch wenn es Beweisvideos gibt.

Die von Ben Edlund erschaffene Figur geht allerdings noch weiter zurück, bis ins Jahr 1986. Also in eine Zeit, in der noch nicht gefühlt jeden Tag ein neuer Marvelfilm in die Kinos kam. Aber schon damals schien die Zeit reif zu sein, für eine gewisse Superheldenparodie. Und nichts anderes ist auch die neue Serie The Tick, deren erste Staffel bei Amazon Prime zu sehen ist.

https://www.youtube.com/watch?v=aFnTMxGiCdc

Die Neuverfilmung, neben der Zeichentrickserie gab es eine recht misslungene Serie, ist durchaus gelungen. In den halbstündigen Folgen führt Tick (Peter Serafinowicz)selbst als melodramatischer Erzähler durch eine rasante Haltung. Beachtliche Weisheiten gibt er dabei von sich, ganz besonders wenn man bedenkt, dass er sich nicht an seine eigene Herkunft erinnern kann. Aber das wird vielleicht Stoff für die 2. Staffel. In der ersten Staffel gilt es erst einmal den Bilanzbuchhalter Arthur (Griffin Newman) davon zu überzeugen, dass er den fliegenden Kampfanzug nicht umsonst in die Hände bekommen hat, sondern weil er Ticks Sidekick werden muss. Doch Arthur streubt sich, auch wenn er zum Leidwesen seiner Schwester Dot (Valorie Curry) zumindest hinter dem Superschurken The Terror (Jackie Earle Haley) her ist. Oder zumindest will er beweisen, dass dieser noch am Leben ist. Immerhin hat sich sein Schicksal mit Terror verwoben, als er unfreiwillig kurz nach dem Tod seines Vater mit Terror auf die Titelseite kam.

The Tick ist auf das internet- und techaffine Publikum von Amazon Prime zugeschnitten. Die Helden fahren nicht Taxi, sondern nutzen Uber und des Superschurken erste Worten lauten: „Alexa, spiele meine Foltermusik-Playlist“

Tick’s ursprünglicher Mission folgend Superhelden aufs Korn zu nehmen, spielt auch The Tick mit den Klischees des Genres. Mindestens einmal jede halbe Stunde, wenn die Folge mit einem brutalen Cliffhanger endet. So brutal, dass selbst einmal Terror selbst ins Bild spring und laut „Cliffhanger“ ruft. Wenn wir schon beim Thema sind, natürlich wird auch das Superschurkentum in der Serie gehörig aufs Korn genommen. Wofür sich Jackie Earle Haley als die ideale Besetzung herausstellt. Im Gegensatz zum am Rande auftauchenden Superhelden Superian, schafft er es seiner Rolle ein eigenes Leben einzuhauchen. Zugegebenermaßen hat er dafür allerdings auch wahrscheinlich das dreifache der Sendezeit zur Verfügung.

Am Ende ist The Tick zwar nur etwas für Genrefans, aber dennoch hebt sich die Serie angenehm von der Masse ab, die Amazon Prime sonst auf den Markt wirft. Sie hat nicht die Klasse von The Man in the High Castle, lässt aber dennoch gefühlt zwei Dutzend andere Amazon-Serien hinter sich.

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