Serienkritik: Hannibal – Staffel 1

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Kein Serienkiller der Popkultur war erfolgreicher als Hannibal Lecter. Kein Wunder also, dass er auch seine eigene Serie bekam.

Nicht wenige von uns sind mitunter recht fasziniert von jenem, das wir landläufig als „das Böse“ bezeichnen. Dazu muss das Böse allerdings auch ein paar Grundbedingungen erfüllen, zum Beispiel kann etwas Intelligenz und Zivilisiertheit nicht schaden. Und seien wir ehrlich, davon bringt der von Thomas Harris erschaffene Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) doch einiges mit. Er hob den Serienkiller zumindest in unserer Fantasie vom triebgesteuerten Irren auf ein völlig neues Niveau. Er hat unser Bild von einer Sorte Mensch geprägt, die uns so, wenn auch in den meisten Fällen wenig mordend, häufiger begegnet: Dem Psychopaten an sich, dessen Anteil an einer Gruppe immer stärker wird, je höher diese auf der Erfolgsskala einzuordnen ist. Und schließlich ist auch Hannibal, ich erlaube es mir einfach beim Vornamen zu bleiben, recht erfolgreich, als Psychiater und als Serienkiller, der wahrscheinlich auch ein Sternekoch hätte werden können, wäre da nicht die vernünftige Übereinkunft unter uns Menschen, uns nicht gegenseitig zu essen.

Die Geschichte rund um Hannibal Lecter ist inzwischen in mehreren Büchern erzählt, und nach die erste Verfilmung von Roter Drache eher unter dem Radar endete, ist die Figur seit Das Schweigen der Lämmer auch auf der großen Leinwand ein Erfolgsgarant. Kein Wunder also, dass der Stoff irgendwann auch für die kleine Leinwand adaptiert wurde.

Bei der Suche nach der Hauptrolle einigte man sich letztlich auf den Dänen Mads Mikkelsen, zweifellos eine gute Wahl um in die Fußstapfen von Anthony Hopkins zu treten. Es braucht einen überragenden Schauspieler wie Mikkelsen, der mit einem bloßen angedeuteten Lächeln, teuflisch natürlich, mehr aussagen kann, als manch anderer Schauspieler, wenn man ihn eine Stunde lang alleine spielen lässt. Mikkelsen gibt der Figur die Statur des janusköpfigen Psychopaten, dort der gebildete, kultivierte Psychiater, hier der mordende Chesapeake Ripper. Und am Ende noch Hannibal, der die den Opfern entrissenen Organe für die feine Gesellschaft von Boston exquisit zuzubereiten weiß. Sozusagen der vereinigende Dritte der beiden Gesichter. Klingt kompliziert? Vielleicht, aber Hannibal ist schließlich auch kompliziert. Und mitunter die Serie übrigens auch ein wenig. Da der Plot aber dankenswerter Weise durchweg spannend ist, kann man sie sich jederzeit auch ein zweites Mal ansehen, um Dinge zu verstehen, die einem vorher nicht aufgefallen sind.

Freilich sollte man dabei durchaus ein paar gute Nerven mitbringen und nicht allzu sehr empfindlich sein. Die Serie ist nicht ohne Grund als ab 18 eingestuft. Und während die 1. Staffel noch halbwegs gnädig mit ihren Figuren umgeht, sollte man sich in den beiden folgenden Staffel eher auf ein Games of Thrones würdiges Dahinscheiden liebgewonnener Charaktere vorbereiten.

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Bis dahin ist man aber längst in die bildgewaltigen Abgründe der Handlung und der Gedanken und Wahnvorstellungen der Figuren hinabgestiegen. Besonders jener von Will Graham (Hugh Dancy), dessen Gabe sich in die Gedanken der Mörder hineinzuversetzen ebenso nützlich für das FBI ist, wie darauf hinauslaufend langsam aber sicher dem Wahnsinn zu verfallen. Einem Wahnsinn, der uns zuerst vergleichsweise harmlos durch einen mächtigen Hirschen über den Weg läuft, am Ende auf in teufelsähnlichen Gestalten endet.

Mit seiner Darstellung von Will Graham liefert Hugh Dancy übrigens die zweite Hälfte, die die Serie quasi im Alleingang trägt. Jene Beziehung zwischen Jäger und Gejagtem, bei dem niemand so recht weiß, wer eigentlich der Jäger, und wer die Beute ist. Zwischen den beiden entspinnt sich eine jener merkwürdigen Beziehungen, die genau auf der Grenze zwischen Freundschaft und Feindschaft liegt. Ein Windhauch kann manchmal die Handlung des einen verändern und dennoch ist die Beziehung stabiler als es jede Beziehung basierend auf innigster Liebe je sein könnte.

Fazit: Eine gelungene Serie, wenn auch nichts für schwache Nerven. Mit zwei grandiosen Hauptdarstellern.

 


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vor 2 Wochen