Wenn du als Serienkiller in spe nicht so richtig weißt, wie du loslegen sollst, such dir einfach ein Vorbild. Dann läufts schon irgendwie.

Jeanne Deber (Carole Bouquet) sitzt seit Jahren in einem französischen Gefängnis, sie hat etwas für Frauen eher untypisches getan, als Serienmörderin acht Menschen getötet. Als La Mante, die Gottesanbeterin, gingen ihre brutalen Morde seinerzeit durch die Presse, die aber stets einen Mann trafen, der etwa seine eigenen Kinder missbrauchte. Als Jahrzehnte später Dominique Ferracci sieht, wie eine Nachahmerin Mord für Mord erneut begeht, beschließt er Jeanne aufzusuchen, die bei den Ermittlungen ihre Hilfe angeboten hat. Doch sie hat zwei Bedingungen, sie will für die Dauer der Ermittlungen quasi unter Hausarrest das Gefängnis verlassen, und sie arbeitet nur mit einem Polizisten zusammen: Damien Carrot (Fred Testot), ihrem Sohn.

In der ersten Hälfte präsentieren die Macher dieser französischen Mini-Serie dem Zuschauer gleich zwei Figuren als Täter, die dann aber prompt wieder entlastet werden. An sich ein netter Trick um die Spannung hochzuhalten, wenn da nicht das Problem wäre, dass die Beweise die zur Verhaftung geführt hatten, dem Zuschauer weit logischer erscheinen, als deren Entlastung. Man hat beinahe das Gefühl, die Autoren wollten damit von manch anderer eher unrealistisch wirkender Handlung ablenken. Wie etwa das Ferracci ausgerechnet Damien, den Sohn von La Mante als Chefermittler einsetzt, ohne seinem Team irgendetwas von dem Deal mit ihr zu erzählen, noch der verwandtschaftlichen Beziehung ihres neuen Vorgesetzten mit ihr. Élodie Navarre bemüht sich redlich dabei als übergangene Polizistin Szofia Kovacs die durch diese Geheimnisse entstandenen Spannungen innerhalb des Teams umzusetzen. Tja, als ob Damien nicht genug Spannungen zuhause hätte, mit einer Frau die sich Nachwuchs wünscht und keinen blassen Schimmer von ihrer Schwiegermutter hat.

Entgegen aller handwerklichen Fehler gelingt es Le Mante trotzdem über sechs Folgen hinweg einen einigermaßen guten Spannungsbogen zu bieten. Und zumindest am Schluss haben sich die Macher noch eine unerwartete Wendung einfallen lassen, die Mutter und Sohn doch wieder zusammenbringt. Was ebenfalls ganz gut gelungen ist, nachdem die falschen Verdächtigen aus dem Spiel sind, arbeitet die Story drei Folgen lang recht gut auf die Enttarnung der eigentlichen Täterin hin, ohne dabei zu viel zu verraten, aber dennoch den Zuschauer mit auf die richtige Spur zu bringen. Schade nur, das man der Täterin nicht jenen Spielraum bietet, den man Jeanne über sechs Folgen hinweg geboten hat. Man geht den einfachen Weg, sie ist eben einfach nur durchgeknallt. Selbst einem der falschen Verdächtigen hatte man da mehr Möglichkeiten in Sachen Charakterbildung geboten.

Ich meine ehrlich, ja Carole Bouquet ist Carole Bouquet, und in Frankreich ist sie sicher für etwas mehr als ihre Rolle damals als Bondgirl bekannt. Aber die Unterhaltungsindustrie ist doch nicht auf Serien umgeschwenkt, und nutzt dann das Format nicht richtig aus, oder? Das ist kein Kinofilm, den man runterschneiden muss, weil die Leute nicht sechs Stunden am Stück im Kinosaal bleiben – es sei denn sie sind verrückt oder man schließt sie aus Versehen über Nacht ein. 

Insgesamt ist Le Mante also – wahrscheinlich außerhalb Frankreichs – nur eine durchschnittliche Thrillerserie, in der allerdings mehr Potential gesteckt hätte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.