Schraubt endlich dieses Ökumene Zeugs zurück!

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Da hat nach 500 Jahren dieser Martin Luther endlich mal was für ganz Deutschland getan, nachdem er es historisch betrachtet mehr in Kriege, als in Frieden gestürzt hat. Aber immerhin, heute ist ein freier Tag.

Okay, das war natürlich plumpe Polemik. Und auch wenn ich tatsächlich Martin Luther für eine der überschätzten Figuren deutscher Geschichte halte, schätze ich meine protestantischen Schwestern und Brüder im Glauben natürlich sehr. Und was den Feiertag angeht, ich fände es durchaus passend wenn der Reformationstag zumindest in überwiegend evangelischen Gebieten immer ein Feiertag wäre. Und die 500 Jahre, na ja, die kann man als Protestant auch ruhig feiern.

Ob man aber nur wirklich von einem Reformator oder am Ende doch Spalter sprechen sollte, wenn man an Martin Luther denkt? Und wieweit war die Reformation am Ende weniger ein Kampf um den richtigen Glauben, als ein Weg wie deutsche Fürsten die Macht des Kaisers des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation schwächen wollten? Auch über solche Punkte sollte man im Jubiläumsjahr der Reformation ruhig einmal reden. Wenn einem vieles – zurecht übrigens – nicht passt, ist es immer der einfachere Weg, seinen eigenen Laden aufzumachen, als den bestehenden zu reformieren. Andere gründeten gar ihre eigene Kirche, weil sie ihre Scheidung sonst nicht durchbekommen hätten. Wenn das heute jeder machen würde …

Aber Spaß beiseite, solche Fragen sind natürlich nicht aufgekommen, denn auch 2017 steht die vielgelobte Ökumene im Mittelpunkt. Da will man das einigende betonen, nicht das trennende.

Link-Tipp: In der Mediathek von Worthaus findet sich übrigens eine hervorragende Reihe zum Thema Reformation & Luther. Hervorragend, weil sie nicht nur informativ ist, sondern etwa mit dem Antisemitismus von Martin Luther auch die dunklen Kapitel behandelt.

Nun ist Ökumene an sich auch eine gute Sache, nicht nur weil die preußische Hälfte meiner Familie naturgemäß protestantischer Herkunft ist. Alle christlichen Kirchen sollten sich bewusst sein, dass dieser Zustand der Spaltung nicht das sein kann, was Jesus uns aufgetragen hat. Eine Aufgabe, an der schon die Urchristen mit zahlreichen Spaltungen bekanntlich gescheitert sind.

Die Ökumene in Deutschland hat für mich aber immer so einen faden Beigeschmack, mit Blick auf beide Seiten. Da wären die Protestanten, die unter Ökumene vorwiegend zu verstehen scheinen, dass sich die Katholiken doch bitte ihnen anzupassen haben. Wenn nicht, steigt man schon mal aus gemeinsamen Projekten wie der Einheitsübersetzung der Bibel aus. Gerade der deutsche Protestantismus ist davon überzeugt so etwas wie die moderne Avantgarde des christlichen Glaubens zu sein. Da wo der deutsche Protestant ist, ist der Fortschritt. Auf die in der katholischen und den orthodoxen Kirchen verbreitete Volksfrömmigkeit schaut man da schon mal hochnäsig herab. Und das die nationale Prägung die schon ihrer Gründung zugrunde lag eine Bekennende Kirche notwendig machte, vergisst man schnell – bzw. man geht selbstverständlich davon aus damals bei dieser dabei gewesen zu sein.

Der Ruf der deutschen Katholiken nach mehr Ökumene hingegen läuft zum einen dem Katholischen an sich zuwider, und legt zum anderen eine nicht minder national gedachte Sichtweise an den Tag. Dabei kann man uns Katholiken seit Jahren eine gute Nachricht verkünden, dass mit der Ökumene läuft eigentlich ziemlich gut – also mit vielen orthodoxen Kirchen und den Anglikanern, weniger mit den Protestanten hierzulande. Wenn dies aber hierzulande überhaupt wahrgenommen wird, dann nur, wenn man Rom vorwirft sich nicht genug für die Einheit der deutschen Kirchen einzusetzen. Als ob Deutschland das Zentrum der katholischen Welt wäre. 

Wenn ich aber auf die deutsche Ökumene sehe, kann ich mich des Gedanken nicht erwehren, wir sollten über das Erreichte stolz sein und es bewahren. Aber auch einsehen, dass im Augenblick einfach nicht mehr geht. Es sei denn die deutschen Katholiken wären bereit nicht mehr katholisch zu sein, oder die Protestanten würden aufhören evangelisch zu sein.


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vor 3 Wochen