Schöne Menschen halten die Welt für gerechter

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Sexismus hin, Sexismus her, wer als attraktiver Mensch durch die Welt geht, hat so einige Vorteile. Aber hält er sie nur deshalb auch für gerechter, als weniger attraktive Zeitgenossen?

Olive Martin sitzt im Gefängnis, immerhin hat sie gestanden ihre Mutter und Schwester ermordet und dann noch zerstückelt zu haben. Olive könnte man vielleicht schmeicheln, wenn man sie unscheinbar nennen würde, die meisten verwenden aber eher den Begriff „hässlich“. Ganz das Gegenteil zu ihrer begehrten Schwester. Für eine Journalistin ist das eine Geschichte wert und sie beginnt zu recherchieren. Schließlich spricht sie auch mit der Schuldirektorin der Schwestern, die ihre von einer lange ausgearbeiteten Theorie erzählt: Schöne Menschen, sind die besseren Menschen.

Allerdings nicht weil Attraktivität im Zusammenhang mit Güte stehen würde, sondern einfach weil gut aussehende Menschen aufgrund ihres Aussehens ein leichteres Leben hätten und – na ja, deshalb z.B. eine weit geringere Wahrscheinlichkeit haben verbittert oder gar hasserfüllt zu sein.

So ganz lässt Minette Walters die Schulleiterin in ihrem bereits 1993 erschienenen Kriminalroman Die Bildhauerin mit dieser Theorie nicht durchkommen. Das Attraktivität am Ende des Tages aber wohl eher ein Vorteil ist, gleichgültig ob die Person diese gezielt einsetzt oder nicht, das kann man durchaus annehmen. (Natürlich gibt es durchaus auch Nachteile, wie diverse Klischees oder tatsächlich belästigt zu werden.)

Studie: "The Influence of Physical Attractiveness on Belief in a Just World", R. ShaneWestfall, Murray G.Millar, Aileen Lovitt

Aber wer weiß, vielleicht lag die Schulleiterin doch nicht so total daneben. An der Universität Nevada hat man sich eines ähnlichen Themas angenommen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass attraktive Menschen die Welt für fairer halten, als der Durchschnitt.

Was die Frage erlaubt, ob dahinter nicht ein wenig die eigene Wahrnehmung dominiert, weil man selbst höflicher und zuvorkommender behandelt wird, als die fette hässliche Schwester, die einen dann zerstückelt? Also natürlich nur, wenn man in einem Minette Walters Roman ist. Auf der anderen Seite, wenn das dazu führt, dass die attraktive Person selbst fair ist, kann uns das im Zweifel ja einfach auch nur recht sein.


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