Profifußball – spannend wie ein schimmelndes Brot

Wahrscheinlich ist heute einer der wenigen Tage, an denen der FC Bayern mal nicht auf Platz 1 steht. Aber mal ehrlich, glaubt jemand diese Bundesligasaison könne spannend werden? Oder geht es am Ende wieder nur darum, wer Vize-Meister wird?

Geht es nur mir so, oder ist Profifußball wirklich stink langweilig geworden? In Deutschland heißt der Meister am Ende Bayern. Dabei haben wir ja noch Glück und mit dem BVB zumindest einen Club, der die Bayern mal ärgern kann. Weiter südlich sieht es da schon anders aus. Seit Juve nach seinem Zwangsabstieg zurück in die SERIA A gekommen ist, hat es gefühlt 100 Jahren wieder alle Meistertitel nach Turin geholt. Die beiden Mailänder Vereine Milan und Inter haben scheinbar selbst den Anschluss an die italienische Klasse verloren und Traditionsclubs wie der SSC Neapel oder die Fiorentina brauchen schon einen verdammt perfekten Tag, um Juventus Turin zumindest einmal im Jahr eine Niederlage beizubringen.

Klar, es gab zu allen Zeiten immer bestimmte Zeitabschnitte, in denen ein Club dominierte. Vergleichbar erscheint mir das aber nicht, denn zum einen waren diese Vereine nicht so dominant wie die Spitzenclubs jetzt, und zum anderen war zumindest das Gefühl da, es würde nicht ewig so weiter gehen. Da gab es Schottland, wo man die Liga eigentlich auf Celtic Glasgow und die Glasgow Rangers hätte reduzieren können, aber sonst war in Bundesliga & Co. einiges möglich.

Heute haben sich in Europa round about 10 bis 12 Vereine herausgebildet, die eine Art Club der unerreichbar Unschlagbaren bilden. Da wären Traditionsclubs wie Bayern oder Barca, die gut gewirtschaftet haben. Vereine wie Juventus Turin oder Manchester United, die an der Börse hohen Wert haben. Und natürlich Läden wie Chelsea oder Paris St. Germain, die davon profitieren das so ein Russe oder noch besser ein Scheich auch mal einen dreistelligen Millionenbetrag locker macht. Und da liegt das Problem, Geld schießt eben doch Tore. Und eine zweiter Punkt ist leider auch richtig, man kann auch finanziell in einer anderen Liga spielen. Dieses Dutzend Vereine spielt sogar in einer Liga, in der das Geld das Red Bull in Leipzig investiert oder von dem die TSG Hoffenheim profitiert aussehen wie Peanuts. Mit anderen Worten, hier spielt eine Liga für sich und der Aufstieg in diese Spielklasse ist inzwischen so gut wie unmöglich. So lange man nicht das Interesse eines Scheichtums auf sich zieht, dass vielleicht auch Rendite will, dem es aber vor allem ums Marketing geht. Nehmen wir den 222 Millionen Deal von Neymar, wurde danach noch von Katar als isoliertes, den Terrorismus unterstützendes Land gesprochen?

Das Ergebnis ist totale Langeweile auf nationaler Ebene und Spiele in der Champions League, die den Charme eines Pokalspiels haben, bei dem ein Kreisligist gegen einen Profiverein antritt. Am Ende kann es der Außenseiter als Sieg verbuchen einstellig zu 0 verloren zu haben. Spannung sieht ganz anders aus.

Aber was könnte man dagegen tun? Weitermachen wie zuvor? Na ja, irgendwie hat das in Schottland ja auch funktioniert. Und als die Rangers zwangsabgestiegen sind und Celtic für ein paar Jahre zum Dauersieger wurde, waren die Stadien ja auch voll. Aber für ein Weiterwiezuvor ist die Stimmung gerade unter den deutschen Fußballfans so schlecht wie nie zuvor. Bei den Fans, von der Familie bis zu Ultra, gibt es immer weniger Verständnis für ein System, das den Spielplan dem Sendeplan des Höchstbietenden Pay-TV-Anbieters anpasst, statt an die Fans zu denken, die Mittwoch nicht durch die ganze Republik reisen können.

Die Uefa könnte Pläne für eine europäische Liga umsetzen, die quasi über den jeweiligen Landesligen angesiedelt wäre. Aber mal abgesehen davon, dass die alljährlichen Relegationsspiele dafür eine Mammutveranstaltung wären, damit wäre das Problem auch nur eine Stufe höher ausgelagert. Man könnte diese Liga aber natürlich auch anders organisieren, nach US-Vorbild. Also ohne Auf- und Abstieg, sondern in einer geschlossenen Gruppe unveränderlicher Teams. In den USA funktioniert dieses System bekanntlich seit es Profisport gibt. Bei den betroffenen Vereinen dürfte das aber auch auf wenig Gegenliebe stoßen, denn das System funktioniert vor allem deshalb, weil in NFL oder MLB noch jeder jeden schlagen kann. Das liegt vor allem an einen restriktiven Transfermarkt, der im Gegenteil zum europäischen Fußball auch eingehalten wird.