Glauben muss weh tun, darf er aber nicht mehr

Ostern steht vor der Tür … Zeit einen Blick zurückzuwerfen, wie war das damals. Damals, als praktisch das erste Ostern vor der Tür stand. Herrschte da neben all der Bekümmertheit schon eine gewissen Vorfreude bei den Anhängern Jesu? Nein, die Männer und Frauen die ihm bis nach Jerusalem folgten waren am Boden zerstört. Es schien, als sei alles schon zu Ende, ehe es begonnen hatte.

Ich fürchte wir können uns heute nur annähernd vorstellen, wie schwer wohl die Verzweiflung war, die während dieser langen Tage herrschte. Eben noch glaubte man dem Sohn Gottes nachzufolgen und dann – dann dieser Tod am Kreuz. Der Tod durch die grausamste und erniedrigendste Hinrichtungsart überhaupt. Wer in die Köpfe jener Männer und Frauen hineinsehen konnte, hätte wohl den ein oder anderen Gedanken gefunden wie “so habe ich mir das Kommen des Reich Gottes aber nun wirklich nicht vorgestellt”.

Ein Schlagwort dürfte unausgesprochen die Runde gemacht haben: Zweifel! Und wenn es kein Zweifeln war, dann doch zumindest die Feststellung, das Glauben am Ende doch gar nicht so leicht ist.

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Und ja, das ist es auch nicht. Und ja, Zweifel gehören zum Glaubensleben dazu. Wer nie zweifelt, kann sich nur in den seltensten Fällen über einen blinden Glauben freuen, er gerät eher in Gefahr tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes blind zu werden. Nicht nur blind für die anderen, sondern am Ende auch blind für die Wahrheit und anfällig für die blinde Wut.

Der Zweifel ist eine Stütze des Glaubens

Ich denke in der Tat, dass der Zweifel den Glauben sogar festigen kann. Und ich bin davon überzeugt, dass jeder irgendwann einmal diese Zweifel hat. Und mitunter ist es gerade die Überwindung des Zweifels, die den Glauben umso stärker macht.

Doch es muss nicht immer eine tiefe Glaubenskrise sein, die Zweifel erzeugen. Denn der Glaube, die Religion ist in gewisser Weise ein Gesamtpaket – und wie in jedem Gesamtpaket enthält sie eben auch Dinge, die einem nicht auf den ersten Blick einleuchten, sogar stören. Aber was stört, muss heute verschwinden. Störfaktoren, Zweifel – all das ist in der relativistischen Moderne nicht mehr erwünscht. Die Folgen zeigen sich meist in zwei Entwicklungen.

Glauben wird mit Rosinen picken verwechselt

Die Kirchen schleifen ihre Konturen. An nichts darf sich mehr geschnitten werden, alles muss glatt sein. Manch evangelische Kirchen scheinen den Sohn Gottes auf eine bedeutende Persönlichkeit zurückzustufen, die katholische Kirche breitet über alles den Mantel des Schweigens, was unangenehm aufstoßen könnte. Fegefeuer? Gibt es nicht mehr! Und überhaupt, in die Hölle, da kommt bestenfalls noch Hitler. Mal abgesehen davon, dass dieses Schleifen des Glaubens nicht ein Schäfchen mehr in die Gottesdienste bringt, wird der stetige Wandel der Kirche durch eine Erosion des Christentums ersetzt.

Konkurrenzfähig scheint man in einer Welt in der das Glauben wollen ja keineswegs ausgestorben ist schon längst nicht mehr. Der Mensch der Moderne ist bekanntlich nicht mehr auf seine regionale Umgebung angewiesen, auch die Religionen sind längst globalisiert und weltweit verfügbar. Und das neue hat seinen Reiz, Exotik ist es, die mehr zählt, als das Althergebrachte. Niemand scheint mehr die Mystik im Christentum zu suchen, wenn doch weltweit Alternativen zur Verfügung stehen. Der Buddhismus erfreut sich ungebrochener Beliebtheit, freilich ist es ein westlicher Buddhismus light, der sich in unseren Breitengraden ausbreitet. Es ist das Dauerlächeln des Dalai Lama, das begeistert, nicht die wirre und abergläubische Dämonen- und Geisterwelt im tibetanischen Buddhismus. Immer noch aktiv sind die hinduistischen Sekten, für viele nach wie vor attraktiv, im Westen hat man ja den Vorteil nicht in die Kaste der Unberührbaren geboren werden zu können. Man pickt sich die Rosinen heraus, nicht selten bastelt man sich dabei seine eigene kleine Privatreligion zusammen. Meditationen werden zu Events, westliche Gurus vermixen die fremde Religion mit westlichen Elementen und was dabei herauskommt ist eine Wischiwaschireligon der Glaubensgrundsätze kaum über als religiöse Weisheiten getarnte Binsenweisheiten hinausgehen. Und während man den Kirchen hinter vorgehaltener Hand die Kirchensteuer vorwirft, von der man sich mit einem Gang aufs Amt befreien lassen kann, werden keine Kosten gescheut, um auf pseudospirituelle Retreats zu reisen und sich kitschige Buddhastatuen in den Garten zu stellen. Letztlich muss man sich es auch finanziell leisten können.

Ironischerweise sind es also mitunter oft genau jene, die mit genüsslicher Freude auf die Verfehlungen der Kirche wie den Ablasshandel zeigen, während sie selbst ihre Münzen in die Beutel jener werfen, die sie mit Allgemeinplätzen und modernen Showelementen betäuben. Es darf bloß nicht weh tun, es darf bloß nicht echt sein.

The Bunnyman Massacre – Wenn der Osterhase Amok läuft

Wer gedacht hätte nur der dicke Typ mit dem weißen Bart im roten Bademantel hätte eine blutrünstige düstere Seite, der hat sich getäuscht. Auch der Osterhase scheint ein großer Fan von Leatherface zu sein. Ich meine auch, wer will es ihm schon verübeln. Da bringst du den Leuten Ostereier – und was machen die aus dir. Hasenbraten. Kein Wunder das der Osterhase irgendwann die Kettensäge rausholt.

The Bunnyman Massacre (USA 2014)
Regie: Carl Lindbergh
Darsteller: David Scott, Joshua Lang, Julianne Dowler

Handlung: Der Horror um Joe und Bunnyman in einer ländlichen Geisterstadt geht in die nächste Runde. Bunnymans Blutdurst kennt keine Grenzen, denn er schlachtet wahllos alles, was seinen Weg kreuzt. Während sein Partner Joe ihn noch ermutigt, schließlich muss er Fleisch in seinem Laden verkaufen. Eine gegenseitig vorteilhafte Beziehung könnte man meinen, doch sie bekommt Risse. Als die Körper stapeln, ist Joe gezwungen, die Körper zu entsorgen, mit allen notwendigen Mitteln. Zusätzlich zu Joes Körperentsorgungsproblem wird der örtliche Sheriff wegen des Verschwindens einiger Abgeordneten auf die Sache aufmerksam. Bei dessen Untersuchung stößt er immer wieder auf zwei Schwestern, die sich weigern, in den Händen von Joe und Bunnyman zu sterben.

Dark Side – Ein kapitalistischer Androide läuft Amok

Was kann sich der Mensch nicht alles vorstellen, was sich auf der dunklen Seite des Mondes befindet. Sogar Weltraumstationen der Nazis sollen angeblich dort ihr Versteck gefunden haben. Dabei ist die dunkle Seite des Mondes nicht mal dunkel, sondern hat genauso Tag und Nacht wie auf der Erde. Die Eigenrotation von Erde und Mond hat sich nur im Laufe der Zeit so gut angepasst, dass uns der Mond immer die gleiche Seite zuwendet. Die dunkle Seite ist also nicht dunkel, wir konnten sie bloß bis zur Erfindung der Raumfahrt nicht sehen.

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Natürlich verführt allein der Begriff “die dunkle Seite” dennoch zu einigen Geschichten, wie auch in Anthony O’Neill’s Dark Side. Dort erbaut der zwielichtige Milliardär Fletcher Brass seine eigene kleine Stadt auf: Purgatory – Fegefeuer Und lockt mit dem Versprechen kein Auslieferungsabkommen zu haben – und mit stillschweigender Duldung der Erdregierungen – so manch ebenso zwielichtige Gestalt in sein Fegefeuer. Da aber jede große Ansiedlung nur existieren kann, wenn die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten wird. Gibt es selbst dort eine Polizei, schließlich will man zum Beispiel die Zahl ermordeter Touristen in Grenzen halten. Ist Purgatory doch auch eine Art Las Vegas, nur mit weit weniger Regeln. Und da kommt Damien Justus ins Spiel. Ein Polizist aus eben jenem Las Vegas, auf der Flucht, aber eher vor Verbrechern, als das er selbst eines begangen hätte.  Auf dem Mond will er sich ein neues Leben aufbauen, muss aber schnell merken das es zwar Leute gibt, die an einem besseren Purgatory arbeiten wollen, die Stadt auf der dunklen Seite des Mondes in erster Linie aber noch immer ist, was sie verspricht: ein korrupter Sündenpfuhl

Und während Justus versucht den Mord an einem der engsten Mitarbeiter von Fletcher Brass aufzuklären, macht sich ein Androide auf dem Weg nach Purgatory. Eine gepflegte Erscheinung, die durch den Mondstaub wandert und einen blutigen Roadmovie hinter sich lässt. Denn wer ihm auf dem Weg nach Oz, für das er Purgatory hält, nicht helfen will, wird kurzerhand abgeschaltet. Ob es sich jetzt um einen auf den Mond verbannten Massenmörder handelt, oder eine religiöse Sekte. Der Androide kennt viele Regeln, aber “du sollst nicht töten” ist nicht darunter – ganz im Gegenteil.

Anthony O’Neill legt ein gut recherchiertes Buch über das Leben auf dem Mond vor, konzentriert sich jedoch bei aller Erklärung vor allem auf seine Charaktere. Ohne dabei zu langweilen oder die Spannung zu strecken widmet er selbst den kurz auftretenden Nebencharakteren viel Aufmerksamkeit. Man könnte fast vermuten, je ausführlicher er jemanden vorstellt, desto sicherer wird der Androide diese Figur umbringen.

Die Story hat ein oder zwei Schwächen, wenn Justus etwa ohne wirkliche Begründung schon zu Anfang auf die Rolle der Androiden aufmerksam wird und ihnen eine durch Handlung eigentlich nicht gerechtfertigte Aufmerksamkeit schenkt. Und natürlich ist das Ende an sich recht vorhersehbar, selbst die kleine als Überraschung erdachte Wende am Schluss kann nicht wirklich überraschen.

Letztlich ist Dark Side aber ein rasant und spannend geschriebenes Stück Science Fiction, das wie jeder gute Vertreter seiner Art im Zentrum eine Frage stellt, die für unsere Gegenwart mehr als bedeutend ist: Was passiert, wenn wir den Kapitalismus schalten und walten lassen wie er will. In der Zukunft werden mordende Roboter deshalb über den Mond streifen.