Nicht nur Oma oder Opa wissen was Einsamkeit ist

In einer Themenwoche beleuchtete man in der ARD das Thema „Einsamkeit“, also mehr oder weniger die „Einsamkeit der älteren Generation“. Doch das greift zu kurz.

Irgendwie steckt doch eine gewisse Ironie in unserer Gesellschaft. Die Welt wächst immer enger zusammen und noch nie hatten wir ein solches Übermaß an Kommunikationsmitteln, und dennoch entwickelt sich Einsamkeit immer schneller zu einem echten Problem.

Unsereiner guckt ja nur noch eine Stunde nach dem Aufstehen mit dem Morgenmagazin lineares Fernsehen, aber auf diese Weise habe ich zumindest die Themenwoche „Einsamkeit“ mitbekommen, zu der auch die ARD-Ausgabe des Morgenmagazins jeden Tag einen Bericht beisteuerte. Allein, irgendwie ging es in denen nur um ältere Menschen. Nun sind wir naturgemäß häufiger von Einsamkeit betroffen, wenn wir älter werden. Erst recht, wenn keine Kinder oder Enkel vorhanden sind. Sagen wir es doch, wie es ist, selbst in der besten Freundesgruppe ist irgendwann nur noch einer übrig. Okay, das war zynisch. Aber ich glaube das wir dieses Thema nicht auf eine bestimmte Gruppe reduzieren dürfen.

Und nebenbei, ältere Menschen haben nüchtern betrachtet sogar eher Glück, denn für diese Gruppe findet sich letztlich immer eine Gelegenheit unter Menschen zu gehen, weil es spezielle Angebote gibt. Man muss sie nur wahrnehmen. Zweifellos ist es leider vollkommen korrekt, dass wir der älteren Generation zu wenig Würdigung entgegenbringen, aber es ist nun auch nicht so, dass sie völlig vergessen ist. Außerdem gibt es im Zweifel immer einen aktiven Senior oder Seniorin, die ihre freigewordene Zeit begeistert zum Organisieren von gemeinsamen Veranstaltungen, Wanderungen usf. verwendet.

Und mit „freigewordene Zeit“ bin ich schon beim Thema. Während wir uns hier und da auch mit dem Thema Kinder die keine Freunde finden können beschäftigen, oder Angst haben vereinsamte Jugendliche könnten sich im bösen bösen Dark Net eine Waffe für den nächsten Amoklauf besorgen, kommt die größte Bevölkerungsgruppe in Sachen Einsamkeitsbekämpfung kaum vor. Ob man diese Gruppe jetzt klassische als 30 bis 40Jährige bezeichnet, oder lieber bis 50 oder 60 geht, ist eigentlich egal.

Foto von Serkan Göktay von Pexels https://www.pexels.com/de/foto/bank-gras-fluss-einsam-66757/

Für Akademiker ist etwa das Studium einer der größten Partnerschaftsanbahnungsevents, aber mit 30 steht man im Beruf. Oder mit anderen Worten: Man steht morgens auf, kommt abends nach hause und legt sich ins Bett – bestenfalls noch von ein bisschen Netflix unterbrochen. Disco ist nicht mehr, weil man ständig Angst haben muss eine auf älter geschminkte Schülerin anzubaggern und außerdem, zum „vorglühen“ ist man zu alt – und nüchtern ist das plötzlich ein ganz anderes Erlebnis. Das einzig maßgeschneiderte Angebot sind Ü-30- oder schon Ü-40-Partys, aber seien wir ehrlich, die sind peinlich. Die nüchterne Wahrheit lautet doch, wer in dem Alter noch neue Freunde oder gar eine Beziehung finden will, der muss entweder etwas draufgängerisches an sich haben oder schlicht und einfach viel Glück.

Irgendwie ist das reale Leben für 30irgendwas Leute eben doch keine Folge aus der Mary Tyler Moore Show.

Einsamkeit ist ja auch deshalb ein so tückisches Problem, weil man es den Menschen nicht ansehen kann. Wer einsam ist verbarrikadiert sich ja nicht in seiner Wohnung und kommt nur bei Dunkelheit raus, das sind Vampire. Wer einsam ist, geht zur Arbeit. Es sei denn, er hat keine, dann hat er nicht einmal diese Kontakte. Wer einsam ist, grüßt den Nachbarn auch im Treppenhaus oder tauscht im Aufzug ein paar Worte übers Wetter aus. Oder konkret ausgedrückt, in einer Gesellschaft in der die Kommunikation ins Belanglose abgedriftet ist und in der man ansonsten aneinander vorbeilebt, ist Bestandteil des Problems.

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