NATO-Treffen – Auch ein Trump hat mal recht

Die ersten Zeichen sprechen dafür, dass das NATO-Treffen nicht zu einem ähnlich großen Desaster wird, wie das G7-Treffen. Diesmal ist Trump aber sogar im Recht.

Auch wenn Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin von Beginn an vielleicht einer der dümmsten Ideen war, die Angela Merkel jemals hatte, sollte man fair sein, in der Bundeswehr war schon vorher der Wurm drin. Ja, damals konnten die U-Boote nicht nur abtauchen, sondern auch auftauchen, die Helikopter flogen noch und Biwaks fanden mangels Zelten noch nicht unter freiem Himmel statt. Aber irgendwie war abzusehen, dass man der Bundeswehr durch die Abschaffung der Wehrpflicht einen Schlag versetzt hat, von dem sie sich nur schwer erholen konnte.

Eine Gesellschaft die es sich zum obersten Ziel gesetzt hat linke Pazifisten zu erziehen, kann sich nun mal keine Freiwilligenarmee leisten. Das funktioniert nicht, das ist wie wenn man Rettungsschwimmer rekrutieren soll, aber nur aus einem Haufen Nichtschwimmer auswählen kann. Vielleicht findet sich sogar jemand, aber am Ende wird das nicht klappen. Der Deutsche an sich wurde in den letzten Jahrzehnten so grundlegend de-militarisiert, das ihm der Zustand der Bundeswehr heute nicht mal mehr peinlich ist. Das die Bundesregierung das versprochene 2%-Ziel nicht nur nicht erreicht, sondern nicht einmal ernsthaft versucht es zu erreichen, findet wahrscheinlich sogar sein Wohlwollen. Wird doch eh viel zu viel Geld fürs Militär ausgegeben, kaufen wir doch lieber mehr Gummibärchen. 

Nun ist eine nicht-militaristische Gesellschaft natürlich etwas Gutes, auch wenn die Dominanz der Pickelhauben in Deutschland nie so groß war, wie es uns die Geschichtslehrer der 1968er-Generation weiß machen wollen, haben wollen wir sowas nun wirklich nicht. Aber in einem Wolkenkuckucksheim zu leben, in dem man glaubt sowas wie Soldaten brauche man nicht, ist als Gegenextrem auch nicht viel besser. Aber in keiner anderen Sache widersetzt man sich der von Immanuel Kant zitierten „normativen Kraft des Faktischen“ in Deutschland so beharrlich, wie in dieser Frage. Man ist sogar irgendwie stolz drauf. 

Kurz, wenn ich Donald Trump wäre und unter einem militärischen Gesichtspunkt auf Deutschland blicken würde, wäre ich auch angepisst. Da ringst du die Nazis nieder, sorgst mit deinen Soldaten Jahrzehnte dafür, dass nur die Hälfte des  Landes auf Anweisungen aus Moskau hörst, und zum Dank bekommst du einen Verbündeten, der sich schlicht und einfach Lächerlich macht. Als ich noch bei den Feldjägern war, haben wir mitunter gewitzelt, die Aufgabe der Bundeswehr sei es im Ernstfall den Feind solange zu beschäftigen, bis die Amerikaner aus den Kasernen sind. Mit dem aktuellen Fuhrpark der Bundeswehr können wir das dann wohl auch vergessen. Sollte Donald Trump allerdings tatsächlich in der ihm eigenen Art eines beleidigten 5-jährigen Kindergartenkindes auf diesen Umstand hinweisen, wird man natürlich weniger auf den Kern der Wahrheit hinweisen, sondern sich bequem auf die Position zurückziehen, wenn der Trump sich so aufführt, ja dann, dann erst recht nicht. 

Manchmal glaube ich die Deutschen würden die Bundeswehr am liebsten komplett abschaffen, das wäre dann zumindest konsequent. Im Ernstfall findet sich schon jemand, der für einen dicken Scheck einspringt. Ich wage kaum das zu schreiben, weil sich bestimmt Deppen finden, die das wirklich für eine gute Idee halten. 

Manchmal glaube ich, die Leute sollten häufiger im Baltikum Urlaub machen, wo der Russe tatsächlich noch vor der Tür steht. Oder nach Srebrenica fahren, wo man noch die Spuren finden kann, was es heißt einfach zuzusehen.

By Adam Jones Adam63 [CC BY-SA 3.0 ], from Wikimedia Commons

Mit ein paar Tütchen Gummibären wird man da nicht weiter kommen …

Ein Kommentar

  1. „.. Als ich noch bei den Feldjägern war, haben wir mitunter gewitzelt, die Aufgabe der Bundeswehr sei es im Ernstfall den Feind solange zu beschäftigen, bis die Amerikaner aus den Kasernen sind ..“
    Als ich noch OTL bei der Bundeswehr war krankte sie daran, dass zu viele Unteroffiziere wie Sie den Geist der alten Wehrmacht gern wieder gehabt hätten und auf ‚Innere Führung‘ keinen Deut gaben, weil sie den Sinn nicht verstanden haben.

    Wie viele junge Leute kennen Sie denn, dass Sie sich ein Urteil über ganze Generationen erlauben? Das ist schlichtweg nachplappern von rechten Parolen.

    „Der Russe“ ist nicht schlimmer als „Die Amerikaner“ – letztere haben ganz Südamerika mittels CIA-Operationen destabilisiert weil ihre großen Konzerne dort ihre schmutzigen Geschäfte zu Lasten der Bevölkerungen mit demokratisch gewählten Regierungen nicht durchsetzen konnten. Und als sie damit fertig waren haben sie den Mittleren Osten ‚angezündet‘ um ihre Ölgier zu befriedigen.
    Haben Sie Tumps Äußerungen zur Gaspipeline nicht gehört, war im gleichen Atemzug wie die Schelte über zu geringe Verteidigungsausgaben. Die geplante Pipeline im Süden, von den Golfstaaten in die Türkei zum profit für US-Unternehmen ist das Ziel – und dazu brauchen sie den Durchgang durch Syrien, das sie seit Jahren zu destabilisieren versuchen.

    Sie sollten sich angewöhnen ihren Standpunkt zu hinterfragen und nicht nur pro-US und rechte Veröffentlichungen zu lesen, dann werden Sie schnell ihr Urteil revidieren.
    Aber da rede ich wohl gegen eine Wand, denn wer sich heute – angesichts der Verbrechen gerade der katholischen KIrche als ‚gläubiger Katholik‘ bezeichnet hat noch nicht angefangen zu denken sondern konsumiert das, was als „mainstream“ vorgekaut wird ….

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