Macht Social Media depressiv, oder mindestens unglücklich?

Die Diskussion ist so alt wie die Ankunft von Facebook & Co. im Mainstream. Macht Facebook unglücklich, sogar depressiv? Für Twitter zu Aufmerksamkeitsstörungen? Dient Instagram allein der Neidsteigerung?

Sei du selbst, vergleiche dich nicht immer mit den anderen … das klingt wie ein weiser Ratschlag von Freunden oder Eltern. Aber ist er wirklich so weise? Vielleicht im einzelnen, in der Masse dürfte der Blick auf andere ein wesentlicher Antriebsfaktor der modernen Gesellschaft sein. Aber selbst rein philosophisch wird es schwer, wenn wir keine Vergleiche ziehen können. Was ist gut, wenn man nicht weiß was böse ist? Wer bin ich, wenn niemand da ist, von dem ich mich abgrenzen kann? Und so ganz alleine, wer möchte schon so existieren? Nein, um das ständige vergleichen mit anderen kommen wir wohl auch die nächsten Jahrhunderte nicht herum.

Allerdings hat das Internet auch das sich vergleichen mit anderen ins Extreme getrieben. In der guten alten Zeit, konnte sich der Dorfdepp nur mit den anderen Dorfdeppen vergleichen. Das höchste der Gefühle war schon der Vergleich zum Dorfdepp aus der Nachbarschaft. Heute ist der „Rund um die Uhr“-Vergleich mit allen Dorfdeppen der Welt möglich, ja, und irgendeiner ist immer deppeder als du!

Wäre ein Vergleich objektiv und umfassend möglich, wahrscheinlich hätten wir gar kein Problem damit. Aber ebenso wie die meisten Menschen dazu neigen sich selbst immer kritischer zu sehen, wie andere. Neigen sie eben auch dazu das Leben der anderen immer besser zu finden als ihr eigenes.

Und unter uns, was postet ihr denn so in den sozialen Netzwerken? Eure Erfolge, oder doch eure Niederlagen?

Es gibt Netzwerke wie Instagram oder Pinterest, im Wesentlichen auch Snapchat, die geradezu auf das Positive und Schöne der Welt aus sind. Man postet Selfies im Urlaub, allerdings nicht die schmutzige Toilette aus dem Hotelzimmer. Man postet das leckere Steak vor der Kneipentour, aber nicht das Erbrochene vor der Haustür am nächsten Morgen. Bei allumfassenderen Netzwerken wie Facebook lief mir vor einiger Zeit gelegentlich auch mal ein Beitrag über den Weg, in dem einer postete das sein Tag Sch… war, aber heute macht man so etwas wohl nicht mehr – oder man macht es, und der Facebook -Algorithmus fischt es sicherheitshalber heraus. Man will seinen Mitgliedern ja nur positive Nachrichten bieten, die Welt ist schon schlimm genug.

Aber ist das wirklich eine gute Idee? Ja, klar, nicht umsonst lautet eine meiner Regeln „Freue dich über das Glück anderer“, aber ganz ehrlich, wir sind nicht dafür gemacht ständig das Glück der anderen zu ertragen, gerade wenn wir die andere Seite der Medaille nie zu sehen bekommen.

Wer fragt sich nicht gelegentlich, warum andere junge Eltern mit Babys gesegnet sind, die durchschlafen? Oder wie um Himmels willen kann der sich diese Anlage leisten, der macht beruflich doch etwa das gleiche wie ich? Und warum jettet die bitte um die Welt, während ich mir schon ein Wochenende im Bayerischen Wald vom Mund absparen muss? Wer ehrlich in sich geht, wird sich bei allen guten Vorsätzen immer wieder dabei erwischen, wie er eben doch mal eine der oberen Fragen vor sich hinmurmelt.

Werden wir ein bisschen persönlich. Zumindest mir geht es in letzter Zeit beinahe extrem so. Wenn du zuhause in einer Ein-Zimmer-Wohnung sitzt, Single bist und Urlaub aus finanziellen Gründen erst Mal gestrichen ist, solltest du dich auf Facebook oder Instagram lieber erst gar nicht tummeln. Selbst Instagram, das eigentlich mein Liebling unter den sozialen Netzwerken ist, öffne ich aus diesem Grund nicht mehr so oft wie früher. Bei Facebook ist es nicht viel anders. Zeit also für einen Selbstversuch … Smartphone raus und Facebook runter, das gleiche dann mit Instagram. Gut, Messenger lassen wir mal unangetastet, man will ja erreichbar sein. Wird das dazu führen, dass ich weniger Neidgrummeln spüre? Statistisch gesehen müsste das ja dann der Fall sein, weil es viel weniger Anlässe dürfte. Oder wird es mir doch Fehlen zumindest gelegentlich mal Neues von Freunden zu erfahren, die eben nicht um die Ecke wohnen? Aber wenn da jemand mal Nachwuchs kriegt oder heiratet, irgendwie bekommt man das dann auch schon mit.

Vielleicht stellt sich mir bald ja die Frage, die alle sozialen Netzwerke fürchten, wie der Teufel das Weihwasser: Was bringt mir dieser Social Media-Scheiß überhaupt?