Linker Realitätsverlust: Oder warum Taylor Swift keine Nazi-Braut ist

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Taylor Swift ist blond, blauäugig (keine Ahnung, wahrscheinlich aber ja) – die muss doch ein Nazi sein. 

Vor kurzem habe ich in einem Buch ein Zitat des US-Politikwissenschaftlers Mark Lilla gelesen, das recht deutlich macht, warum wir einen Volldeppen wie Donald Trump im Weißen Haus sitzen haben. Schuld daran sind nicht nur seine Wähler, sondern eben auch seine Gegner.

„Die Fixierung unserer Schulen und Medien auf Vielfalt hat eine Generation von Linken und Fortschrittlichen hervorgebracht, die auf narzisstische Weise unfähig sind, die Lebensbedingungen außerhalb ihrer selbst definierten Gruppe wahrzunehmen.“ – Mark Lilla

Oder mit anderen Worten, da lebt jemand in seiner Welt und hält diese für allgemeinverbindlich. Was stört, muss rassistisch, sexistisch sein, sprich, es muss ausgemerzt werden. Wenn schon nicht wortwörtlich, dann zumindest medial und rufmörderisch. Die Autoren des linken Blogs popfront.us dafür ein recht anschauliches Beispiel abgeben. Ihr aktuelles Ziel: Taylor Swift

Man argumentiert zuerst historisch, als Swifts Image das des Good American Girls war, gekrönt von ihrer Opferrolle 2009, als Kaney West bei der Verleihung des Best Female Video rebellierte und verkündete, Beyonce hätte den Preis verdient und nicht Taylor Swift. Mal ehrlich, man mag über Swifts Musik denken was man will, aber diese Szene hatte nichts damit zu tun, das Kaney West schwarz und Taylor Swift weiß ist. – Kaney West hat sich einfach wie ein unerzogener Arsch verhalten, das hat nun mal gar nix mit der Hautfarbe zu tun. Ärsche gibt’s überall.

Nazis müssen doch wissen wer ein Nazi ist

Nächstes Teil der Beweiskette ist ein Naziblogger, der verkündet Taylor Swift sei ein „heimlicher Nazi“. Yep, ich verkünde hiermit Konrad Adenauer war ein „heimlicher Kommunist“. Ich glaube das können wir getrost unter der Rubrik „Linksextremist? Rechtsextremist? Wo ist gleich wieder der Unterschied?“ ablegen. Die Quote von Deppen scheint mir allerdings dann doch einen statistischen Zusammenhang mit der Nähe zu den Rändern des politischen Spektrums zu haben.

Wer nicht für uns ist …

Wer jetzt noch Zweifel hat, der muss nur eines fragen: Hat Taylor Swift, wie es sich gehört, im Wahlkampf Hillary Clinton unterstützt?

„When Katy Perry, Lady Gaga, and Beyonce openly campaigned for Hillary Clinton, Taylor’s political silence appeared to be a rejection of her peers’ support of the inclusive Democrat platform.“ – Quelle: popfront.us

Da kann man doch nur noch sagen:

 

Schlimmer noch, Swift erhebt selbst jetzt nicht ihre Stimme:

„And while pop musicians are not respected world leaders, they have a huge audience and their music often reflects their values. So Taylor’s silence is not innocent, it is calculated. And if that is not true, she needs to state her beliefs out loud for the world — no matter what fan base she might lose, because in America 2017, silence in the face of injustice means support for the oppressor.“ – Quelle: popfront.us

Denn wer nicht für uns ist, ist gegen uns! Argumentationskette in sich geschlossen. Was im Übrigen etwa auch das einzige Argument der Regierung George W. Bush für den Krieg gegen den Irak war, dass einem Faktencheck stand hielt. Aber das sind Details.

Da aber mit Fakten, bzw. was man in der eigenen Welt dafür hält, zu argumentieren das eine ist, mit Bildern aber das andere wird eine Szene aus einem Swift Video bemüht:

Das könnte man als „auch männliche Fans wollen was zum gucken haben“ interpretieren, oder man hält es schlicht für ein Spiel mit faschistischen Symbolen und setzt darunter ein Bild von Adolf Hitler, eingerahmt von zwei weiteren Nazis.

„At one point in the accompanying music video, Taylor lords over an army of models from a podium, akin to what Hitler had in Nazis Germany. The similarities are uncanny and unsettling.“ – Quelle: popfront.us

Ja, die Ähnlichkeiten sind absolut unheimlich und beunruhigend. Und dabei so schlüssig: Wer Taylor Swift im hautengen Latexkostüm sieht, und dabei nicht sofort an den Führer denkt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen! 

Heil Swift! Ähm, wie bitte?

Aber genug der Flapsigkeit! Was ich wirklich beunruhigend finde ist die Tatsache, dass es da draußen Leute gibt, die sich so einen hirnverbrannten Scheiß nicht nur ausdenken, sondern ihn sogar selbst zu glauben scheinen. Mal ehrlich, das erreicht ja fast schon ein Stadium des umgekehrten Rassismus, in dem das Problem eines Künstlers darin besteht weiß zu sein und damit dummerweise die falsche Hautfarbe zu haben. Wahrscheinlich hat Mark Lilla mit seiner Einschätzung recht. Hier ist eine Generation von Linken herangewachsen, die nicht nur in ihrer eigenen Welt leben und nicht nur den Kontakt zum einfachen Mann auf der Straße verloren haben, sondern ganz allgemein den verdammten Bezug zur Realität!


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vor 6 Tagen
  • Gebe dir recht, dass die Argumentation insgesamt hier sehr an den Haaren herbei gezogen ist. Dass Rechte gerne mit Swift werben (z.B. https://twitter.com/jan_wiebe/status/911668947304550400 ) und insbesondere da, wo man sich ein Einordnung wünschen würde, Frau Swift schweigt, mag stimmen, reicht aber für den Schluss Taylor Swift sei ein Nazi nicht aus. Wir können ebenso wenig imaginieren, dass die Stars, die wir musikalisch schätzen, auch politisch mit uns auf einer Linie stehen. Wir wissen schlicht zu wenig für irgendwelche Aussagen und beschädigen uns selbst mehr.

    Eigentlich enttäuschend für die Linke: Früher hätte man sich daran ausreichend stören können, dass sie Kapitalistin sei, heute findet das wohl niemand mehr schlimm genug.

    • Das erinnert mich irgendwie an einen Artikel über Helene Fischer, bei dem ich mal hängengeblieben bin, als ich neugierig und kopfschüttelnd so ein neurechtes Magazin durchgeblättert habe. „Die Fischerin von Baikalsee“, oder so ähnlich. Die Argumentation war ähnlich dämlich. Nach dem Motto das deutsche Feuilleton würde Helene Fischer dissen, weil sie zu deutsch aussehe, singe, irgendwas in der Art.

      Hmm …

      Aber ich glaube an deiner letzten Bemerkung ist was Wahres dran. Über die Kapitalistenschiene ließen sich zumindest Argumente finden, die man nachvollziehen kann, und die es einem tippfreudigen Menschen wie mir nicht so einfach machen würden sich über so einen Artikel lustig zu machen. Aber ich schätze dazu ist die politische Stimmung hier und erst recht in den USA inzwischen zu aufgeheizt. Und je heißer es ist, desto weniger kühle Köpfe gibt es bekanntlich.