Leistungsschutzrecht reloaded – oder: Wozu eigentlich dieses Internet?

Europa – Braucht man das, oder kann das weg?

Manchmal zweifele ich daran, dass wir Menschen tatsächlich die intelligente Spezies auf diesem Planet sein. Mit Artikel 13 kommt ein weiteres Argument dagegen auf den Markt.

Während sich die Aufregung um die DSGVO noch nicht ganz gelegt hat, zeichnet sich am europäischen Horizont der nächst Wahnsinn ab. Es geht um das altbekannte Leistungsschutzrecht und den erneuten Versuch der Politiker, auch bekannt als Erfüllungsgehilfen der Verlage, das Internet wie wir es kennen abzuschaffen. Ja, das klingt ein wenig nach Untergangsstimmung. Aber auch wenn auf der einen Seite nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird, die Richtlinie über das Urheberrecht, die am 20. und 21. Juni im Europäischen Parlament beraten wird, hat durchaus das Potential dazu. 

Vereinfacht ausgedrückt verbirgt sich dahinter der nächste Versuch der Medienunternehmen ihre Inhalte vor der Verlinkung durch Dritte zu schützen. Heute noch übliche Links auf Artikel oder Teaser/Textanreißer sollen künftig nur noch gegen Bares erlaubt sein. Klingt dämlich, ist auch dämlich. Ein Blick nach Spanien, wo etwas ähnliches bereits umgesetzt wurde, beweist die Dämlichkeit übrigens. Um ehrlich zu sein, ich komme mir schon blöde vor, aber offensichtlich hat noch immer nicht jeder Verlagsmanager begriffen, dass das  ungefähr so wäre, als würde man Zeitungen in den Kiosken nicht mehr auslegen, sondern ausschließlich unterm Ladentisch verkaufen, wenn der Kunde gezielt danach fragt. 

Aber es geht noch schlimmer, es geht immer noch schlimmer …

Damit keine urheberrechtlich geschützten Inhalte veröffentlicht werden können, steht eine – kostenpflichtige – Datenbank im Raum, mit der ein neuer Inhalt vor der Veröffentlichung abgeglichen werden muss. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt habe ich aufgehört auch nur noch einen Funken Fachwissens bei jenen zu vermuten, die auf solche Idee kommen. Was künftig veröffentlicht werden darf, entscheidet ein Algorithmus! Hält das außer mir noch einer für eine dumme Idee? 

Zudem wird befürchtet, dass dadurch gelinde gesagt die ein oder andere Katastrophe passieren kann. Die EFF hat sich mal gefragt, was denn passiert, wenn ein Scherzkeks auf die Idee kommt den Inhalt von Wikipedia dort als urheberechtlich geschützt hochzuladen: The EU’s Copyright Proposal is Extremely Bad News for Everyone, Even (Especially!) Wikipedia

Und Jochen Fuchs stellt bei t3n fest:

Nutzer, deren Inhalte böswillig von einem anderen Nutzer als urheberrechtlich geschützt deklariert wurden, müssten erst einmal den Rechtsweg beschreiten und klagen – um ihre eigenen Inhalte wieder nutzen zu können.

Quelle: t3n

Und manchen geht das noch nicht einmal weit genug, so berichtet die für die Piraten im EU-Parlament sitzende Julia Reda davon, das Axel Voss (CDU) jenen Verlagen, die wissen was für ein Murks das ist, gar nicht erst die Möglichkeit zu geben sich weiter zitieren und verlinken zu lassen. Übrigens soll die neue Regelung auch Fake News bekämpfen ….

Wirklich, ganz ehrlich, ich verstehe es nicht? Warum bastelt die EU an einer Urheberrichtlinie, die aller Erfahrung nach kaum einen zusätzlichen Cent in die Kassen der etablierten Medienunternehmen spülen wird, auf der anderen Seite aber die freie Meinungsäußerung im Internet massiv in Gefahr bringt? Ich meine Usain Bolt hackt sich doch auch nicht den linken Fuß ab, damit er schneller rennen kann, oder?

Interessanter Weise hält sich die öffentliche Diskussion über das Thema allerdings trotz des nahen Datum in Grenzen. Ob das daran liegt, dass die etablieren Medien kein wirkliches Interesse daran haben das Thema aufzugreifen? Man weiß es nicht. Verschwörungstheorie ich hör dich trapsen …

Dabei haben namhafte Internetgrößen, wie Wikimedia oder CreativCommens, unter saveyourinternet.eu etwa eine Aktion gestartet, bei der jeder seinem EU-Abgeordneten schreiben kann, was er davon hält:

Also ich persönlich, halte davon nämlich gar nichts ….

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