Eigentlich bin ich rechnerisch ein paar Jahre zu jung, aber Sophie Marceau und „La Boum“ haben mich dennoch damals voll erwischt.

Manchmal surft man eher gelangweilt auf YouTube rum, sieht sich das und jenes an, den üblichen Kram eben. Lustiges, informatives, ein wenig Musik. Und irgendwann landet man dann bei folgendem Video:

Reality von Richard Sanderson. Ein Song, wie es ihn heute nicht mehr geben würde. Man ist geneigt zu behaupten, das sei auch wirklich gut so. Denn machen wir uns nichts vor, Reality hätte unter heutigen Gesichtspunkten einen geradezu unerträglichen Kitschfaktor. Hört und sieht man den Song allerdings mit einem gewissen Nostalgiefaktor, ist das natürlich ganz anders.

Was war das damals für ein Hype, das Wort gab es noch nicht einmal, um La Boum und um La Boum 2. Die Bravo, damals noch wöchentlich, war voll davon und kein deutscher Junge war nicht zumindest ein bisschen verknallt in die kleine Französin Vic. Auch das mit Recht! Ich gestehe hiermit freimütig, ich hatte von Sophie Marceau Pubertätsträume, da war ich noch gar nicht in der Pubertät. 

Und das hat sich über Jahrzehnte gehalten. Noch heute spielte Sophie Marceau die einzige Bond-Bösewichtin, die man lieber hätte gewinnen sehen. Und wer in meine Wohnung kommt, findet an der Wand ein von ihr persönlich unterschriebenes Foto – die Widmung dummerweise auf der Rückseite.

Von Ivan Bessedin, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16270884

Kann es sein, das La Boum damals wirklich so erfolgreich war, weil den Teenagern die Geschichte so realistisch vorkam? Und gleichzeitig die französische Szenerie der eigenen, deutschen Lebenswelt weit näher, als die erste Liebe an einer US-amerikanischen Highschool?

Solche Filme werden heute nicht mehr gedreht. Na ja, zumindest nicht für’s Mainstreamkino. Kaum zu glauben, aber La Boum würde heute wohl eher ein Independent-Streifen oder gar ein Autorenfilm werden. Diese Art von Film, die ein Kinokritiker nur noch im Öffentlich-Rechtlichen erwähnen würde, damit er nicht nur den neuesten Marvel-Streifen vorstellen muss. Aber vielleicht sind auch nur die Zeiten vorbei, in denen ein Film noch eine ganze Generation prägen oder zumindest begeistern konnte, der nichts mit Superhelden oder Hobbits zu tun hat. Der Teenie von heute würde sich die vergleichsweise sehr braven Probleme von Vic kaum noch ansehen, Kinderkram, gibt es nicht doch noch einen neuen Teil von 50 Shades of Grey? 

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