Konservativ-christliche Nachrichten? Nö, lieber nicht?

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Die katholische Tagespost ist in Nöten, idea werden die Mittel gekürzt. Steckt dahinter Absicht?

Wenn es um katholische Zeitungen geht, ist Deutschland auf den Stand eines Entwicklungslandes zurückgefallen. Ja, die meisten Bistümer geben eine Bistumszeitung heraus. Aber jemanden unter 70+ spricht man mit diesen Veröffentlichungen kaum noch an. In Augsburg gibt man noch eine bundesweite Variante heraus, die zumindest lesenswert ist. Und da gibt es ja auch noch die deutsche Ausgabe des Osservatore Romano, die jede Woche erscheint. Aber die Fahne der katholischen Tageszeitung hält allein noch die in Würzburg erscheinende Tagespost hoch – auch wenn sie freilich schon jetzt nicht mehr jeden Tag, sondern nur 3 x die Woche erscheint.

Doch 2018 könnte auch damit Schluss sein, denn der Tagespost geht sprichwörtlich das Geld aus. Mit einer katholisch positionierten Tageszeitung lässt sich offenbar heute leider keine Gewinnschwelle mehr nehmen. Die Zeitung lebt hauptsächlich von ihren Abonnenten, einzeln findet man sie klassischerweise nur im sogenannten gut sortierten Bahnhofsfachhandel. 8.500 Abos hat man derzeit, gut und gerne 5.000 bräuchte man mehr um wieder in die Gewinnzone zu kommen. Ob das machbar ist, ich habe da leider so meine Bedenken. Aber Hoffnung gibt es immer, oder?

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Auf evangelischer Seite sieht es übrigens auch nicht so toll aus. Die Synode hat der konservativen Nachrichtenagentur idea ohne Vorwarnung den Zuschuss für 2018 von 132.000 auf 90.000 Euro gekürzt, 2019 sollen es dann noch 60.000 Euro sein. Danach wird der Zuschuss eingestellt. Peter Hahne, streitbarer Autor, bringt es in einem Kommentar auf den Punkt: „Ausgerechnet im Lutherjahr: Gefälligkeitsjournalismus per Geldhahn statt Freiheit eines Christenmenschen“ Und man kann sich diesem Urteil nicht ganz entziehen.

Denn eines haben idea und die Tagespost gemein, sie verweigern sich dem Mainstream und tun das, wofür sie gegründet wurden. Sie beziehen die christliche Position, denn dazu sind sie, anders als etwa andere Tageszeitungen, die neutral berichten sollten, sogar verpflichtet. Und sich dem linken Mainstream zu verweigern, heißt heute konservativ zu berichten – was nach Ansicht des linken Mainstreams allerdings schlicht und einfach als rechts verunglimpft wird!

„Der Mainstream duldet niemanden, der den Gleichschritt stört. idea soll an die Kandare genommen und auf Linie gebracht werden, oder der Geldhahn geht zu.“ – Peter Hahne auf idea.de

Jetzt streicht die Deutsche Bischofskonferenz zwar keine Mittel, aber es wäre wohl ein leichtes der Tagespost unter die Arme zu greifen. Die Kassen sind gefüllt, allein es fehlt der Wille. Eine kleine Ausnahme bildet allerdings ein Zuschuss aus einem Fonds der Fonds der Freisinger (bayrischen) Bischofskonferenz. Aber seien wir ehrlich, auch wenn mir die Dauerkritik konservativer Katholiken am deutschen Episkopat zuwider ist, so manch Bischof wird sich schon daran stören, was er da in der Tagespost zu lesen bekommt.

Verklingt aber die Stimme der Tagespost, ist das nicht nur ein herber Schlag für den katholischen Journalismus, es ist die Fortgesetzte Rodung der Vielfalt im deutschsprachigen Pressewald. Und untätig ist man in der Redaktion unterdessen keineswegs, seit November hat etwa Blogger Josef Bordat dort als Redakteur angeheuert und sich des Online Auftritts angenommen. Der soll Mitte des Monats laut katholisch.de runderneuert werden. Dort wird man derzeit quasi noch CMS-mäßig von der Würzburger Regionalzeitung Main Post mitbetreut. Man hatte glaube ich zwischendurch schon mal auf Joomla gesetzt. Ein neues flexibles System kann da sicher hilfreich sein, um meine persönliche Erfahrung mit dem System einzubringen. (Ja, das war ein fieser Seitenhieb auf einen Ex-Arbeitgeber von mir!)

„Wo katholisch drauf steht, muss katholisch drin sein.“, Tagespost-Chefredakteur Oliver Maksan auf katholisch.de

Bleibt nur zu hoffen und zu beten, dass die Tagespost genug Luft bekommt, diese Erneuerung auch durchführen zu können!


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vor 7 Tagen
  • Wobei auch da gesagt werden sollte, die linken Tageszeitungsprojekte überleben auch nur noch deshalb, weil sich die Mitarbeiter*innen selbst ausbeuten, man auf Spenden angewiesen ist usw. Eine ordentlich finanzierte Presse – egal mit welchem Hintergrund – gibt es kaum noch. Und ob man den Mainstream ehrlich als ‚Links‘ bezeichnen kann mag ich bei den meisten Publikationen doch bezweifeln.