Als ich noch aktiver in der Blogoszese unterwegs war, habe ich mir den Mund fusselig geredet, wenn es um mehr Respekt und Folgsamkeit mit Blick auf das deutsche Episkopat ging. Aber ganz ehrlich, irgendwann ist Schluss.

Als einige deutsche Bischöfe im Streit über die Handreichung zum Thema Zugang für evangelische Ehepartner zur Heiligen Kommunion nach Rom fuhren, erhofften sich beide Seiten Klärung Seitens des Papste. Jene die dagegen waren wohl mehr, als die Mehrheit der Befürworter, denn was zwischen den Zeilen so geflüstert wurde, sah wenig nach einem begeisterten „Ja, macht das!“ aus. Insofern feierten die Befürworter unter den Bischöfen es auch schon als Erfolg, als aus Rom nur die Bitte kam, sich doch „einmütig“ zu einigen. Wahrscheinlich haben nicht wenige das schon so interpretiert, dass wir das jetzt eigentlich doch so machen dürfen.

Umso größer dann der Schock, als der Vatikan sich jetzt doch zu einer Entscheidung durchrang, während man in Deutschland noch damit beschäftigt war sich in Spitzfindigkeiten zu übertreffen, was denn jetzt eigentlich die Definition des Wortes „einmütig“ genau heißt. Man kann über den Kurswechsel im Vatikan spekulieren, aber was genau den Ausschlag gab, dürfte wohl nie ganz geklärt werden.

Was hingegen jetzt schon geklärt ist, ist die Rolle des beleidigten kleinen Jungen. Die übernimmt der Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, seines Zeichens eben in der Deutschen Bischofskonferenz zuständig für die Ökumene. Bei katholisch.de äußert er sich zu dem Kurswechsel, der eine große Enttäuschung ausgelöst hätte, und meint, der angerichtete Schaden sei noch nicht abzusehen. „Wunden sind neu aufgebrochen. Verbitterung und Resignation machen sich breit.“, so Feige wörtlich. Während man sich in den letzten Wochen darum bemühte die Quasi-Zulassung evangelischer Lebenspartner zur katholischen Kommunion möglichst klein zu reden, kein großes Ding, nix groß theologisch Bedeutsames eben, scheint Bischof Feige irgendwie zu denken das II. Vatikanische Konzil sei gerade abgewickelt worden.

Schuld sind natürlich die anderen. Kritische Amtsbrüder, vor allem die Medien hätten die Handreichung falsch in der Öffentlichkeit dargestellt, die sich im Übrigen ja kein eigenes Bild machen konnte, weil die Handreichung nicht veröffentlich werden durfte. Ähm, ja … Das ist natürlich alles ziemlicher Unsinn, denn die Entscheidung scheint von Papst Franziskus direkt gekommen zu sein. Und unter uns, ich vertraue voll und ganz auf den theologischen Sachverstand des Heiligen Vaters die Situation und den Inhalt der Handreichung der DBK korrekt beurteilen zu können.

Was falsche Darstellungen angeht, übt sich der Bischof in diesem Kommentar übrigens auch selbst recht ordentlich. Wenn er versucht Kritiker wie den Kölner Erzbischof Woelki als Verbündeten herbeizuschreiben, der in den berechtigten Ausnahmefällen ja nicht gegen die bestehende Regelung argumentiert. Was Feige, und auch viele andere Befürworter, der Öffentlichkeit allerdings noch immer schuldig sind, ist die Antwort warum man aus berechtigten Einzelfällen plötzlich einen Regelfall machen soll.

Das er sich sogar öffentlich fragt, warum es eine ähnliche Diskussion nicht in der Frage des Empfangs der Kommunion für geschiedene Katholiken gab, ist ehrlich gesagt erschreckend und lässt tief blicken, was der Magdeburger Bischof unter „römisch-katholisch“ zu verstehen scheint.

Der ökumenische Problemfall Deutschland

Wenn es um das Thema Ökumene geht, ist Deutschland mit seinem gefühlten 50:50-Patt zwischen Katholiken und Protestanten ein Sonderfall. Die Spaltung der Kirche durch die Reformation ist in Deutschland besonders schmerzhaft, aber auch die Notwendigkeit das Verhältnis zwischen den beiden Konfessionen zu regeln besonders groß. Niemand kann sich ernsthaft in eine noch gar nicht so lange vergangene Zeit zurückwünschen, in der es ein Unding war wenn ein Katholik eine Protestantin, oder ein Protestant eine Katholikin heiraten wollte.

Die von den deutschen Bischöfen in ihrer Mehrheit angestoßene Änderung in Sachen Empfang der Kommunion evangelischer Ehepartner war aber dennoch notwendig wie ein Kropf. Und im Übrigen auch ein weiterer Beleg für das traurige Bild einer Ökumene, die in erster Linie Zugeständnisse allein von katholischer Seite erwartet. Das die DBK dann aber offenbar noch die wahre Aussage, die Kirche als Ganzes könne nicht irren, auf ihre eigenen Mehrheitsentscheidungen zu beziehen scheint, sagt auch einiges über das mehrheitliche Verständnis der Römisch-Katholischen unter unseren Hirten aus. Ökumene an sich ist richtig, aber dafür einen der Kernbestandteile – die Anwesenheit Christi – einfach so wegzuwischen, ist keine Ökumene, sondern Selbstaufgabe und der Marsch mit wehenden Fahnen zu einer spirituellen NGO.

Ich kann mich nicht so ganz dem Eindruck entziehen, dass der Papst in gewisser Weise schlicht und einfach die Notbremse gezogen hat. Franziskus‘ Anliegen ist es durchaus Rom nicht für jede Kleinigkeit zuständig sein zu lassen. In gewisser Weise lässt der Vatikan die Bischöfe weltweit ein wenig von der Leine, erhöht ihren Handlungsspielraum innerhalb des katholischen Glaubens. Vielleicht hat Franziskus auch als Südamerikaner unterschätzt, dass wir gerade jetzt in Europa viele Bischöfe haben, die das Konzil als eine Art Freifahrtschein verstehen ihre ganz privaten Vorstellungen – das sie diese offenbar haben, ist schlimm genug – plötzlich als Kirchenlehre zu interpretieren. Wahrscheinlich hat sich der Heilige Vater zu lange nicht vorstellen können, das man zum Beispiel in Deutschland seine Haltung dazu ausnutzen könnte an den Grundpfeilern der Katholizismus zu rütteln, weil man gar nicht mehr die Erkenntnis hat was diese Grundpfeiler eigentlich sind.

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