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Film & Fernsehen

Filmkritik: Wonder Woman (2017)

18. Juni 2017

Superheldinnen und ein eigener Film? Selbst in Zeiten in denen Comicverfilmungen garantierte Blockbuster sind, scheint das immer noch eine Frage für sich zu sein. Denn während bei den gedruckten Comics die weibliche Fangemeinde stetig wächst, eine Superheldin als tragende Hauptfigur war bis jetzt undenkbar. Ausgerechnet DC hat diesen Bann jetzt gebrochen und Wonder Woman mit Gal Gadot in die Kino gebracht. Ausgerechnet DC, das sage ich natürlich als Marvelfanboy.

Screenshot: YouTube

Aber das hat mich natürlich nicht davon abgehalten mir Wonder Woman pflichtgemäß anzusehen. Und beginnen wir gleich mit dem schlechten Teil an der Verfilmung einer übrigens auch von DC lange zu Unrecht stiefmütterlich behandelten Comicikone. Die Story ist, na ja, wenn ein Film zwei Stunden dauert, hätte man durchaus hier oder da etwas Tiefe oder überhaupt eine interessante Story reinbringen können. Stattdessen besteht der einzige Kniff von Regisseurin Patty Jenkins darin die Handlung nicht wie erwartet während des 2. Weltkriegs anzulegen, sondern sie in den 1. Weltkrieg zu verlegen. So muss diesmal also nicht Hitler als Bösewicht herhalten, sondern General Erich Ludendorff. Die einzige Ironie besteht dabei wohl darin, dass Ludendorff, der gegen Ende seines Lebens in die esoterisch-durchgeknallte Mythologieecke abgesackt ist, die vermeintliche Nähe zu den griechischen Göttern wohl am Ende sogar gefallen hätte.

Überhaupt, und da kommen wir zum positiven Teil, hat der Film zwar Stereotypen im Dutzend zur Verfügung, aber erfrischender Weise befindet sich diesmal kein US-Pathos dabei, dafür aber die ein oder andere Verbeugung nicht nur vor der griechischen Mythologie. Die katholische Tagespost betitelte ihre Kritik gar mit Eine Amazone wie Christus und zitierte die amerikanische christliche Feministin Valerie M. Hudson:

„Möglicherweise ist Christus in Gestalt einer schönen und in diverse Hintern tretende Amazone das Einzige, womit unsere gegenwärtige Gesellschaft noch klarkommen kann.“

 

Ein schönes und nicht ganz aus der Luft gegriffenes Zitat, kommt Amazonenprinzessin Diana (Gal Gadot) doch von ihrer versteckten und behüteten Insel in unsere Welt, um es mit Ares aufzunehmen und mit ihm endlich den Krieg auf der Welt zu beenden. Das dieser zwar mitmischt, der Grund des Krieges an sich aber im Menschen selbst liegt, gehört zu jenen Lektionen, mit denen Wonder Woman im Laufe des Films auf die Schnelle erwachsen werden muss. Eine derartige Erkenntnis dürfte aber wohl allen Erlöserfiguren, seien sie nun religiös begründet oder erfunden, in den Sinn gekommen sein. Und wer könnte es Wonder Woman übel nehmen, dass sie an der Menschheit zu zweifeln beginnt.

Was Patty Jenkins in ihrem Film übrigens gut gelingt ist eine schwierige Waage zu halten, die die Figur Wonder Woman auf der einen Seite volltauglich zum Rollenvorbild für Mädchen macht, obwohl das Kostüm natürlich pflichtbewusst knapp gehalten ist. Überhaupt ist der Streifen handwerklich sehr gut gelungen, auch wenn die Kämpfe in Zeitlupe mitunter ein wenig kitschig rüberkommen.

Das liegt auch am guten Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, die mit Chris Pine, bekannt aus den neuen Star Trek-Filmen, komplettiert werden. Die beiden geben vor der Kamera ein gutes Team ab und irgendwie findet man es am Ende schade, dass ihnen ein ähnliches, wenn auch komplett anderes, Schicksal bevorsteht wie Captain America und Peggy Carter. Aber in diesem Film ist es durchaus eine amüsante Komponente den beiden beim Spielen zuzusehen. Auch wenn Gal Gadot an schauspielerischem Talent Chris Pine deutlich überlegen ist. Sie hält ihrerseits nämlich ein nicht minder schwereres Gleichgewicht als Jenkins, in dem sie ihre Wonder Woman eine feine Komponente an Selbstironie gibt, ohne die Figur dabei im geringsten lächerlich erscheinen zu lassen.

Insgesamt kann ich Wonder Woman also durchaus auch als Anhänger der Marvelfraktion voll empfehlen. Und ja, niemand überrascht das mehr als mich selbst.