Filmkritik: Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Um das Urteil gleich an den Anfang zu stellen, Valerian – Die Stadt der tausend Planeten ist rein optisch ein typischer Luc Besson-Film geworden. Vielleicht sogar sein bester Film, aber das bezieht sich eben leider nur auf die Optik. Die Handlung ist zur Nebensache degradiert worden, nicht einmal die Hauptfigur bekommt ein Mindestmaß an Tiefe und die Sozialkritik der Comicvorlage ist bis auf das Thema des Völkermords komplett ins Nirwana verschwunden. Und selbst bei der Zerstörung der Welt der Pearls hat man das Gefühl, Besson hätte auch das am liebsten gestrichen, so wachsweichzeichnend zeichnet er deren Geschichte.

Insofern ist der Titel ein wenig irreführend, man hätte den Namen „Valerian“ auch gleich weglassen können. Natürlich sind die Bilder von Alpha, der Stadt der tausend Planeten, gelungen und hübsch anzusehen. Aber sie wurden der reinen Optik wegen geschaffen, in bunten Bildern und ohne Ecken und Kanten. Selbst eine Sorte Aliens, die ihrem Imperator das Gehirn von Valerians Partnerin Laureline (Cara Delevingne) als Delikatesse servieren wollen, könnten so in jeder ScienceFiction-Serie für Kinder auftreten. Was Besson an Bildern geschaffen hat ist so zuckersüß, das man das Gefühl bekommt eine Woche lang in einem Süßigkeitenladen eingeschlossen zu sein. Am Anfang stopft man sich den Süßkram noch mit Begeisterung rein, aber irgendwann wird einem von dieser knallbunten Welt einfach nur noch schlecht.

Weil einem die zwei Stunden des Films also wie eine ganze Woche vorkommt, findet man genug Zeit die Mängel zu kopfschüttelnd zur Kenntnis zu nehmen. An den bisher eher unbekannten US-Schauspieler Dane DeHaan wird man sich auch trotz der Hauptrolle nicht wirklich weiter erinnern können. Es ist dagegen irgendwie passend, dass allein Sängerin Rihanna mir ihrem viel zu kurzem Auftritt als Formwandlerin Bubbles einen langfristigen Eindruck hinterlässt. Selbstredend hat es Besson aber auch hier versäumt der Figur auch nur die geringste Chance auf eine Entwicklung zu geben.

Kurz um, wer in sich dieser Tage in einem gut klimatisierten Kinosaal zwei Stunden schöne Bilder ansehen will, der ist mit Valerian – Die Stadt der tausend Planeten ganz gut bedient. Wer lieber die Geschichte dahinter kennenlernen will, sollte sich den Comic besorgen und es sich in einem schattigen Plätzchen gemütlich machen.

  • moggadodde

    Ja, das sah ich ähnlich. Die Technik hat seit meinem letzten 3D-Film erheblich hinzugewonnen. Ein Feuerwerk an Farben und Tiefe, letzteres ist aber nichts, was den Hauptdarstellern zugeschrieben werden kann. Vielleicht bin ich schon zu alt für Welt- und Planetenretter, die wie Oberstufenpennäler erscheinen. Und dazu gesellt sich das Gefühl, alles irgendwo schon ähnlich gesehen zu haben.
    Wunderschöne, bunte Bilder, recht unterhaltsame Zeit. Mehr aber auch nicht.

    • Ja, ich weiß.Dane DeHaan wirkt schon ein wenig arg milchgesichtig. Hätte ich die Comicvorlage nicht gekannt, bei den ersten Trailern hätte ich gedacht es handelt sich dabei um einen Kinderfilm.