Filmkritik: Loving Vincent

Teilen macht Freu(n)de!

Die Sonnenblumen kennt jeder, sie waren auch oft genug Motiv. Aber wer war eigentlich dieser Mann, der sich ein Ohr abschnitt, um es einer Prostituierten zu schenken?

Die Todesumstände von Vincent van Gogh sind so richtig nie eindeutig geklärt worden. Wenn wir heute von einem Selbstmord sprechen, dann gibt das im Grunde nur die Mehrheitsmeinung wieder. Aber so manch Bewunderer van Gogh’s dürfte anderer Meinung sein. War es nicht doch ein Unfall? War es gar Mord?

Der Film Loving Vincent greift diese ungeklärte Frage auf und macht sie zu seiner Handlung. Es ist eine Kriminalgeschichte, in die der junge Armand Roulin (Douglas Booth) gerät, als er widerwillig wie von seinem Vater gewünscht ein Jahr nach dem Tod des Malers dessen letzten Brief zustellen will. Der eigentliche Adressat, Bruder Theo, ist bereits gestorben. Also macht er sich auf nach Auvers-sur-Oise, wo Vincent van Gogh die letzten Wochen seines Lebens verbrachte und schließlich auch starb. Doch dort stößt Armand auf Ungereimtheiten, die Berichte über den Maler und dessen Tod, die ihm dort erzählt werden, gleichen sich nicht. Aber haben die Menschen dort nur ihre eigenen Erinnerungen, oder werden ihm Lügen aufgetischt?

Das Rätsel um die wahren Todesumstände von Vincent van Gogh als Handlung zu nehmen, war von den Machern des Films, Dorota Kobiela und Hugh Welchman, wohl zugleich eine naheliegende, wie aber auch unglückliche Idee. Denn am Ende standen die Autoren natürlich vor dem Dilemma das Rätsel wie in der Realität ungelöst zu lassen, oder sich auf eine Lösung festzulegen. Auch wenn sich Armand und sein Vater am Ende des Films von einer möglichen Lösung des Falls überzeugt zeigen, der Zuschauer bleibt doch im Ungewissen.

– Werbung –

Aber irgendwie ist in Loving Vincent die Handlung nur reine Nebensache. Was den Film auszeichnet sind seine Bilder und die Art wie sie entstanden sind. Zuerst als Realfilm gedreht, wurden die Bilder dann mit von Künstlern im Stile van Goghs angefertigten Ölgemälden verschmolzen. Oder mit anderen Worten, Loving Vincent ist der erste Spielfilm in Öl gemalt.

Besserwisserwissen: Alexander Petrow veröffentlichte 1999 einen 20-minütigen Kurzfilm „Der alte Mann und das Meer“, der mit einer ähnlichen Technik entstand (Öl auf Glas gemalt).

Für das Filmprojekt konnten Kobiela und Weichmann auch eine Reihe recht guter Schauspieler gewinnen. So spielt Jerome Flynn, bekannt aus Game of Thrones und Ripper Street (meine Kritik zur Serie), den Arzt und van Gogh-Vertrauten Doktor Gachet. Dessen Tochter Marguerite wiederum wird von der ebenso bezaubernden wie talentierten Saoirse Ronan verkörpert, die schon in frühen Jahren für ihre Nebenrolle in Abbitte für den Oscar nominiert wurde, demnächst als Maria Stuart zu sehen sein wird, aber auch das Galway Girl im Musikvideo zu Ed Sheeran’s gleichnamigen Video gibt.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Loving Vincent durchaus zu jenen Filmen gehört die man 2017 oder auch 2018 eigentlich gesehen haben muss. Herausragend wegen seiner Herstellungsart, ein Genuss für die Augen wegen seiner Bilder. Eine Pflicht für jeden, der mehr von Vincent van Gogh kennen möchte, als „nur“ seine Sonnenblumen.

 

 

 

 

 


Teilen macht Freu(n)de!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.