Filmkritik: Isle of Dogs – Ataris Reise

Es gibt die Theorie, dass die einzigen die sich noch weniger leiden können als Hunde und Katzen, deren jeweilige Halter sind. In seinem wundervollen Film „Isle of Dogs – Ataris Reise“ geht Wes Anderson allerdings weit über solche simplen Problem hinaus.

Wir stellen uns vor, Japan, 20 Jahre in der Zukunft. Ein mächtiger Klan, der seit Generationen auch den Bürgermeister stellt, besteht aus erklärten Katzenfreunden. Hunde sind ihnen suspekt, sie wollen sie am liebsten durch Roboterhunde ersetzen. Ist es also ein Zufall, das gerade jetzt eine Hundegrippe ausbricht und dem Politiker die Möglichkeit gibt alle Hunde aus der Stadt zu auf eine Müllinsel vor der Küste zu verbannen? Wohl kaum. Der erste ins Exil geschickte Hund ist Spots, der Hund des Neffen des Bürgermeisters, und eben dieser 12jährige Junge landet sechs Monate später auf der Suche nach seinem Hund auf Trash Island.

Man muss keine Hunde mögen, um Wes Anderson’s Isle of Dogs sehen zu wollen. Es gibt viele Gründe. Da wäre natürlich die oberflächliche Story des Jungen auf der Suche nach seinem Hund. Etwas rührselig, aber nicht zu rührselig. Der Film funktioniert auch als reiner Unterhaltungsfilm, auch wenn er natürlich einiges mehr zu bieten hat.

In aufwendiger Stop-Motion-Technik gedreht, hat Wes Anderson eine Geschichte auf die Leinwand gebracht, die konsequent aus Sicht der Hunde erzählt wird. Ein simpler, aber sehr wirksamer erzählerischer Trick. Er nimmt die Opferperspektive ein, zeigt seine Figuren aber nicht in einer hilflosen Opferrolle. Die Hunde meistern ihr neues Leben, auch wenn die meisten von ihnen natürlich nicht wirklich darauf vorbereitet waren.

Lehrstunde in Sachen Populismus

Isle of Dogs greift aktuelle Themen auf. Der Populismus des Bürgermeisters Kobayashi, ein Paradebeispiel jenes neuen Politikertyps, der uns in den letzten Jahren immer häufiger begegnet. Wenn Kobayashi den Hass auf Hunde schürt und gleichzeitig, mit dem Versprechen die Bevölkerung vor Hunden zu schützen, Wahlen gewinnt – könnte uns das eventuell an Donald Trump erinnern? Aber nicht nur, dahinter steckt das Urprinzip des modernen Populismus: Schüre die Angst, und gelange mit dem Versprechen die Angst zu beseitigen an die Macht. Das System ist einfach, übrigens auch einfach zu durchschauen, hat aber dennoch eine gewisse Funktionsgarantie.

Und da gibt es natürlich noch die Idee von Kobayashi die Hunde, deren Funktion als Wachhund er ja durchaus zähneknirschend akzeptiert, durch Roboter zu ersetzen. Das Isle of Dogs mit einer der ältesten, ganz un-digitalen Trickfilmethoden gedreht wurde, gibt dem noch mal eine besondere Bedeutung.

Ein Film für die OmU-Version

Leider hat es der deutsche Verleih versäumt Isle of Dogs mit nennenswerten Synchronsprechern zu versorgen. Wes Anderson hat eben keinen Disneyfilm produziert, da legt sich der durchkommerzialisierte Deutsche nicht mehr ins Zeug. Beziehungsweise, der Film wird so lange durchgereicht, bis ein Verleih ihn bekommt, der das zwar möchte, es sich aber nicht leisten kann.

Und so ist Isle of Dogs einer jener Filme für die ich dringend – nein, dringendst – empfehle ihn sich im englischsprachigen Original anzusehen. Im Original hat Wes Anderson nur die Besten der Besten als Sprecher gewonnen: Bryan Cranston, Edward Norton, Bill Murray, Jeff Goldblum, F. Murray Abraham, Harvey Keitel, Tilda Swinton und Scarlett Johansson. So einen Film KANN MAN NUR im Original ansehen:

Die Original-Synchronsprecher stellen ihre Figuren vor.

Unterm Strich kann man aber natürlich auch hier und da Kritik anbringen. Manch, besonders aus Asien stammenden, Kritiker hat die stereotype Darstellung Japans nicht gefallen, wobei ich ehrlich gesagt zum Beispiel japanische Anime kenne, gegen die Isle of Dogs geradezu das Gegenteil ist. Die Kritik kann man nachvollziehen, sie fällt aber am Ende nicht ins Gewicht.

Manch asiatischen Kritiker ist aber auch aufgefallen, dass neben dem 12jährigen Atari es ausgerechnet eine amerikanische Austauschschülerin ist, die den Widerstand gegen Bürgermeister Kobayashi anführt. Die einzige nicht-japanische Figur als Retter? Hmm, na ja. Aber vielleicht ist das auch zu kurz gegriffen, denn am Ende sind es eben doch die Menschen, die die Hunde retten – nachdem sie die Hunde vorher auf den sprichwörtlichen Müll geworfen haben. Was wohl ein Hund dazu sagen würde?

Egal, unterm Strich ist Isle of Dogs einer jener Kinofilme, die man 2018 gesehen haben sollte.