Ehe für alle(s und jeden ?)

Es gibt so ein paar Themen, bei denen man als Katholik eigentlich gar keine Lust mehr hat zu diskutieren. Hauptsächlich weil man weiß, man liegt nicht auf dieser linkenregenbogenallesistoksolangeesallewollen-Linie liegt. Die Ehe für alle ist so ein Thema.

 

Denn auch wenn im Verlauf der letzten Tage angenehm viele sachlich und fundierte Kommentare dazu erschienen sind, warum die Ehe für alle eben doch so keine gute Idee ist und es nebenbei arge Bedenken bezüglich des Grundgesetzes gibt, wer würde ernsthaft daran zweifeln, dass alle für die Ehe für alle sind. Na ja, jenseits der Umfragen ist die traurigen Wahrheit allerdings eher, der überwältigenden Mehrheit ist es schlicht und einfach wurscht. Aber für gewisse Gruppen ist es ein Herzensthema, aufgesogen mit Ideologie und jenseits des verhandelbaren.

Ohne Not und ohne Anlass sprang Angela Merkel auf den Zug auf, als sie die Ehe für alle zu einem Gewissensthema machte und den Fraktionszwang aufhob. Als ob es jetzt um Sterbenhilfe oder Klonen gehen würde, also Themen von großer ethischer und richtungsweisender Bedeutung. Politisch kaltherzig betrachtet ist die Ehe für alle auch nur eine Steuersenkung für Hoteliers. Hatte aber in den Plänen Merkels so eine enorme Sprengkraft, dass sie das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten wollte. Und das zumindest ist ihr gelungen. Aus der Hüfte geschossen dürfte der Bundestag nun entsprechend entscheiden. Und moralisch aufgeladen wie die Sache nun mal ist, müsste das Gesetz schon vor Fehlern überquellen, damit je wieder jemand diese heiße Kartoffel anfassen wird. Kurzum, behaupte nochmal jemand Populismus könne nicht zu Gesetzen werden.

Warum überhaupt dagegen sein?

Ist Homosexualität etwas natürliches? Dazu gibt es zwei Ansichten. Die einen stehen auf dem Standpunkt, was natürlich ist, würde schließlich von der Gesellschaft definiert werden. Die anderen schauen in die Tierwelt. Beide kommen aber zum gleichen Schluss, ja, ist sie. Homosexualität ist heute gesellschaftlich akzeptiert. Schwule und Lesben dürfen ihre Sexualität ausleben, sind vor Diskriminierung geschützt und nach qualvoll langen Jahrzehnten werden sie wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht mehr verfolgt. Die Gesellschaft hat den Sprung nach vorn gemacht, spät, aber sie hat es getan. Und was die Tierwelt angeht, lange haben Wissenschaftler behauptete dort käme Homosexualität nicht vor. Was aber wohl eher an ihrer gesellschaftlichen Prägung lag, als an realen Verhaltensweisen einiger Tierarten. Homosexualität ist ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen!

Was aber ebenfalls natürlich und auch per Definition nicht überwunden werden kann, ja, nicht einmal mit aller Gentechnik und sonstigem Wissenschaftszauber, ist ein anderer Fakt: Zwei Männer, oder zwei Frauen können auf dieser Welt alles machen – nur keine Kinder. Das man etwa durch das Adoptionsrecht der Natur ins Handwerk pfuscht, darüber reden jene, die mit der natürlichen Homosexualität argumentieren lieber nicht so laut.

Rückzugsgefechte

Wenn wir Konservativen aber schon ehrlich sind, was Homosexualität angeht, müssen wir in dieser Diskussion auch ehrlich sein, wenn es um den Grund geht, warum wir sie führen. Es geht um die Ehe! Nun bin ich, was den Schutz von Ehe und Familie angeht, durchaus auch der Meinung man sollte solchen Unsinn wie Ehegattensplitting schnellstens in ein Familiensplitting umwandeln. Aber wie dem auch sei, Ehe und Familie sind die Keimzelle der Gesellschaft. Sie sind das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Sie sind der letzte Verteidigungsposten gegen die Individualisierung des Menschen, an dessen Ende eine Ich AG steht. Da aber die Beziehung zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, so tief im Innersten des Menschen steckt, dass man sie auch mit noch so viel Propaganda nicht aufweichen kann, muss man eben einen anderen Weg gehen. Der Weg des anything goes … Wenn man die Familie, diesen letzten Anker des gegenseitigen Vertrauens und füreinander einstehen ohne jeglichen ökonomischen oder egoistischen Hintergedanken, nicht sprengen kann, muss man ihn eben aufweichen.

Braucht nämlich keiner zu glauben das man auf der linken Seite der Gesellschaft mit der Gleichstellung der eingetragenen Partnerschaft mit der Ehe aufhört. Versuche etwa das Inzestverbot ad acta zu legen gab es schließlich auch schon zu genüge. Und überhaupt, warum sollte man eine Ehe auf zwei Menschen beschränken? So eine Ehe ist doch auch hervorragend für die rechtliche Absicherung der gemeinsamen WG geeignet. Jeder mit jedem und jeder mit allen anderen.

Die Ehe aber, so wie sie sich die Väter und Mütter des Grundgesetzes niedergeschrieben haben, ist ein Bund zwischen Mann und Frau, darauf ausgelegt Vater und Mutter zu werden. Nun bekommen nicht alle heterosexuellen Paare Kinder, bei manchen klappt es nicht, andere entscheiden sich bewusst dagegen. Aber – und man traut sich ja gar nicht das noch zu sagen – der Nachwuchs steht bei den meisten noch immer ganz weit oben auf der Liste der gemeinsamen Lebensplanung. Wenn demnächst die Ehe für alle kommt, kann man diesen Fakt natürlich streichen. Wer keine Kinder bekommen kann, kann schließlich noch so lange planen.

Verhindert werden kann die Ehe für alle eh nicht

Und so wird sie denn kommen, die Ehe für alle. Das zu Grabe tragen der Institution Ehe ist schließlich nicht der erste Wert unserer Gesellschaft, der sich über Jahrhunderte, Quatsch, Jahrtausende hinweg bewährt hat, jetzt aber einfach nicht mehr in diesen verdammten Zeitgeist passen will. Diesem neuen Diktator, der im Namen der Freiheit alles rücksichtslos niederzuwalzen versteht, was den Mut und die Haltung hat sich ihm noch entgegenzustellen.