Der Siebenjährige Krieg führt in unserem Geschichtsbewusstsein ein wenig ein Schattendasein, nicht wahr? Na ja, er war aber auch kompliziert.

Wenn es um Erinnerungskultur geht, dann ist im Jahr 2018 wohl der 30jährige Krieg ganz vorn auf den Bestsellerlisten. Ab und zu schleicht sich vielleicht auch noch ein Buch zum Ende des 1. Weltkriegs dazwischen. Für den Siebenjährigen Krieg gab es 2013, 250 Jahre nach seinem Ende, keine Gedenkkultur. Dabei hinterließ er manche Gegend Deutschlands nicht minder weniger verwüstet, als der 30jährige Krieg, und war durch die Beteiligungen der europäischen Kolonialmächte tatsächlich der eigentliche 1. Weltkrieg. 

Dabei stellte er die Weichen für die weitere Weltgeschichte. Mit ihm begann der Aufstieg Großbritanniens zur Weltmacht, wurden die Grundsteine für die amerikanische Unabhängigkeit gelegt, während das spanische Weltreich unterzugehen begann und in Frankreich der Weg für die Französische Revolution freigemacht wurde. 

Und auch für die weitere Entwicklung in Deutschland legte er wesentliche Grundsteine. Offiziell endete der Krieg sozusagen mit der Wiederherstellung der Grenzen vor Kriegsausbruch. Ein Unentschieden? Nicht wirklich, denn indem Friedrich der Große sieben Jahre lang einer Übermacht standgehalten hatte, und nach Kriegsende Preußen keinen Meter kleiner war, kann man getrost ihn als Sieger bezeichnen. Er legte den Grundstein für ein Preußen, das sich aufschwang den übermächtigen Habsburgern auf Augenhöhe zu begegnen. Im Grunde wurden damals die Grundsteine dafür gelegt, dass das sich später bildende Deutschland ohne Österreich auskommen sollte.

Vielleicht ist der Siebenjährige Krieg in der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur auch deshalb nicht so beliebt, weil Preußen am Ende doch irgendwie gewonnen hat und Preußen ja sowieso der Wegbereiter Hitlers war. Das ist historisch zwar schlicht und einfach Bullshit, aber was hat Geschichte schon mit Fakten zu tun? Was zählt, ist was man glaubt. 

1 comment on “Der Weltkrieg, bevor es Weltkriege überhaupt gab”

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