Das Warten beginnt: Mary Shelley – A Storm in the Stars

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Ich habe den ein oder anderen Lieblingsautor. Ein paar davon begleiten mein literarisches Leben schon lange. Aber niemand tut dies länger und prägender als Mary W. Shelley.

Zuerst unter dem Titel A Storm in the Stars, dann einfach nur noch Mary Shelley ist Haifaa Al-Mansour eigentlich schon längst abgedreht, wurde bisher aber lediglich auf Filmfestivals gezeigt. Für den 25. Mai ist er in den US-Kinos angekündigt, im Juni und Juli in einigen europäischen Ländern – was aber leider in der Release Date-Liste von ImDB fehlt ist der Deutschlandstart. Ausgesprochen bedauerlich, denn spätestens nach diesem Trailer hat sich Mary Shelley zu dem einzigen Film entwickelt, den ich dieses Jahr noch unbedingt sehen will. Und wenn ich sage unbedingt, dann meine ich das auch so.

Auch wenn ihre Geschichte eigentlich vergessen ist, bleibt Mary W. Shelley durch ihr mit nur 18 Jahren geschriebenes Meisterwerk Frankenstein – oder: Der moderne Prometheus wohl für immer im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verwurzelt. Al-Mansour’s Verfilmung widmet sich allerdings nicht nur der Entstehungsgeschichte von Frankenstein, eine Szene die durch ihre Dramatik an sich schon des Öfteren verfilmt und immer wieder erzählt wurde. Er erzählt die Liebesgeschichte zwischen der jungen Mary und dem Dichter Percey Shelley. Einer Liebesgeschichte, die zu einer Flucht durch Europa wird. Ein Roadmovie, in dem die stürmische Nacht am Genfer See, als Lord Byron zu einer Art Schreibwettbewerb aufrief, eine bedeutende Zwischenstation ist. Eine Nacht, mit einem merkwürdigen Ergebnis. Denn während die Werke der beiden Dichter Shelley und Byron heute keiner mehr kennt, hat Der Vampir von Byron’s Arzt doch noch eine gewisse Bekanntheit, und Mary Shelley’s Frankenstein jenen höchst seltenen Weltruhm in der Literaturgeschichte errungen. Doch auch das war für eine junge Frau zu Zeiten Marys, die damals schon zur jungen Mutter, aber auch jungen Witwe geworden war, ein schwerer Kampf.

Zwar mag die Wissenschaft damals mit neuen Erkenntnissen zwar fast jeden Tag die Welt auf den Kopf gestellt haben, ohne Rücksicht auf Verluste, wie es auch die Digitalisierung in unseren Tagen tut. Aber damals wie heute waren die Gewinner dieser progressiven Entwicklung Männer. Der einzige Unterschied mag lediglich darin liegen, dass aus den alten weißen Männern von damals, die jungen weißen Männer aus dem Valley geworden sind. Einer Frau begegnete damals, wie zu oft heute noch, bestenfalls jeden Tag ein neues Vorurteil.

Literarisch wurde es nach Frankenstein ruhig um Mary Shelley. Auch wenn ich ihre 1826 erschienene Endzeitversion Verney, der letzte Mensch jedem zur Lektüre durchaus empfehlen kann. Vielleicht war der Kampf am Ende doch zu kräfteraubend, vielleicht bedeutete das Schreiben ihr aber auch mehr als das Publizieren.

Man kann nicht behaupten, dass Mary Shelley als Film für ein weltweites Release schlechte Chancen hätte. Mit Elle Fanning in der Titelrolle haben die Macher des Films nicht nur eine ausgezeichnete Wahl getroffen, sondern sich auch einen der Jungstars aus Hollywood geholt. Mit Maisie Williams, die durch Game of Thrones berühmt wurde und auch in einer Staffel von Doctor Who eine tragende Rolle spielte, ist zudem ein namhafter Co-Star im Rennen. Zugegeben, in einer Zeit in der es dem Kino zwar wieder besser geht, dies aber hauptsächlich an Superheldenfilmen und Fortsetzungen (oder beides gleichzeitig) zu liegen scheint, ist ein Film über die Schöpferin des Mythos Frankenstein kein vielversprechender Megablockbuster – zudem, wenn das Monster nicht mal eine tragende Rolle spielt.

Das die Veröffentlichung des Films so schleppend verläuft und für Deutschland noch nicht einmal ein Starttermin bekannt ist, er am Ende bei uns vielleicht sogar nur über Streaming oder DVD herauskommt, ist eine wahre Schande.


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