Rezension: Das schwarze Loch (1979)

Es gibt eine Handvoll Filme aus meiner Kindheit, die mir irgendwie besonders im Gedächtnis geblieben sind. Der Zauberer von Oz ist so ein Film, oder auch Das schwarze Loch aus dem Hause Disney.

Während ersterer noch immer seinen Zauber hat, hat Das schwarze Loch doch ein wenig Federn lassen müssen. Nicht das ich den Film jetzt plötzlich nicht mehr mögen würde, oder eine Kindheitserinnerung zerstört wäre – aber wenn man den 1979 entstandenen Film heute noch mal sieht, fallen einem schon ein paar neue Dinge auf. Von den Fäden angefangen, an denen die schwebenden Roboter hängen, bis hin zur wenig tiefsinnigen Story von aufrichtigen Helden und teuflischen Schurken.

Wo wir auch schon bei Maximilian Shell als Dr. Hans Reinhardt wären. War er in meiner Kindheit noch ein fieser und gerissener Bösewicht, wirkt Shell mit seinem Zottelbart heute auf mich geradezu harmlos. Fast wie ein Almöhi, den es auf ein riesiges Raumschiff verschlagen hat. Das wird Maximilian Shell natürlich in keinster Weise gerecht, denn eigentlich wäre er perfekt für die Rolle des Wissenschaftlers geschaffen, der die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn auf Nimmerwiedersehen in Richtung total wahnsinnig überschreitet. Aber irgendwie kommt es in Das schwarze Loch eben nicht rüber.

Da sieht man schon lieber Anthony Perkins beim Spielen zu, meiner Meinung noch immer einer der besten Schauspieler, die wir je hatten. In der Rolle eines der bei Reinhardt gestrandeten Raumfahrers, gelingt es ihm mit bloßem Mimikspiel die Zerrissenheit zwischen Vernunft und unbegrenzter wissenschaftlicher Erkenntnis darzustellen. Das der Rest der Schauspieler letztlich nur Abziehbilder von Klischees (ob Held, Schurke, Feigling oder Frau in Not) spielen, lässt ihn nur umso mehr herausstechen.

Disney auf der dunklen Seite des Genres

Das schwarze Loch fällt in eine kurze Phase in der Disney eine Reihe von recht düsteren Filmen in die Kinos brachte. Daran kann auch der kleine Roboter V.I.N.C.E.N.T. nichts ändern, der nicht nur mit den heutigen Augen eine humoristische Komponente in den Film bringt. Die düstere Phase kann man dem Film nicht übel nehmen, aber irgendwie wirkt er eben auch wie der Versuch von Disney auf der gerade Fahrt aufnehmenden Star Wars-Welle zu surfen. Und da kann er so gar nicht mithalten, und dabei bin ich nicht mal ein Fan von George Lucas.

Aus heutiger Sicht wirkt auch das dargestellte schwarze Loch ein wenig skurril, aber die Welt der Wissenschaft dreht sich eben weiter und hat doch schon so manchen Science Fiction-Film überholt. Vielleicht war es deshalb auch von den Autoren vorausschauend, das der Film ein wissenschaftskritisches, mythologisches Ende nimmt.

Natürlich nimmt auch hier der wahnsinnige Wissenschaftler sein verdientes Ende, aber schafft es dennoch in das schwarze Loch hinein. Doch nicht hindurch, stattdessen vereint er sich mit einer seiner Roboterschöpfungen in eine diabolisch-groteske Gestalt auf einem Hügel in Zentrum einer Zwischenwelt, deren Ähnlichkeit mit unserer Vorstellung der Hölle nicht zu leugnen ist. Während die Helden durch einen Lichttunnel hindurch in eine neue Welt gelangen und zum Abspann auf einen fremden Planeten zufliegen. Ein Tunnel? Licht an dessen Ende? Davor das Fegefeuer? Das schwarze Loch nicht als Durchgang zwischen Paralleluniversen, sondern der Zugang zu Hölle und Himmel? Ein merkwürdiger Gedanke, oder?