Das apokryphe Evangelium der Maria Magdalena

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Ostern steht vor der Tür. Und seit ein paar Jahren ist es in den deutschen Medien üblich geworden zu dieser Zeit einer Person aus dem Kreis Jesu besondere Aufmerksamkeit zu schenken: Maria Magdalena

Ich habe schon lange nicht mehr über Maria Magdalena geschrieben, aber treue Leser werden wissen, dass sie mich immer wieder einmal beschäftigt. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn auf meinem Weg zurück in die Kirche spielte die Heilige Maria Magdalena eine nicht ganz unbedeutende Rolle.

Den Anfang mit der Berichterstattung machte heute die Welt mit Geheimes Magdalena-Evangelium – „Schwester, der Erlöser liebte dich mehr als die anderen Frauen“ (Paid). Ein Bericht über das apokryphe und nur in Teilen erhaltene Evangelium der Maria. Apokryph, weil es zwar zu seiner Zeit durchaus beliebt war, es aber nicht in den Kanon schaffte, den wir heute als Neues Testament kennen.

Ein Umstand, der uns heute auch nicht weiter verwunderlich erscheint. Nicht einmal nur, weil dort naturgemäß die Rolle der Maria Magdalena betont wird, sie wird gar als den Jüngern als Ganzes gleichgestellt beschrieben. Und von Jesu bevorzugt, der ihr sozusagen exklusiv eine Botschaft übermittelt haben soll, die sie wiederum an die Jünger weitergab. Eine Bevorzugung die jene Männer um Petrus als Demütigung empfunden haben sollen.

In einer Vision habe er ihr etwas über den Aufstieg der menschlichen Seele in den Himmel erzählt, die auf ihrem Weg sieben mysteriöse „Gewalten des Zorns“ überwinden müsse: Finsternis, Begierde, Unwissenheit, Eifer des Todes, Herrschaft des Fleisches, närrische Klugheit und jähzornige Weisheit“ – Quelle: welt.de

Das Evangelium der Maria stellt natürlich auch einen extremen Gegenentwurf zur Frauenrolle dar, die uns nach den vier Evangelien im Neuen Testament berichtet werden. Gerade Paulus wird ja, übrigens fälschlicherweise, geradezu als Frauenfeind bezeichnet. Aber auch ganz allgemein gilt die Devise, Frauen sollen schweigen und am Herd bleiben. Eine Botschaft die noch dadurch verstärkt wird, dass die Textwissenschaft inzwischen Belege dafür hat, dass auch aus manchem Frauennamen in der ursprünglichen Version, der Name eines Mannes in der heutigen Version geworden ist. Eine Entwicklung, die nicht einer bitteren Ironie entspricht, war das Christentum insgesamt doch die Religion, die die Frau in der Gesellschaft um mehr als nur eine symbolische Stufe aufwertete. Eine Entwicklung die mit der zunehmenden Verbreitung und dadurch notwendig gewordenen Strukturierung des Christentums wohl erst erlahmte und sich dann ins Gegenteil verkehrte. Eine Entwicklung, die man übrigens auch tatsächlich bemerken kann, wenn man sich die Beschreibung der Frau in den Evangelien ansieht und mit dem zweiten Teil des Neuen Evangeliums vergleicht. Die Aufwertung der Frauenrolle geschah ja hauptsächlich dadurch, dass Jesu nicht zwischen Mann und Frau unterschied, wie es seine Jünger später aufgrund ihrer gesellschaftlichen Prägung taten.

Auch die apokryphen Evangelien haben ihren Wert, selbst wenn sie nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Sie sind den Texten des Heiligen Buches nicht gleichgestellt, aber das bedeutet im Umkehrschluss eben keineswegs, dass nicht auch dort Botschaften enthalten sind, über die sich ein Gedanke nicht lohnen würde. Das Evangelium der Maria war eine Widerstandsschrift zu einer Zeit, in der die Rolle der Frau in der christlichen Gemeinde immer weiter zurückgedrängt wurde. Es ist ein Stachel im Fleisch jener, die nicht wahrhaben wollen, dass die Rolle der Frau im zeitlich größten Teil der christlich geprägten Kultur keineswegs jener ganz am Anfang entsprach. Einem Frauenbild dem wir uns heute wieder Stückweise annähern und damit jenem Geschlecht ein bisschen mehr Hochachtung entgegenbringen, das letztlich der vielleicht wichtigere Part ist, wenn es um Glauben und die Weitergabe des Glaubens geht. Unter den großen Theologen mag man Frauen suchen müssen, unter den Glaubenzeugen aber sind sie nicht zu übersehen. Und in unserem Alltag würde der Glaube ohne die Frau heute eine so dezimierte Rolle spielen, dass selbst jenen Tränen in den Augen stehen würden, die von Frauen in der Kirche wenig wissen wollen.


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