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Macht Social Media depressiv, aber mindestens unglücklich?

von am 19. Juli 2017

Die Diskussion ist so alt wie die Ankunft von Facebook & Co. im Mainstream. Macht Facebook unglücklich, sogar depressiv? Für Twitter zu Aufmerksamkeitsstörungen? Dient Instagram allein der Neidsteigerung?

Sei du selbst, vergleiche dich nicht immer mit den anderen … das klingt wie ein weiser Ratschlag von Freunden oder Eltern. Aber ist er wirklich so weise? Vielleicht im einzelnen, in der Masse dürfte der Blick auf andere ein wesentlicher Antriebsfaktor der modernen Gesellschaft sein. Aber selbst rein philosophisch wird es schwer, wenn wir keine Vergleiche ziehen können. Was ist gut, wenn man nicht weiß was böse ist? Wer bin ich, wenn niemand da ist, von dem ich mich abgrenzen kann? Und so ganz alleine, wer möchte schon so existieren? Nein, um das ständige vergleichen mit anderen kommen wir wohl auch die nächsten Jahrhunderte nicht herum.

Allerdings hat das Internet auch das sich vergleichen mit anderen ins Extreme getrieben. In der guten alten Zeit, konnte sich der Dorfdepp nur mit den anderen Dorfdeppen vergleichen. Das höchste der Gefühle war schon der Vergleich zum Dorfdepp aus der Nachbarschaft. Heute ist der „Rund um die Uhr“-Vergleich mit allen Dorfdeppen der Welt möglich, ja, und irgendeiner ist immer deppeder als du!

Wäre ein Vergleich objektiv und umfassend möglich, wahrscheinlich hätten wir gar kein Problem damit. Aber ebenso wie die meisten Menschen dazu neigen sich selbst immer kritischer zu sehen, wie andere. Neigen sie eben auch dazu das Leben der anderen immer besser zu finden als ihr eigenes.

Und unter uns, was postet ihr denn so in den sozialen Netzwerken? Eure Erfolge, oder doch eure Niederlagen?

Es gibt Netzwerke wie Instagram oder Pinterest, im Wesentlichen auch Snapchat, die geradezu auf das Positive und Schöne der Welt aus sind. Man postet Selfies im Urlaub, allerdings nicht die schmutzige Toilette aus dem Hotelzimmer. Man postet das leckere Steak vor der Kneipentour, aber nicht das Erbrochene vor der Haustür am nächsten Morgen. Bei allumfassenderen Netzwerken wie Facebook lief mir vor einiger Zeit gelegentlich auch mal ein Beitrag über den Weg, in dem einer postete das sein Tag Sch… war, aber heute macht man so etwas wohl nicht mehr – oder man macht es, und der Facebook -Algorithmus fischt es sicherheitshalber heraus. Man will seinen Mitgliedern ja nur positive Nachrichten bieten, die Welt ist schon schlimm genug.

Aber ist das wirklich eine gute Idee? Ja, klar, nicht umsonst lautet eine meiner Regeln „Freue dich über das Glück anderer“, aber ganz ehrlich, wir sind nicht dafür gemacht ständig das Glück der anderen zu ertragen, gerade wenn wir die andere Seite der Medaille nie zu sehen bekommen.

Wer fragt sich nicht gelegentlich, warum andere junge Eltern mit Babys gesegnet sind, die durchschlafen? Oder wie um Himmels willen kann der sich diese Anlage leisten, der macht beruflich doch etwa das gleiche wie ich? Und warum jettet die bitte um die Welt, während ich mir schon ein Wochenende im Bayerischen Wald vom Mund absparen muss? Wer ehrlich in sich geht, wird sich bei allen guten Vorsätzen immer wieder dabei erwischen, wie er eben doch mal eine der oberen Fragen vor sich hinmurmelt.

Werden wir ein bisschen persönlich. Zumindest mir geht es in letzter Zeit beinahe extrem so. Wenn du zuhause in einer Ein-Zimmer-Wohnung sitzt, Single bist und Urlaub aus finanziellen Gründen erst Mal gestrichen ist, solltest du dich auf Facebook oder Instagram lieber erst gar nicht tummeln. Selbst Instagram, das eigentlich mein Liebling unter den sozialen Netzwerken ist, öffne ich aus diesem Grund nicht mehr so oft wie früher. Bei Facebook ist es nicht viel anders. Zeit also für einen Selbstversuch … Smartphone raus und Facebook runter, das gleiche dann mit Instagram. Gut, Messenger lassen wir mal unangetastet, man will ja erreichbar sein. Wird das dazu führen, dass ich weniger Neidgrummeln spüre? Statistisch gesehen müsste das ja dann der Fall sein, weil es viel weniger Anlässe dürfte. Oder wird es mir doch Fehlen zumindest gelegentlich mal Neues von Freunden zu erfahren, die eben nicht um die Ecke wohnen? Aber wenn da jemand mal Nachwuchs kriegt oder heiratet, irgendwie bekommt man das dann auch schon mit.

Vielleicht stellt sich mir bald ja die Frage, die alle sozialen Netzwerke fürchten, wie der Teufel das Weihwasser: Was bringt mir dieser Social Media-Scheiß überhaupt?

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Warum kann uns Technik so verdammt gut verführen?

von am 25. Juni 2017

Ohne Smartphone ist ein Überleben im Alltag nicht möglich! Eine Gesellschaft ohne Internet, waren das nicht diese Neandertaler? Oh, vor 20 Jahren ging das noch? Nee, kann ich mir nicht vorstellen.

Eine Zeit ohne die ständige Verfügbarkeit des Wissens der Welt, oder zumindest des unerschöpflichen Kochtopfes an Informationen, aus dem man dieses Wissen extrahieren kann – ich erinnere mich noch an diese Vorzeit. Damals, als es noch keine Erklärvideos bei Youtube gab, sondern die Hobbythek mit Jean Pütz. Natürlich waren die ersten Vorzeichen schon deutlich am Horizont erkennbar. Wir hatten zum Beispiel einen C64, doch statt online zusammen zu zocken, haben wir auf dem Schulhof wabblige Floppydisks miteinander ausgetauscht. Internet, das war für uns bestenfalls im Fernsehen oder Kino zu sehen. Dort legte man einen Telefonhörer auf ein Schuhschachtel ähnliches Gerät und am Ende konnten sich zwei Teenager eine Traumfrau generieren … aber ehrlich, wie realistisch war das schon.

Doch irgendwann kam dieser Bruch. Während das Telefon, das Auto oder der Fernseher vergleichsweise langsam in den Alltag der Durchschnittsmenschen kam, drang das Internet mit einer gewissen Wucht ein. Und es verstand sich verdammt schnell unersetzlich zu machen. Alles war plötzlich zum greifen nahe, Antworten auf nie gestellte Fragen, Antworten auf gestellte Fragen, Kochrezepte, Informationen über den nächsten Urlaubsort und natürlich Pornografie jeglicher legalen und illegalen Variante. Kurzum, man hätte im Internet leben können, wäre man nicht auf regelmäßige Nahrungsaufnahme angewiesen. (Wahrscheinlich war das auch einer der Gründe, warum man den 3D Druck zu entwickeln begonnen hat.)

Steve Jobs, Luzifer der Moderne

Die neue Entwicklung hatte aber den ein oder anderen Nachteil. Für ein weltumspannendes Netz war sie recht immobil. Und wer sich noch an die kratzenden Geräusche eines Modems erinnert, die ersten Jahre unserer Internetsucht waren wir nicht gerade auf der Überholspur unterwegs – wir standen im Stau, jedes verdammte Mal! Doch dann kam Steve Jobs, ein Pionier, der schon zuvor unter Beweis gestellt hatte, das er der perfekte Luzifer der neuen Zeit ist. Fähig das einst mit Idealen gestartete Netz von Nerds in etwas zu verwandeln, was einer Gelddruckmaschine verdammt ähnlich sieht. Und wie einst die Schlange an Eva den Apfel übergab, gab Steve Jobs uns das iPhone. Das Wissen der Welt hatte plötzlich Platz in einer Hosentasche. Spätestens jetzt kam dieser Punkt, ab dem ein Leben, das nicht zumindest einen Online-Bestandteil hat, vorkam wie ein Leben in grauer Vorzeit. Diese Zeit, von der Opa immer erzählt im Krieg.

Das Interessante dabei ist ja, dass die Entwickler immer behaupten nur Bedürfnisse zu befriedigen, aber natürlich kreieren sie diese auch zu genüge. Der Kartendienst auf dem Smartphone ersetzt die unhandliche Karte, die man vorn im Auto ohnehin nie – niemals nie – wieder so zusammenfalten konnte, wie sie es ursprünglich einmal war. Aber war ständige Erreichbarkeit wirklich eines unserer Bedürfnisse – also abgesehen vom Chef, der uns immer erreichen will, oder verängstigte Eltern, die glauben ihre Kinder sehen sicherer, wenn sie kleine Punkte auf einer Karte sind. Zu vermuten, dass 2/3 der Funktionen auf meinem Smartphone Quatsch sind, kommt einer realistischen Einstellung näher, als einer kulturpesimistischen Ansicht.

Als hätte es keine Zeit ohne gegeben

Ich investierte damals mein Ausscheidergeld nach dem Ende meiner Zeit bei den Feldjägern in einen Internetzugang. Ganz ehrlich, so ein richtiger Early Adopter war ich eigentlich nie. Das erste Smartphone kaufte ich mir aus dem völlig absurden Grund der Notwendigkeit, einfach weil ich es satt hatte mir in dem TV Sender in dem ich damals die Online Redaktion schmiss ständige welche zum Testen zusammenzusuchen. Aber nachdem ich es erst einmal einen Monat hatte, da war er wieder da, dieser Effekt, als hätte es keine Zeit ohne gegeben. Und die Abstände bis dieser Effekt eintritt, werden immer kürzer. Nachdem ich mein Surface angeschafft hatte, erwischte ich mich schon nach zwei Wochen dabei, wie ich an einem stinknormalen Computermonitor Spreiz- und Wischgesten machte – ohne das sich auf dem Teil irgendetwas tat. Und als Alexa mit ihrem Echo Dot zu mir gezogen ist, dauerte es ein einziges Wochenende, bis ich mir etwa im Büro ein „Alexa, ….“ verkneifen musste, weil ich es schon so gewöhnt war Dinge mit Hilfe der Spracherkennung zu steuern. Wenn also demnächst noch mit einer Brille die Augmendet und Virtual Reality bei mir einzieht, sehe ich schwarz. Alles was ich bis jetzt durch Testbrillen selbst zu sehen bekam, sah einfach viel zu verdammt gut aus.

Jetzt könnte man argumentieren ich sei vielleicht noch immer kein Early Adopter. Wie auch, diese Scheißdinger kosten ja viel zu viel Geld und sponsern tut mich ja keiner. Aber wenn schon kein Early Adopter, dann bin ich doch zumindest stets in der 2. Generation dabei. Was man ohnehin sein sollte, denn mal ehrlich, die 1. Generation ist ungefähr so ausgereift wie eine grüne Erdbeere – man erkennt was es einmal wird, aber lässt sie lieber noch hängen. Auf der anderen Seite habe ich erst vor kurzem erlebt, wie meine Mutter ihren jahrelangen Widerstand gegen ein Smartphone aufgegeben hat und mir seitdem Video per WhatsApp schickt. Und, lieber Leser, ganz ehrlich, hast du in diesen Schilderungen nicht ein wenig von dir selbst erkannt?

Was macht also diese Entwicklung mit uns, dass wir sie schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen möchten? Und das obwohl wir objektiv wissen, dass viel davon unnötig ist und unser Leben davor jetzt auch nicht aus puren Höllenqualen bestand. Ist es wirklich nur die gleiche Geschichte, die uns im Supermarkt zu Produkten greifen lässt, die gar nicht auf dem Einkaufszettel stehen und am Ende irgendwann im Kühlschrank wiederentdeckt und weggeworfen werden. Aber mal ehrlich, welches Supermarktprodukt hat es je geschafft sich derart schnell unverzichtbar zu machen und den Lebensrhythmus Millionen von Menschen komplett an sich anzupassen? Irgendwas ist dabei anders, irgendetwas ist besser, irgendetwas ist bedrohlicher?

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Computersucht, ob jetzt nach Spielen oder Pornos, ist noch ein bisschen davon entfernt in die offiziellen Klassifizierungskataloge von Krankheiten aufgenommen zu werden. Auch wenn der gesunde Menschenverstand sie längst dort vermuten würde. Wenn man sich aber die Art und Weise ansieht, wie schnell wir von den neuesten Entwicklungen abhängig werden, kommt man nicht umhin auch das Wort „Sucht“ zu denken. Wir sind längst süchtig danach geworden alle fünf Minuten auf unser Smartphone zu starren, nur um sicherzustellen kein Like, keine Nachricht oder sonst etwas verpasst zu haben. Wer früher hauptsächlich die Nachrichten gecheckt hatte, hatte noch die Ausrede ein informierter Mensch sein zu wollen. Das heutige Verhalten ist vor allem – bedeutungslos, eigentlich komplett sinnlos. Sicher, man könnte das jetzt als bloße Gewohnheit sehen. Aber dieses Gefühl, wenn dann ein Like da ist …

Zumindest eine Bedrohung weniger, die Zombieapokalypse fällt aus.

Seien wir ehrlich, sich die Brille mit dem Zeigefinger nach oben zu schieben ist eine Gewohnheit. Beim Verlassen der Wohnung noch mal zu überprüfen ob sie geschlossen ist, ist ein Tick. Was wir mit unseren Smartphones tun ist eine Sucht. Wir geben das nur nicht zu, weil – na ja, wahrscheinlich auch das weltbeste Krankenversicherungssystem darunter zusammenbrechen wird.

Und was machen wir dann?

Aber was sind die Alternativen. Schließlich profitieren wir ja auch von der neuen Entwicklung, die einen ganz viel jede Menge mehr, die Masse zumindest ein bisschen. Und es ist ja auch alles ein bisschen besser geworden, also mehr oder weniger. Okay, seien wir ehrlich, wenn dieser Sonnensturm von 1859 sich morgen wiederholt, werden die meisten von uns übermorgen nur noch primitive Wilde sein, die versuchen gefundene Konservendosen mit den Zähnen zu öffnen – sofern sie ohne Google rausbekommen, dass sich in den Dosen Essbares befindet. Aber unter uns, haben wir nach Tschernobyl oder Fukushima etwa die Atomkraft eingestellt, oder gehen wir die Frage des Klimawandels wirklich – also in echt und so – an? WTF, gehen die Malediven halt unter, den Urlaub dort konnten sich die meisten doch eh nicht leisten.

Aber selbst wenn wir Gegenmaßnahmen unternehmen würden, wie könnten diese denn aussehen? Mit Störsendern bepflanzte Gebiete als Ruheplätze? Sollen die letzten vernünftigen Menschen in die Alpen fliehen, wie einst in Michel Houellebecq’s Elementarteilchen die wenigen, die sich nicht genetisch optimieren lassen wollten. Was nahelegt, dass wir uns vielleicht schon aber Abwehrschlachten einstellen sollten, wenn man das Smartphone nicht mehr in der Hosentasche trägt, sondern den Chip im Hirn.

Wer einen Blick auf die letzten 15, maximal 20 Jahre wirft, dem schwant nichts gutes. Vor allem aber ahnt er, dass die Entwicklung in den nächsten 20 Jahren ähnlich rasant voranschreiten wird. Wer nicht mitmarschiert, wird zurückgelassen. Man könnte verzweifeln. Aber wie drückte es dieser hoffnungslos überschätzte Voltaire doch so schon aus? Die Verzweiflung hat schon manche Schlacht gewonnen.

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Medien & Internet | Schöne neue Welt

Der große Vorteil von virtueller Realität? Die Realität ist halt kacke!

von am 17. Mai 2017

Die Diskussion über Computerspielsucht ist noch nicht einmal abgeschlossen, da zeichnet sich schon das nächste Feld für heiße Diskussionen am Horizont ab. War die virtuelle Realität lange ein Runing Gag wie der Kühlschrank, der selbstständig nachbestellt, dürfte erstere inzwischen kurz davor stehen massentauglich den Markt zu erobern. Und dann haben wir den Salat, bzw. die Wahl zwischen der eigentlichen Realität und einer virtuell geschaffenen.

Wie real die virtuelle Realität wirklich ist, ist am Ende eigentlich egal.
Wie real die virtuelle Realität wirklich ist, ist am Ende eigentlich egal.

Um den größten Kritikern der virtuellen Realität gleich mal ihr Lieblingsargument zu nehmen, die Behauptung die virtuelle Realität sei nicht echt, kann tatsächlich nur Bestandteil rein philosophischer Diskussionen sein. Denn die Technik ist längst so weit, dass sie unser Gehirn den Unterschied nicht bemerken lässt – es sei denn, man murmelt das Mantra „Das ist alles nicht echt“ die ganze Zeit vor sich her. Wer das nicht glaubt, kann sich auf dem Schreibtischstuhl ja eine virtuelle Achterbahn antun, oder in der virtuellen Realität auf dem Dach eines Hochhauses stehen und versuchen runter zu springen. Kleinlich betrachtet mag die virtuelle Realität nicht echt sein, pragmatisch betrachtet ist das aber ziemlich wurscht.

Genau das ist es ja, was jenen besonders viel Angst macht, die schon glauben Computerspiel würden süchtig machen. (Machen sie übrigens ja auch, wie so ziemlich alles und jeder bei einem Menschen eine Sucht auslösen kann.) Der Gedanke, dass der Spieler World of Warcraft nicht mehr vor dem Bildschirm sitzend spielt, sondern sich wie in das Spiel hineingebeamt fühlen könnte, ist für diese Fraktion in erster Linie etwas erschreckendes. Sind die Grenzen bei manchen heute zwischen online und offline verschwommen, wären sie spätestens dann nicht mehr existent. Das kann einem Angst machen, das kann man als Bedrohung sehen – man kann, aber muss man das auch?

Die virtuelle Realität ist ein Geschenk für unsere Gesellschaft!

Bekanntlich leben wir weniger in einer Leistungsgesellschaft, als in einer Erfolgsgesellschaft. Und was produziert eine Erfolgsgesellschaft? Richtig, ein paar Gewinner und Horden voller Loser. Und wenn man mit einkalkuliert, dass die digitale Transformation tausende von jetzt noch in die mittlere und untere Mittelschicht Geborene zu modernen Tagelöhnern machen wird, wird der Anteil derer, die sich als Verlierer fühlen überproportional in die Höhe schießen.

World of Warcraft - Die gute alte Zeit!
World of Warcraft – Die gute alte Zeit!

Und bekanntlich gibt es weit bessere Zustände, als sich als Verlierer zu fühlen. Früher gab es den Griff zu Flasche, oder wenn man zumindest ein cooler Verlierertyp sein wollte hat man sich seinen Trip mit härteren Drogen verschafft. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Gedanke die virtuelle Realität könnte für viele Menschen am Ende nur eine weitere Sucht sein, doch fast schon beruhigend. Immerhin sind deren Auswirkungen weit weniger drastisch und zeigen sich nicht selten in derart kleinen Stufen, dass nicht einmal wirklich auffallen.

Aber abgesehen davon, wäre das wirklich so schlimm? Durch soziale Medien definieren wir gerade den Begriff „Freundschaft“ neu. Klar, wer auf Facebook mit mir befreundet ist, ist nicht automatisch mein Freund. Aber der Kontakt kann auch so eng werden, dass sich wirklich von Angesicht zu Angesicht zu sehen, kein zwingender Bestandteil der Definition von Freundschaft mehr ist. Und wer sich in der virtuellen Realität begegnet, wird die Grenze als noch ein wenig durchlässiger betrachten.

Und überhaupt … nehmen wir mal mich als Beispiel. Ich arbeite Vollzeit, der Kühlschrank ist immer gut gefüllt, aber wenn der Vermieter meiner kleinen Wohnung einen Brief schreibt, hoffe ich schon, dass es keine Mieterhöhung ist. Und groß in Urlaub fahren ist für mich auch erst mal gestrichen, ganz aktuell musste ich aus finanziellen Gründen gerade sogar einen kleinen Wochenendtrip canceln. Wäre es da wirklich so verwerflich, wenn ich mir nach einem harten Arbeitstag am Abend die VR-Brille auf den Kopf setze und mir jene Orte ansehe, an die ich definitiv erst Mal nicht reisen kann? Wo ist der Unterschied zu einer Dokumentation im Fernseher, außer das mir die virtuelle Realität echter vorkommt? Die VR-Brille kann mir – zumindest solange ich sie trage – das Gefühl geben die Dinge wirklich zu erleben, im Vergleich dazu ist das bloße davon Träumen, während man auf die schönen Bilder hinter der flachen Scheibe starrt, ja fast sadistisch.

In einer Welt, die sich durch die digitale Transformation brutaler als je zuvor in Gewinner und Verlierer aufteilen wird, ist die virtuelle Realität vielleicht jenes rettende Opium für’s Volk, das uns davon abhält eine Revolution zu veranstalten, an deren Ende ohnehin nicht die Straße zu den Gewinnern gehören wird. Das mag für manche purer Zynismus sein, ich halte es aber für eine pragmatische Lösung.

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Die Zukunft – Morgen – Aber auch in Deutschland?

von am 9. Mai 2017

Letzte Woche bin ich eine ziemlich verwegene Wette eingegangen: In zehn Jahren werden hauptsächlich Lkws ohne Fahrer unterwegs sein. Selbstfahrende Lkws werden den Großteil des Transports auf den Autobahnen abwickeln.

Ist das realistisch? Jein, zweifellos wird es in der Lebensspanne der meisten Leser hier so kommen, ob tatsächlich in zehn Jahren Lkw-Fahrer eine Schlange am Arbeitsamt bilden müssen, ist letztlich natürlich noch nicht ausgemacht. So sehr ich die Digitale Transformation auch fürchte und ihre neoliberalen Auswüchse für das kommende Grundübel nach dem Kommunismus halte, so bin ich doch leider auch davon überzeugt, dass sie nicht aufzuhalten sein wird. Man wird es natürlich aber dennoch versuchen. Und auch wenn die Technik in zehn Jahren mehr als bereit sein wird das Szenario selbst fahrender Lkws umzusetzen, spricht doch auch einiges dagegen. Denn noch dürften Lobbyverbände und Verweigerungshaltung stark genug sein, das Szenario mit Gesetzen und Verordnungen hinauszögern zu können. Erst recht weil unser deutsches Rechtssystem Immanuel Kant näher ist, als dem Utilitarismus, der sich bei dem bekannten Problem bei einem Unfallszenario zu entscheiden, wer sterben soll – sagen wir es freundlich – erheblich leichter tut.

Doch wie lange kann man den Fortschritt wirklich aufhalten? Wie lange werden Politik und Gesellschaft den wirklichen und den vermeintlichen Vorteilen der Digitalisierung standhalten?

Hätte der olle Erich die Digitalisierung begrüßt?

Denn machen wir uns nichts vor, nicht nur selbst fahrende Lkws bedeuten vor allem eines: Kostenersparnis! Aus ähnlichen Gründen werden sich etwa Universitäten noch eine gewisse Zeit lang staatlichem Schutz sicher sein können, oder das Gesundheitssystem. Aber dennoch darf eines als sicher gelten: Die Uhr tickt – und die Uhr tickt unaufhaltsam.

Europa und in erster Linie Deutschland werden sich wohl mit am längsten diesem Fortschritt in den Weg stellen, aber selbst wenn der gesellschaftliche Wille da wäre sie aufhalten zu wollen, es wird am Ende nicht gelingen. Am Ende siegt der Kostendruck und – na ja, die wirklichen Vorteile.

Es mag uns noch ein wenig komisch vorkommen, wenn wir einem Programm unseren Gesundheitszustand schildern und es die Laborwerte selbst analysiert, aber schon heute kommen dabei halt bessere Ergebnisse heraus, als bei so manchem Hausarzt. Mögen spezialisierte Chirurgen und andere Experten noch relativ sicher sein, die Berufsgruppe Hausarzt sollte die Uhr ebenfalls schon ticken hören. Dabei können die doch heute noch behaupten, mit diesem Internet eigentlich nix zu tun zu haben. Also zumindest nicht zwangsläufig. Was am Ende aber nur der Trugschluss sein dürfte, dem auch der Klempner um die Ecke anheimfällt. Auch der wird früher oder später zu spüren bekommen, das er nur zwei Möglichkeiten hat. Entweder er wird seine eigene digitale Marke, oder ist dazu verdammt sich auf den marktbeherrschenden Plattformen zum billigsten Preis darzubieten.

Ärzte, Handwerke … richtig, Berufsgruppen die wir heute noch als fest im Sattel sitzenden Mittelschicht betrachten. Menschen, die – wäre die Digitalisierung nicht – auch in einem von latenter Abstiegsangst beherrschten Deutschland doch noch halbwegs sicher im Sattel sitzen dürften.

Ihr Bürger, hört die Signale!

Die Verzögerung des Fortschritts wird dafür sorgen, dass eine ganze Reihe Berufstätige aus der Mittelschicht sich noch halbwegs sicher in die Rente retten können. Wer heute aber unter 40 ist, sollte sich damit anfreunden sich bald auf eine durch digitalisierte Welt einstellen zu müssen, die komplett anders ist, als wir sie heute kennen. Aber dennoch sind jene zahlreich, die entweder glauben nicht betroffen zu sein oder das Ganze für alten Wein in neuen Schläuchen halten. Aber das ist die Digitale Transformation eben nicht, der Wein ist ebenso neu wie der Schlauch. Und wer das nicht rechtzeitig erkennt, und rechtzeitig ist JETZT, wird in absehbarer Zeit ziemlich viel Essig zu trinken bekommen.

Und noch einmal, diese Entwicklung mag uns nicht gefallen, und sie sollte uns auch nicht gefallen, aber wirklich aufhalten können wir sie auch nicht. Ähnlich wie in der industriellen Revolution wird es eine lange Phase geben in der wenige profitieren und viele Hungerleider ausgebeutet werden. Was bleibt ist die Hoffnung, dass sich auch diesmal die Gesellschaft wieder einpendeln wird. So wie die Sozialgesetzgebung mit Bismarck ihren Anfang nahm und zum Sozialstaat wurde, um die Unternehmer in die Schranken zu weisen und den Arbeitern und Angestellten zumindest eine Existenzsicherung gab. Es ist jedoch fraglich, ob wir mit diesen alten Mitteln auch der neuen Herausforderung Herr werden können. Zumindest sieht es nicht wirklich danach aus, und die Finanzierbarkeit dürfte auch arg, verdammt arg in Zweifel stehen. So fundamental neu wie die Digitalisierung Fakten schafft, so neu müssen auch unsere Lösungen für die geschaffenen Probleme sein. Sie auf den Standpunkt jener Hufschmiede zu stellen, die sich das Auto erst nicht vorstellen konnten und dann glaubten dieses Ungetüm würde sich nie im Leben durchsetzen, wird uns nur in den Abgrund führen.

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Schöne neue Welt

Die Zukunft: Der Hoffbot und arbeitslose Autoren

von am 27. April 2017

Stellen wir uns vor jemand füttert eine künstliche Intelligenz mit Science Fiction Storys und lässt sie im Anschluss selbst ein Drehbuch schreiben. Was kommt dabei heraus? Richtig, von Arbeitslosigkeit bedrohte Autoren:

Nach einigen (medienwirksamen) Tiefs ist David Hasselhoff ja so etwas wie ein Comeback gelungen. Vielleicht nicht mehr als Hauptcharakter einer TV-Serie oder in einem Blockbuster, aber als Kultfigur und Schauspieler für die etwas andere Rolle.

So zum Beispiel auch in It’s No Game, einem Kurzfilm der nicht nur von einer künstlichen Intelligenz handelt, die Autoren überflüssig macht, sondern wie gesagt eben auch von einer eben solchen erdacht wurde. Erdacht und umgesetzt wurde die Idee zu einem solchen Kurzfilm gemeinsam von Filmregisseur Oscar Sharp und der Forscher Ross Goodwin, herausgekommen ist eine jener Zukunftsvisionen, die die Zuschauer deshalb so bedrücken, weil es nicht um Aliens im Jahr 2801 geht, sondern die Handlung so morgen stattfinden könnte.

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