Ghost in the Shell: Was ist noch menschlich?

 

Nach so viel Vorankündigung konnte ich mir den Film Ghost in the Shell natürlich nicht lange entgehen lassen. Und um es kurz zu machen, ja, es hat sich durchaus gelohnt. Doch der Reihe nach.

Schon der japanische Manga, dem der Film zugrunde liegt und auch die ein oder andere Verbeugung erbringt, hat einst eine Frage gestellt, die heute realistischer denn je ist. Ab wann beginnt der Mensch nicht mehr Mensch zu sein? Ab welcher wie auch immer gearteten Optimierung sind wir zu einer neuen Art geworden? Die Optimisten schwärmen schon von Chips, die mit unserem Gehirn verknüpft werden. Für sie ist das eine logische Weiterentwicklung, auf die der Mensch schon seit Jahrhunderten hinarbeitet. Die Pessimisten jedoch weisen daraufhin, dass zwischen Brille, künstlichen Hüftgelenken oder dritten Zähnen und einem Mikrochip im Hirn doch ein Unterschied besteht. Es ist ein bisschen, als würde man Major, gespielt von Scarlett Johansson, mit dem 6-Millionen-Dollar-Mann vergleichen. Die eine ein Cyborg, der letzter menschlicher Teil das Gehirn, der Geist, ist, der andere ein durch Ersatzteile optimierter Mensch. Wie groß der Unterschied wirklich ist, scheint eine entscheidende Frage zu werden.

Die Zukunft: Bunt und düster

Es ist eine düstere Zukunft, die Regisseur Rupert Sanders in gewaltigen Bilderwelten geschaffen hat. Eine Zukunft, die gerade noch so nahe scheint, als könnte es schon morgen sein. Ironischerweise sind es vor allem die bunten Bilder, die diese Düsterkeit prägen. Die 3D-Werbung im Himmel zwischen den Wolkenkratzern, die bunten, gestelzt wirkenden Geisharobotor. Das schmutzige Weiß der Kampfmontur, in der Scarlett Johansson durch diese düstere Zukunft schreitet, wirken wie ein gewollter Gegensatz zu dieser bunten Leblosigkeit. Es ist am Ende alles nur Show, eine Show die zudem niemand wirklich zu beachten scheint.

Es sind Täuschungen, wie jene die die Wissenschaftler, unteranderem von einer großen Juliette Binoche gespielt, in Majors Gedächtnis eingearbeitet haben, um sie im Kampf gegen das Verbrechen zu motivieren. Wobei Verbrechen natürlich eine recht relative Frage der Definition sind. So wie das menschliche Ich recht relativ betrachtet werden. Denn auch wenn Major noch ihren Geist hat, der in ihr gegen die Lügen ankämpft, möchte mancher sie nur als nützliche Maschine sehen. Eine Maschine, die mangels künstlicher Intelligenz, von einem menschlichen Gehirn gelenkt wird. Und so verkörpert die Figur Major in Ghost in the Shell in gewisser Weise ein Paradox: Sie ist eine neue Art, ein Evolutionssprung des Menschen und soll ihm doch als Sklave dienen. Eine Sklavin, über deren Leben und Tod der Besitzer entscheiden will. Nicht gerade das, was sich ein Google finanzierter Ray Kurzweil vorstellt, der den menschlichen Körper offenbar ja nicht schnell genug verlassen kann.

Jene Grenze zwischen Mensch und Cyborg testet Ghost in the Shell aber noch weiter aus. Da werden Menschen mit künstlichen Ersatzteilen ausgestattet, und als Major in den Speicher eines Androiden abtaucht, wirkt es, als würde sie in einen menschlichen Traum abtauchen. Eine klare Trennlinie zu zeichnen, ist nicht die Sache dieser Geschichte. Und wahrscheinlich kann man sie auch deshalb als einen Ausblick in unsere wirkliche Zukunft sehen.

Doch nun zur eigentlichen Filmkritik: Bei manchen scheint das Trommeln für des Films Erwartungen geweckt zu haben, die Ghost in the Shell nicht ganz erfüllt hat. Das Urteil lautet dann meist, es sei auch nur ein Action- & Sciencefiction-Film. Vielleicht ist der Film am Ende tatsächlich kein Meilenstein des Genres, ihn aber als Enttäuschung zu sehen scheint dennoch weit übertrieben. Allein die Bilder sind es, die den Film durchaus sehenswert machen. Und nein, ich rede nicht nur von Scarlett Johansson in der hautengen Kampfmontur. Wobei sie auch ein Glücksfall für die Besetzung ist, auch wenn sie lediglich zweite Wahl war. Überhaupt kann man die Besetzung als überaus gelungen betrachten, neben Juliette Binoche wohl vor allem auch wegen Takeshi Kitano. Die japanische Filmlegende spielt den Gründer jener Spezialeinheit, der Major nach ihrer – nennen wir wie es ist – Wiederauferstehung zugeteilt wird. Kitano gelingt es auch hier mit sonst nie dagewesenen Minimalismus seinem Charakter Leben zu verleihen. Wo andere spielen müssen, sieht Kitano einfach nur in die Kamera und jedes Zucken in seinem Gesicht hat mehr Wirkung als die versammelte Schauspielerkonkurrenz zusammen.

Am Ende ist Ghost in the Shell also ein durchaus sehenswerter Film, auf den sich das Warten eben doch gelohnt hat.

Die Moral Maschine: Wen würdest du überfahren?

Es ist das alte Problem, zumindest seit selbstfahrende Autos realistisch geworden sind. Wessen Leben soll das Auto bei einem drohenden Unfall retten? Das des Fahrers? Das der alten Frau? Das des kleinen Mädchens? Was ist, wenn die Wahl zwischen dem Fahrer und zwei Mitfahrern auf der einen, und zwei Männern auf der anderen besteht?

Solche Entscheidungen muss man erst einmal treffen können. Wobei Mercedes nach sie ja schon getroffen hat, im Zweifel wird der Fahrer geschützt. Klar, die Autobauer denken an ihren Absatz und wer würde schon ein Auto kaufen, das einem im Zweifel umbringt? Philosophisch betrachtet läuft es im Wesentlichen darauf hinaus sich zwischen Kant auf der einen und dem Utilitarismus. Die NZZ hat das hier übrigens sehr gut ausgearbeitet: Keine Algorithmen für ethische Fragen

Es gibt übrigens noch eine dritte Möglichkeit, die manchmal unterschlagen wird, weil sie recht zynisch wirkt. Der Zufall! Sprich, der Algorithmus wirft einen Zufallsgenerator an und entscheidet danach. Und dann gibt es noch eine Tatsache, die, obwohl sie das Problem überhaupt erst erzeugt, fast gar keine Beachtung findet. Schließlich gibt es zwischen dem menschlichen Fahrer und dem fahrenden Computer einen Unterschied. Der Mensch hat oft nur eine sprichwörtliche Sekunde um zu entscheiden, der Computer zwar auch, aber im Gegensatz zum Menschen kann er aufgrund der ihm einprogrammierten Möglichkeiten entscheiden. Der Mensch reagiert nur – und in der Regel wird er bremsen und/oder das Lenkrad herumreißen.

Wie man reagieren würde, wenn man die Zeit zum Nachdenken hat, kann man in der Moral Machine testen. Das MIT-Projekt stellt den Nutzer in 13 Situationen konkret die Frage, wie man sich verhalten würde, wen man retten würde und ob man bereit wäre sein eigenes Leben zu opfern. Und erzeugt damit beim Nutzer ein beklemmendes Gefühl.

So ging es zumindest mir. Und die Auswertung ist am Ende natürlich ziemlich hart. Und auch wenn ich am Ende tendenziell mehr Leben retten würde, sollte man doch kein dicker Mann sein. Hmm, wer möchte kann seine Ergebnisse übrigens dem MIT zur Verfügung stellen.

 

Uber bricht diplomatische Beziehungen mit Dänemark ab!

Überall auf der Welt verdienen sich Fahrer mit Hilfe von Uber etwas dazu. Überall? Bald nicht mehr, den wie Techchrunch berichtet will Uber sich bis zum 18. April aus Dänemark zurückziehen. Warum? Na ja, unser nördlicher Nachbar neigt zum einen wohl eher zu der realistischen Ansicht, dass zwischen etwas dazu verdienen und ausgebeutet werden bei Uber kein wesentlicher Unterschied besteht, und man will wohl die heimische Taxi-Branche effektiver schützen als das anderswo in Europa der Fall ist.

Jetzt hat Dänemark zwar erst vor kurzem eine Art Chef-Diplomat fürs Silicon Valley ernannt, siehe hier, das scheint nun aber dankenswerterweise nicht zu heißen, dass man nach dessen Nase tanzt. (Was mich ehrlich gesagt doch ein wenig überrascht.)

Um den Personentransport qualitativ zu sichern, hat man jetzt Regelungen erlassen, die ein klassischer Uber-Fahrer schlicht nicht erfüllen kann. Und sei es nur ein schlichtes Taxameter. Uber’s Hoffnung, dass die Ende letzten Jahres ins Amt gekommene liberale Regierung die Regulierungen zu Gunsten der Plattform wieder lockert haben wohl getrogen.

“We [Uber] will continue to work with the government in the hope that they will update their proposed regulations and again enable Danes to enjoy the benefits of modern technologies like Uber.” – Uber Statement. Quelle: techchrunch.de

Bla bla bla … hippes Marketinggelaber …. bla bla bla …

Obwohl, wer verzichtet schon gerne auf so neue Errungenschaften wie das Auto – obwohl, das gibt’s ja auch schon ‘ne Weile und das die armen Dänen jetzt alle auf Bus und Bahn umsteigen müssen, dürfte eher eine Hoffnung von Umweltfreunden und Feinstaubgegnern sein.

Roboter sollten Steuern zahlen, meint auch Bill Gates

Das wir angesichts der digitalen Revolution auch vollkommen neue Denkmodelle brauchen und Dinge tun müssen, die jetzt noch etwas merkwürdig klingen, hatte ich im Dezember ja in meinem Beitrag Digitale Revolution? Wir haben doch eine Webseite geschrieben.

Ein Punkt war damals auch die Frage, ob wir nicht die Arbeit von Robotern besteuern sollten. Also die Roboter bzw. deren Besitzer. Nun, Microsoft-Gründer Bill Gates scheint derselben Meinung zu sein:

via Geeks are sexy