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Macht Social Media depressiv, aber mindestens unglücklich?

von am 19. Juli 2017

Die Diskussion ist so alt wie die Ankunft von Facebook & Co. im Mainstream. Macht Facebook unglücklich, sogar depressiv? Für Twitter zu Aufmerksamkeitsstörungen? Dient Instagram allein der Neidsteigerung?

Sei du selbst, vergleiche dich nicht immer mit den anderen … das klingt wie ein weiser Ratschlag von Freunden oder Eltern. Aber ist er wirklich so weise? Vielleicht im einzelnen, in der Masse dürfte der Blick auf andere ein wesentlicher Antriebsfaktor der modernen Gesellschaft sein. Aber selbst rein philosophisch wird es schwer, wenn wir keine Vergleiche ziehen können. Was ist gut, wenn man nicht weiß was böse ist? Wer bin ich, wenn niemand da ist, von dem ich mich abgrenzen kann? Und so ganz alleine, wer möchte schon so existieren? Nein, um das ständige vergleichen mit anderen kommen wir wohl auch die nächsten Jahrhunderte nicht herum.

Allerdings hat das Internet auch das sich vergleichen mit anderen ins Extreme getrieben. In der guten alten Zeit, konnte sich der Dorfdepp nur mit den anderen Dorfdeppen vergleichen. Das höchste der Gefühle war schon der Vergleich zum Dorfdepp aus der Nachbarschaft. Heute ist der „Rund um die Uhr“-Vergleich mit allen Dorfdeppen der Welt möglich, ja, und irgendeiner ist immer deppeder als du!

Wäre ein Vergleich objektiv und umfassend möglich, wahrscheinlich hätten wir gar kein Problem damit. Aber ebenso wie die meisten Menschen dazu neigen sich selbst immer kritischer zu sehen, wie andere. Neigen sie eben auch dazu das Leben der anderen immer besser zu finden als ihr eigenes.

Und unter uns, was postet ihr denn so in den sozialen Netzwerken? Eure Erfolge, oder doch eure Niederlagen?

Es gibt Netzwerke wie Instagram oder Pinterest, im Wesentlichen auch Snapchat, die geradezu auf das Positive und Schöne der Welt aus sind. Man postet Selfies im Urlaub, allerdings nicht die schmutzige Toilette aus dem Hotelzimmer. Man postet das leckere Steak vor der Kneipentour, aber nicht das Erbrochene vor der Haustür am nächsten Morgen. Bei allumfassenderen Netzwerken wie Facebook lief mir vor einiger Zeit gelegentlich auch mal ein Beitrag über den Weg, in dem einer postete das sein Tag Sch… war, aber heute macht man so etwas wohl nicht mehr – oder man macht es, und der Facebook -Algorithmus fischt es sicherheitshalber heraus. Man will seinen Mitgliedern ja nur positive Nachrichten bieten, die Welt ist schon schlimm genug.

Aber ist das wirklich eine gute Idee? Ja, klar, nicht umsonst lautet eine meiner Regeln „Freue dich über das Glück anderer“, aber ganz ehrlich, wir sind nicht dafür gemacht ständig das Glück der anderen zu ertragen, gerade wenn wir die andere Seite der Medaille nie zu sehen bekommen.

Wer fragt sich nicht gelegentlich, warum andere junge Eltern mit Babys gesegnet sind, die durchschlafen? Oder wie um Himmels willen kann der sich diese Anlage leisten, der macht beruflich doch etwa das gleiche wie ich? Und warum jettet die bitte um die Welt, während ich mir schon ein Wochenende im Bayerischen Wald vom Mund absparen muss? Wer ehrlich in sich geht, wird sich bei allen guten Vorsätzen immer wieder dabei erwischen, wie er eben doch mal eine der oberen Fragen vor sich hinmurmelt.

Werden wir ein bisschen persönlich. Zumindest mir geht es in letzter Zeit beinahe extrem so. Wenn du zuhause in einer Ein-Zimmer-Wohnung sitzt, Single bist und Urlaub aus finanziellen Gründen erst Mal gestrichen ist, solltest du dich auf Facebook oder Instagram lieber erst gar nicht tummeln. Selbst Instagram, das eigentlich mein Liebling unter den sozialen Netzwerken ist, öffne ich aus diesem Grund nicht mehr so oft wie früher. Bei Facebook ist es nicht viel anders. Zeit also für einen Selbstversuch … Smartphone raus und Facebook runter, das gleiche dann mit Instagram. Gut, Messenger lassen wir mal unangetastet, man will ja erreichbar sein. Wird das dazu führen, dass ich weniger Neidgrummeln spüre? Statistisch gesehen müsste das ja dann der Fall sein, weil es viel weniger Anlässe dürfte. Oder wird es mir doch Fehlen zumindest gelegentlich mal Neues von Freunden zu erfahren, die eben nicht um die Ecke wohnen? Aber wenn da jemand mal Nachwuchs kriegt oder heiratet, irgendwie bekommt man das dann auch schon mit.

Vielleicht stellt sich mir bald ja die Frage, die alle sozialen Netzwerke fürchten, wie der Teufel das Weihwasser: Was bringt mir dieser Social Media-Scheiß überhaupt?

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Medien & Internet

Warum Google aus einem Dummkopf kein Genie macht

von am 23. Mai 2017

Werfen wir doch mal einen Blick in eine alltägliche Szene in einer Praxis eines x-beliebigen Hausarztes. Der Patient kommt herein, man begrüßt sich freundlich und der Doktor fragt, was einem denn fehle? Daraufhin legt der Patient entweder einen Stapel Papier oder ein Tablet auf den Tisch und verkündet: „Das ist nicht das Problem, Herr Doktor, das habe ich gestern schon alles gegoogelt. Aber jetzt bräuchte ich halt noch das Rezept.“

Wahrscheinlich waren es wirklich die Ärzte, die diesen Fluch als erstes mitbekommen haben. Seit das Wissen der Welt nur eine Anfrage bei Google entfernt ist, scheinen Studium und Erfahrung etwas für Oma und Opa geworden zu sein, die sich standhaft weigern Internet zu bestellen und lieber wehklagen, dass der Videotext auch nicht mehr so umfangreich ist wie früher. Dabei würden diese vielleicht noch wissen, das zwischen dem Wissen der Welt und allen Informationen der Welt noch ein gewisser Unterschied besteht.

Was ist der Unterschied zwischen Information und Wissen?

Wissen besteht aus verknüpften Informationen. Oder anders ausgedrückt, eine Adresse ist eine Information, aber Wissen ist warum ich diese Adresse benötige. Das der nächste Stern über vier Lichtjahre von uns entfernt liegt, ist eine Information. Das ich mit einem alten Space Shuttle dort nie lebend ankomme, ist Wissen, das ich habe, weil ich zum Beispiel die durchschnittliche menschliche Lebensspanne kenne oder auch die Leistungsfähigkeit eines außer Dienst gestellten Space Shuttles. Und hier ist auch schon der erste Hacken am googeln. Ich bekommen nur das angezeigt, was ich gesucht habe – aber das ist nicht wirklich identisch mit dem, was ich eigentlich wissen muss.

Ich halte das für eine ziemlich offensichtliche Feststellung. Ebenso wie ich glaube, dass eine Ausbildung (gleich welcher Art) und Erfahrung einen Experten ausmachen, nicht die Fähigkeit eine Suchmaschine nutzen zu können oder die Webadresse von Wikipedia zu wissen.

Aber je älter ich werde, desto mehr scheinen solche Vorstellungen nicht mehr zu gelten. Und nein, damit meine ich nicht nur die Digital Natives. Diese Unsitte scheint mir Generationen zu übergreifen. Aber um es trotzdem wie ein alter Mann auszudrücken: Wenn wir früher etwas nicht gewusst haben, haben wir jemanden gefragt, der es wusste. Heute googelt kann jeder Depp googeln, überfliegt die ersten zwei Ergebnisse und schon glaubt er hätte es verstanden.

Die Verfügbarkeit von Wissen ist eine Lüge der digitalen Weltverbesserer

Ein Studium abzubrechen ist keine Schande. (Ich muss das sagen, schließlich habe ich selbst ein abgebrochenes Studium im Lebenslauf. 😉 ) Aber bei manchen Junkies der schönen neuen Welt hat man das Gefühl es gehört schon zum guten Ton, wenn man schon den Fehler gemacht hat, überhaupt eines anzufangen. Warum auch, es steht doch alles im Internet. Das ist nicht grundlegend falsch. Es gibt das ein oder andere, was man allein durch das Netz hervorragend lernen kann – passenderweise gehört etwa Programmieren dazu. Aber unter uns, selbst da würde man sich in einem Kurs leichter tun – also als Normalsterblicher.

Gehört der Experte heute also zu einer aussterbenden Gattung? Eine Annahme, die ein bisschen merkwürdig erscheint, wimmelt es doch gerade in den Medien oder auch in der Berufswelt gerade in unseren Tagen so voller Experten. Das Problem ist, es war eben auch noch nie so leicht sich als Experte auszugeben. Der Trick ist einfach: Du musst nicht viel wissen, du musst nur mehr wissen, als der andere. Oder mit anderen Worten, unter den Blinden sind die Krönungsfeierlichkeiten für den Einäugigen nur eine Frage der Zeit.

Einbildung ist die neue Bildung

Früher, ja, ich falle nochmals in diesen alten Jargon zurück, nannte man solche Leute freilich nicht Experten, sondern schlicht und einfach Hochstapler. Wobei das eigentlich eine Beleidigung für die Hochstapler von einst ist. Die waren, trotz aller krimineller Energie, meist ziemlich kluge Leute, sonst hätten sie schließlich ihren Beruf verfehlt. Die selbsternannten Experten von heute gehen jedoch in der Regel tatsächlich davon aus, dass sie tatsächlich Experten sind.

Das Problem an der Sache ist halt, dass wenn die mit Raffinesse aufgebauten Gebilde der Hochstapler schon früher oder später in sich zusammengefallen sind, ist es nur eine Frage der Zeit bis auch die Einäugigen auf die Fresse fallen. Und da sie dann leider oft auch andere mit sich stürzen lassen, gilt Regel 17  – Jemand stürzen zu lassen, kann am Ende die letzte Möglichkeit für ihn sein, es doch noch zu lernen. – hier nur bedingt.

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Der große Vorteil von virtueller Realität? Die Realität ist halt kacke!

von am 17. Mai 2017

Die Diskussion über Computerspielsucht ist noch nicht einmal abgeschlossen, da zeichnet sich schon das nächste Feld für heiße Diskussionen am Horizont ab. War die virtuelle Realität lange ein Runing Gag wie der Kühlschrank, der selbstständig nachbestellt, dürfte erstere inzwischen kurz davor stehen massentauglich den Markt zu erobern. Und dann haben wir den Salat, bzw. die Wahl zwischen der eigentlichen Realität und einer virtuell geschaffenen.

Wie real die virtuelle Realität wirklich ist, ist am Ende eigentlich egal.
Wie real die virtuelle Realität wirklich ist, ist am Ende eigentlich egal.

Um den größten Kritikern der virtuellen Realität gleich mal ihr Lieblingsargument zu nehmen, die Behauptung die virtuelle Realität sei nicht echt, kann tatsächlich nur Bestandteil rein philosophischer Diskussionen sein. Denn die Technik ist längst so weit, dass sie unser Gehirn den Unterschied nicht bemerken lässt – es sei denn, man murmelt das Mantra „Das ist alles nicht echt“ die ganze Zeit vor sich her. Wer das nicht glaubt, kann sich auf dem Schreibtischstuhl ja eine virtuelle Achterbahn antun, oder in der virtuellen Realität auf dem Dach eines Hochhauses stehen und versuchen runter zu springen. Kleinlich betrachtet mag die virtuelle Realität nicht echt sein, pragmatisch betrachtet ist das aber ziemlich wurscht.

Genau das ist es ja, was jenen besonders viel Angst macht, die schon glauben Computerspiel würden süchtig machen. (Machen sie übrigens ja auch, wie so ziemlich alles und jeder bei einem Menschen eine Sucht auslösen kann.) Der Gedanke, dass der Spieler World of Warcraft nicht mehr vor dem Bildschirm sitzend spielt, sondern sich wie in das Spiel hineingebeamt fühlen könnte, ist für diese Fraktion in erster Linie etwas erschreckendes. Sind die Grenzen bei manchen heute zwischen online und offline verschwommen, wären sie spätestens dann nicht mehr existent. Das kann einem Angst machen, das kann man als Bedrohung sehen – man kann, aber muss man das auch?

Die virtuelle Realität ist ein Geschenk für unsere Gesellschaft!

Bekanntlich leben wir weniger in einer Leistungsgesellschaft, als in einer Erfolgsgesellschaft. Und was produziert eine Erfolgsgesellschaft? Richtig, ein paar Gewinner und Horden voller Loser. Und wenn man mit einkalkuliert, dass die digitale Transformation tausende von jetzt noch in die mittlere und untere Mittelschicht Geborene zu modernen Tagelöhnern machen wird, wird der Anteil derer, die sich als Verlierer fühlen überproportional in die Höhe schießen.

World of Warcraft - Die gute alte Zeit!
World of Warcraft – Die gute alte Zeit!

Und bekanntlich gibt es weit bessere Zustände, als sich als Verlierer zu fühlen. Früher gab es den Griff zu Flasche, oder wenn man zumindest ein cooler Verlierertyp sein wollte hat man sich seinen Trip mit härteren Drogen verschafft. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Gedanke die virtuelle Realität könnte für viele Menschen am Ende nur eine weitere Sucht sein, doch fast schon beruhigend. Immerhin sind deren Auswirkungen weit weniger drastisch und zeigen sich nicht selten in derart kleinen Stufen, dass nicht einmal wirklich auffallen.

Aber abgesehen davon, wäre das wirklich so schlimm? Durch soziale Medien definieren wir gerade den Begriff „Freundschaft“ neu. Klar, wer auf Facebook mit mir befreundet ist, ist nicht automatisch mein Freund. Aber der Kontakt kann auch so eng werden, dass sich wirklich von Angesicht zu Angesicht zu sehen, kein zwingender Bestandteil der Definition von Freundschaft mehr ist. Und wer sich in der virtuellen Realität begegnet, wird die Grenze als noch ein wenig durchlässiger betrachten.

Und überhaupt … nehmen wir mal mich als Beispiel. Ich arbeite Vollzeit, der Kühlschrank ist immer gut gefüllt, aber wenn der Vermieter meiner kleinen Wohnung einen Brief schreibt, hoffe ich schon, dass es keine Mieterhöhung ist. Und groß in Urlaub fahren ist für mich auch erst mal gestrichen, ganz aktuell musste ich aus finanziellen Gründen gerade sogar einen kleinen Wochenendtrip canceln. Wäre es da wirklich so verwerflich, wenn ich mir nach einem harten Arbeitstag am Abend die VR-Brille auf den Kopf setze und mir jene Orte ansehe, an die ich definitiv erst Mal nicht reisen kann? Wo ist der Unterschied zu einer Dokumentation im Fernseher, außer das mir die virtuelle Realität echter vorkommt? Die VR-Brille kann mir – zumindest solange ich sie trage – das Gefühl geben die Dinge wirklich zu erleben, im Vergleich dazu ist das bloße davon Träumen, während man auf die schönen Bilder hinter der flachen Scheibe starrt, ja fast sadistisch.

In einer Welt, die sich durch die digitale Transformation brutaler als je zuvor in Gewinner und Verlierer aufteilen wird, ist die virtuelle Realität vielleicht jenes rettende Opium für’s Volk, das uns davon abhält eine Revolution zu veranstalten, an deren Ende ohnehin nicht die Straße zu den Gewinnern gehören wird. Das mag für manche purer Zynismus sein, ich halte es aber für eine pragmatische Lösung.

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Die Zukunft – Morgen – Aber auch in Deutschland?

von am 9. Mai 2017

Letzte Woche bin ich eine ziemlich verwegene Wette eingegangen: In zehn Jahren werden hauptsächlich Lkws ohne Fahrer unterwegs sein. Selbstfahrende Lkws werden den Großteil des Transports auf den Autobahnen abwickeln.

Ist das realistisch? Jein, zweifellos wird es in der Lebensspanne der meisten Leser hier so kommen, ob tatsächlich in zehn Jahren Lkw-Fahrer eine Schlange am Arbeitsamt bilden müssen, ist letztlich natürlich noch nicht ausgemacht. So sehr ich die Digitale Transformation auch fürchte und ihre neoliberalen Auswüchse für das kommende Grundübel nach dem Kommunismus halte, so bin ich doch leider auch davon überzeugt, dass sie nicht aufzuhalten sein wird. Man wird es natürlich aber dennoch versuchen. Und auch wenn die Technik in zehn Jahren mehr als bereit sein wird das Szenario selbst fahrender Lkws umzusetzen, spricht doch auch einiges dagegen. Denn noch dürften Lobbyverbände und Verweigerungshaltung stark genug sein, das Szenario mit Gesetzen und Verordnungen hinauszögern zu können. Erst recht weil unser deutsches Rechtssystem Immanuel Kant näher ist, als dem Utilitarismus, der sich bei dem bekannten Problem bei einem Unfallszenario zu entscheiden, wer sterben soll – sagen wir es freundlich – erheblich leichter tut.

Doch wie lange kann man den Fortschritt wirklich aufhalten? Wie lange werden Politik und Gesellschaft den wirklichen und den vermeintlichen Vorteilen der Digitalisierung standhalten?

Hätte der olle Erich die Digitalisierung begrüßt?

Denn machen wir uns nichts vor, nicht nur selbst fahrende Lkws bedeuten vor allem eines: Kostenersparnis! Aus ähnlichen Gründen werden sich etwa Universitäten noch eine gewisse Zeit lang staatlichem Schutz sicher sein können, oder das Gesundheitssystem. Aber dennoch darf eines als sicher gelten: Die Uhr tickt – und die Uhr tickt unaufhaltsam.

Europa und in erster Linie Deutschland werden sich wohl mit am längsten diesem Fortschritt in den Weg stellen, aber selbst wenn der gesellschaftliche Wille da wäre sie aufhalten zu wollen, es wird am Ende nicht gelingen. Am Ende siegt der Kostendruck und – na ja, die wirklichen Vorteile.

Es mag uns noch ein wenig komisch vorkommen, wenn wir einem Programm unseren Gesundheitszustand schildern und es die Laborwerte selbst analysiert, aber schon heute kommen dabei halt bessere Ergebnisse heraus, als bei so manchem Hausarzt. Mögen spezialisierte Chirurgen und andere Experten noch relativ sicher sein, die Berufsgruppe Hausarzt sollte die Uhr ebenfalls schon ticken hören. Dabei können die doch heute noch behaupten, mit diesem Internet eigentlich nix zu tun zu haben. Also zumindest nicht zwangsläufig. Was am Ende aber nur der Trugschluss sein dürfte, dem auch der Klempner um die Ecke anheimfällt. Auch der wird früher oder später zu spüren bekommen, das er nur zwei Möglichkeiten hat. Entweder er wird seine eigene digitale Marke, oder ist dazu verdammt sich auf den marktbeherrschenden Plattformen zum billigsten Preis darzubieten.

Ärzte, Handwerke … richtig, Berufsgruppen die wir heute noch als fest im Sattel sitzenden Mittelschicht betrachten. Menschen, die – wäre die Digitalisierung nicht – auch in einem von latenter Abstiegsangst beherrschten Deutschland doch noch halbwegs sicher im Sattel sitzen dürften.

Ihr Bürger, hört die Signale!

Die Verzögerung des Fortschritts wird dafür sorgen, dass eine ganze Reihe Berufstätige aus der Mittelschicht sich noch halbwegs sicher in die Rente retten können. Wer heute aber unter 40 ist, sollte sich damit anfreunden sich bald auf eine durch digitalisierte Welt einstellen zu müssen, die komplett anders ist, als wir sie heute kennen. Aber dennoch sind jene zahlreich, die entweder glauben nicht betroffen zu sein oder das Ganze für alten Wein in neuen Schläuchen halten. Aber das ist die Digitale Transformation eben nicht, der Wein ist ebenso neu wie der Schlauch. Und wer das nicht rechtzeitig erkennt, und rechtzeitig ist JETZT, wird in absehbarer Zeit ziemlich viel Essig zu trinken bekommen.

Und noch einmal, diese Entwicklung mag uns nicht gefallen, und sie sollte uns auch nicht gefallen, aber wirklich aufhalten können wir sie auch nicht. Ähnlich wie in der industriellen Revolution wird es eine lange Phase geben in der wenige profitieren und viele Hungerleider ausgebeutet werden. Was bleibt ist die Hoffnung, dass sich auch diesmal die Gesellschaft wieder einpendeln wird. So wie die Sozialgesetzgebung mit Bismarck ihren Anfang nahm und zum Sozialstaat wurde, um die Unternehmer in die Schranken zu weisen und den Arbeitern und Angestellten zumindest eine Existenzsicherung gab. Es ist jedoch fraglich, ob wir mit diesen alten Mitteln auch der neuen Herausforderung Herr werden können. Zumindest sieht es nicht wirklich danach aus, und die Finanzierbarkeit dürfte auch arg, verdammt arg in Zweifel stehen. So fundamental neu wie die Digitalisierung Fakten schafft, so neu müssen auch unsere Lösungen für die geschaffenen Probleme sein. Sie auf den Standpunkt jener Hufschmiede zu stellen, die sich das Auto erst nicht vorstellen konnten und dann glaubten dieses Ungetüm würde sich nie im Leben durchsetzen, wird uns nur in den Abgrund führen.

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Uber bricht diplomatische Beziehungen mit Dänemark ab!

von am 28. März 2017

Überall auf der Welt verdienen sich Fahrer mit Hilfe von Uber etwas dazu. Überall? Bald nicht mehr, den wie Techchrunch berichtet will Uber sich bis zum 18. April aus Dänemark zurückziehen. Warum? Na ja, unser nördlicher Nachbar neigt zum einen wohl eher zu der realistischen Ansicht, dass zwischen etwas dazu verdienen und ausgebeutet werden bei Uber kein wesentlicher Unterschied besteht, und man will wohl die heimische Taxi-Branche effektiver schützen als das anderswo in Europa der Fall ist.

Jetzt hat Dänemark zwar erst vor kurzem eine Art Chef-Diplomat fürs Silicon Valley ernannt, siehe hier, das scheint nun aber dankenswerterweise nicht zu heißen, dass man nach dessen Nase tanzt. (Was mich ehrlich gesagt doch ein wenig überrascht.)

Um den Personentransport qualitativ zu sichern, hat man jetzt Regelungen erlassen, die ein klassischer Uber-Fahrer schlicht nicht erfüllen kann. Und sei es nur ein schlichtes Taxameter. Uber’s Hoffnung, dass die Ende letzten Jahres ins Amt gekommene liberale Regierung die Regulierungen zu Gunsten der Plattform wieder lockert haben wohl getrogen.

„We [Uber] will continue to work with the government in the hope that they will update their proposed regulations and again enable Danes to enjoy the benefits of modern technologies like Uber.” – Uber Statement. Quelle: techchrunch.de

Bla bla bla … hippes Marketinggelaber …. bla bla bla …

Obwohl, wer verzichtet schon gerne auf so neue Errungenschaften wie das Auto – obwohl, das gibt’s ja auch schon ’ne Weile und das die armen Dänen jetzt alle auf Bus und Bahn umsteigen müssen, dürfte eher eine Hoffnung von Umweltfreunden und Feinstaubgegnern sein.

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