Frohe und gesegnete Ostern!

Alexander Andreyevich Ivanov (Public domain), via Wikimedia Commons

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Johannes 20,1 – 18

Glauben muss weh tun, darf er aber nicht mehr

Ostern steht vor der Tür … Zeit einen Blick zurückzuwerfen, wie war das damals. Damals, als praktisch das erste Ostern vor der Tür stand. Herrschte da neben all der Bekümmertheit schon eine gewissen Vorfreude bei den Anhängern Jesu? Nein, die Männer und Frauen die ihm bis nach Jerusalem folgten waren am Boden zerstört. Es schien, als sei alles schon zu Ende, ehe es begonnen hatte.

Ich fürchte wir können uns heute nur annähernd vorstellen, wie schwer wohl die Verzweiflung war, die während dieser langen Tage herrschte. Eben noch glaubte man dem Sohn Gottes nachzufolgen und dann – dann dieser Tod am Kreuz. Der Tod durch die grausamste und erniedrigendste Hinrichtungsart überhaupt. Wer in die Köpfe jener Männer und Frauen hineinsehen konnte, hätte wohl den ein oder anderen Gedanken gefunden wie “so habe ich mir das Kommen des Reich Gottes aber nun wirklich nicht vorgestellt”.

Ein Schlagwort dürfte unausgesprochen die Runde gemacht haben: Zweifel! Und wenn es kein Zweifeln war, dann doch zumindest die Feststellung, das Glauben am Ende doch gar nicht so leicht ist.

Von Anonymous Russian icon painter (before 1917) Public domain image (according to PD-RusEmpire) – http://www.akcia-antique.ru/openwindow.php?id=17769, Gemeinfrei, Link

Und ja, das ist es auch nicht. Und ja, Zweifel gehören zum Glaubensleben dazu. Wer nie zweifelt, kann sich nur in den seltensten Fällen über einen blinden Glauben freuen, er gerät eher in Gefahr tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes blind zu werden. Nicht nur blind für die anderen, sondern am Ende auch blind für die Wahrheit und anfällig für die blinde Wut.

Der Zweifel ist eine Stütze des Glaubens

Ich denke in der Tat, dass der Zweifel den Glauben sogar festigen kann. Und ich bin davon überzeugt, dass jeder irgendwann einmal diese Zweifel hat. Und mitunter ist es gerade die Überwindung des Zweifels, die den Glauben umso stärker macht.

Doch es muss nicht immer eine tiefe Glaubenskrise sein, die Zweifel erzeugen. Denn der Glaube, die Religion ist in gewisser Weise ein Gesamtpaket – und wie in jedem Gesamtpaket enthält sie eben auch Dinge, die einem nicht auf den ersten Blick einleuchten, sogar stören. Aber was stört, muss heute verschwinden. Störfaktoren, Zweifel – all das ist in der relativistischen Moderne nicht mehr erwünscht. Die Folgen zeigen sich meist in zwei Entwicklungen.

Glauben wird mit Rosinen picken verwechselt

Die Kirchen schleifen ihre Konturen. An nichts darf sich mehr geschnitten werden, alles muss glatt sein. Manch evangelische Kirchen scheinen den Sohn Gottes auf eine bedeutende Persönlichkeit zurückzustufen, die katholische Kirche breitet über alles den Mantel des Schweigens, was unangenehm aufstoßen könnte. Fegefeuer? Gibt es nicht mehr! Und überhaupt, in die Hölle, da kommt bestenfalls noch Hitler. Mal abgesehen davon, dass dieses Schleifen des Glaubens nicht ein Schäfchen mehr in die Gottesdienste bringt, wird der stetige Wandel der Kirche durch eine Erosion des Christentums ersetzt.

Konkurrenzfähig scheint man in einer Welt in der das Glauben wollen ja keineswegs ausgestorben ist schon längst nicht mehr. Der Mensch der Moderne ist bekanntlich nicht mehr auf seine regionale Umgebung angewiesen, auch die Religionen sind längst globalisiert und weltweit verfügbar. Und das neue hat seinen Reiz, Exotik ist es, die mehr zählt, als das Althergebrachte. Niemand scheint mehr die Mystik im Christentum zu suchen, wenn doch weltweit Alternativen zur Verfügung stehen. Der Buddhismus erfreut sich ungebrochener Beliebtheit, freilich ist es ein westlicher Buddhismus light, der sich in unseren Breitengraden ausbreitet. Es ist das Dauerlächeln des Dalai Lama, das begeistert, nicht die wirre und abergläubische Dämonen- und Geisterwelt im tibetanischen Buddhismus. Immer noch aktiv sind die hinduistischen Sekten, für viele nach wie vor attraktiv, im Westen hat man ja den Vorteil nicht in die Kaste der Unberührbaren geboren werden zu können. Man pickt sich die Rosinen heraus, nicht selten bastelt man sich dabei seine eigene kleine Privatreligion zusammen. Meditationen werden zu Events, westliche Gurus vermixen die fremde Religion mit westlichen Elementen und was dabei herauskommt ist eine Wischiwaschireligon der Glaubensgrundsätze kaum über als religiöse Weisheiten getarnte Binsenweisheiten hinausgehen. Und während man den Kirchen hinter vorgehaltener Hand die Kirchensteuer vorwirft, von der man sich mit einem Gang aufs Amt befreien lassen kann, werden keine Kosten gescheut, um auf pseudospirituelle Retreats zu reisen und sich kitschige Buddhastatuen in den Garten zu stellen. Letztlich muss man sich es auch finanziell leisten können.

Ironischerweise sind es also mitunter oft genau jene, die mit genüsslicher Freude auf die Verfehlungen der Kirche wie den Ablasshandel zeigen, während sie selbst ihre Münzen in die Beutel jener werfen, die sie mit Allgemeinplätzen und modernen Showelementen betäuben. Es darf bloß nicht weh tun, es darf bloß nicht echt sein.

Der Papst, die Unfehlbarkeit & die Flüchtlinge

Es erstaunt mich immer wieder, dass sich bei einer hohen Anzahl von Menschen das Gerücht hält, alles was der Papst sagen würde, wäre für uns Katholiken quasi aufgrund der “Unfehlbarkeit des Papstes” Gesetz. Dem ist nicht so, jene zitierte Unfehlbarkeit gibt es zwar und sie gilt dann auch für alle Katholiken, sie bezieht sich aber nun wahrlich nicht auf jede päpstliche Aussage. Das wäre dann ja auch ein bisschen kompliziert für so manche Katholiken. Wer sich für die Sache interessiert, dem kann der Wikipedia Artikel über das Unfehlbarkeitsdogma sicher die notwendigsten Grundlagen vermitteln.

Warum mir das heute den ganzen Tag durch den Kopf schwirrte? Na ja, weil Papst Franziskus so gar nicht ins Bild passen will, was beispielsweise so mancher Katholik in den sozialen Medien in der Flüchtlingsfrage von sich gibt. Da fühlte man sich offenbar auch schon mal genötigt klarzustellen, das der Papst über Flüchtlinge sagen kann was er will, auch als braver Katholik sei man nicht verpflichtet diese Meinung zu übernehmen. Faktisch ist das korrekt – aber das da nicht die kleinste Irritation vorhanden ist, wenn man selbst gegen Flüchtlinge hetzt und so fundamental den Worten des Stellvertreter Christi entgegensteht? Wirklich, nicht mal der geringste Selbstzweifel? Wie tief muss sich der Hass in den Herzen dieser Menschen eingenistet haben?

“It’s hypocrisy to call yourself a Christian and chase away a refugee or someone seeking help, someone who is hungry or thirsty, toss out someone who is in need of my help,” he [Papst Franziskus] said. “If I say I am Christian, but do these things, I’m a hypocrite.” – Quelle: Catholic Herald

Heuchelei, der Papst trifft es auf den Punkt, nichts anderes ist dieses Verhalten. Und wie Franziskus in dem verlinkten Artikel so richtig betont, basieren seine Worte nicht auf Zeitungsberichten, sie basieren auf der Heiligen Schrift.

Was würde Jesus tun?

Ja, wir müssen uns auch rational eingestehen, das wir nicht allen helfen können. Wir können nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, weil es über unser Leistungsvermögen geht. Aber jenseits der Frage, wann dieses Leistungsvermögen erschöpft ist – und das ist es noch nicht – sollten wir uns fragen, was Jesus gesagt hat, was uns die Heilige Schrift lehrt.

Mir zumindest wäre es neu, wenn dort steht, Jesu hätte gesagt helft den Armen und Verfolgten, aber nicht zu viel, weil sonst kommen noch mehr Arme und Verfolgte, und das wollen wir doch wirklich nicht, oder? Wäre ja noch schöner, nur weil ihr mir nachfolgt, müsst ihr doch nicht das Sozialamt der Welt sein.

So manche scheinen aber genau dies in ihren Bibeln ergänzt zu haben. Oder viel mehr schaffen sie es in ihren Gehirnwindungen ihr eigenes Denken und Handeln nicht in Widerspruch dessen zu bringen, was wirklich Christenpflicht ist. Und das sind Momente, wo bei mir der oft zitierte heilige Zorn ausbringt. Himmel, wenn nicht wir den Armen, Bedrängten, Geprügelten, Vergewaltigten, Notleidenden, Verfolgten helfen, wer denn dann??? Was ist denn das für eine Welt, in der Menschen ernsthaft davon überzeugt sein können das Christentum zu verteidigen, und die Nächstenliebe so mit Füßen treten können.

Ich geben offen zu, hier hört mein Verständnis auf. Und zwar schon in dem Sinne, dass ich nicht verstehe wir man so denken kann. Ich begreife es nicht, ich begreife es wirklich nicht. Mir bleibt nur die Hoffnung auf ein Einsehen, und wenn es dazu nicht reicht, dann die Gewissheit das wir alle einmal für unser Denken und Handeln auf dieser unsren Welt zur Rechenschaft gezogen werden.

Was wir vom Burkini lernen könnten

Der Deutsche an sich ist ja offenbar total fixiert auf Kleidungsstücke aus dem arabisch-islamischen Kulturkreis. Seit Jahren diskutiert er mit der Vehemenz des Überzeugten über das Für und Wieder des Kopftuchs. Und wahrscheinlich hätten er das auch diesen Sommer wieder getan, hätten ihm nicht die Franzosen – die bekanntlich schon immer einen besseren Sinn für Mode hatten, als der deutsche Michel – mit ihren Burkini-Verbot das Thema vorgegeben.

burkini

Angstobjekt Rechter und Liberaler zugleich: der Burkini

Ich muss ja zugeben, außer in den Nachrichten habe ich bis letzte Woche noch keine Burkini-Trägerin gesehen. (D. h., so sicher bin ich mir da gar nicht, aber vor dieser unsäglichen Diskussion habe ich das wahrscheinlich anders wahrgenommen.)

Was mich an der Diskussion damals wenig überrascht hat, war zum Beispiel der mangelnde Einsatz der Liberalen für die Freiheit der Frau nach ihrem eigenen Willen ihre eigene Kleidung auszusuchen. Das die Neue Rechte den Burkini als Feindbild sieht ist eh klar. Wenn Morgen rauskäme, das das erste Nutellabrot in Mekka geschmiert worden ist, würde „aufrechte Europäer“ übermorgen gegen Nutella demonstrieren. Das Liberale in den Chor eingestiegen sind, mag vorgeblich an der – nicht weiter beweispflichtigen – Unterdrückung liegen, da eine Frau ansonsten natürlich nie einen Burkini anziehen würde. Als ob eine Frau sich nur im knappen Bikini wirklich frei fühlen würde, oder man zumindest eine liberale Kleiderordnung beachten muss, nach der einige Kleidungsstücke erlaubt, andere verpönt sind – man finde den Fehler in der Argumentation.

Da der Liberalismus, auch gerade die deutsche Version, aber schon seit Jahren nur noch über die Hilfsbrücke Ökonomie an politischer oder gesellschaftlicher Freiheit interessiert ist, vermute ich da noch etwas anderes: Ein Verbrechen des Burkini an sich, der der Grundannahme libertärer Ideologie entgegenläuft.

Warum Liberale den Burkini wirklich hassen!

Was genau macht denn so ein Burkini? Er ist am Strand die größtmögliche Verbergung des menschlichen Körpers. Und was ist der menschliche Körper im Auge der Liberalen? Richtig, der Träger des individuellen Unternehmertums, mitunter sogar das einzige Kapital, das ihm für seine unternehmerischen Tätigkeiten (Romantiker würden es Leben nennen) zur Verfügung steht. Natürlich ist der Mensch, und leider übrigens gerade die Frau, nur in der Theorie Unternehmer, in der Praxis ist er nichts weiter als eine Ware, mit der gehandelt werden kann, wie man mit Äpfeln und Birnen handelt. Und wer kauft schon einen Apfel, den man wegen der Verpackung nicht betrachten kann.

Übrigens, wenn ich die ganze Angelegenheit mal vom ästhetischen Standpunkt betrachte – und an dieser Stelle sollten sich die Franzosen zusätzliche schämen – fand ich in den letzten Tagen so ziemlich jede Burkini-Trägerin weit vornehmer und eleganter …. zumindest als jene westeuropäischen Geschlechtsgenossinnen, die prollig braungebrannt im Bikini daneben lagen, der aus kaum mehr bestand als drei dünnen Fäden … oder jenen bis zum Platzen gespannten Ausgaben, bei denen man sich fragt, ist das jetzt ein Wohlstandsbauch, oder kann man das zurück ins Wasser rollen.

Manchmal – sorry, ich bin eben ein Konservativer – frage ich mich schon, ob wir nicht doch noch ein wenig Anstand von anderen lernen können. Damit will ich jetzt nicht den Umsatz der Burkini-Industrie ankurbeln, den soll tragen wer mag und wer nicht, der nicht. Aber auf der anderen Seite, ist es wirklich ein Ausdruck von Freiheit und Selbstverwirklichung dem anwesenden Teil der Menschheit seine Brüste oder den Hintern ins Gesicht zu halten? In unserer eigenen Kultur ist Freiheit zu einem Synonym für Exhibitionismus verkommen. Je nackter, so die Logik des sich selbst bis zum Ende konsumierenden Welt, desto freier. Und wer sich nicht nackig machen will, oder schlimmer noch, wem es nicht gefällt, dass andere sich nackig machen – der ist ein Feind der Freiheit. Langzeitarbeitslosen darf man die Bürgerrechte nehmen. Überwachung dient doch nur der Sicherheit. Aber das Recht auf ein Adam- oder Evakostüm, da hört der Spaß auf.

Ein Statement gegen die Pornographie des Kapitalismus

Übrigens, um jetzt mal als Mann zu sprechen und mir ein wenig typisch männliche Beurteilung zu erlauben, selbst ein getragener Burkini konnte mich nicht von der Schönheit der Araberin abbringen. Diese zart-geschwungenen Gesichtszüge, die tiefen, dunklen Augen … Vielleicht ist es in diesem Fall ja gerade der Umstand, dass der Stoff mehr verdeckt, als zeigt, der diese Schönheit betont. Was interessiert beim Erkennen der Schönheit der restliche Körper, dessen Teile in der westlichen Pornographie längst zu einem Objekt der puren Befriedigung der Gelüste des Meistbietenden verkommen sind.