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Was heißt heute eigentlich noch „Taufe“?

von am 17. August 2017

Es ist jetzt zwar schon ein, zwei Wochen her, aber eine Taufe vergisst man ja nicht so schnell. Vor allem dann, wenn man der Taufpate war und diesen kleinen schreienden Neuankömmling in den Händen hatte, während der Priester das Taufwasser über ihn ausgoss. Doch was heißt heute eigentlich noch getauft werden?

Hah, ich hab‘ ihn nicht fallen gelassen. 😀

Man lässt sein Kind eben taufen. Ich habe so die Befürchtung, die meisten Eltern die heute ihr Kind taufen lassen, haben diesen Satz in der Begründung, wenn man sie nach dem warum fragt. Es schadet ja schließlich auch nicht und eine Gelegenheit mit Familie und Freunden im Anschluss zu feiern bekommt man ja dadurch auch. Den meisten Priestern dürfte das wahrscheinlich bewusst sein, aber es bleibt ja die Hoffnung das sich der Kleine / die Kleine von selbst zum Gläubigen entwickelt. War bei mir persönlich ehrlich gesagt ja eigentlich auch nicht viel anders. Ich zumindest kann mich nicht erinnern mit meinem Taufpaten je tiefsinnige Gespräche über den Glauben geführt zu haben. Im Gegenteil, er steht auf den Standpunkt, wenn ich tot bin, bin ich tot und das war’s dann eben.

So hat es mich dann auch nicht gewundert, dass ich in Sachen Glaubensbekenntnis einer der wenigen war, die textsicher mitbeten konnten. Während die beiden älteren Damen so klug waren, sich das Ganze auf einen Spickzettel zu schreiben. Zu ihrem Glück wurde keine andere Version gesungen. Zu meinem auch, denn erstens mag ich das schon in Gottesdiensten nicht besonders und zum anderen schien mir der Pfarrer auch nicht unbedingt die mächtigste Singstimme gehabt zu haben.


Die Voraussetzungen:

  • Es soll einen, maximal zwei Paten geben. => Ja, kann man abhacken.
  • Die Wahl der Taufpaten trifft entweder der Täufling, sofern er mündig ist, oder die Eltern. => Ja, beim zweiten Kind meiner Schwester war ich an der Reihe
  • Für gewöhnlich muss ein Pate mindestens 16 Jahre alt, katholisch und gefirmt sein sowie das Sakrament der Eucharistie empfangen haben und ein dem Glauben entsprechendes Leben führen. => Hmm, nicht das jemand das überprüft hätte, aber stimmen tut es schon
  • Der Pate darf nicht mit einer kanonischen Strafe belegt sein. => Nö, auch wenn ich ein paar rechts geneigte Katholiken kenne, die das vielleicht insgeheim wünschten.

Nachzulesen im Codex Iuris Canonici (Codex des kanonischen Rechtes)  – (CIC, Cann. 872-874).


Ich für meinen Teil habe mir natürlich vorgenommen auch im christlichen Sinne ein guter Pate zu sein, da wird mein Schwesterchen schon gewusst haben, was sie dem kleinen Emilian mit mir eingehandelt hat. Aber unter uns, was das eigentlich heißt, muss man sich heute wohl selbst zusammensuchen. Der Taufpate mag so alt sein wie die Taufe selbst, und damit letztlich so alt wie die Kirche an sich, aber die Handlungsanweisungen beschränken sich heutzutage doch im Wesentlichen auf die Taufliturgie selbst. Es soll gar Paten geben, die denken damit sei ihre Aufgabe erledigt – da sind einem die Leute fast sympathisch, die davon ausgehen der Job sei mit der Volljährigkeit des Patenkindes zu Ende.

Tja, ist es aber eben nicht. Auch wenn man zur Taufe selbst heute natürlich auch schon die passenden Geschenke vorgeschlagen bekommt. Zum Beispiel eine quasi unzerstörbar, als kleinkindgerechte Musikbox.

Geschenk Nummer 2 fiel mir mehr oder weniger zufällig in die Hände und ist in gewisser Weise die oft übliche Taufkette, auf der zumindest der Name des Täuflings zu lesen ist, meist auch noch das Datum und ein Segensspruch. In meinem Fall eine Namenskette von Namesforever, schönes  Stück das man sich in dem Online-Shop für den gewünschten Namen anfertigen lassen kann. (Was angesichts der Nachlässigkeit deutscher Standesbeamter und der elterlichen Fantasie wohl auch gut so ist. 😉 ) Aber mit Emilian habe ich, oder viel mehr mein Patenkind ja durchaus noch Glück gehabt. Gut auch, dass es etwa bei der Auswahl der Schriftart auch noch die guten alten nicht allzu verschnörkelten zur Auswahl gab.

Allerdings wird der Kleine wohl noch ein paar Monate warten müssen, ehe er sie tragen kann. Denn obwohl mir die mitgelieferte Kette recht stabil erscheint, dafür ist er noch zu jung und zu sehr in der „Ich stecke mir alles in den Mund“-Phase. 


Mein abschließendes Gebet:

Gott, unser Vater,
wir danken Dir, dass du über den kleinen Emilian wachst.
Du hast ihn in der Taufe zu Deinem Kind gemacht, Dir
vertrauen wir ihn an. Behüte und bewahre ihn, wenn er
heranwächst, beim Spiel mit anderen, zuhause, auf der Straße, überall.

Befähige das Kind Rücksicht zu nehmen und nachzugeben,
aber auch standzuhalten, wo es notwendig ist.

Wir bitten Dich auch für alle, die die Kinder begleiten und auf
ihre Erziehung Einfluss haben:
Lass Sie geduldig sein, zu verzeihen und Fehler
zuzugeben. Stärke Ihren Glauben, dass sie den kleinen Emilian Deine
Liebe bezeugen.
Amen


Und mit dem obigen Gebet war die Taufe an sich auch schon vorbei. Und ja, um die wichtigste Frage zu beantworten, so ganz klaglos hat es der Kleine nicht über sich ergehen lassen, dass man plötzlich Taufwasser über ihn gegossen hat. Ich musste ihm danach ein bisschen die Kirche zeigen, bis er sich wieder beruhigt hat. Ist ein neugieriger Junge der Kleine, muss immer was Neues sehen. Das ist ja schon mal recht vielversprechend, oder?

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Featured | Film & Fernsehen

Was ist eigentlich der Witz an „Game of Thrones“?

von am 11. August 2017

Yep, die letzte Folge von Game of Thrones war wieder mal der Hammer – und das nicht nur wegen der Vorgeschichte außerhalb der Folgen. Immerhin hatte der Sender HBO reichlich Probleme am Hals, weil es Hacker auf ihn abgesehen hatten. Das die Folgen der Serie gleich nach der Erstausstrahlung die Top-Position bei den illegalen Download-Charts erreichen, daran hatte man sich bei dem US-Pay-TV-Sender schon gewöhnt, und man munkelte schon insgeheim, dass HBO das als Marketingmaßnahme hinnahm, aber die 4. Folge der 7. Staffel fand sich in den diversen Portalen diesmal schon Tage vor der eigentlichen Ausstrahlung.

Wahrscheinlich hätte man auch das noch verschmerzen können, aber da es sich wohl um zwei voneinander unabhängige Hacks gehandelt hat, sah der Sender sich plötzlich einer Erpressung gegenüber. Und wie zum Beweis was man in der Hand hat, veröffentlichten die Hacker zum Beispiel die privaten Kontaktdaten der Serienstars.

Aber was macht die Faszination von Game of Thrones jetzt aus? Warum fiebern Millionen weltweit auf jede neue Staffel hin? Warum geben stets klamme Leute wie ich sogar kostbares Geld aus, um die neuen Folgen lange vor der Free-TV-Ausstrahlung auf der XBox zu streamen?

Ich glaube an dieser Stelle ja schon einmal erwähnt zu haben, dass mein ganz persönliches Fansein sozusagen einen zweiten Anlauf brauchte. Die Serie wurde mir schon mal von einem guten Freund angetragen, aber damals kam ich über die ersten zwei, drei Folgen nicht wirklich hinaus. Und ehrlich gesagt, auch heute würde ich die erste Staffel nicht unbedingt zu den Höhepunkten der Serie zählen. Aber irgendwann kam ein zweiter Anlauf und seit dem habe ich keine Folge verpasst und beteilige mich munter an den Gedankenspielen, wer denn am Ende auf dem eisernen Thron Platz nehmen wird. Und das ist durchaus nicht leicht, denn wer die Serie kennt, der weiß auch dass man dort keinerlei Bedenken hat selbst die große Favoritin Daenerys Targaryen noch im letzten Augenblick scheitern zu lassen. Auch diese Unvorhersehbarkeit macht mit den Reiz von Game of Thrones aus. Ich meine, wer hätte nicht Robb Stark auf dem eisernen Thron gesehen, hätte es da nicht die rote Hochzeit gegeben.

Viel Gewalt, aber gar nicht so viel Sex

Und Blut floss in dieser Episode reichlich, wie ganz generell in der Serie, die auch schon mal mit den Etiketten „Blut“ & „Sex“ abgestempelt wird. Das es sich hierzulande bei den Kritikern um Nicht-Seher handeln dürfte, zeigt sich beim Thema Sex recht deutlich. Denn unter uns, für europäische Verhältnisse gibt es in Game of Thrones gar nicht so furchtbar viele Sexszenen. Das man die Serie in den USA dagegen nur verschlüsselt zu sehen bekommt, ist verständlich. Aber es heißt ebene auch, dass dort ein auf die amerikanischen Verhältnisse gemünzte Argumentation 1 zu 1 auf den deutschen Markt übertragen wurde.

Was die Gewalt angeht, kann man jedoch ruhig sagen: Ja, doch, gibt es schon reichlich. Wobei auch die Macher der Serie, und dabei muss man auch immer den Schöpfer der Bücher George R. R. Martin mitdenken, sehr gut wissen das blutige Schlachtszenen das eine sind, aber die Grausamkeiten einzelner Figuren den Zuseher um einiges mehr das Blut gefrieren zu lassen. Man denke nur an Ramsey Bolton, der zur Sicherung seiner Macht seine Stiefmutter samt des neugeborenen Bruders entledigte, in dem er sie von seinen Hunden zerfleischen ließ. Und da ich hier ja schon Spoiler nach Spoiler setze, ein Schicksal, das ihm dann selbst ereilte. Grausam ja, aber eben grausam gerecht.

Ein weiterer Faktor, der zumindest für mich sehr reizvoll ist, sind auch die historischen Ereignisse, die für so manches Pate standen. Wer denkt bei der roten Hochzeit zum Beispiel nicht an die Bartholomäusnacht in Paris, die auch als Bluthochzeit in die Geschichte einging. Und auch so manch andere Grausamkeit erinnert uns daran, dass so manche Grausamkeit in der Serie keine reine Erfindung von Menschen ist, die uns gruseln wollen, sondern von Leuten, die im Geschichtsunterricht oft recht gut aufgepasst haben.

Auf den Richtigen zu setzen ist schwer

Es sind aber natürlich auch die unzähligen Charaktere, die es jedem ermöglichen sich mit irgendeiner Figur zu identifizieren. Was auf der anderen Seite aber auch nicht ganz ungefährlich ist, weil auch so manch Sympathieträger schneller als gedacht das Zeitliche segnet. Oder erst im Nachhinein zum Sympathieträger wird, wie etwa Jamie Lennister, der als Königsmörder eingeführt wird und gleich zu Beginn der Serie ein kleines Kind in die Tiefe stürzt, das ihn beim Sex mit seiner Zwillingsschwester ertappt hat. Der perfekte Schurke, der sich aber im Laufe der Serie zu einem Mann entwickelt, der aus Überzeugung für die falsche Sache kämpft, aber irgendwie das Gefühl vermittelt, eigentlich kein schlechter Kerl zu sein. Es sind Reifeprozesse wie dieser, oder etwa auch jener von Sansa von der zickigen Göre zu wahren Frau des Nordens, die in der auf acht Staffeln angelegten Serie den Zuschauer am Bildschirm halten.

Regelrechte Fangemeinden haben sich aber auch um Nebenfiguren gebildet. Etwa um Jorah Mormont, der zuerst aus dem Norden und dann von seiner geliebten Königin Daenerys verstoßen wird – und bei dem die Fans nach jeder Staffel stolz verkünden, hah, wer ist immer noch am Leben?! Oder eine weitere Mormont, Lyanna, die als Kind an die Spitze ihres Hauses kam und gleich nach ihrem ersten patenten Auftritt eine derartige Fangemeinde bekam, dass nicht nur ich sie am liebsten auf dem eisernen Thron sehen würde.

Das Universum um die Serie stimmt

Letztlich ist es aber heute natürlich nicht nur die Geschichte, die Figuren oder die Schauspieler, die eine Serie zum eigenen Universum werden lassen, sondern auch das ganze drum herum. Für echte Fans gibt es alles, also wirklich alles, was das Herz begehrt. Von den Schwertern bis zur Kaffeetasse, von Büchern die die Welt in der die Geschichte spielt erklären, über Kochbücher bis hin zu Malbüchern. Man mag es den Machern nicht verübeln, denn auch wenn man bei den Special Effects geschickt zu sparen weiß, die imposanten Schlachtszenen dürften in TV Serien ihresgleichen suchen. Da ist man optisch durchaus schon auf Herr der Ringe-Niveau.

Aber wie Herr der Ringe hat auch Game of Thrones ein vorprogrammiertes Ende, wie immer es auch ausgehen mag. Ich bin da immer zweigeteilt. Auf der einen Seite könnte ich noch ein halbes Dutzend Staffeln vertragen, statt die Gewissheit zu haben gerade die vorletzte zu sehen, auf der anderen Seite ist die Serie einfach viel zu gut um irgendwann sang- und klanglos unterzugehen. Insofern sehe ich auch die zahlreichen Spinoffs kritisch, die jetzt im Gespräch sind und der Serie vielleicht folgen werden. Wobei man natürlich einwenden kann, dass allein jene Handlungsstränge, die in den Büchern vorhanden sind, es aber nicht in die Serie geschafft haben, dafür viel Material liefern.

A pro pros, das sich Bücher und Serie unterschiedlich entwickeln ist vielleicht noch ein weiterer interessanter Punkt. Inzwischen gibt es zahlreiche Figuren in der Serie, die in den Büchern längst tot sind – noch zahlreicher ist allerdings der umgekehrte Fall. Die Serienmacher wollen vielleicht doch mehr schocken als George R. R. Martin. Aber eines ist an der Sache besonders interessant, das Ende nämlich. Denn wenn sich Martin nicht ab sofort die Nächte um die Ohren schlägt und eine Seite nach der anderen abtippt, dann wird die Serie am Ende entscheiden, wer auf dem eisernen Thron sitzt und nicht der Autor, der all dies erdacht hat.

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Featured | Medien & Internet | Schöne neue Welt

Macht Social Media depressiv, oder mindestens unglücklich?

von am 19. Juli 2017

Die Diskussion ist so alt wie die Ankunft von Facebook & Co. im Mainstream. Macht Facebook unglücklich, sogar depressiv? Für Twitter zu Aufmerksamkeitsstörungen? Dient Instagram allein der Neidsteigerung?

Sei du selbst, vergleiche dich nicht immer mit den anderen … das klingt wie ein weiser Ratschlag von Freunden oder Eltern. Aber ist er wirklich so weise? Vielleicht im einzelnen, in der Masse dürfte der Blick auf andere ein wesentlicher Antriebsfaktor der modernen Gesellschaft sein. Aber selbst rein philosophisch wird es schwer, wenn wir keine Vergleiche ziehen können. Was ist gut, wenn man nicht weiß was böse ist? Wer bin ich, wenn niemand da ist, von dem ich mich abgrenzen kann? Und so ganz alleine, wer möchte schon so existieren? Nein, um das ständige vergleichen mit anderen kommen wir wohl auch die nächsten Jahrhunderte nicht herum.

Allerdings hat das Internet auch das sich vergleichen mit anderen ins Extreme getrieben. In der guten alten Zeit, konnte sich der Dorfdepp nur mit den anderen Dorfdeppen vergleichen. Das höchste der Gefühle war schon der Vergleich zum Dorfdepp aus der Nachbarschaft. Heute ist der „Rund um die Uhr“-Vergleich mit allen Dorfdeppen der Welt möglich, ja, und irgendeiner ist immer deppeder als du!

Wäre ein Vergleich objektiv und umfassend möglich, wahrscheinlich hätten wir gar kein Problem damit. Aber ebenso wie die meisten Menschen dazu neigen sich selbst immer kritischer zu sehen, wie andere. Neigen sie eben auch dazu das Leben der anderen immer besser zu finden als ihr eigenes.

Und unter uns, was postet ihr denn so in den sozialen Netzwerken? Eure Erfolge, oder doch eure Niederlagen?

Es gibt Netzwerke wie Instagram oder Pinterest, im Wesentlichen auch Snapchat, die geradezu auf das Positive und Schöne der Welt aus sind. Man postet Selfies im Urlaub, allerdings nicht die schmutzige Toilette aus dem Hotelzimmer. Man postet das leckere Steak vor der Kneipentour, aber nicht das Erbrochene vor der Haustür am nächsten Morgen. Bei allumfassenderen Netzwerken wie Facebook lief mir vor einiger Zeit gelegentlich auch mal ein Beitrag über den Weg, in dem einer postete das sein Tag Sch… war, aber heute macht man so etwas wohl nicht mehr – oder man macht es, und der Facebook -Algorithmus fischt es sicherheitshalber heraus. Man will seinen Mitgliedern ja nur positive Nachrichten bieten, die Welt ist schon schlimm genug.

Aber ist das wirklich eine gute Idee? Ja, klar, nicht umsonst lautet eine meiner Regeln „Freue dich über das Glück anderer“, aber ganz ehrlich, wir sind nicht dafür gemacht ständig das Glück der anderen zu ertragen, gerade wenn wir die andere Seite der Medaille nie zu sehen bekommen.

Wer fragt sich nicht gelegentlich, warum andere junge Eltern mit Babys gesegnet sind, die durchschlafen? Oder wie um Himmels willen kann der sich diese Anlage leisten, der macht beruflich doch etwa das gleiche wie ich? Und warum jettet die bitte um die Welt, während ich mir schon ein Wochenende im Bayerischen Wald vom Mund absparen muss? Wer ehrlich in sich geht, wird sich bei allen guten Vorsätzen immer wieder dabei erwischen, wie er eben doch mal eine der oberen Fragen vor sich hinmurmelt.

Werden wir ein bisschen persönlich. Zumindest mir geht es in letzter Zeit beinahe extrem so. Wenn du zuhause in einer Ein-Zimmer-Wohnung sitzt, Single bist und Urlaub aus finanziellen Gründen erst Mal gestrichen ist, solltest du dich auf Facebook oder Instagram lieber erst gar nicht tummeln. Selbst Instagram, das eigentlich mein Liebling unter den sozialen Netzwerken ist, öffne ich aus diesem Grund nicht mehr so oft wie früher. Bei Facebook ist es nicht viel anders. Zeit also für einen Selbstversuch … Smartphone raus und Facebook runter, das gleiche dann mit Instagram. Gut, Messenger lassen wir mal unangetastet, man will ja erreichbar sein. Wird das dazu führen, dass ich weniger Neidgrummeln spüre? Statistisch gesehen müsste das ja dann der Fall sein, weil es viel weniger Anlässe dürfte. Oder wird es mir doch Fehlen zumindest gelegentlich mal Neues von Freunden zu erfahren, die eben nicht um die Ecke wohnen? Aber wenn da jemand mal Nachwuchs kriegt oder heiratet, irgendwie bekommt man das dann auch schon mit.

Vielleicht stellt sich mir bald ja die Frage, die alle sozialen Netzwerke fürchten, wie der Teufel das Weihwasser: Was bringt mir dieser Social Media-Scheiß überhaupt?

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Featured | Politik

Satire darf alles, aber nicht jeder darf Satire

von am 10. Juli 2017

Ganz ehrlich, wenn ich mich auf die Seite der Jungen Freiheit schlagen muss, dann kann das kein gutes Zeichen sein. Aber, in diesem Fall bleibt mir keine andere Wahl. 

Wir Deutschen sind manchmal ja ein bisschen so, dass wir alles um die Ecke rum denken, was andere direkt machen. Wenn man in den USA jemanden beleidigen will, oder gar Rassismus von sich gibt, dann beruft man sich auf die Meinungsfreiheit. In Deutschland ist es ein bisschen komplizierter, aber sobald man es als Satire verkauft, darf man praktisch alles und jeden beleidigen. Persönlichkeitsrecht oder gar Gefühle Betroffener sind dann so unwichtig wie der Hundekot in den der Satiriker reingetreten ist.

Doch stimmt das überhaupt? Darf Satire alles?

Stellen wir uns mal folgende Karikatur vor. Ein homosexuelles Pärchen steht vor dem Standesamt, die „Ehe für alle“ ist ja jetzt durch. Doch wenn schon denn schon, steht dahinter ein kleiner Junge mit seinem geliebten Teddybären, eine alte Oma mit ihrem Kanarienvogel, der Fußballfan mit Vereinswimpel – und ein Muslim mit vier vollverschleierten Frauen im sprichwörtlichen Schlepptau. Spätestens jetzt ist natürlich klar, dass diese Karikatur aus der Jungen Freiheit stammt.

Die Karikatur ist alt, stammt aus dem Jahr 2015, wurde aber von Junge Freiheit-Chefredakteur Dieter Stein bei Facebook gepostet. Lange war sie dort aber nicht zu sehen, Facebook löschte sie eiligst und Steins Account bekam eine Sperre von drei Tagen verpasst.

Das geschah übrigens noch vor Inkrafttreten des neue Facebook-Gesetz von Justizminister Maas in Kraft trat. Ein Gesetzeswerk das von links nach rechts in unüblicher Einigkeit den Stempel „Zensur“ verpasst bekommen hat und auch bei UN und staatlichen Datenschützern nicht gerade auf Begeisterung stößt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wer sich jetzt mal durch die Facebook-Seite der Titanic klickt, bekommt zum Beispiel so was zu sehen:

Screenshot: Facebook Titanic

Das ist Satire, das muss Xavier Naidoo ertragen. Das sagt das Gesetz, dass sagt die Ökonomie – die Titanic lebt ja schließlich davon, dass man ihr Heftchen kauft. (Warum auch immer es Leute gibt, die das tatsächlich auch tun. Aber auch das ist eine andere Geschichte.)

Und da fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen. Satire darf gar nicht alles. Oder vielmehr, es geht bei Satire darf alles nicht um das was die dargestellte Satireform zeigt, sondern es geht darum wer sie macht. Gut, sowohl die Titanic, als auch die Junge Freiheit sind in Deutschland frei verfügbare Publikationen. Aber auch wenn die Titanic es vielleicht abstreitet, eine ist links, die andere rechts. Und das Maß an dem sie gemessen werden reicht offenbar bei Facebook schon vor der neuen gesetzlichen Regelung himmelweit auseinander.

Nun kann man auch über die Karikatur der Jungen Freiheit denken was man will, aber sie befindet sich im gesetzlichen Rahmen und ist beileibe nicht auf dem Niveau des Stürmers. Sie passt nur nicht in das Regenbogenfahnenimage, das sich Facebook selbst verpasst hat.

Die ganze Geschichte sollte uns aus zweierlei Gründen zu denken geben. Zum einen, und dass kann jeden von links bis rechts treffen, Meinungsfreiheit auf Facebook bestimmt weder der Common Sense noch das staatliche Gesetze, es bestimmt allein Facebook. Zum andern ist dieses Beispiel natürlich Wasser auf die Mühlen der neuen Rechten, die sich ja ohnehin zensiert fühlen – und in diesem Fall eben auch zensiert wurden. Meinungsfreiheit aber, und das ist der Scheiß an der Sache, ist nur dann etwas wert, wenn sie für alle gilt! Wenn wir Meinungsfreiheit aber so verstehen, wie Facebook sie versteht, können wir es auch gleich bleiben lassen.

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Featured | Philosophie | Politik

Ehe für alle(s und jeden ?)

von am 29. Juni 2017

Es gibt so ein paar Themen, bei denen man als Katholik eigentlich gar keine Lust mehr hat zu diskutieren. Hauptsächlich weil man weiß, man liegt nicht auf dieser linkenregenbogenallesistoksolangeesallewollen-Linie liegt. Die Ehe für alle ist so ein Thema.

 

Denn auch wenn im Verlauf der letzten Tage angenehm viele sachlich und fundierte Kommentare dazu erschienen sind, warum die Ehe für alle eben doch so keine gute Idee ist und es nebenbei arge Bedenken bezüglich des Grundgesetzes gibt, wer würde ernsthaft daran zweifeln, dass alle für die Ehe für alle sind. Na ja, jenseits der Umfragen ist die traurigen Wahrheit allerdings eher, der überwältigenden Mehrheit ist es schlicht und einfach wurscht. Aber für gewisse Gruppen ist es ein Herzensthema, aufgesogen mit Ideologie und jenseits des verhandelbaren.

Ohne Not und ohne Anlass sprang Angela Merkel auf den Zug auf, als sie die Ehe für alle zu einem Gewissensthema machte und den Fraktionszwang aufhob. Als ob es jetzt um Sterbenhilfe oder Klonen gehen würde, also Themen von großer ethischer und richtungsweisender Bedeutung. Politisch kaltherzig betrachtet ist die Ehe für alle auch nur eine Steuersenkung für Hoteliers. Hatte aber in den Plänen Merkels so eine enorme Sprengkraft, dass sie das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten wollte. Und das zumindest ist ihr gelungen. Aus der Hüfte geschossen dürfte der Bundestag nun entsprechend entscheiden. Und moralisch aufgeladen wie die Sache nun mal ist, müsste das Gesetz schon vor Fehlern überquellen, damit je wieder jemand diese heiße Kartoffel anfassen wird. Kurzum, behaupte nochmal jemand Populismus könne nicht zu Gesetzen werden.

Warum überhaupt dagegen sein?

Ist Homosexualität etwas natürliches? Dazu gibt es zwei Ansichten. Die einen stehen auf dem Standpunkt, was natürlich ist, würde schließlich von der Gesellschaft definiert werden. Die anderen schauen in die Tierwelt. Beide kommen aber zum gleichen Schluss, ja, ist sie. Homosexualität ist heute gesellschaftlich akzeptiert. Schwule und Lesben dürfen ihre Sexualität ausleben, sind vor Diskriminierung geschützt und nach qualvoll langen Jahrzehnten werden sie wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht mehr verfolgt. Die Gesellschaft hat den Sprung nach vorn gemacht, spät, aber sie hat es getan. Und was die Tierwelt angeht, lange haben Wissenschaftler behauptete dort käme Homosexualität nicht vor. Was aber wohl eher an ihrer gesellschaftlichen Prägung lag, als an realen Verhaltensweisen einiger Tierarten. Homosexualität ist ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen!

Was aber ebenfalls natürlich und auch per Definition nicht überwunden werden kann, ja, nicht einmal mit aller Gentechnik und sonstigem Wissenschaftszauber, ist ein anderer Fakt: Zwei Männer, oder zwei Frauen können auf dieser Welt alles machen – nur keine Kinder. Das man etwa durch das Adoptionsrecht der Natur ins Handwerk pfuscht, darüber reden jene, die mit der natürlichen Homosexualität argumentieren lieber nicht so laut.

Rückzugsgefechte

Wenn wir Konservativen aber schon ehrlich sind, was Homosexualität angeht, müssen wir in dieser Diskussion auch ehrlich sein, wenn es um den Grund geht, warum wir sie führen. Es geht um die Ehe! Nun bin ich, was den Schutz von Ehe und Familie angeht, durchaus auch der Meinung man sollte solchen Unsinn wie Ehegattensplitting schnellstens in ein Familiensplitting umwandeln. Aber wie dem auch sei, Ehe und Familie sind die Keimzelle der Gesellschaft. Sie sind das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Sie sind der letzte Verteidigungsposten gegen die Individualisierung des Menschen, an dessen Ende eine Ich AG steht. Da aber die Beziehung zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, so tief im Innersten des Menschen steckt, dass man sie auch mit noch so viel Propaganda nicht aufweichen kann, muss man eben einen anderen Weg gehen. Der Weg des anything goes … Wenn man die Familie, diesen letzten Anker des gegenseitigen Vertrauens und füreinander einstehen ohne jeglichen ökonomischen oder egoistischen Hintergedanken, nicht sprengen kann, muss man ihn eben aufweichen.

Braucht nämlich keiner zu glauben das man auf der linken Seite der Gesellschaft mit der Gleichstellung der eingetragenen Partnerschaft mit der Ehe aufhört. Versuche etwa das Inzestverbot ad acta zu legen gab es schließlich auch schon zu genüge. Und überhaupt, warum sollte man eine Ehe auf zwei Menschen beschränken? So eine Ehe ist doch auch hervorragend für die rechtliche Absicherung der gemeinsamen WG geeignet. Jeder mit jedem und jeder mit allen anderen.

Die Ehe aber, so wie sie sich die Väter und Mütter des Grundgesetzes niedergeschrieben haben, ist ein Bund zwischen Mann und Frau, darauf ausgelegt Vater und Mutter zu werden. Nun bekommen nicht alle heterosexuellen Paare Kinder, bei manchen klappt es nicht, andere entscheiden sich bewusst dagegen. Aber – und man traut sich ja gar nicht das noch zu sagen – der Nachwuchs steht bei den meisten noch immer ganz weit oben auf der Liste der gemeinsamen Lebensplanung. Wenn demnächst die Ehe für alle kommt, kann man diesen Fakt natürlich streichen. Wer keine Kinder bekommen kann, kann schließlich noch so lange planen.

Verhindert werden kann die Ehe für alle eh nicht

Und so wird sie denn kommen, die Ehe für alle. Das zu Grabe tragen der Institution Ehe ist schließlich nicht der erste Wert unserer Gesellschaft, der sich über Jahrhunderte, Quatsch, Jahrtausende hinweg bewährt hat, jetzt aber einfach nicht mehr in diesen verdammten Zeitgeist passen will. Diesem neuen Diktator, der im Namen der Freiheit alles rücksichtslos niederzuwalzen versteht, was den Mut und die Haltung hat sich ihm noch entgegenzustellen.

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