Carles Puigdemont – Die Deutschen würden ihn ja so gerne knuddeln

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Rebellion ist ein hartes, aus der Zeit gefallenes Wort. Aber den Rebellen, den lieben wir doch alle. Doch falsche Romantisierungen sollten nicht über dem Recht und schon gar nicht über der Vernunft stehen.

Also ich möchte ja nicht in der Haut jener Autobahnpolizisten stecken, die sich vor ein paar Wochen dachten, das da ist doch der Carles Puigdemont, dieser katalanische Rebell, den nehmen wir jetzt fest. Der klassische Fall wie man sich mit der Befolgung von Recht und Gesetz bei den höchsten Vorgesetzten unbeliebt machen kann, denn klammheimlich dürfte so mancher Politiker nicht gerade darüber begeistert sein, dass der katalanische Separatistenführer jetzt in Deutschland festsitzt. Man muss kein politischer Insider sein, um zu ahnen wie gespannt dieser Tage die deutsch-spanischen Beziehungen sind. Ein Minenfeld, in das schon SPD-Justizministerin Barley getreten ist, deren Ministerium sich dann auch zügigst beeilte zu dementieren die Ministerin hätte gesagt, was sie laut Süddeutscher Zeitung gesagt habe.

Man kann es aber nicht leugnen, oder? So ein bisschen sympathisch ist uns dieser Carles Puigdemont schon, nicht wahr? Und überhaupt, das ist doch kein Rebell. Che Guevara, Andreas Hofer oder Spartakus sahen schließlich nicht aus wie ruhige Literaturprofessoren, die verschüchtert leise weiter vorlesen, wenn ein paar Studenten vor ihnen gerade Party machen wollen.

Rebellion ist ja auch ein ziemlich hartes Wort. Da hat man gleich Bilder eines Bürgerkriegs vor Augen. Das ist neben ihrer kompromisslosen Haltung gegenüber den Separatisten, die man nicht teilen, aber dennoch akzeptieren muss, vielleicht eines der großen Probleme der spanischen Regierung. Madrid ist zu 100% im Recht, hat aber irgendwie das die falschen Imageberater. Denn es gibt noch ein zweites Bild, dass vor dem geistigen Auge der Menschen beim Stichwort „Rebellion“ auftaucht, romantisierter Widerstand gegen eine böse Besatzungsmacht. Als ob der Kampf der Katalanen so eine Art Star Wars nur ohne Lichtschwerter wäre.

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Von Màrius MontónEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Ist es aber nicht. Nüchtern betrachtet stellt es sich alles doch ein wenig anders da. Da wäre zunächst Spanien, das es nicht für nötig hält Katalonien Rechte einzuräumen, die andere Regionen haben. Früher hätte man damit einiges verhindern können, ob solche Zugeständnisse heute noch reichen würden – man darf es bezweifeln. Mal ganz davon abgesehen, das die Zentralregierung in Madrid dazu ganz offensichtlich nicht willens ist.

Auf der anderen Seite wären so ungefähr die Hälfte der katalanischen Bevölkerung, die auf einem Trip ist, den man am Besten mit einer Mischung aus Egoismus und Selbstzerstörung bezeichnen kann. Wer katalanenfreundlich berichtet, dass die Katalanen so etwas wie die Zahlmeister Spaniens sind, erklärt damit auch, dass die Katalanen der Ansicht sind der Rest Spaniens solle sich bitteschön doch selbst helfen. Wer glaubt das kleine unabhängige Katalonien könne in einer der brutalen Globalisierung ausgesetzten Welt seinen Wohlstand halten, der hat zu viel Cava getrunken, deren Hersteller das Land zügig verlassen würden.

Die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen sind am Ende des Tages eine Romantisierung des völkischen Ideals. Ein Volk, eine Nation! Auch wenn sich die Katalanen, zumindest jene, die über die anderen 50% mitbestimmen wollen, nicht gegen ein anderes Volk wenden, ihre Triebfeder ist Nationalismus. Was nebenbei auch erklärt, warum die neurechten Medien die Separatisten mit viel Wohlwollen begleiten. Doch wie nicht wenige neurechte Ideen, ist eben auch dieser aus der Zeit gefallen.

Es mag keine globalisierte Menschheit geben, es wird sie nie geben, und das ist am Ende auch gut so. Regionen haben ihre Identität, in manchen ist sie stärker ausgeprägt als in anderen. In der Bretagne etwa, oder meinetwegen auch in Bayern, zumindest im südlicheren Teil davon. Eine unabhängige Bretagne macht deshalb noch keinen Sinn, und ein unabhängiges Bayern noch weniger. Zudem braucht im aktuellen Konflikt auch niemand wirklich zu glauben, ein unabhängiges Katalonien wäre das Ende der Veranstaltung. Denn wer nach Gründen für die harte Haltung von Madrid sucht, braucht nur eine Karte mit den politischen Grenzen Kataloniens über eine Karte mit der Verbreitung der katalonischen Kultur legen. Letztere ist deutlich größer und schließt noch andere Gebiete des Königreichs Spaniens mit ein, des deutschen 17. Bundesland Mallorca inklusive.

Die Bezeichnung Rebellion mag aus der Zeit gefallen sein, schon als man die spanische Verfassung in der Nach-Franco-Zeit in Kraft setzte, hätte man eine andere Formulierung finden können. Aber aus Gründen einer falsch verstandenen Romantik Carles Puigdemont jetzt als verfolgten Helden darzustellen, wirft kein gutes Licht auf die Gesetzestreue mancher Zeitgenossen. Auch wenn es sich dabei um spanische Gesetze handelt. Denn es ist schließlich auch das Recht jeden Staates seine Einheit zu wahren. Erst recht, wenn wie im Fall Katalonien die halbe Bevölkerung den Verbleib bei Spanien als die vernünftigste Lösung erkannt hat, statt sich von romantischen Träumern ins Unglück stürzen lassen zu wollen.


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